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08.09.14Leser-Kommentare

Aggressives Uber gegen behäbige Taxibranche: Die ideale Lösung liegt in der Mitte

Die Taxibranche und Uber sind zwei Extreme, die aus unterschiedlichen Gründen nicht den Wunschzustand darstellen. Dennoch ist Uber essentiell, um die Rahmenbedingungen für Individualbeförderung neu zu gestalten.

angrytaxidriver_smallMeine ersten zwei Artikel, die ich zum umstrittenen Beförderungs-Dienst Uber verfasste, besaßen einen tendenziell kritischen Grundton. Ich fand es befremdlich, dass ausgerechnet der Anbieter einer Luxusdienstleistung zum Aushängeschild des Technologie-Sektors avancierte. Damals beschränkte sich Uber zwar noch auf das Limousinen-Segment. Doch selbst die später gestartete P2P-Kategorie UberPop, bei der Privatmenschen mit ihren eigenen Autos als Fahrer auftreten, ist nach meiner Definition ein Teil der Individualbeförderung und im Gegensatz zum öffentlichen Personennahverkehr nicht essentiell, ergo ein Luxusprodukt.

Doch aufgrund der hysterischen, aggressiven und kundenfeindlichen Reaktionen des Taxigewerbes veränderte sich meine Haltung zu Uber im Laufe der Zeit. Obwohl ich den Service selbst so gut wie nie verwende und meine Skepsis nicht abgelegt hatte, war es schwierig, Uber nicht moralisch gegenüber dem alle Register ziehenden Taxigewerbe zu verteidigen. Taxis und Uber - zwei Extreme

Im Endeffekt aber stellen beide Protagonisten, die Taxi-Branche sowie Uber, auf Dauer nicht wünschenswerte Extreme auf einer Achse dar, deren Mitte den Idealzustand markiert.

Die Taxiwirtschaft genießt seit Jahrzehnten einen ungesund komfortablen Zustand, bei dem staatliche Regulierung sowie begrenzte Lizenzvergabe jede Form eines ernstzunehmenden Wettbewerbs verhindern. Daraus resultiert ein extrem niedriges Service-Level, die Abwesenheit jeglicher Kundenfokussierung sowie ein geringer Innovationsgrad. Weil niemand den Taximarkt herausfordern konnte, fehlte der Antrieb, die eigene Dienstleistung zu verbessern oder in die Zufriedenheit der Kunden zu investieren. Laut zahlreicher Anekdoten wurde die Unbeweglichkeit der Branche durch zum Teil mafiöse Strukturen und viele schwarze Schafe verschlimmert. Als myTaxi als eines der ersten Startups in dem Bereich versuchte, die schwerfälligen, seit einer Ewigkeit nicht angetasteten Strukturen aufzubrechen, sah es sich mit allerlei Anfeindungen konfrontiert - die auch unter die Gürtellinie gingen. Selbst Fäkal-Attacken gegen das Büro des Unternehmens aus Hamburg soll es damals gegeben haben.

Uber-Chef Travis Kalanick bezeichnete das Taxigewerbe einst als “Arschloch”. Ob man nun dieser harschen Charakterisierung zustimmen möchte oder nicht - tatsächlich liegt in der Indivudalbeförderungsbranche sehr viel im Argen.

Allerdings ist Kalanick selbst kein sympathischer Typ, mit dem man gerne ein entspanntes Bier trinken möchte. Ironischerweise hört man das von ihm mit Blick auf Taxis verwendete A-Wort in Kreisen der Netzwirtschaft häufig im Zusammenhang mit seiner Person. Kalanick ist ein Aggro-Entrepreneur. Skrupellos und ohne Rücksicht auf Verluste, Menschen oder ethische Grenzen setzt er seine Wachstumspläne durch, finanziert durch Wagniskapital in Milliardenhöhe. Seinen Fahrern verschlechtert das Unternehmen immer weiter und mit fadenscheinigen Argumenten die Konditionen. Der Konkurrent Lyft wird mit unfairsten Mitteln attackiert, und gesetzliche Verfügungen werden durch die Bank weg ignoriert. Hauptsache, der Kunde ist zufrieden.

Uber war notwendig

Jetzt kommt die Pointe: Genau deshalb ist Uber der richtige Kandidat, um das vor allem auf die eigenen Belange bedachte Taximonopol zu sprengen und eine Überarbeitung der Gesetze zu erwirken. Nur ein skrupelloses Internetunternehmen mit viel Geld im Rücken ist in der Lage, die ihrerseits nicht zimperliche, auch vor fragwürdigen Geschäftspraktiken nicht zurückschreckende Taxiwirtschaft aufzumischen und zu einem Punkt zu bringen, an dem sie sich - ausgelöst durch neue rechtliche Rahmenbedingungen - neu ordnen und erfinden muss.

