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01.06.16Kommentieren

Zukunftskommunikation

Die Zukunft der Kommunikation heißt: All-IP

Symbol All-IP

Die Deutsche Telekom will bis Ende 2018 alle ihre Netze und parallel dazu alle Kunden auf All-IP Technologie umstellen. Das Ende des ISDN-Zeitalters steht damit fest und klassische TK-Anlagen werden in Frage gestellt. Für Firmen bedeutet das: Neuorientierung. Das Thema ist für Firmengründer und junge Start-Ups genauso interessant, wie für Unternehmen, die schon länger am Markt sind. Dieser Artikel versucht für Anwender und Gründungs-Interessenten die wichtigsten Fakten zusammenzustellen.

Was bedeutet All-IP bzw. VoIP überhaupt?

„All-IP“ meint, dass alles - also jede zukünftige Kommunikation - über das Internetprotokoll (IP) laufen wird. Telefoniert wird dann natürlich auch über IP, daher also die Bezeichnung Voice over IP (VoIP).

Was ist der Treiber für All-IP?

Die Gründe für diesen technischen Wandel liegen auf der Hand. Die althergebrachten analog bzw. ISDN-Anschlüsse benötigen eigene Technik, eigene Techniker und eigene Netze. Parallel dazu betreiben die Telekommunikations-Anbieter bereits IP-Netze, um dem stetig wachsenden Datenstrom Herr zu werden. Die alte analog- und ISDN-Technologie lässt sich zudem nur mit hohem Aufwand in die typischen heutigen IT-Dienste und Kommunikationsplattformen wie E-Mail, CRM-Systeme, etc. integrieren. Was läge also näher als die gesamte Kommunikation auf einer einheitlichen technischen Basis aufzubauen? Genau diesen Zweck erfüllt IP. Der Telekommunikations-Anbieter spart Kosten, der Nutzer profitiert von nahtloser Technik und damit entsteht das All-IP Zeitalter.

Wird das Festnetz damit sterben?

Die „gute alte“ Festnetztelefonie, wie wir sie die vergangenen Jahrzehnte genutzt haben, wird es nur noch kurze Zeit geben. Ist das das Aus vom Telefonanschluss? Im Gegenteil, Anbieter wie die Telekom sind mehr denn je auf flächendeckende Kupfernetze angewiesen, um möglichst schnell möglichst viel Bandbreite zum Endkunden zu bekommen. Im Vergleich zu früher werden aber zukünftig nur noch IP-Pakete über die Leitung übertragen. Manche Pakete werden Sprachdaten transportieren, andere Informationen von Webseiten und wieder andere vielleicht E-Mails. All das wird passieren auf einer Infrastruktur für die bei unseren Großeltern noch galt: „Fasse Dich kurz!“.

Wird jeder in Deutschland auf VoIP umstellen müssen?

Die Frage ist nicht ob eine Umstellung erfolgt oder nicht, sondern nur wann und in welcher Form. Auch wenn Anbieter wie z.B. Vodafone kommuniziert haben ISDN für Geschäftskunden noch bis Ende 2022 anbieten zu wollen, ist auch hier das Ende klar absehbar. Zu groß werden die kaufmännischen Vorteile für den Netzbetreiber sein nur noch eine Infrastruktur zu betreiben. Zudem wird es ab einem gewissen Punkt keine Ersatzteile mehr für den Betrieb der alten ISDN-Technik geben, weil diese schlichtweg nicht mehr produziert werden.

Aber: Keine Panik, noch ist genug Zeit die individuell richtige Lösung für den Wechsel zu finden.

Welche unterschiedlichen Möglichkeiten für den Wechsel zu All-IP gibt es?

