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28.08.12

Appell an Startups: Hört auf, Pinterest nachzuahmen

Pinings heißt eine neue Social-Shopping-Community aus Paderborn. Obwohl sie sich bewusst von Pinterest abheben möchte, imitiert sie dessen Design. Zeit, dass das Abkupfern des charakteristischen Rasterlayouts ein Ende hat.

Startups, welche sich optisch und konzeptionell besonders eng an ein existierendes Angebot anlehnen und damit eine klassische Copycat-Strategie verfolgen, machen dies, um ihr eigenes Risiko so gering wie möglich zu halten. Eine solche Vorgehensweise ist bei Branchenvertretern mit einem gewissen Anspruch zwar nicht sonderlich populär, aber hat sich schon mehr als einmal als lukrative Exitmöglichkeit erwiesen.

Doch wo liegt der Vorteil, wenn ein junges Internetunternehmen lediglich das äußere Erscheinungsbild eines bereits erfolgreichen Onlineservices übernimmt, aber dazu eine eigenständige Idee umzusetzen versucht? Diese Frage mussten wir uns stellen, als wir gestern die E-Mail von einem frisch gestarteten Dienst aus Paderborn in unserem Posteingang vorfanden. nennt sich das von Alexander Zerr lancierte Angebot, dessen Slogan "Zeig was Dir gefällt und was Du kaufst" eigentlich relativ deutlich zu verstehen gibt, was bei Pinings im Mittelpunkt steht: Produkte aus Onlineshops - sowohl solche, die man bereits erworben hat, als auch die auf der persönlichen Shoppingliste befindlichen. Pinings ist eine Art soziales Netzwerk rund um Produkte, das Konsumenten dabei helfen soll, sich vorab über für den Kauf anvisierte Produkte zu informieren und sich bei anderen Nutzern inspirieren zu lassen.

Doch dummerweise hat Pinings-Macher Zerr für seine Idee nicht ein individuelles optisches Erscheinungsbild entwickelt, sondern sich sehr nah an dem der bekannten Bilder-Bookmarking-Plattform Pinterest angelehnt. Die Folge: Pinings wirkt wie ein weiterer Pinterest-Klon und landet damit unfreiwillig in einer Schublade, in die es eigentlich gar nicht hineingehört. Der Gründer erklärt den entscheidenden Unterschied zu dem US-Dienst, dessen dynamische Rasteroptik unzählige Nachahmer und fertige Pinterest-Look-Skripte auf den Plan gerufen hat, in der ausschließlichen Rolle von Pinings als Shoppingcommunity. Bei Pinings geht es also nicht um Bilder, sondern um Produkte aus Shops, die per Eingabe der Produkt-URL des jeweiligen Shops importiert werden, nicht über ein Bookmarklet.

Pinings oder Pinterest?

Nun ist Pinings bei weitem nicht die erste Website, die ein soziales Netzwerk rund um Produkte und Produktempfehlungen aufbauen möchte. Andererseits ist es bis heute keinem Anbieter gelungen, ein solches Unterfangen ganz groß rauszubringen. Dem weitreichenen Social-Shopping-Erfolg am nächsten gekommen ist bisher wohl Pinterest selbst, auch wenn dort ein buntes Durcheinander an einfachen Produktabbildungen aus Onlineshops, sinnlichen Landschaftsaufnahmen und inspirierenden Designdarstellungen herrscht. Pinings legt seinen Schwerpunkt dagegen ausschließlich auf Produkte von E-Commerce-Sites und will Anwendern außerdem Wege einräumen, um mit der Vermittlung von Verkäufen über die Site Provisionen zu verdienen.

Nun lehrt uns die Erfahrung aus fünf Jahren Berichterstattung über Startups, dass die Wahrscheinlichkeit des Durchbruchs eines mit begrenzten Mitteln ausgestatten deutschen Social-Commerce-Anbieters auf internationaler Bühne in etwa so groß ist wie die pünktliche Fertigstellung des neuen Berliner Hauptstadtflughafens. Aber indem die Westfalen, die derzeit nach eigener Aussage noch eine passende Rechtsform für den ganz offiziellen Launch in einigen Wochen suchen, einfallslos Struktur, Optik und Begrifflichkeiten wie "Pins" und "Boards" von Pinterest klauen, verringern sie ihre Chancen sogar noch. Denn Tech-Journalisten und -Blogger werden beim Anblick des Dienstes genauso die Nase rümpfen wie Anwender, die Pinterest bereits kennen - und das dürften in der anvisierten Zielgruppe gar nicht so wenige sein.

Der Vorteil der kleinen Zeitersparnis, die sich für Pinings aus der flinken Imitation des Pinterest-Erscheinungsbildes ergibt, wird von der irrtümlichen, aber provozierten Abstempelung als fünfzigster Pinterest-Klon innerhalb kürzester Zeit zunichte gemacht. In einer Mail ließ uns Gründer Alexander Zerr wissen, dass das Design noch nicht in Stein gemeißelt sei. Er täte gut daran, Modifikationen vorzunehmen.

Es bleibt zu hoffen, das auch andere Gründer erkennen, dass mit dem überstrapazierten Pinterest-Layout nichts mehr zu gewinnen ist. Lasst euch etwas Eigenes einfallen, anstatt einfach die Arbeit anderer zu übernehmen. Erst recht, wenn ihr euch eigentlich bewusst von dem Treiben von Pinterest abheben wollt.

Man soll niemals nie sagen, aber dass wir in Zukunft positiv über einen Onlineservice berichten werden, der bei nicht genauerem Hinsehen leicht mit Pinterest verwechselt werden kann, ist nahezu ausgeschlossen.

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