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17.04.08

Alte Biografie neu online: Schawinski gegen Alle

Was den Rundfunk-Pionier Roger Schawinski vor seiner Zeit bei Sat.1 alles umgetrieben hat, lässt sich in der Biografie von Roy Spring nachlesen. Die ist zwar schon neun Jahre alt - dafür nun kostenlos im Netz.

Roger Schawinski
Schawinski 1997: Mit Tele Züri gut Lachen (Bild Keystone)

Der Wahlspruch der Schweiz, "Unus pro omnibus, omnes pro uno", also "Einer für alle, alle für einen", gilt für den Medienpionier Roger Schawinski nur bedingt. Die 1999 von Roy Spring verfasste Biografie heisst darum auch "Einer gegen Alle".

Da sie angeblich vergriffen ist (auch wenn ich sie bei Amazon in den Warenkorb legen kann), ist sie nun, wie das schawinskinahe Kommunikationsportal persoenlich.com meldet , online vollumfänglich verfügbar, und zwar bei schawinski.jimdo.com.

In einem Interview mit der Schweizer Familie sagte er kürzlich: "Internet machen alle. Das interessiert mich nicht. Ich mache das, was niemand macht. Das war immer so." Was natürlich stimmt: Niemand anders macht zurzeit ein Radio 1 in der Schweiz. Aber auch wenn er kein Internet macht, so heisst das nicht, dass er keine Ahnung davon hätte, wie man darin kommuniziert. Schreibt Stefan Niggemeier über ihn und sein neues Radio, so äussert er sich dazu. Und wer auch immer die Idee hatte diese Biografie bei jimdo hochzuladen - es ist eine gute Idee, Inhalte der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Einige Auszüge aus dem mutmasslich höchst unterhaltsamen Werk:

Kapitel 1: «Today we got a revolution!»

«What?s happening, man?» fragte Schawinski einen der Männer.

«Hey man», antwortete dieser, «today we got a revolution!» Der verhasste Diktator Eric Gairy, der sein Volk mit brutalen Schlägertruppen in Angst und Schrecken versetzte, sei endlich besiegt.

Gegen Abend, so fand er heraus, gebe die neue Regierung die erste Pressekonferenz – und zwar im Studio von Radio Grenada.

Aufgeregt notierte Schawinski, der einzige ausländische Journalist vor Ort, das Unglaubliche: Eine Gruppe von linken Studenten, angeführt von Maurice Bishop, putschte das Terrorregime. Ausser ein paar Schusswechseln mit zwei bis drei Toten lief alles glimpflich ab.

«Wow, das ist ja ein Coup!» jubelte Schawinski, «das muss ich sofort dem Tages Anzeiger nach Zürich kabeln.»

(...)

Er schaute zum Fenster hinaus und sinnierte: «Eigentlich musst du nur gute Reden schwingen und lässige Musik spielen, und schon hast du das Volk auf deiner Seite?»

Kapitel 7: «So lange es gut lief, haben sich immer alle engagiert»

Roger Schawinski, welche Erinnerungen haben Sie an die Anfangszeiten von Radio 24?

Das Leben war eine permanente Ausnahmesituation. Vielleicht kann man sagen, es war wie im Krieg. In diesen Tagen war ich immer am Rande des Abgrundes. Dieses Gefühl der Unsicherheit hat mich bis heute geprägt: Dass jederzeit in der nächsten Sekunde alles kaputt gehen kann, dass irgend eine Hiobsbotschaft alles vernichtet.

Kapitel 14: «Il n?y a pas de Business comme le Show-Business!»

Zufällig liefen ihm im kalifornischen Yosemite-Nationalpark ein paar schrägen Typen über den Weg. «Was seid ihr für komische Vögel?» haute er sie an und musterte unverblümt ihre Sandalen, die bunten Kleiderfetzen und die ausgefransten Haare.

«We are Hippies», antworteten sie freundlich. Wenn er mehr über ihre Bewegung erfahren wolle, müsse er unbedingt nach San Francisco reisen, genauer: in den Stadtteil Haight Ashbury.

«Okay», sagte der brave Student, und ein paar Tage später tauchte er ein in die Welt von Psychedelic-Shops, Love-ins und Flower-Power, wo an jeder Ecke für drei Dollar LSD-Pillen angeboten wurden. «Das ist sensationell», jubelte Schawinski mit geweiteten Pupillen, «darüber muss ich unbedingt berichten!»

Nach intensiven Ermittlungen über das epochale Phänomen setzte er sich bei seiner Gastfamilie hinter die Remington und warf seine Eindrücke aufs Papier. Am 22. September 1967 veröffentlichte die Weltwoche «Die blaue Blume von San Francisco», seinen ersten grösseren Zeitungsartikel.

Kapitel 16: Wehe dem, der den Elfenbeinturm verlässt!

«Für einige von uns ist Roger quasi ein Halbgott», sagt der 42jährige Hugo Bigi, Journalist und Moderator bei Tele 24, «die würden sogar ausrücken, wenn er sie nachts um drei bitten würde, sein Auto zu waschen.»

Tatsächlich bestehe in seinem Umfeld eine gewisse Vereinnahmungstendenz. «Leicht kann es passieren, dass es dir den Ärmel hereinnimmt.» Er selbst sei gefährlich nahe an diesen Punkt gekommen, doch «dann wurde es mir unwohl, und ich habe mich bewusst abgegrenzt.»

Grund für diese besondere Atmosphäre sei die Art der Leute, die er um sich schare. «Am liebsten hat er solche, die ewig dankbar sind, dass sie bei ihm arbeiten dürfen.»

Kapitel 17: Parfümierte Liebesbriefe im Abfallkübel

Nichts sei Roger wichtiger gewesen als seine Karriere. Sie weiss noch, wie er einmal nachts um zwei Uhr aus dem Bett sprang, weil ihm die passende Melodie für seinen Filmbericht über den Tomatenüberschuss im Wallis in den Sinn gekommen war.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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