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20.04.09Leser-Kommentare

Akquisitionen: Oracle kauft Sun -- und damit MySQL und Java

Nachdem IBM es verpasst hat, den schlingernden Serverhersteller Sun zu kaufen, schlägt jetzt Larry Ellison zu: Oracle akquiriert Sun für 7,4 Millarden Dollar. Das Kronjuwel bei Sun ist aber nicht das alte Hardwardwaregeschäft, sondern die Software: Java und MySQL gehören jetzt Oracle.

Oracle kauft Sun

In der Dot-Com-Welle 1998-2001 war es immer klar, was für einen Server ein anständiges Startup kaufen musste: In Frage kamen nur die High-End-Maschinen von Sun. Schliesslich hatte Sun nicht nur die heissesten Server, sondern war auch Erfinderin der dominierenden Programmiersprache Java.

Seit diesen goldenen Zeiten hat sich viel verändert. Suns Strategie entwickelte sich zunehmend wirr. Billige Linux-Rechner machten Suns teure Monstermaschinen für immer mehr Anwendungszwecke überflüssig. Und Java war nie ein echtes Geschäft. Vor einigen Monaten geriet Sun nochmals in die positiven Schlagzeilen, weil das Unternehmen die schwedische Firma MySQL AB kaufte, Wächterin über die gleichnamige Open-Source-Datenbank.

Aber es war schon seit einiger Zeit klar, dass Sun zu angeschlagen für langfristige Unabhängigkeit war. In den letzten Wochen bemühte sich darum IBM darum, den Konzern zu erwerben. Aber das scheiterte an den Preisvorstellungen sowie (hört man) dem Ego von Sun-Gründer Scott McNealy, der "seine Firma" nicht einfach so einem ungeliebten Rivalen überlassen wollte.

Heute gab Sun aber nun überraschend einen Deal bekannt, der für Suns Gründer wesentlich demütigender sein muss und vor allem massive Auswirkungen auf die Internetbranche haben dürfte: Der Datenbankriese Oracle übernimmt Sun für 7.4 Milliarden Dollar (IBM hatte nur 6 Milliarden geboten). Oracle ist schon seit einiger Zeit auf grosser Einkaufstour und übernahm in den letzten Jahren bedeutende Softwarefirmen wie PeopleSoft, Siebel, BEA oder Hyperion. Dass Oracle nun mit Sun auch ein Hardwaregeschäft übernimmt, ist eine erstaunliche Erweiterung dieser Strategie.

In erster Linie dürfte es Oracle aber um die Softwarepalette von Sun gegangen sein: Durch den Erwerb von MySQL nimmt Oracle quasi in einem Handstreich seinen wichtigsten Low-End-Konkurrenten aus dem Markt -- oder destabilisiert die Position von MySQL zumindest erheblich.

Natürlich ist MySQL Open-Source-Software, und darum ist damit zu rechnen, dass auch auf absehbare Zeit eine kostenlose Version der allgegenwärtigen Datenbank verfügbar sein wird. Allerdings wurde der Support (inklusive der Dokumentationswebsite) für MySQL in erster Linie von der gleichnamigen Firma gewährt, die jetzt eben Oracle gehört. Oracle ist nicht gerade für zaghafte Verkaufsstrategien bekannt, und es würde nicht überraschen, wenn die primäre Absicht hinter dieser Akquisition wäre, MySQL-Kunden zum Umstieg auf Oracle oder zumindest zum Erwerb einer teuren kommerziellen Supportlizenz für MySQL zu bewegen.

Das gleiche dürfte wohl für Java gelten, das von Sun entwickelt wurde, aber von der Firma vor einigen Jahren in die Open-Source-Welt entlassen wurde. Zudem ist Sun auch die primäre Unterstützerin der Office-Suite OpenOffice. Oracle-Gründer Larry Ellison hatte schon immer Spass daran, Microsoft zu ärgern, und darum dürfte Oracle OpenOffice wohl ziemlich massiv bei Oracle-Kunden pushen.

