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11.07.14Leser-Kommentare

Alltagserledigungen: Ich freue mich auf die Automatisierung

Alltägliche Erledigungen erfordern eine Vielzahl Interaktionen mit anderen Menschen. Manche davon sind kaum notwendig. Zeit, dass Technologie übernimmt.

Mit anderen Menschen zu kommunizieren, kann bereichernd sein und viel Freude bereiten - sofern man dies freiwillig gewählt und sich die Personen selbst ausgesucht hat. Viele Male pro Tag sind wir jedoch zu Interaktionen mit anderen Menschen gezwungen, ohne dass ein Interesse aneinander besteht. Diese Vorgänge bieten keinerlei der Vorteile des sozialen Austauschs, dafür aber viele Nachteile. Meist sind sie zudem hochineffizient und rauben Zeit. Früher oder später wird Technologie diese Aufgaben übernehmen. Ich freue mich darauf. Hier sind vier Beispiele: Supermarkt (und Einzelhandel allgemein)

In den meisten Ländern Europas beschränken sich die Konversationen zwischen Kassenpersonal und Konsument auf Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln. In den USA allerdings, wo ich mich gerade aufhalte, findet exzessiver Smalltalk statt. Das ist nicht nur schwierig, wenn man gerade mal schlechte Laune hat, sondern verringert auch das Abfertigungstempo massiv. In einem speziellen Supermarkt der nicht gerade preisgünstigen Safeway-Kette in der Bay Area stehe ich zu jeder Tageszeit fünf bis zehn Minuten in der Schlange. Auch weil das Personal unglaublich langsam ist. Die Lösung sind (irgendwann ausgereifte) Selbstbedienungskassen, wie sie testweise schon sporadisch im Einzelhandel zum Einsatz kommen. Ich werde die manuelle Abfertigung nicht vermissen.

Bar/Club

In einer überfüllten Bar oder einem Club am Tresen ein Getränk zu bestellen, kann zu einer nervenaufreibenden Aufgabe werden. Wie Hühner auf der Stange stehen die Durstigen nebeneinander, strecken ihre Köpfe, Hände, Geldscheine und Karten nach vorne, um die Aufmerksamkeit der Barkeeper zu erhaschen. Manche sind besonders gut dabei - andere warten gefühlt eine Ewigkeit auf ihr Bier. Je nach Musiklautstärke gestaltet sich meist auch die Kommunikation nicht gerade einfach. In der Regel ist man froh, wenn man endlich das Glas oder die Flasche in der Hand hat. Eine halbe Stunde später. Ich hoffe, dass es irgendwann auch außerhalb Japans in Mode kommt, in stark frequentierten Etablissement des Nachtlebens schnell arbeitende Getränkeautomaten und Zapfanlagen aufzustellen. Dann kann sich das Barpersonal auf die Aufgaben konzentrieren, bei denen es wirklich benötigt wird: das Mixen von Cocktails.

Restaurant

Bei der Wahl der geeigneten Speisen bietet es sich durchaus mal an, die Ratschläge und Empfehlungen der Bedienung zu hören. Sind Hunger und Durst aber gestillt, kommt der problematische Teil: das Bezahlen, das in seinen verschiedenen Etappen - die von Land zu Land variieren - durchaus dauern kann. Blöd, wenn man 12:50 Uhr zahlen möchte, um es zum 13-Uhr-Termin zu schaffen, der Vorgang aufgrund überlastetem Personal aber eine Viertelstunde dauert. Für Optimierungen benötigt man eigentlich nicht einmal Technologie - nochmals zeigt Japan, wie es besser geht: Während des Aufenthalts legt die Bedienung eine im Falle neuer Bestellungen stetig aktualisierte Rechnung auf den Tisch. Ist man fertig, geht man mit dieser zur am Ausgang befindlichen Kasse und bezahlt. Klasse. Bislang haben sich die Vorteile dieses Konzeptes bei uns aber nicht herumgesprochen. Meine Hoffnung ruht daher auf Startups wie opentabs aus Deutschland (das auch die Bestellung per App erlaubt) oder Cover aus den USA, die den Zahlungsprozess in Restaurants per Smartphone abwickeln lassen.

