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12.03.09

Amoklauf in Winnenden: Medien im Twitter-Rausch

Kein exklusives Material, dafür groteske Erwartungen: Die Medien stürzen sich angesichts des tragischen Amoklaufs in Baden-Württemberg auf den Mikroblogging-Service Twitter.

Medienaufgebot in Winnenden am Mittwochabend (Keystone)

Amoklauf in Winnenden – und sofort absurde, hohe Erwartungen an den Mikroblogging-Service Twitter. "Hat der Dienst auch diesmal etwas beizutragen?", fragt sich zum Beispiel Matthias Urbach auf taz.de. Aber im Gegensatz zum Flugzeugabsturz auf dem Hudson, bei dem eines der ersten Bilder über Twitpic um die Welt ging, ist über Twitter dieses Mal nicht viel zu holen. Anscheinend haben die Jugendlichen anderes im Kopf, als mobil ins Internet zu gehen und das Grauen in die Welt zu tragen. Zum Glück haben die medienkompetenten Jugendlichen anderes im Kopf.

Screenshot von Twitter-Nachrichten (Keystone)

Zwar gibt es aktuelle Infos – nur nicht, wie sich viele Journalisten erhofft haben, von Laien live vor Ort. Stattdessen nutzen einige Redaktionen Twitter als Live-Ticker, besonders bild.de versorgte die Follower von bild_aktuelles in mehr als 150 Tweets mit allen erdenklichen Details – Waffenmarke und Kaliber, Eindrücke aus dem Gottesdienst. Und während sich andere Redaktionen angesichts des tragischen Ereignisses zurückhielten, richtete Focus Online noch schnell einen eigenen Twitter-Account ein .

Zurückhaltung oder voll drauf? (Keystone)

Sogar ein Screenshot mit Twitter-Meldungen läuft über die Bildagentur. Schließlich wird die Suche nach digital vernetzten Augenzeugen so verzweifelt, dass die einzig twitternde Person, obgleich Kilometer entfernt vom eigentlichen Geschehen, zur gefragten Interview-Partnerin wird – in Deutschland, Dänemark, Großbritannien und Frankreich. "Man bekam zwar auf jeden Fall mit, was in Baden-Württemberg geschah, das war es aber dann auch schon", schreibt Carolin Neumann zum Hype auf Spiegel Online. Und auf taz.de atmet Matthias Urbach auf: Wenigsten betroffen sind sie, diese Twitterer. Wäre ja noch schöner.

Was unterdessen alles absurdes im öffentlich-rechtlichen Fernsehen passiert ist – oder vielmehr: nicht passiert ist – hat Jörg Thomann für die FAZ aufgeschrieben.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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