Bisher sind erst wenige Details über Oracles Akquisition von Sun bekannt, aber eins ist klar: Sie dürfte die Struktur der Softwarebranche recht erheblich ändern. Oracle ist nun neben IBM der zweite IT-Riese, der von der Harddisk bis zur hochentwickelten Applikationssoftware die ganze Palette der IT bieten kann. Und mit MySQL und Java hat der Konzern jetzt zwei essentielle Elemente der Internet-Welt unter seine faktischen Kontrolle gebracht.

User von MySQL und Java-Entwickler sollten diese Entwicklung sehr genau beobachten und sich nicht zu sehr erschrecken, wenn sie bald mal einen Anruf von einem Oracle-Verkäufer bekommen.

Kommentare

  • Ansgar

    20.04.09 (14:14:27)

    Natürlich ist MySQL Open-Source-Software, und darum ist damit zu rechnen, dass auch auf absehbare Zeit eine kostenlose Version der allgegenwärtigen Datenbank verfügbar sein wird. Oracle hat bereits eine kostenlose Variante der eigenen Datenbank: Oracle Database Express Edition. Übrigens: Oracle ist mit über 5000 Programmierern der weltweit grösste Contributor im Open Source Umfeld.

  • Tobias

    20.04.09 (16:01:29)

    Auch Microsoft von eine kostenlose Version ihres SQL Servers der für 95% der Unternehmen voll ausreicht. Und .NET von MS hat Java auch schon um Längen überholt.

  • bulldrinker

    20.04.09 (16:53:10)

    Von Oracle hat man ja schon ewig nichts mehr gehört, das kam überraschend!

  • Java-Entwickler

    20.04.09 (17:05:52)

    Als Java Entwickler stehe ich der Übernahme SUNs durch Oracle wohlwollender gegenüber als von IBM. Die Java-IDE Netbeans wird längerfristig sicherlich einige nette Features von JDeveloper bekommen. Bei IBM würde Netbeans verkümmern, da sie mit Eclipse eine sehr gute Alternative haben. Schade um MySQL. SUN hätte MySQL nie übernehmen sollen. Jetzt bleibt nur PostgreSQL als einzige Alternative übrig, die aktiv (um Enterprise-Fuktionen )weiterentwickelt wird

  • FERNmann

    20.04.09 (17:13:01)

    Tobias: Und .NET von MS hat Java auch schon um Längen überholt. Ich würde sagen .NET und Java sind ebenbürtig. Was man bevorzugt, ist eigentlich Geschmacks/Auslegungssache. Java hat halt den Vorteil, dass es plattformunabhängig ist. Microsoft möchte mit .NET natürlich eigene Produkte wie Windows pushen. Dafür sind .NET Applikationen meiner Meinung nach ein wenig schneller als Java-Applikationen.

  • Unternehmens-ITler

    20.04.09 (18:11:21)

    Ich hatte in den letzten 10 Jahren das zweifelhafte Vergnügen mit Oracle und deren lustigen Verkaufs- und Lizenzierungsgepflogenheiten wie "Prozessorenanteilen". Oracle ist das Schlimmste, was MySQL passieren konnte, da sehe ich schwarz wie die Anzüge der fiesen Oracle-Vertriebler.

  • hathead

    20.04.09 (18:21:47)

    Na toll. Jetzt fehlt nur noch die Meldung das Microsoft aufgrund des gescheiterten Yahoo-Deals Oracle kauft und ich geb mir die Kugel.

