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06.10.09Leser-Kommentare

Amanda Palmer über Twitter und co. als Tools für Musiker

Amanda Palmer und die Mitglieder der Band Georgia Wonder über die Möglichkeiten von Musikern, online mit Fans in Kontakt zu treten.

Amanda PalmerDie Musikerin Amanda Palmer hat auf dem all2gethernow Einblicke in ihre Nutzung und ihr Verständnis von Onlinetools als Werkzeuge für Musiker gegeben. Palmer blogt seit geraumer Zeit und ist auch auf Twitter äußerst aktiv.

Neben dem Offensichtlichen - dem musikalischen Talent - ist es für Musiker laut Palmer wichtig, eine Beziehung zu den eigenen Fans aufzubauen. Viele Musiker, so Palmer, machten das auch bereits vor dem Web; schlicht weil sie es wollten.

Jetzt ist es mit dem Web einfacher und auch kostengünstiger möglich. Etwas, dass viele Künstler noch ignorieren. Palmer fasste die Situation mit "If it's free, do it!" zusammen. Tatsächlich ist es bemerkenswert, wie es als selbstverständlich hingenommen wird, dass YouTube und Twitter kostenlos nutzbar sind und damit kostenlos eine äußerst effektive Infrastruktur zur Verfügung stellen.

Die Online-Angebote sind alles Tools. Die Online-Tools - Blogs, Social Networks, etc. - sind sehr gut dazu geeignet, Informationen über das eigene Publikum zu erhalten. Das Tool Twitter bezeichnete Amanda Palmer als "the smallest thing" und etwas, das sich anfühlt, als wäre man in einem Club. Twitter sei eines der effektivsten Tools. Amanda Palmer ist in der Tat sehr aktiv auf Twitter.

Neben Palmer hat die Band Georgia Wonder über ihre Erfahrungen berichtet. Das meistgesehene YouTube-Video der anfangs unbekannten Band wurde bis dato von über 37.000 Leuten gesehen. Das Publikum fällt einem weder im Web insgesamt, noch speziell auf YouTube in den Schoss. Aber Georgia Wonder ist wohl eines der Beispiele dafür, dass es möglich ist für unbekannte Bands, schneller Aufmerksamkeit aufzubauen als früher (etwas, das in der Musikbranche nach wie vor oft bezweifelt wird. Aus nachvollziehbaren Gründen: Georgia Wonder und andere Künstler haben diese Aufmerksamkeit ohne unterstützende Labels erreichen können). Und vor allem mit minimalstem finanziellen Einsatz und gleichzeitig kompletter Unabhängigkeit.

Hat man mit einem Video oder etwas anderem, das im Web viral die Runde macht, interessierte Leute anziehen können, muss man ihnen dann logischerweise auch etwas bieten. Etwas, so Palmer, das die Leute zum bleiben bewegt.

Der Einsatz von Twitter und anderen Online-Tools, mit denen Künstler ihre Fans direkt ansprechen können, kostet auch Zeit. Zeit, die zum Beispiel nicht für das Erzeugen von Musik genutzt werden kann. Die sofortige Belohnung durch das Feedback über diese Tools kann auch leicht süchtig machen, wie Amanda Palmer zugab. Das Problem für DIY-Künstler ist natürlich, dass sie nicht einfach den Stecker ziehen und offline gehen können. Denn es gibt niemand anderen, der die Arbeit übernimmt.

Gleichzeitig sind tatsächliche Verbindungen mit den Fans dauerhaft. Wer es ernst meint und mit den eigenen Fans nicht nur oberflächliche, sondern ehrliche Beziehungen aufbaut und etabliert, kann darauf vertrauen, dass die Fans nicht einfach verschwinden, wenn man mal für längere Zeit nicht über die üblichen Online-Tools verfügbar ist. Du kannst für zwei Jahre verschwinden und die Leute werden Dich nicht vergessen, so Palmer.

Georgia Wonder erzählten etwas Interessantes: Als sie anfingen, ihre EP zum kostenlosen Download anzubieten (50.000 Downloads bisher), gingen die iTunes-Verkäufe und die Konzertticket-Verkäufe hoch. Das Verschenken von Musik ist also durchaus sinnvoll.

Das Verbinden und Beziehungaufbauen mit den Fans gilt natürlich nicht nur online, sondern auch offline. Palmer sieht es als wichtig an, mit den Fans nach dem Konzert zu sprechen beziehungsweise ansprechbar zu sein.