Für den Umstieg in die neue All-IP Welt gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten, auf die wir im Folgenden eingehen:

  • Gateway-Lösung: Der Kunde behält seine aktuelle ISDN-Telefonanlage und bekommt davor ein Gateway geschaltet, das sozusagen die „Übersetzung“ Richtung All-IP-Netz macht. Bei der Telekom heißt diese Hardware z.B. Digitalisierungsbox. Großer Vorteil für den Kunden: Es muss fast nichts investiert werden und das alte Equipment wird weiter genutzt. Steht dann später die Anschaffung einer neuen TK-Anlage an, kann man sich immer noch für SIP-Trunking oder IP-Centrex entscheiden Nachteil: der Kunde profitiert nicht von den Vorteilen von All-IP (volle IT-Integration, Flexibilität, etc.)
  • SIP-Trunking: Bei dieser Variante benötigt der Kunde eine IP-fähige Telefonanlage (in der Regel sind Telefonanlagen, die in den letzten Jahren angeschafft wurden, sogenannte Hybrid Anlagen, d.h. sowohl ISDN - als auch IP-fähig.). In dieser wird dann ein sogenannter SIP-Trunk eingerichtet. Der Kunde kann dann (abhängig von der Bandbreite seiner Datenleitung) beliebig viele Sprachkanäle buchen. Vorteil: Die Kommunikation läuft durchgängig über IP, flexibles Wählen von Sprachkanälen und volle IT-Integration sind möglich.
  • IP-Centrex: Diese Lösung findet man auch unter Begriffen wie Cloud-Telefonie oder virtuelle Telefonanlage. Die „Intelligenz“ des TK-Systems liegt hier in einem (oder mehreren) Rechenzentren (Cloud). Auf Kundenseite werden lediglich IP-Telefone benötigt, die sich dann jeweils mit dem Zentralsystem verbinden. Die gesamte Instanz ist multimandantenfähig aufgebaut, so dass viele Kunden sich dieselbe Infrastruktur teilen, obwohl sie virtuell jeweils ihre „eigene“ TK-Anlage haben. Vorteil: sehr flexible Lösung, da Nebenstellen beliebig hinzugebucht werden können, ohne am Zentralsystem Investitionen vornehmen zu müssen (Vgl. Absatz „IP-Centrex, die Lösung der Wahl für Unternehmensgründer?“). Nachteil: Ab einer gewissen Anzahl von Nebenstellen (ca. > 80) kann die notwendige Standardisierung der Zentralplattform individuelle Anforderungen erschweren.

Was muss ich bei einem Wechsel beachten?

Für alle, die heute schon einen ISDN-Anschluss haben und jetzt auf VoIP wechseln möchten gilt: sorgfältige Auswahl der passenden Lösung und gute Vorbereitung verhindert jede Menge Ärger im Nachhinein. Im Folgenden haben wir einige Punkte aufgeführt, die (im Vorfeld) beachtet werden sollten:

  • Werden Alarmsysteme, Brandmeldesysteme, Notrufsysteme betrieben? (wenn ja ist eine Abstimmung mit dem jeweiligen Dienstleister nötig)
  • Werden analoge Faxe betrieben?
  • Gibt es EC-Cash Systeme o.ä.?
  • Ist das lokale Netz (LAN) VoIP-ready? (für die Lösung SIP-Trunking und IP-Centrex)
  • Kann ich eine Teststellung bekommen, um Schwierigkeiten möglichst im Vorfeld zu erkennen?

IP-Centrex, die Lösung der Wahl für Unternehmensgründer?

Jede Unternehmensgründung beginnt mit einer Idee. Doch die wenigsten können abschätzen wie schnell aus der Idee eine funktionierende Firma wird. Noch schwieriger ist zu erahnen wie schnell das Start-Up wie viele Mitarbeiter haben wird. Was liegt also näher als möglichst alle ITK-Dienste nur in der Menge zu kaufen wie sie gerade auch benötigt werden? Für E-Mail gibt es das schon (z.B. Office 365). Auch CRM-Systeme sind auf Pay-as-You-Use Basis zu bekommen (z.B. Salesforce). Und im All-IP Zeitalter bietet sich für die Telefonanlage und die damit verbundene Telefonie IP-Centrex als technische Lösung für Unternehmensgründer geradezu an:

