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03.08.11

Airbnb, 9flats.com & Wimdu: Eilige Betriebsamkeit

Nachdem einige Vermieter des Wohnungsportals für Privatpersonen Airbnb Opfer von Vandalen wurden, führen der angesagte US-Dienst und seine deutschen Konkurrenten 9flats.com und Wimdu eilig Versicherungen ein. Wieso erst jetzt?

 

Nicht alle Menschen respektieren privates Eigentum. Diese traurige, aber unveränderliche Tatsache stellte in meinen Augen stets die entscheidende Schwäche der wachsenden Zahl junger Onlinedienste dar, die Marktplätze für die Vermietung und temporäre Überlassung von Gütern zwischen Privatpersonen betreiben.

An vorderster Front dieses Peer-to-Peer-Trends positionieren sich seit einiger Zeit Plattformen zur zeitlich begrenzten Vermietung von Privatwohnungen. Beim US-Dienst Airbnb sowie seinen deutschen Konkurrenten 9flats.com und Wimdu hat jeder die Möglichkeit, die eigene Wohnung für einige Tage oder Wochen an andere Menschen zu vermieten und sich so ein Zubrot zu verdienen.

Zwar setzen alle drei Services auf Kontrollmechanismen und ein Bewertungssystem, um Vermieter rechtzeitig auf schwarze Schafe aufmerksam zu machen, aber dass irgendwann eine in fremde Hände gegebene Unterkunft von Vandalen heimgesucht werden würde, war vorhersehbar: In den letzten Tagen gelangten einige Fälle an die Öffentlichkeit, in denen über Airbnb vermietete Appartments von Gästen komplett auf den Kopf gestellt wurden. Kritik zog das Startup aus San Francisco in diesem Kontext vor allem wegen seines zögerlichen Krisenmanagements auf sich.

Mittlerweile scheint sich die anfängliche Aufregung gelegt zu haben, und die Wohnungsvermittler sind dazu übergegangen, zusätzliche Sicherheitskomponenten in ihr System zu integrieren, um den sich abzeichnenden Image- und Vertrauensverlust bei derzeitigen und potenziellen Vermietern in Grenzen zu halten.

So hat Airbnb bekannt gegeben, dass ab dem 15. August alle über die Plattform vermieteten Quartiere mit einer Garantie von bis zu 50.000 Dollar abgesichert sind, die im Falle von Zerstörung oder Diebstahl greift. Genaue Details und ob eventuelle Gebühren für diese Absicherung anfallen, sind bisher nicht bekannt (Update: Siehe Airbnb-Kommentar am Artikel-Ende)

Der von Qype-Gründer Stephan Uhrenbacher im Februar gestartete Airbnb-Kontrahent 9flats.com  hat heute verkündet, ab Donnerstag eine optionale Zusatzversicherung anzubieten, die Vermieter bei Zahlung einer Tagespauschal von 3,50 Euro und einer Selbstbeteiligung von 100 Euro gegen Schäden bis zu 2.500 Euro absichert. Das Angebot gilt vorerst für Vermieter in Deutschland, soll aber in einigen Wochen international lanciert werden.

9flats.com verweist außerdem darauf, dass in sechs Monaten seit der Gründung nicht ein Schadensfall über 100 Euro aufgetreten ist.

Auch das von den Samwer-Brüdern gegründete Wimdu hat uns auf Anfrage erklärt, dass es derzeit Gespräche mit mehreren Versicherungen führe, um Vermietern einen zusätzlichen Schutz offerieren zu können. Unangenehme Vorfälle wie die jetzt bekannt gewordenen bei Airbnb habe es bei Vermietungen über Wimdu bisher nicht gegeben, teilte uns eine Sprecherin mit.

Trotz des dreistelligen Millionenbetrags, den Investoren mittlerweile in die drei aufstrebenden Startups gepumpt haben, halte ich das Prinzip der Wohnungsvermietung zwischen Privatpersonen für ein Nischengeschäftsmodell (zugegebenermaßen eine attraktive Nische), dessen Engpass für alle Zukunft im begrenzten Angebot liegen wird. Das Sprichwort heißt nicht umsonst "My home is my Castle" - nicht jeder wird Fremde im eigenen Schloss wohnen lassen wollen.

Garantien und Versicherungen für Schadensfälle sind aber sicher ein angemessener Weg, um das theoretische Marktpotenzial besser zu erschließen und Vermietungswillige, aber skeptische Verbraucher davon zu überzeugen, es einmal auszuprobieren.

Angesichts der Vorhersagbarkeit von Vandalismusberichten frage ich mich allerdings, wieso Versicherungen nicht schon viel früher in die Angebote integriert worden sind. Nicht nur, um Betroffenen Ärger zu ersparen, sondern auch, um mehr Menschen zur Vermietung zu bewegen.

Update: Airbnbs deutsche PR-Agentur hat uns folgenden Kommentar zum geplanten Eigentumsschutz geschickt:

Airbnb plant tatsächlich, im August eine Kulanzregelung einzuführen, die Schäden von bis zu 50.000 US-$ abdecken soll. Allerdings können Anpassungen an die rechtlichen Vorgaben bestimmter Länder bis zur endgültigen Einführung noch erfolgen. So sprechen wir zum Beispiel in Deutschland auch von einer Kulanzregelung und nicht von einer Garantie oder Versicherung.

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