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23.05.12

aka-aki schließt: Viele Jahre seiner Zeit voraus

Die mobile App des Berliner Startups aka-aki erlaubte es Anwendern seit 2008, mit interessanten Personen in der unmittelbaren Nähe Kontakt aufzunehmen. Jetzt gibt der Dienst seine Schließung bekannt. Er war seiner Zeit voraus.

Aktualisiert

Manchmal sind Gründer von Startups mit ihrer Idee der Zeit einfach ein wenig voraus. Dodgeball, LetsBuyIt oder Brightkite lassen sich als klassische Beispiele für dieses Phänomen anführen. Mit dem Berliner Locationdienst aka-aki gab es schon länger einen weiteren potenziellen Kandidaten für diese Schublade. Mit der heute bekanntgegebenen Schließung wird dieser Status endgültig offiziell.

aka-aki entstand aus einem Diplomprojekt, wurde 2007 gegründet und öffnete 2008 seine Pforten. Bei dem Dienst stand das zufällige Zusammentreffen von Anwendern mit anderen aka-aki-Nutzern in der unmittelbaren Umgebung im Vordergrund. Wer die anfangs für viele ältere Handy-Modelle und später nur noch für iPhone und Android angebotene App öffnete, konnte sich informieren lassen, wenn andere User der App den eigenen Weg kreuzten, und auch nachträglich im Mitgliederbereich der Website nachschauen, wem man so unterwegs begegnet ist. Zu Beginn war es erforderlich, die Applikation stets offen zu haben, später war auch Background-Location möglich .

Doch obwohl sich über die Jahre mehr als 700.000 Nutzer bei dem Dienst registrierten, konnte er niemals die kritische Masse erreichen, die für das Gelingen eines derartigen Konzepts erforderlich wäre. Mit einer Diversifizierung über das eigenständige standortbasierte mobile Spiel LiftLoft sollte im vergangenen Jahr ein neuer Markt ausprobiert werden - doch weder die Nutzer- noch Umsatzzahlen entsprachen den Erwartungen, weshalb das aka-aki-Team im September den Stecker bei LiftLoft zog. Parallel war das bereits angeschlagene Startup gezwungen, sich von einem Teil des Teams (vorrangig Freelancer) zu trennen.

Damals gab aka-aki-Gründer Roman Hänsler noch die Parole aus, sich wieder vollständig auf die Weiterentwicklung des Kernangebots fokussieren zu wollen. Doch offensichtlich kam man nach rund vier Jahren ohne wirklichen Durchbruch zu der Einsicht, dass alles Pulver (und wahrscheinlich auch das Geld) verschossen sei. Am 1. Juli gehen bei dem Dienst die Lichter aus. Laut Unternehmensregister wurde die aka-aki GmbH zum 15. Mai aufgelöst. Im Blogbeitrag weist das Team aber auch darauf hin, dass sich interessierte Käufer gerne melden dürfen.

Womit aka-aki seit 2008 experimentierte, haben in den vergangenen Monaten zahlreiche US-Startups unter den Labels "People Discovery" oder "Ambient Location" wieder aufgewärmt. Einer der Anbieter, Glancee, wurde jüngst von Facebook übernommen und dann geschlossen. Konkurrent Highlight erhielt von allen neuen Anbietern in dem Segment bisher den Löwenanteil der Aufmerksamkeit, quält sich aber abseits von Technologie-Hotspots und Branchenkonferenzen mit hohem Geek-Anteil ebenfalls mit dem Problem zu geringer Verbreitung - was teilweise auch auf den noch immer enormen Strombedarf der App zurückzuführen ist, der einen dauerhaften Einstz von Highlight quasi unmöglich macht.

Es ist nicht auszuschließen, dass die Zeit auch 2012 noch nicht reif für einen breiten Erfolg von mobilen Apps ist, die Standorte ihrer Nutzer automatisiert abgleichen, um Kontaktaufnahmen mit potenziell interessanten Menschen in der Nähe zu erlauben. Ich bin überzeugt davon, dass der Tag kommen wird, an dem derartige Anwendungenin den Mainstream vorstoßen. Erst wenn dies eingetreten ist, wissen wir, wie viele Jahre zu früh aka-aki mit seinem Konzept eigentlich war.

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