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05.10.11

Alleinstellungsmerkmal verschwindet: Wuala schafft den Speichertausch ab

Wuala beerdigt sein einstiges Alleinstellungsmerkmal: Nutzer können zukünftig nicht mehr Platz auf der Festplatte gegen Onlinespeicher eintauschen.

 

Der aus Zürich stammende Onlinespeicher- und Backupdienst Wuala konnte sich bisher auf ein Alleinstellungsmerkmal berufen, das ihn ohne jeden Zweifel von allen anderen Konkurrenten im dicht besiedelten Markt der Cloud Storage und Synchronisationsservices abhob: die Möglichkeit, mit eigenem Festplattenspeicher zur Wuala-Cloud beizutragen und im Gegenzug ohne zusätzliche Kosten mehr Platz in selbiger zu erhalten.

Nutzer, die gewisse Voraussetzungen wie eine bestimmte Verfügbarkeit erfüllten, konnten so deutlich mehr als die im kostenfreien Basisangebot enthaltenen zwei Gigabyte Onlinespeicher in Anspruch nehmen. Alternativ blieb sonst eines der kostenpflichtigen Pakete. Zum Wuala-Launch Ende 2007 war der Speichertausch das wichtigste Marketingargument des damaligen Startups (siehe "Datei-Hosting auf den Festplatten anderer User").

Schrittweise Abschaltung 

Doch diese Funktion ist in Kürze Geschichte: In einer E-Mail hat der im März 2009 vom französischen Speicherhersteller LaCie übernommene Dienst bekannt gegeben, den Speichertausch schrittweise abzuschaffen . Begründet wird dies mit einer vollständigen Überarbeitung des dem Service zugrunde liegenden Speichersystems sowie der Fokussierung von Entwicklerressourcen auf Features, die als wichtiger angesehen werden.

Was Wuala weder in der Mail noch in einem Foreneintrag zu der Änderung klar zum Ausdruckt bringt, ist, dass durch das neue System der Speichertausch technisch nicht mehr möglich sei. Die gewählten Formulierungen klingen allerdings so, was Zufall oder beabsichtigt sein kann.

12 Monate Gratisspeicher und Rabatte als Entschädigung

Als Entschädigung für den Wegfall des eingetauschten Speichers will Wuala jedem Nutzer die durch die Bereitstellung eigener Ressourcen verdiente Menge an Cloudspeicher für 12 Monate kostenfrei zur Verfügung stellen. Für die Zeit danach wird im Forum ein rabattierter Preis in Aussicht gestellt.

Es ist unklar, wie viele Wuala-Nutzer von dem Schritt betroffen sind. Der Dienst veröffentlicht ohnehin nur sehr ungern Zahlen zur Nutzung (mit entsprechenden Anfragen sind wir schon mehrmals abgeblitzt), bisher blieben unsere Mails mit Fragen zu den Hintergründen der Veränderung unbeantwortet.

Ein Feature primär für Power User

Aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich bei der Option des Speichertauschs um ein Power-User-Feature, das nur von einem kleinen Anteil der Wuala-Mitglieder eingesetzt wurde (einige davon beschweren sich in besagtem Foreneintrag). Gleichzeitig sind aber diese Power-User aus Wuala-Sicht die Kernzielgruppe für die kostenpflichtigen Speicherpakete. Der Fähigkeit zum Tausch von Storage sorgte damit für eine gewisse "Kannibalisierung", weil Wuala im Angesicht sinkender Speicherkosten in dem hinzugewonnenen, verteilten Cloudstorage auf Anwenderrechnern womöglich nur wenig Nutzen sah.

Das jetzt sukzessive deaktivierte Feature hatte aus Anwendersicht neben dem Kostenaspekt noch den emotionalen Vorzug, dass Daten in vielen Einzelteilen auf verschiedenen Rechnern lagerten. Neben der für Wuala typischen clientseitigen Verschlüsselung schuf dies ein zusätzliches Sicherheitsgefühl, dass ein unberechtigter Datenzugriff durch Dritte (z.B. Behörden) wirklich unmöglich war.

Was auch immer der Grund für die Entscheidung gewesen sein mag - mit dem Wegfall des Speichertauschs verliert Wuala ein Differenzierungsmerkmal gegenüber dem jüngst mit viel Aufsehen vorgestellten US-Konkurrenten Bitcasa - und den ein oder anderen bisherigen Fürsprecher.

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