Abschließend lässt sich festhalten: Künstler sollten sich nicht von Labeln erzählen lassen, dass man kein Publikum online aufbauen kann. Die Labels haben kein Interesse daran, von DIY-Künstlern oder auf das Internet spezialisierten Musikmanagern ersetzt zu werden. Es wird langsam aber sicher möglich für Künstler, die das wollen und kreativ und engagiert an die Sache herangehen.

(Foto: Amanda M Hatfield; CC-Lizenz )

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Kommentare

  • Jormason

    06.10.09 (22:38:16)

    So Great! Cooler Beitrag! THX

  • Ti

    07.10.09 (10:09:26)

    Vielen Dank erst einmal für den Beitrag und alle voran gegangenen zum Thema. Ich verfolge dieses Blog schon länger und stehe der Musikindustrie auch sehr kritisch gegenüber. Aber das für alle oder die meisten Musiker die Selbstvermarktung ein eine tolle alternative ist, bezweifele ich. Hier wird immer voraus gesetzt, dass alle Musiker Lust zu so etwas haben (sollten). Lust auf soziale Networks, Lust auf Fans, etc. Für diese Musiker soll das Netz die phantastischen neuen Möglichkeiten bringen. Es gibt tolle Musiker, die einfach ihre Musik lieben. Nicht die Fans. Und ich bin jemand, der die Musik mehr liebt als die Persönlichkeiten dahinter. Was soll ich mit dem Interpret meiner Lieblingsmusik kommunizieren? Was geht mich das an? Ich genieße die Musik. Fertig. Ich war neulich auf einem Konzert der von mir sehr geliebten Band Beirut. Der Sänger und Kopf der Band hatte offensichtlich wenig Lust auf das Konzert. Hat unmotiviert gewirkt, früh aufgehört, ließ sich nur mit Mühe zu einer zweiten Zugabe heraus klatschen. Die letzte Konzerttournee hat er auf halben Wege abgesagt. Vielleicht liege ich auch mit der Vermutung falsch, dass diese Tournee für ihn mehr "Arbeit" als Selbstverwirklichung ist falsch, aber: Wie sollen Musiker, die keine Lust auf die Kuschelei mit den Fans haben, künftig die neuen Wege nutzen...? Von Beirut würde ich mir lieber ein neues Album als eine neue unmotivierte Tournee wünschen.

  • Marc Marius Mueller

    07.10.09 (11:14:33)

    Interessante Einblicke, auf jeden Fall. Habe es anhand eines ehemaligen Mitglieds meiner damaligen Band auch gemerkt. Der hat sich solange auf MySpace, youTube und ähnlichen Kanälen beworben, bis irgendwann mal die ersten interessanteren Namen auf ihn aufmerksam wurden. Der Rest ging dann plötzlich viel schneller. Kleine Frage: Heißt die Band nun Virginia Wonder oder Georgia Wonder?

  • Marcel Weiss

    07.10.09 (12:54:10)

    @Ti: "Hier wird immer voraus gesetzt, dass alle Musiker Lust zu so etwas haben (sollten)." Man kann das teilweise auch an andere abgeben. Twitter und co. ist da natürlich eher schwierig, wenn es der Künstler nicht selbst befüllt. "Es gibt tolle Musiker, die einfach ihre Musik lieben. Nicht die Fans" Wenn das Geldverdienen dann trotzdem funktioniert, super. Wenn nicht, kann man den Künstlern nur sagen: Selbst schuld. Wer nicht bereit ist, etwas dafür zu tun, sollte nicht erwarten, dass das Geld trotzdem vom Himmel fällt. "Wie sollen Musiker, die keine Lust auf die Kuschelei mit den Fans haben, künftig die neuen Wege nutzen…? Von Beirut würde ich mir lieber ein neues Album als eine neue unmotivierte Tournee wünschen." Man kann das vorfinanzieren lassen über Spenden zum Beispiel. Damit haben Musiker in den USA schon erfolgreich Alben finanzieren können und sogar noch daran verdient (sprich die Spenden sind nicht komplett für die Kosten draufgegangen). Grundsätzlich war es immer schon schwieriger für Künstler, die nichts für die eigenen Fans übrig hatten und so wird es auch bleiben. Man muss auch keine Zeit für seine Fans haben. Wenn man ohne sie gut auskommt. @Marc Marius Mueller: Sorry, die Band heißt Georgia Wonder. War mir beim Schreiben nicht sicher und habe nach dem Nachschlagen vergessen, alles anzupassen. Ist jetzt korrigiert.