Bestellung am Counter

Auch die Art und Weise, wie wir im Jahr 2014 Speisen und Getränke bei Schnellimbissen, Fast-Food-Restaurants oder improvisierten Cafés bestellen, ist nicht mehr ganz zeitgemäß. In der Schlange anstellen, Wünsche abhängig vom standardisierten Menü äußern, Fragen beantworten (Zum Mitnehmen? Mit Milch? Welches Brot?), warten. Dieser Vorgang lässt sich hervorragend automatisieren. Neben dem eben erwähnten opentabs zielt auch das US-Startup Square mit seinem Dienst Square Order auf diesen Markt.

Neben diesen vier Beispielen der automatisierungswürdigen Anbieter-Verbraucher-Interaktionen finden sich garantiert viele weitere Vorgänge, bei denen neue Technologien das Leben für Konsumenten, Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen vereinfachen können. Die bisherige Form der Abläufe existiert nicht etwa, weil sie das "Natürliche" oder "Normale" darstellt, sondern schlicht, weil es bisher keine skalierbaren, leistungsfähigen Alternativen gab. Das ändert sich jedoch gerade. Bekanntlich führt der allerorts einsetzende Trend der Automatisierung zu großen Herausforderungen für Arbeitsmarkt, Sozialsysteme und die Gesellschaft als Ganzes. Das aber sollte niemanden von Optimierungen bei alltäglichen Vorgängen abhalten, die heute für viele Involvierte - oft unbewusst - eine Quelle der Frustration darstellen. /mw

Foto: self-checkout hypermarket, Shutterstock

Kommentare

  • Sebastian Stehle

    11.07.14 (09:17:51)

    Sehe ich genauso, das braucht abe auch den politischen Willen neue Gesellschaftsformen zu etablieren, zum Beispiel über das bedingungslose Grundeinkommen.

  • michael

    11.07.14 (10:20:25)

    Grundsätzlich stimme ich zu. Dennoch hat dieser Automatisierungswille einen entscheidenden Denkfehler. Wenn in dem Maße - und über alle Branchen hinweg -, die Menschen ersetzt werden, stellt sich die Frage wie diese Menschen (wir) dann noch am Konsum partizipieren. Insofern frisst sich das System selbst. Das wiederum führt zur Instabilität von Gesellschaften. Toll :=(

  • Troy

    11.07.14 (11:00:30)

    Es kann auch bereichernd sein, sich ab und zu mit Menschen zu unterhalten, die nicht wissen was ein Hashtag ist.

  • Carsten Pätz

    11.07.14 (11:15:35)

    @Sebastian, @michael BGE: Ist grundsätzlich einer der notwendigen Wege, die weltweit gegangen werden müssen. Möglichweise (darüber hinaus gedacht) ein auf ganz anderer Grundlage basierendes und einfach wie möglich funktonierendes Bewertungs- und Verrechnungssystem für die globalen/nationalen/lokalen Rohstoff- und Warenkreisläufe aller Art sowie Dienstleistungen/Service - gekoppelt an eine völlig veränderte Philosophie, (die vom Kleinkind bis zum Greis verinnerlicht) wie wir in Zukunft leben und arbeiten wollen. @Martin Weigert: Die Lösung nach den vier Paradebeispielen der Automatisierung führt an Dingen wie einer möglichen iWatch (hier von Apple) oder anderen kompatiblen Smart Wearables - sei es per NFC oder Bluetooth o.a. Datenübertragungsmöglichkeiten - nicht vorbei. Wer will an diesen angesprochenen POS/POI in der Zukunft noch sein Smartphone aus der Tasche kramen wollen? :)

  • Carsten Pätz

    11.07.14 (11:22:46)

