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14.11.12

An den Plattenfirmen vorbei: Band veröffentlicht Album exklusiv auf Spotify

Viel Geld für die Plattenfirmen - Almosen für Künstler und die Plattformen. So stellt sich das antiquiert wirkende Gefüge in der Musikindustrie derzeit dar. Das schwedische Elektro-Duo Cazzette bietet ein neues Album ab heute exklusiv auf Spotify an. Eine Premiere, die zeigt, dass Major Labels in Zeiten digitaler Vertriebswege nicht mehr zwingend notwendig sind.

Gefühlt leiden derzeit eigentlich alle Protagonisten der Musikszene: Die Labels, die weniger Umsätze durch Raupkopien beklagen, die Künstler, die sich für Verkäufe oder Streaming ihrer Musik zu niedrig entlohnt fühlen, aber auch die modernen Streaming-Plattformen wie Spotify und Simfy, die den Löwenanteil ihrer Einnahmen nach wie vor an die Industrie und Verwertungsgesellschaften abführen müssen. Eine Lösung für die Zukunft könnte Direktvermarktung heißen: Künstler verzichten auf ein Label, stellen ihre Musik selbst bei einem Streaming-Angebot ein und teilen die Einnahmen direkt mit diesem. Cazzette aus Schweden gehen diesen Weg nun auf Spotify und veröffentlichen dort heute den ersten Teil ihres neuen Sets "Eject".Ohne Plattenvertrag international bekannt

Spotify bewirbt das Duo auf der Startseite und in Form einer eigenen App. Die 15 Millionen Nutzer aus 17 verschiedenen Ländern weltweit können damit bei der Suche nach neuer Musik auf die Künstler aufmerksam werden. Spotify übernimmt dabei die Aufgaben eines Major Labels, Cazzette werden in Märkten wie den USA und Australien bekannt. Nach Spotifys Bekunden soll das erst der Anfang sein. Weitere Künstler sollen auf diese Weise gesichtet und auf Spotify beworben werden.

Die Plattform sichert sich damit Exklusivität und kann weitere zahlende Nutzer anziehen. Die Musiker profitieren von einer höheren Reichweite, gehen aber auch ein Risiko ein: Zwar werden sie in allen Spotify-Märkten bekannt gemacht, andererseits wird ihre Musik dadurch nicht in anderen Musikbibliotheken wie Rdio, Simfy, Deezer, iTunes oder Google Play angeboten.

Immerhin: Eine Plattenfirma wie Universal oder Sony Music brauchen die Protagonisten hier nicht. Der umstrittene MegaUpload-Gründer Kim Dotcom sieht in den Möglichkeiten digitaler Musik die große Chance für sein neues Projekt: Mega soll einen Musikdienst umfassen, der die Plattenfirmen außen vor lässt; die Künstler werden direkt von Mega entlohnt. Als Starttermin ist hier der 19. Januar angesetzt. Die gleiche Möglichkeit bietet Google über seinem Artist Hub, der zeitgleich mit Google Music in dieser Woche in Deutschland an den Start ging und vom Prinzip her an MySpace' offene Musikplattform erinnert. Nachwuchskünstler ohne Plattenvertrag können hier ihre Musik selbst hochladen und die Einnahmen mit Google teilen. Der Webriese kassiert einmalig 25 US-Dollar Aufnahmegebühr plus 30 Prozent vom Umsatz. Der Rest verbleibt beim Künstler.

Wenig Geld für die Plattformen

Gemessen an Nutzerbasis und Umsätzen steckt Streaming derzeit noch in den Kinderschuhen, Spotify und Co. werden aber gerade bei jungen Leuten immer bekannter. Die Dienste haben die Chance, das Netz zu nutzen, um die Weichen neu zu stellen. Ein Prinzip, das in Zeiten digitalen Marketings immer sinnvoller, wenn nicht gar unumgänglich erscheint: Spotify schrieb in den vergangenen zwei Jahren einen Verlust von etwa 70 Millionen Euro. Dilemma für das britisch-schwedische Unternehmen ist, dass mehr Nutzer auch höhere Kosten bedeuten, weil man den Hauptteil der Einnahmen an die Plattenfirmen überweist.

Das Beispiel Cazzette könnte die Trendwende bedeuten. In Zeiten digitaler Vertriebswege muss man die Labels nicht zwingend umgehen, man kann aber. Comiczeichner The Oatmeal hat die Probleme der Musikvermarktung vor einigen Monaten in einem unterhaltsamen Comic skizziert. Die Plattenfirmen waren darin nicht Teil der Lösung.

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