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29.02.08Leser-Kommentare

Angebliche Zugriffszahlen Bildblog: Es werden immer weniger

Wir haben schon lange nichts mehr gelesen in den Zeitungen über die effektiv verschwindend kleinen Zugriffszahlen auf Blogs, die sie zu komplett irrelevanten und daher unzubeachtenden Medien macht. Heute ist es mal wieder so weit, ausgerechnet in der renommierten Neuen Zürcher Zeitung.

Dr. Sabine Pamperrien, selbst Bloggerin bei einem Blog, der mir bisher vor allem darum aufgefallen ist, weil ich mal während fünf Minuten herauszufinden versuchte, wie man dort einen Kommentar abgibt (ich bin gescheitert), schreibt heute in der NZZ unter dem Titel "Blogs als Seismografen":

Wenn vor zwei Jahren im deutschen Wahlkampf die Rede davon war, dass die Blogosphäre sich im Entwicklungszustand des Kleinkinds beim Zahnwechsel befinde, so hat sich daran bis heute nicht viel geändert. Selbst das deutsche Top-Blog schlechthin, Bildblog.de, verzeichnet gerade einmal etwa 20 000 Zugriffe im Monat.

Zugriffszahlen Bildblog

Bild: Screenshot google.de

 

Liebe Frau Doktor, das ist schlicht und einfach unwahr. Eine einfache Websuche nach "Zugriffszahlen Bildblog" hätte im ersten Resultat zutage gefördert, dass bereits andere Zeitungen falsche Angaben über die Besucherzahlen von Bildblog gemacht haben (siehe auch "Frankfurter Rundschau verwechselt Tage und Monate"). Im Leserblog der Frankfurter Rundschau heisst es dazu:

In dem Artikel "Neue Medienöffentlichkeit" (da fehlerhaft ist er natürlich nicht mehr online) haben wir Tage und Monate verwechselt. Unser Autor gibt die Zugriffszahlen auf prominente Weblogs falsch wieder. So habe www.bildblog.de nur 33.500 Zugriffe im Monat. Was natürlich absurd ist. Ich kann nicht überprüfen, ob das Bildblog tatsächlich 2 Mio Zugriffe monatlich hat, wie Stefan Niggemeier (s.o.) behauptet, aber ich halte diese Zahl zumindest für deutlich realistischer als die, die bei uns in der FR publiziert wurde. Die fehlerhafte Zahl stammt aus einer Grafik von Jan Schmidt, die eigentlich eindeutig ist.

Woher Sabine Pamperrien die Zahl von 20.000 Lesern im Monat hat, ist mir schleierhaft, von bildblog.de selbst sind diese Daten verfügbar. Vielleicht von Thomas Knüwer, der 2005! geschrieben hat, das Bildblog habe 20.000 Leser - pro Tag? Inzwischen dürften sich die Leserzahlen des Bildblogs verdrei- oder vervierfacht haben - wie wir kürzlich merken durften, als bildblog.de auf medienlese.com linkte.

Solche Fehler laden nicht dazu ein, auch noch den Rest des Artikels wahrzunehmen. Das ist, wie wenn man in einem Text über die Zugspitze beiläufig liest, es handle sich um den grössten Berg der Welt. Da will man dann den Rest auch nicht mehr wissen.

Wird die NZZ diesen Fehler korrigieren? Wir bitten darum!

Update am 04.03.2008, 19:50 Uhr: Die Redaktion von NZZ Online hat meinen die bildblog.de-Zugriffszahlen betreffenden Kommentar unter dem Artikel gelöscht und mich darüber per Mail informiert:

Vielen Dank für den Hinweis auf falsche Zugriffszahlen im Bild-Blog. Wir haben den Fehler inzwischen geändert und erlauben uns deshalb, Ihren Kommentar aus NZZ Online zu löschen. Er verweist ja inzwischen auf eine Zahl, die so nicht mehr im Text steht.

Die fragliche Stelle lautet nun:

Wenn vor zwei Jahren im deutschen Wahlkampf die Rede davon war, dass die Blogosphäre sich im Entwicklungszustand des Kleinkinds beim Zahnwechsel befinde, so hat sich daran bis heute nicht viel geändert. Das deutsche Top-Blog schlechthin, Bildblog.de, verzeichnete im Dezember 2007 knapp 1,3 Millionen Besuche.