    @Troy Nein, es ist nicht wirklich bereichernd, an Supermarktkassen permanent nach Rabattkarten (Deutschlandkarte) oder der PLZ gefragt zu werden. Das lässt sich alles per SmartWearable lösen. Zwischenmenschliche Unterhaltungen verdienen ein höheres Niveau. Bis dahin gilt: Wer größere Einkäufe tätigt und dem Supermarkt die Kundenherkunftsstatistik versaubeuteln will, sollte auf Nachfrage die deutsche PLZ 25869 nutzen, das ist die Hallig Gröde, eine der zehn Halligen in Nordfriesland im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer - dort wohnen nur um die 10 Menschen (Angaben schwanken je nach Quelle). ;)

  • Pippilotta

    11.07.14 (15:25:00)

    Vielleicht sollte man hier genauer unterscheiden zwischen standardisierten Kommunikationsabläufen, die von beiden Seiten keinerlei Variation erlauben/erfordern, und Small Talk, Informationsaustausch oder kleinem Plausch an der Kasse oder am Bankschalter. Was letzteres angeht, ist das hier "Viele Male pro Tag sind wir jedoch zu Interaktionen mit anderen Menschen gezwungen, ohne dass ein Interesse aneinander besteht. Diese Vorgänge bieten keinerlei der Vorteile des sozialen Austauschs..." meiner Meinung nach aus gesellschaftlicher Sicht zu kurz gedacht. So nervig small talk mit an der Kasse oder auch beim Warten auf irgendetwas manchmal ist, so wichtig sind solche Interaktionen mit Fremden z.B. für die Einübung sozialer Regeln, aber auch, um mal Kontakt mit etwas außerhalb des eigenen Tellerrandes (neudeutsch: Filterbubble) zu haben. Soziales Zusammenleben besteht eben nicht nur aus freiwilliger Kommunikation mit Personen, die man sich selbst ausgesucht hat, und das ist auch gut so. BTW: Warum sollte das Mixen von Cocktails nicht von einem Automaten erledigt werden?

  • Berni

    11.07.14 (19:26:31)

    Suddenly, a wild BGE appears. :D

  • Martin Weigert

    12.07.14 (06:11:25)

    @ Sebastian Stehle Stimmt. @ michael Womöglich hat die Konsumgesellschaft tatsächlich keine große Zukunft. Wobei ich auch nicht weiß, was als Alternative in Frage käme. @ Troy Diese Art von Gespräch hat man in der Regel aber nicht in den geschilderten Situationen. @ Pippilotta Ich widerspreche dir da nicht. Den kleinen Plausch aber habe ich persönlich meist in anderen Situationen als in den geschilderten. Was Cocktails angeht: Ich ging davon aus, dass leidenschaftliche Cocktail-Trinker (zu denen ich nicht gehöre) Cocktails auch als eine Art Kunst ansehen und entsprechende Ansprüche an die Zubereitung haben. Etwa so wie die Leute auf der Tanzfläche gerne einen DJs aus Fleisch und Blut vor sich sehen.

  • michael

    12.07.14 (17:05:50)

    Lösung: Alternativenbewertung verbessern, damit ich mich als Kunde bewusst für oder gegen was entscheiden kann.

  • M. Boettcher

    12.07.14 (17:38:26)

    Supermarkt: ich meide Selbstbedienungskassen. Sie sparen Zeit, wenn sie funktionieren. Wenn aber nicht ... Bar: wer Getränke aus dem Automaten mag, sollte vielleicht keine Bar betreten. Am nächsten Bahnhof oder Kiosk wird Ihnen geholfen. Restaurant: in der beschriebenen Situation empfiehlt sich eher der Besuch eines Schnellimbiss. Es gibt da durchaus solche, wo man die Speisen selbst wählt, zahlt und erst dann den Kram vertilgt. Wer es mag ... Wer wenig Zeit hat, ist da, wo Speisen individuell zubereitet werden, im Grunde fehl am Platz. Nebenbei: das Leben ist m. E. kein dauernder Wettlauf. Tipp: http://de.wikipedia.org/wiki/Entschleunigung

  • qwertzman

    13.07.14 (13:32:16)

    BGE ist doof, ZeroMarginalProduction ist besser, konkret: Befriedigung der Bedürfnisse kostet anfangs etwas um ZeroMarginalProduction zu etablieren und zu finanzieren, wenn etabliert kostet weitere Produktion nichts, weil >ZeroMarginal<Production. Viel nachhaltiger, sicherer, etc., da von politischen Einflüssen unabhängig.