  • Dave

    07.10.09 (15:32:44)

    Danke für den Artikel. Also ich persönlich bin selber Berufsmusiker und nutze die Tools wie Facebook, Twitter & Co. in einem Rahmen welches ich für sinnvoll halte. Aufmerksam machen auf kommende Projekte, Konzerte usw. sind diese Tools doch sehr praktisch und es wirkt. Definitiv mehr Leute wurden aufmerksam auf die Musik und die Konzerte, mehr Besucher, mehr Fans und und und.... ! Zudem habe ich, gerade mit Twitter, auch Kontakt zu meinen amerikanischen Kollegen. Man tauscht aus, sieht wo sie gerade sind und spielen und kann auch neue interessante Kontakte knüpfen. Schlussendlich habe ich auch schon Engagements auf diesem Weg erhalten, was ja auch nicht schlecht ist.

  • Wolfgang Senges

    08.10.09 (15:38:01)

    @Ti - klar, es gibt Musiker, die haben kein Interesse, den Online-Marketing-Kram zu machen. Wobei "Marketing" hier nicht für Werbung im herkömmlichen Sinne, sondern für die Nähe des Musikers zum Publikum steht. Und es gibt Musiker, die können das Online-Marketing und ihre Web-Präsenz nicht selbst übernehmen. Zeit ist ein Grund, Können der andere. Zum ersten Punkt (Zeit) haben Björn und ich Amanda, Julian und Stephanie übrigens auch gefragt. Da müssen auch bei den dreien teilweise Prioritäten gesetzt werden. Letztendlich: Mitunter braucht es auch Leute von außerhalb, auch wenn's nur um neue Ideen geht. Reznor arbeitet mit Rob Sheridan zusammen (und sicher anderen); und auch Amanda hat mittlerweile Manager etc. - was sie aber manchmal gar nicht so mag, wie sie zugab. Aus Musikersicht gilt es immer den Weg zu finden, der funktionieren *kann*. Bei unbekannten Acts ist oft eine stark lokale Komponente, die bei Marketing-Strategien einzubeziehen ist. Das Wesentliche: Da draußen - in der Kombination von On- und Offline-Welt - gibt es höllisch viele Elemente, die Du zu einer Präsenz Deiner selbst und fürs Marketing nutzen kannst. Kreativität heißt das Stichwort. Wie Marcel schon sagte - Georgia Wonder gehören zu den unbekannten Acts. Deshalb fand ich es prima, sie bei der a2n dabei zu haben (v.a. in der Diskussionsrunde). Und es war seinerseits wieder ein Teil des Marketings. Denn wie bei Amanda, Reznor und anderen wird mit dem DIY-Marketing wiederum eine neue Zielgruppe angesprochen, die bei der Gelegenheit die Musik entdeckt kann. Nach der Diskussion stiegen die Verkäufe der CDs von Georgia Wonder. Und innerhalb von 2 Tagen fanden sie 30 Leute, die jeweils 20 Pfund locker machten, um die Pressung der neuen CD zu ermöglichen. Was aus der Not entsteht, kann dann die Story im Marketing werden. Andere Seite: Du als Hörer möchtest nur die Musik. Dann stell Dir vor, Du gehst ins Konzert und kannst mit einem leicht teureren Ticket hinterher einen USB-Stick mit der Aufnahme des Konzerts mitnehmen (was mittlerweile schon abgegriffen ist). Oder: (falls Du selber Musiker bist) Du schickst dem Künstler irgendeinen Songpart oder Text und bezahlst dafür, dass er Dich in einem Song zitiert (hier hängen noch jede Menge auszuarbeitende Konditionen dran)… es ist wirklich nicht immer einfach, aber für das connect-to-fan (ob persönlichkeits- oder musikbezogen) lassen sich Elemente finden. Und wenn sie nicht alle ansprechen - egal. Hauptsache, es sind genügend Leute, die die Produktion, die Tour oder was auch immer *sicher* vorfinanzieren.

  • Wolfgang Senges

    09.10.09 (12:29:46)

    Das ist lustig. Gestern einen Kommentar geschrieben, heute via "The Music Industry Report" diesen Artikel gefunden. Man kombiniere meine letzten Zeilen mit dem üblichen "Mix meinen Song" und der Idee des Autors - fäddich. Ob's erfolgreich ist, ist die nächste Frage. Hängt eben vom künstlerischen Können, der Authentizität des Künstlers, der richtigen Umsetzung der Aktion und nicht zuletzt davon ab, ob die Zielgruppe richtig angesprochen wurde.

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