Wenn heise-Kolumnist Volker Briegleb schreibt, dass der Fortschritt Uber nicht brauche, so liegt er meines Erachtens nach falsch. Kurzfristig dient die Existenz von Uber dazu, den Individualbeförderungssektor nach Dekaden der Stagnation fit für ein neues Zeitalter zu machen und zu der Einsicht zu bringen, dass die Bedürfnisse der Kunden eine größere Rolle spielen müssen, als dies bisher der Fall war. Gleichzeitig aber ist das gesamtgesellschaftliche Interesse an einem alle Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft unterlaufenden, keinerlei Verantwortung übernehmenden und elementare Fragen des Beförderungswesens - wie Versicherungen - ignorierenden Unternehmens wie Uber auf Dauer gering.

Die goldene Mitte

Das ideale Individual-Transportmittel vereint die Vorteile des Taxis, die vor allem in der rechtlichen Absicherung der Fahrgäste sowie in der Wahrung grundsätzlicher sozialer und arbeitsrechtlicher Aspekte für die Fahrer liegen, mit der Qualitäts- und Komfortkomponente sowie dem technologiegetriebenen Effizienzstreben von Uber. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem die Politik sich mit den Akteuren an einen Tisch setzen und die Rahmenbedingungen definieren sollte, die ein solches Ergebnis herbeiführen.

Das Taxi-Gewerbe muss aus seiner Ohnmacht geweckt und zum Ablegen all seiner Trägheit gezwungen werden. Uber wiederum müssen Grenzen gesetzt werden, um das, was Sascha Lobo treffend als Plattform-Kapitalismus bezeichnet, in die Schränken zu weisen.

Doch gäbe es Uber nicht, würden Taxi-Passagiere sich wahrscheinlich noch in zehn Jahren mit abgelehnten Fahrten (“zu kurz”), Bargeld-Zwang (“Kartenlesegerät geht nicht”) oder heimlich kleine Umwege nehmenden, mürrischen, nach Schweiß riechenden Fahrern herumschlagen müssen, die gar nicht auf die Idee kommen, dass ihre Dienstleistung mehr umfasst als den eigentlichen Transport von A nach B. /mw

Foto: Mad driver in the car, Shutterstock

Kommentare

  • Hans Gerrit

    08.09.14 (10:17:32)

    Uber ist am Ende.

  • Marius

    08.09.14 (10:57:05)

    Klasse Artikel! Absolut auf den Punkt gebracht....

  • Berni

    08.09.14 (13:46:36)

    Niemand wird zur Nutzung von Uber gezwungen. Weder die Fahrer, noch die Mitfahrenden. Die deutschen Taxikartelle haben sich Marktzugangshürden erlobbyt, die sie zynischerweise als Verbraucherschutz verkaufen. - Ok. Jeder Akteur am Markt versucht seine Marktmacht zu sichern. Nur in Deutschland wiederum sind die Konsumenten naiv genug, darauf reinzufallen. Fakt ist: An einem Markt, an dem die Verbraucher entscheiden, hätten diese sog. Sicherheitsstandards etc. keine Relevanz. Den Verbrauchern ist das egal. Sollte ich mich irren, kein Problem: Dann wird sich das Taxi am Markt behaupten. Die Zweite (auch sehr deutsche *g) Heiterkeit: Steuerzahler sind empört, Uberfahrten generieren weniger Steuererträge als Taxifahrten. Ein schöner Indikator dafür, wer in Deutschland die öffentliche Meinung prägt. Selbst das Geld fürs Taxi haben, anderen aber die Uberfahrt nicht gönnen. Das sei ja unsozial. Mit welchem Geld sollen sonst die Theater finanziert werden. :D

  • Andi

    08.09.14 (15:19:45)

    Alle sind für Uber, Uber ist gut...die Taxibranche ist schlecht..., keiner denkt über die Ursachen nach. Warum die Taxibranche so schlecht ist liegt auf der Hand, Taxifahrer werden mies bezahlt... Wäre die Bezahlung besser, dann könnten sich Taxiunternehmer das Personal aussuchen. Uberfahrer werden allerdings noch weniger verdienen, da von vorn herein 20% weggehen. Da stellt sich mir wirklich die Frage, wer dann als Uberfahrer unterwegs ist. Laut einen Bericht im Netz, verdient ein Uberfahrer in NY 3 Dollar die Stunde. Für mich ist Uber nur eins, ein Abzocker, die haben irgendwo einen Server stehen, der fast nichts kostet und wollen jetzt die große Kohle machen.