Also: Die NZZ hat sich um den Faktor 65 geirrt, gibt den Fehler zu und korrigiert ihn online. Das finde ich in Ordnung so - ob auf Papier auch etwas korrigiert wird, interessiert (mich jedenfalls) nicht. Das ist nämlich, im Gegensatz zu dem noch in Jahren für alle auffindbaren Online-Artikel, in den meisten Fällen schon längst im Altpapierkorb. Ob die Autorin einen anderen Artikel geschrieben hätte, wenn ihr gewahr gewesen wäre, dass "das deutsche Top-Blog schlechthin" fünfundsechzig mal höhere Zugriffszahlen hat, als sie glaubte, wissen wir nicht.

Update am 18.03.2008, 13:15 Uhr: Nach einem Artikel von Stefan Niggemeier hat man sich bei beim Blog berliner-journalisten.com offenbar erstmals bemüssigt gefühlt, sich um die Kommentarfunktion zu kümmern. Sie ist nun jedenfalls seit kurzem erstmals offen, ein Testkommentar meinerseits, der allerdings erst noch freigegeben werden muss, konnte erfolgreich abgegeben werden. Gerne lesen wir nochmals diesen Satz aus dem Blogeintrag: "Warum Salden nicht einfach von der Kommentarfunktion Gebrauch gemacht hat, werden wir wohl nie erfahren."

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • mds

    29.02.08 (09:24:19)

    Heute ist es mal wieder so weit, ausgerechnet in der renommierten Neuen Zürcher Zeitung. Renommiert? Nun gut, lassen wir die verklärte Vergangenheit hochleben! ;)

  • Marc | Wissenswerkstatt

    29.02.08 (14:27:56)

    Das ist natürlich mal wieder ein trauriges Beispiel für Recherchefaulheit und Schlamperei. Große Hoffnungen, daß der Fehler korrigiert wird, würde ich mir nicht machen. Ich hatte bspw. vor 3 Wochen auf einige haarsträubende Fehler innerhalb eines Tagesspiegel-Artikels (ebenfalls Blogs als Thema) hingewiesen, irgendwann meldete sich sogar Mercedes Bunz, die Chefredakteurin in den Comments, aber die Fehler stehen bis heute im Artikel... Wen's interessiert: ...hier

  • Florian Steglich

    29.02.08 (15:19:43)

    » Marc: Ja, über den Tagesspiegel-Text hatten wir uns auch hier gewundert.

  • mds

    29.02.08 (16:57:25)

    Anscheinend unterstützt das CMS der NZZ weiterhin nicht das Berichtigen von Inhalten; http://www.nzz.ch/nachrichten/medien/blogs_als_seismografen_1.680389.html ist unverändert mit dem oben beschriebenen Fehler online.

  • Frank

    29.02.08 (17:19:55)

    Mercedes Bunz ist echt? Ich dachte immer, das wäre ein fake...

  • Wolf-Dieter Roth

    01.03.08 (08:01:54)

    Oder zumindest ein Pseudonym. Nein, die heißt wirklich so. Die Eltern fanden es wohl irre komisch. Irgendwann geht dann das ganze über die Jahre angesparte Geld in einen Markenrechtsprozeß...Anwälte verdienen an sowas sehr gerne und gut...

  • Tobias

    02.03.08 (13:02:52)

    es gibt dazu doch recht aktuelle zahlen, die der herr niggemeier kürzlich hier veröffentlicht hat. angenommen, dass sie keine fälschung sind (das kann man ja wohl), hat bildblog zur rush-hour (wörtliche hour) hochgerechnet von diesen zahlen ~150.000 zugriffe.

  • Ronnie Grob

    04.03.08 (18:57:45)

    Update: Die NZZ ändert die Zahl im Online-Artikel ab.

  • Henning

    19.03.08 (04:49:12)

    Interessant auch, dass man sich von den Bildblog Statistiken ausgerechnet den September 2007 mit knapp 1,3 mio Zugriffen rausgegriffen hat. Warum nicht den Januar 2008 mit 1,5 mio oder den Februar (die aktuellste Angabe) mit knapp über 1,4. Abgesehen davon, scheint auch niemand auf die Idee zu kommen, dass bei einem solchen Rechenfehler die Aussage auf einmal auf ganz wackeligen Beinen steht. Die zentrale Aussage bleibt unangetastet obwohl man das Opfer der Spotts um den Faktor 65 unterschätzt hat. *lol*

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