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06.02.13

App-Käufe boomen: Smartphone-Nutzer vergessen die "Kostenloskultur"

38 Prozent der deutschen Smartphone-Besitzer - fast zwölf Millionen Menschen - kaufen zumindest gelegentlich mobile Apps. Das Thema "Kostenloskultur" ist damit endgültig vom Tisch.

Die Mär von der angeblichen Kostenloskultur im Internet halten traditionell nur diejenigen am Leben, denen es selbst nicht gelungen ist, von Nutzern Geld zu verlangen. Schnell wird dann aus dem eigenen Misserfolg die pauschale Behauptung, User seien nicht bereit, für digitale Dienste und Inhalte zu zahlen. Die mobile App-Ökonomie beweist das Gegenteil.

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) hat eine repräsentative Studie zur Zahlungsbereitschaft für Apps durchführen lassen. Die Ergebnisse sind sehr interessant:

  • 38 Prozent der Smartphone-Nutzer in Deutschland erwerben zumindest hin und wieder kostenpflichtige Programme (es ist anzunehmen, dass In-App-Käufe hier mit einbezogen wurden).
  • 5 Prozent erwerben regelmäßig Apps, 33 Prozent hin und wieder.
  • 45 Prozent der Smartphone-Nutzer laden ausschließlich Gratis-Apps.
  • 17 Prozent installieren grundsätzlich gar keine Apps.
  • Bei den 38 Prozent der Smartphone-Nutzer, die Apps kaufen, beträgt der durchschnittlich pro Jahr ausgegebene Betrag gut 21 Euro.
  • 7,64 Euro ist der durchschnittliche Maximalpreis, der für eine App akzeptiert wird.
  • Bei Spielen liegt der durchschnittlich akzeptierte Maximalpreis pro App bei 2,31 Euro.

Je nach dem, ob man das Glas als halb leer oder halb voll betrachten möchte, lassen sich unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen. Doch selbst wem zuerst die 62 Prozent der Smartphone-Besitzer ins Auge springen, die entweder lediglich kostenlose Applikationen verwenden oder ganz die Finger von den kleinen Programmen lassen, der muss die Tatsache anerkennen, dass angesichts des Vorhandenseins einer grundsätzlichen Zahlungsbereitschaft bei 38 Prozent der Smartphone-Nutzer eindeutig nicht mehr von einer generellen Kostenloskultur gesprochen werden kann.

Laut einer repräsentativen Befragung des Bundesverbands der digitalen Wirtschaft vom November 2012 nennen 31 Millionen Deutsche ein Smartphone ihr Eigen. Die vom BITKOM ermittelten 38 Prozent App-Käufer entsprechen demnach 11,78 Millionen Menschen. Bei durchschnittlich 21 Euro pro Person läge der Gesamtumsatz mit Apps in Deutschland im vergangenen Jahr bei knapp 250 Millionen Euro. Es wäre ein weiterer Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, auch wenn er nicht ganz so kräftig ausfallen würde wie von 2010 zu 2011.

Die BITKOM-Studie belegt auch, wie viel Potenzial der mobile Markt in Deutschland für Startups, Internetfirmen und App-Entwickler noch hat. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass die 62 Prozent der bisherigen Verweigerer von Bezahl-Apps für alle Ewigkeit einen Bogen um kostenpflichtige Applikationen machen werden. Mehr Smartphone-Besitzer, immer leistungsfähigere Smartphones (und Tablets), zunehmende Erfahrungen mit Apps und Empfehlungen aus dem Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis, sowie eine steigende Zahl qualitativ hochwertiger Anwendungen werden weitere Millionen Deutsche zu App-Käufern machen. Eine positive Auswirkung auf die Umsätze hat außerdem die veränderte Preisgestaltung in der App-Ökonomie. Entwickler verzichten heute größtenteils darauf, für den Download ihrer Anwendung Geld zu verlangen, sondern ermöglichen per In-App-Kauf die Freischaltung weiterer Funktionen oder Inhalte. Nutzer bekommen so einen Vorgeschmack darauf, was sie erwartet, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit für Verkäufe erhöht

In Relation zum Umsatz aus dem E-Commerce, der im Jahr 2011 in Deutschland 26,10 Milliarden Euro betrug, wirken 250 Millionen Euro Jahresumsatz mit mobilen Apps zwar noch wie Peanuts. Andererseits können bei Apps die Margen deutlich höher ausfallen, da keine physischen Güter verkauft werden.

Die BITKOM-Studie differenziert nicht zwischen den zwei wichtigsten Smartphone-Plattformen iOS und Android. Bisher galten iPhone-Nutzer als deutlich spendabler und zahlungsfreudiger als Eigentümer von Android-Geräten, wenn es um den Erwerb von Apps ging. Mittlerweile nähert sich die Zahlungsbereitschaft der Nutzer beider Plattformen einander an.

Apple mit iOS und Google mit Android ist gelungen, woran viele Akteure im browserbasierten Web trotz vieler Versuche gescheitert sind: Anwender dazu zu bringen, ihre Geldbörse zu zücken. Sinnbildlich. Denn in Wirklichkeit ist es genau dies, was ihnen bei App-Käufen abgesehen von einer einmaligen Einrichtung erspart bleibt.

Solange es im "offenen Web" keine vergleichbar simplen Lösungen für mobile Micropayments gibt, ist die Antwort auf die Frage, ob Entwickler auch künftig native Apps gegenüber HTML5-Web-Apps priorisieren werden, einfach zu beantworten: Ja. Denn mit native Apps können sie - trotz der unpopulären rund 30-prozentigen Provision an die Plattformbetreiber - immerhin Geld verdienen. /mw

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