  • jhctext

    08.09.14 (18:11:28)

    Den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben war noch zu keiner Zeit ein gute Idee ;-)) Denn die Geister, die man rief, wird man schwer wieder los. Eine "Disruption" von Märkten (der andere Begriff aus dem Sascha-Lobo-Artikel) hinterlässt erst mal Trümmer – und dann folgt der Ruf nach dem Staat, der den Rahmen neu setzen soll. MyTaxi mit Bewertungsfunktion und Appzahlung erzielt mittelfristig den gleichen Service-Effekt – nur etwas langsamer, aber ohne "zerstörte Landschaften".

  • Jens Rode

    08.09.14 (18:42:51)

    Sehr geehrter Martin Weigert, ich lese nun zum wiederholten Male einen ihrer Artikel zum Taxigewerbe. Wie auch schon von anderen Kommentatoren unter ihren anderen Taxi/U.BER-Artikeln erwähnt wurde, sollten sie etwas besser recherchieren und sich nicht zur Verbreitung von Halbwahrheiten hinreissen lassen. Einige Beispiele aus ihrem hier veröffentlichten Artikel: - Die Lizenzvergabe ist z.Bsp. in HH und B nicht begrenzt. - Womit begründen sie einen gerinen Innovationsgrad? - myTaxi hat lediglich die Vermittlungsstrukturen aufgebrochen - ein Taximonopol gibt es nicht, weil Taxen Teil des ÖPNV sind. Und das "nur ein skrupelloses Internetunternehmen mit viel Geld im Rücken ist in der Lage, die ihrerseits nicht zimperliche, auch vor fragwürdigen Geschäftspraktiken nicht zurückschreckende Taxiwirtschaft aufzumischen" ist ein bisschen weit hergeholt. Nur weil etwas über eine App erreicht/vermittelt wird, ist es noch lange nicht innovativ. Erst recht nicht, wenn ähnliches, selbst unter Berücksichtigung der geltenden Gesetze, schon existiert und funktioniert. Bitte vermeiden sie zukünftig, ihre unausgegorenen Ausführungen zu publizieren.

  • Berni

    08.09.14 (19:08:16)

    "- Womit begründen sie einen gerinen Innovationsgrad?" Begründen? Einen ersten Eindruck bekommt man, wenn man versucht Taxi zu fahren. Da jagd ein entweder gebrochen deutsch oder mundart (je nach region) sprechender Flegel mit lauter Assimukke unzuverlässig von a nach b. Vielleicht kommt das bestellte Taxi sogar an, wenn auf dem Weg kein Club liegt. Das Servicdefizit zu leugnen scheint mir Polemik. :D

  • rfvtgbzhn

    08.09.14 (19:29:34)

    Das Taxen Teil des ÖPNV sind, schließt nicht aus, dass es ein staatlich geschütztes Taximonopol gibt. Wer für Notfallfahrten nicht mehr bezahlen will, soll sich dafür versichern.

  • Berni

    08.09.14 (20:30:22)

    Ich hatte eher den Eindruck, die öffentliche Meinung ist gegen Uber. Uber ist jünger, aus den US, weniger mit der Politik verfilzt, usw usf. Da bleiben nicht mehr viele Befürworter übrig. - Also außer Fahrern und Kunden..

  • Chris Teuber

    08.09.14 (22:10:08)

