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11.02.14

Anderen beim Zocken zuschauen: Ein Nischenphänomen wird zum Megatrend

Millionen Internetnutzer verbringen auf der Onlineplattform Twitch oder bei YouTube viel Zeit damit, anderen Usern beim Spielen von Videogames zuzusehen. Der einstige Nischentrend nimmt massive Züge an.

Twitch

Einer der faszinierenden Aspekte des Internets sind seine unzähligen "Parallelwelten" und Subkulturen, von deren Existenz nur diejenigen wissen, die in diesen Kreisen verkehren - oder die zufällig auf dieses Phänomen stoßen. Zu jedem Thema, Hobby und Interessengebiet findet sich irgendwo im Web eine Community mit hochengagierten Usern. In diese einzutauchen, ist wie eine neue Dimension der digitalen Sphären zu entdecken. Wie wäre es mit virtuellen Piloten, die echten Flugbetrieb nachahmen? Oder Menschen, die jede freie Minute damit verbringen, Züge zu fotografieren und Fahrpläne zu diskutieren? Meist bleiben derartige Interessengruppen unter sich und behalten ihren Status in der Nische. Manchmal aber entwickeln sie sich zu Massenphänomen. Eine solche Richtung schlägt die Community derjenigen ein, die sich Videospiel-Sessions im Netz ansehen.

Twitch überflügelt Facebook, Hulu und Amazon beim Traffic

Bislang als Trend nur denjenigen bekannt, die ihre Gaming-Erlebnisse regelmäßig aufnehmen oder das Verfolgen der Online-Abenteuer anderer Gamer dem Fernsehprogramm vorziehen, bringt eine gerade veröffentlichte Studie zur Nutzung der US-Gamevideo-Plattform Twitch das Genre ein Stück weiter ins mediale Rampenlicht. Gemäß der Untersuchung produzieren in den USA zur "Online-Primetime" nur Netflix, Google (mit YouTube) und Apple mehr Traffic als der zum Videostreaming-Anbieter Justin.tv gehörende Dienst. Mit 1,8 Prozent entfällt zwar im Vergleich zu den Contentgiganten nur ein kleiner Teil des Datenaufkommens auf das 2011 lancierte Angebot. Doch mit Hulu, Facebook, Valve und Amazon landen viele namhafte Webgiganten hinter Twitch.

Twitch, das auch in einer deutschen Sprachversion angeboten wird, erlaubt unter Einsatz einer Broadcast-Software das Live-Streaming von PC-, Mac- und Konsolenspielen. 45 Millionen User besuchen laut Unternehmensangaben monatlich den Dienst. 900.000 davon streamen laut ReadWrite ihre Spiele-Erlebnisse, wovon wiederum 5.100 im Rahmen eines Partnerprogramms am Umsatz aus Werbeeinanhmen beteiligt werden. Besonderer Popularität erfreuen sich Sportspiele.

Nicht nur der Boom von Twitch deutet darauf hin, dass für viele auch der passive Konsum von Spielen eine hohe Attraktivität besitzt. Erahnen konnte man das bereits bei einem Blick auf die Traube aus zumeist männlichen Jugendlichen, die sich einst in Elektronikfachgeschäften um die ausgestellten Spielkonsolen versammelten. Wahrscheinlich lässt sich dies auch heute noch beobachten.

Gamer Felix Kjellberg, der YouTube-King

Ein anderer Beleg für die Popularität des passiven Spielegenusses ist der unglaubliche Erfolg des schwedischen Gamers Felix Kjellberg alias PewDiePie. Dieser veröffentlicht bei YouTube Videoaufzeichnungen seiner Zocker-Sessions. Sein Kanal weist mittlerweile über 22 Millionen Abonnenten auf. Damit überflügelt er alle Kanäle, selbst die der Promis aus dem Musikgeschäft. Oder, wie es das britische Boulevardblatt The Sun jüngst ausdrückte: "Er hat mehr Fans als Justin Bieber, Adele und Lady Gaga zusammen". Im vergangenen Sommer sollen seine Clips in einer Woche fast 50 Millionen Betrachtungen generiert haben. Laut schwedischen Medienangaben verdient Kjellberg jeden Monat über 100.000 Euro aus der Anzeigenvermarktung - nach Abzug aller (natürlich geringen) Kosten.

Trotz der enormen Popularität des "Game Watchings" mangelt es dem Segment aktuell noch an Attraktivität für User, die wenig für Spiele übrig haben oder die sich maximal auf dem Smartphone die Zeit mit Candy Crush Saga vertreiben. Doch mit der zunehmenden Komplexität von Spielen eröffnet sich hier ein riesiges Potenzial für die Zukunft, das weit über den Kreis der Gamer-Gemeinde hinausgeht.

Kaum ein Kinofilm kommt heute noch ohne heftige Computeranimationen aus, wie dieses Entstehungsvideo zu The Wolf of Wallstreet eindrucksvoll vorführt. Unterdessen entwickeln manche Spiele echten Filmcharakter. Irgendwann werden diese zwei Medienformen vielleicht so weit miteinander verschmolzen sein, dass interaktive Spiele die heutige Rolle von Hollywood-Kassenschlagern übernehmen. Twitch und Felix Kjellberg weisen den Weg. /mw

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