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15.04.14Leser-Kommentar

Alte Strukturen kollidieren mit neuen Technologien: 6 Thesen für eine moderne Dienstleistungsgesellschaft

Viele Prozesse zur Buchung und Inanspruchnahme von Dienstleistungen hinken dem theoretisch technisch Möglichen noch weit hinterher - auch weil sich die Vertreter bisheriger Strukturen gegen einen Wandel stemmen. Es wäre besser, sich der Modernisierung zu öffnen. Konsumenten haben dies verdient.

DienstleistungenWenn man ein wenig durch die Welt reist und dabei die Augen offen hält, fällt einem eines auf: Gelegentlich stößt man auf Prozesse, die an einem Ort besonders gut und zeitgemäß gelöst sind, oft aber auf solche, die ausgesprochen umständlich ablaufen. Deutschland bildet hier keine Ausnahme. Veraltete Gesetze, fehlende technische Infrastruktur sowie aus Zeiten der Industriegesellschaft übernommene Normen und Konventionen verhindern allzuoft die für Beteiligte optimalsten Abläufe. An dieser Stelle möchte ich mich auf einige Erkenntnisse konzentrieren, die daraus im Laufe der Zeit erwachsen sind: Thesen für die Dienstleistungsgesellschaft der Zukunft.

1. Die einfachste und effizienteste Lösung für ein Problem ist in der Regel die beste, schnellste, und sie gehört meist zu den kostengünstigsten Optionen. Eine simple Dienstleistung mit wenigen Handgriffen per Smartphone zu buchen/zu veranlassen, ist einer langwierigen Abwicklung per Telefon oder Fax mit darauffolgender manueller Weiterbearbeitung grundsätzlich überlegen.

2. Veraltetete Gesetze, die der Umsetzung der besten Lösung im Wege stehen, müssen auf die höhe der Zeit geholt werden. Ein Bespiel: Für Fahrzeuge mit Chauffeur werden gemäß aktueller Regelung auf der rechten Seite mindestens zwei Türen vorausgesetzt, wodurch der Einsatz von Smarts in diesem Segment erschwert wird. Dabei würde die Allgemeinheit klar davon profitieren, wenn sich Passagiere mit spritsparenden Minifahrzeugen statt großer Limousinen durch die Gegend fahren ließen.

3. Arbeitsplatzerhalt ist kein geeignetes Argument für den Beibehalt von suboptimalen Vorgängen. Verbraucher verdienen bestmögliche, zeitsparende und korrekte Leistungen, nicht mangelhafte Abläufe, die sie Geld, Zeit und Nerven kosten, und die nur deshalb nicht überarbeitet werden, weil eine Lobby sich unter Zuhilfenahme einer eingestaubten Rechtslage dagegen versperrt. In den unterschiedlichen Phasen der Wirtschaftsgeschichte gingen immer Arbeitsplätze verloren, und es entstanden parallel immer wieder neue. Dieser natürliche Prozess mag kurzzeitig schmerzhaft sein, führte aber im Endeffekt stets zu einer Verbesserung der Zustände.

4. Staatlicher Protektionismus für alte, ineffiziente Strukturen sollte maximal als Übergangslösung eingesetzt werden, um den Veränderungsprozess einer Branche verträglicher zu gestalten. Dabei dürfen die Bedürfnisse der Kunden nie aus dem Blick verloren werden. Ihnen künstlich, etwa durch destruktive gesetzliche Intervenierung, Steine in den Weg zu legen, nur um das eigene Geschäftsmodell zu retten, ist falsch.

5. Jede Verzögerung der Entwicklung, jede gesetzlich zementierte Beibehaltung des Status Quo und jede protektionistische Maßnahme wird den Wandel nur bremsen, aber nicht dauerhaft aufhalten.

6. Die zu beobachtenden Veränderungen bei Anstellungsverhältnissen und sozialen Sicherungsnetzen im Dienstleistungsbereich sowie die Effekte der das Dienstleistungsgewerbe verändernden Sharing Economy und der daraus resultierenden Neudefinition von "Arbeit" erfordern konstruktives, lösungsorientiertes politisches Handeln. Alternative Absicherungsmodelle wie ein Bedingungsloses Grundeinkommen mögen sich als nicht praktikabel herausstellen. Dazu müssten sie jedoch erst einmal ernsthaft auf hoher politischer Ebene evaluiert und im besten Fall in einem begrenzten Szenario getestet werden. /mw

(Grafik: bureaucrat - cartoon, Shutterstock)

Kommentare

  • Waldo Pepper

    17.04.14 (14:46:33)

    Whow, mann muss also kein (US-) Republikaner sein, um neo-liberalem Gedankengut anzuhängen. Ich empfehle die Lektüre eines guten Buches über Volkswirtschaftts (z.B. "Economics" von Samuelson) damit Du in die Lage versetzt wirst, die Dinge mal im Gesamtzusammenhang zu sehen.... ;-)

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