  • Flexibilität der Kosten.  -> Nebenstellen können jederzeit aufgebucht und (je nach Anbieter) teilweise auch wieder abgebucht werden.
  • Flexibiltät des Arbeitsortes. -> Die Rufnummer kann quasi weltweit „mitgenommen“ werden
  • Kein Hardwarekauf nötig (außer Telefone bzw. Headsets)
  • Oft viele Features enthalten (Voice Mail, Fax-2-Mail, Rufweiterleitung, etc.)
  • Einfache Selbstadministration über das Internet
  • In der Regel redundantes Zentralsystem in einem Rechenzentrum
  • Bei manchen Anbietern können Mobiltelefone als volle Nebenstelle miteingebunden werden
  • Immer die aktuellste Software, da Updates in der Regel für alle User der Plattform gemacht werden

Wie man sieht ist IP-Centrex für viele, insbesondere dynamische Unternehmensgründungen die technische Lösung der Wahl. Sollte sich aus dem Startup dann ein etabliertes Unternehmen entwickelt haben, bei dem das weitere Wachstum gut planbar ist, kann auf eine klassische TK-Anlage mit SIP-Trunking gewechselt werden. Über längere Zeit gerechnet dürfte dies dann die günstigere Variante sein (für den Preis der geringeren Flexibilität). Vor diesem Hintergrund gilt, dass IP-Centrex-Verträge für nicht zu lange Zeit abgeschlossen werden sollten (nicht mehr als 2-3 Jahre).  

Gibt es auch Nachteile durch All-IP?

Den vielen Vorteilen von All-IP stehen auch einige Nachteile gegenüber. So werden die Gesprächsaufbauzeiten etwas länger werden (nicht wie in Mobilfunknetze, aber eben auch kein Freizeichen nach der letzten Taste wie bei ISDN). Zusätzlich wird die Gesprächsqualität (Hall, Verzerrung, Gesprächsabbrüche) erst einmal im Durchschnitt unter die von ISDN gewohnte sehr hohe Qualität fallen. Dies wird voraussichtlich aber nur temporär der Fall sein. Zum einen wird die Stabilität der IP-Netze kontinuierlich steigen, zum anderen wird die flächendeckende Einführung von HD-Voice die Qualität über die heutige ISDN Qualität steigern.

Ein weiterer Nachteil von All-IP ist das steigende Risiko, dass Gespräche mitgehört werden können. In der Vergangenheit war das nahezu nur für staatliche Stellen möglich (Polizei, BND, etc.). In Zukunft kann eine nicht upgedatete Firewall reichen, um ungewünschte Mithörer in der Leitung zu haben.

Fazit

ISDN wird abgeschaltet werden ob Ende 2018, Ende 2022 oder noch später. Das bedeutet, dass sich jedes Unternehmen, das heute bereits einen ISDN-Anschluss hat, mit dem Thema beschäftigen muss. Es gilt die passende Lösung für die jeweilige Firma zu finden und die Umstellung möglichst gut zu planen. Insbesondere bei großen Firmenstrukturen (große Standorte, viele Standorte) kann das Hinzuziehen eines spezialisierten Beraters sinnvoll sein.

Gründer haben insbesondere mit IP-Centrex die Möglichkeit auf eine ausgereifte moderne Technik zurückzugreifen, die dynamisch und flexibel mit dem Unternehmen mitwächst und dabei von Anfang an ein umfangreiches Leistungsportfolio zur Verfügung stellt.

Autor: Mirko Mach

Mirko Mach ist geschäftsführender Gesellschafter der MPC Service GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen im Bereich ITK-Infrastrukturleistungen. Das Unternehmen unterstützt mittelständische und große Unternehmen bei der Planung, Beschaffung und dem Betrieb von Leistungen, die Carriern, Netzbetreiber und Telefongesellschaften bereitstellen. Thematischer Schwerpunkt der Beratungstätigkeit sind die Migration zu All-IP, die Vernetzung von Standorten (z.B. via MPLS VPN) und die Ausschreibung von Mobilfunkrahmenverträgen.
Website des Autors
Mirko Mach

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