  • Manuel

    20.04.09 (18:45:30)

    Ich stehe der Aquise von Oracle mit gemischten Gefühlen entgegen. Vor allem bei MySQL kann es passieren, das keinerlei neue Versionen herausgebracht werden, um MySQL Kunden von einer Oracle Lösung zu überzeugen. Vermutlich werde ich es mir zweimal überlegen, ob ich bei neuen Projekten auf MySQL setze. Ich kann jetzt nur hoffen, das MySQL in der Open Source Welt weiterhin zur Verfügung steht. Vor allem der Verkauf einer wichtigen MySQL Engine an Oracle vor einigen Jahren, hat sich negativ ausgewirkt. Aber auch bei Java in Oracles Händen hab ich ein schlechtes Gefühl. Ich hoffe das dies nicht ein Schritt in die verkehrte Richtung ist.

  • Badrat

    21.04.09 (07:29:01)

    Na toll da werden ja zwei wirklich gute Free Produkte vom Markt verschwinden und dann noch gerade die, die ich jeden Tag nutze. MySQL und Java sind nach meiner ansicht wirklich nennenswerte Produkte und ich glaube Oracle wird sie so schnell wie möglich aus den weg schaffen, damit ihre share Produkte den Markt erobern können. Das sind keine gute aussichten, gerade bei MySQL find ich den verlust extrem schmerzhaft.

  • Wittkewitz

    21.04.09 (09:40:52)

    Naja, Widenius selbst (der Erfinder von MySQL) rät ja vom Gebrauch von MYSQL in Produktivsystemen ab. Ich meine jetzt nicht Blogs sondern Lösungen und Umgebungen, die Menschen ernähren sollen. Es gibt ja auch Drizzle oder eben wie oben erwähnt PostgreSQL als bessere Lösungen. Also wer mal drizzle ausprobiert hat, wird sicher keine einzige Träne mehr im Knopfloch haben für ein uralte, lahme und verbuggte Datenbank wie es MySQL ist. IBM war schlau, Sun nicht für über 3 Milliarden zu kaufen, weil sie die Kunden schon alle selber haben, Java eher eine Limitierung (siehe diverse JSRs) als eine Befreiung ist und MySQL eh nur noch als Zombie fungiert, der für kleine Webpräsenzen ausreicht aber im professionellen Umfeld einfach nicht funzt. Die Sache mit OpenOffice wird tatsächlich spannend - jetzt könnte es - wenn sie schlau sind - die erste bekannte Office Umgebung in the cloud werden...

  • Matthias

    21.04.09 (13:58:18)

    Das der Datenbank-Riese Oracle jetzt Sun und damit MySQL übernommen hat, ist in meinen Augen schon bedenklich. Denn der große Erfolg der OpenSource Datenbank MySQL hat sowohl MS als auch Oracle dazu gebracht eine kostenlose Version ihrer Datenbank veröffentlichen zu müssen, um im Low-End-Bereich noch einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Klar, MySQL ist keine High-End Lösung und wie schon genannt wurde, rät auch der Entwickler von MySQL dazu, die Datenbank nicht in kritischen Umgebungen zu verwenden, aber dennoch laufen mitunter auch große Unternehmen mit teils sehr viel Traffic auf einem MySQL-System (z.B. StudiVZ usw.). Wenn man sich etwas umschaut, ist die einzige Alternative im OpenSource-Bereich noch PostgreSQL. Dieses DBMS ist jedoch schwieriger zu administrieren und auch die Verbreitung ist nicht so groß wie von MySQL, was es vor allem für kleine Projekte schwieriger machen wird, passende Leute mit Erfahrung zu finden, die die Datenbank effizient verwalten können. Aber genug spekuliert, noch ist MySQL ja nicht tot... Vielleicht profitieren andere OpenSource-DBMS von diesem Umstand (Blick auf PostgreSQL oder drizzle).

  • Christian Land

    27.04.09 (13:29:37)

    Zu dem Thema sollte man sich übrigens mal folgenden Kommentar von Michael Widenius (MySQL Gründer / Entwickler) durchlesen: http://monty-says.blogspot.com/2009/04/to-be-free-or-not-to-be-free.html

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