  • Reto

    14.07.14 (09:21:03)

    @M. Boettcher Ich sehe dies genaus so wie sie mit dem Leben das kein dauernder Wettlauf ist.. Ich gehe nur wenn es nicht anders möglich ist in den Supermarkt. Da ich auf dem Lande wohne bevorzug ich den Dorfladen. Dort wird bei jedem Einkauf ein wenig geplaudert was gerade so läuft und was aktuell ist. Wenn ich meine Geldbörse vergessen haben, kann ich anschreiben lassen. Ansonsten kaufe ich wenn es geht auf dem Wochenmarkt und direkt beim Bauern und ja, auch dort wird immer geplaudert. Was gibt es im Moment saisonales im Sortiment? Was gibt es neues an Gemüse und Früchten in den nächsten paar Wochen? Wie läuft es auf dem Bauernhof? Und wissen Sie was: Ich liebe es wenn ich die Hersteller meiner Lebensmittel persönlich kenne. Keine Automation kann mir dieses Erlebnis bieten....

  • jue

    15.07.14 (12:50:26)

    alles schön und gut, aber ... da fallen mir schnell die ultimativen Gängelungsautomaten ein. Die stehen inzwischen bei fast allen Supermärkten. Und sollen "eigentlich" das Leergut zurücknehmen. Und erfreuen Dich stattdessen mit: - Flasche für Flasche. Zu schnell: dann kommt die Flasche wieder raus. - Flaschenboden nach vorne. Sonst: kommt die Flasche wieder raus. - Etikett nicht lesbar. Und also kommt die Flasche wieder raus. - Rücknahme nicht in diesem Automaten. Anderes Symbol. Also am anderen Automaten nochmal anstellen. Oder das Leergut einfach wieder mitnehmen. - Ganze Kästen: geht nicht, wenn nicht identische Flaschen drin sind. Also: Flaschen raus. Einzeln eingeben. Rest siehe oben. Der Nachteil aller Automaten ist, dass es keine Beschwerdemöglichkeit gibt. Das Personal zuckt die Schulter. Der Automat gehört ggfs. gar nicht zum Haus. Und dem Automaten ist es vollkommen Wurst, ob man jemals wiederkommt. Der Schreiber des Artikels hier hat zwar Recht mit dem Denkzettel, den manches Personal mal bekommen sollte. Aber mit Automaten wird man auch nicht leichter glücklich. Man wird nur vom Besteller zum Bediener ...

  • Soziales Wrack

    15.07.14 (20:26:49)

    Armer Kerl...

  • quisira

    16.07.14 (17:35:42)

    "Viele Male pro Tag sind wir jedoch zu Interaktionen mit anderen Menschen gezwungen, ohne dass ein Interesse aneinander besteht." Das tönt für mich nach "Hauptsache mit keinem anderen Menschen in Verbindung treten, damit niemand die Beziehung zwischen mir und meinem Computer stört"....;-) - es macht ab und zu doch Sinn mit Menschen zu verkehren, die z.b. aus einer anderen sozialen Schicht sind. Sonst verliert man ja total den Realitätsbezug.

  • Chris

    10.11.14 (17:54:09)

    @ michael: Das ist nicht unbedingt ein Denkfehler. Wenn die Automatisierung in allen bereichen weiter so fortschreitet, wird man sich eventuell in der Zukunft ein alternatives System überlegen müssen, in dem eben Konsum nicht mehr an Arbeit gekoppelt ist. Denn sind wir mal ehrlich, viel Geld hat mit viel Leistung für die Gesellschaft nicht immer etwas zu tun ;) Eine Möglichkeit erklärt der DM Gründer Götz Werner hier: http://bit.ly/1mQ9oiv

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