    Zitat: "Doch gäbe es Uber nicht, würden Taxi-Passagiere sich wahrscheinlich noch in zehn Jahren mit abgelehnten Fahrten (“zu kurz”), Bargeld-Zwang (“Kartenlesegerät geht nicht”) oder heimlich kleine Umwege nehmenden, mürrischen, nach Schweiß riechenden Fahrern herumschlagen müssen" Ich finde das zutiefst diffamierend und unsachlich! 1. Beförderungspflicht! Taxifahrer MÜSSEN fahren, und dass JEDE Strecke, egal wie kurz. Ich räume aber ein, dass es schon mal vereinzelt(!) verbale Noten gab, nachdem man nach fast 2 Std. Wartezeit eine Tour von 11.-Euro bekam. Kann aber und muss sogar zur Anzeige bei Zentrale oder Behörde gegeben werden. Wer so was unterlässt, sorgt dafür, dass die schwarzen Schafe, die es sicher auch im Taxigewerbe gibt, halt so weiter machen. Uber-Fahrer müssen NICHT jede Streckie fahren, weder kurze noch lange Strecken. Bei UBER gibt es nämlich erst keine Beförderungspflicht. "Zu kurz? Zu spät? Sorry, kein Fahrer in der Nähe" o.ä. 2. Kartenlesegeräte sind, so lange sie keine Pflicht sind, eine freiwillige Serviceleistung des Taxiunternehmens. Die meisten, die ich kenne, setzen es als gute Dienstleister auch gerne ein. Manche lukrative Tour bekommt man manchmal erst dadurch (Geschäftsleute). Ob UBER-Fahrer ein Kartenlesegerät haben? Ach so...App... na dann.... 3. Bei einem Kilometerpreis von 1,90 Eu und 43%ige Umsatzbeteilung eines Taxifahrers muss ein Umweg, der auch für den Fahrer was merklich bringen soll wie groß sein, bitte?? 2km (86 Cent)? Oder am Besten gleich 8 km (3,44 Eu)? Und 8 Kilometer Umweg bemerkt der Gast nicht? Ich sage, er würde sogar selbst als Ortsunkundiger schon bei 2 km merken! Das mit den Umwegen mag es in den Hungerzeiten der 50ern mal gegeben haben - aber es ist heute eine alte unausrottbare Mär, wie dass Weinbauern "immer" Wasser beimengen oder Döner "meist" Gammelfleisch beinhaltet. 4. "mürrisch" lasse ich nach einer 7 oder 9 Std. Schicht gelten, aber Beleidigungen wie, dass Taxifahrer per se oder zumindest oft nach Schweiß riechen geht eindeutig zu weit! Das ist Demagogie! Für einen Blogger oder Journalisten wirklich keine Glanzleistung. Und UBER-Fahrer sind natürlich NIE mürrisch, ungepflegt und sind auch immer superfreundlich. Klar. Und sie kennen natürlich immer den genauen Weg und machen alles richtig. Sie sind die perfekten Dienstleister und versteuern ihr Einkommen auch ordentlich. Klar, muss ja, alleine schon weil sie keine Taxis sind.

  • Jens Rode

    09.09.14 (01:43:27)

    Und wo ist hierbei die fehlende Innovation? Das es im Taxigewerbe ein Servicdefizit gibt, ist unbestritten. Deswegen muss man aber nicht gleich am Thema vorbeireden.

  • Martin Weigert

    09.09.14 (02:01:18)

    Wie kann man die fehlende Innovation in einer Branche anzweifeln, die seit Jahrzehnten streng reguliert wird und in der die Dienstleistung für den Kunden 2010 genauso aussah wie 1990? Die Tatsache, dass myTaxi, Uber und andere Anbieter aus Kundensicht innerhalb weniger Jahre so viele Dinge verändert haben und damit auf Resonanz stoßen, ist ein klarer Indikator dafür, dass die Branche selbst Innovation versäumt hat. Dann würde heute noch immer alles über Callcenter laufen, Bestell-Apps gäbe es nicht, es gäbe kein Bewertungssystem für Taxifahrer, Kartenzahlungen wären noch seltener, Fahrer aufgrund des fehlenden Bewertungssystems noch weniger darauf bedacht, sich ein wenig ins Zeug zu legen. Wer angesichts dieser Situation die Feststellung in Frage stellt, dass die Taxibranche nicht innovativ ist, der hat meines Erachtens nach wahrlich keinen objektiven Blick auf die Situation (und ist vermutlich Taxifahrer).

  • marvis

    09.09.14 (06:30:54)

    Ich kann Uber in meiner Stadt (Köln) leider noch nicht nutzen, sehe aber großes Potential hier. Für mich ist die Frag gar nicht so sehr, ob und wie Uber in Konkurrenz zu den Taxis steht. Viel interessanter und wichtiger ist für mich die Frage, wie wir die Autos aus den Städten bekommen. Es gibt hier viel zu viele von den Dingern, aber man braucht sie leider an vielen Stellen eben doch für den Alltag. Wenn Uber es schafft, Personentransport (und evtl. auch teilweise den Transport von Alltagsgütern) für viele Menschen erschwinglich und einfach zu organisieren, dann wäre das ein wesentlicher Baustein zur Lösung eines der großen Probleme der Städte - und das wäre etwas, was die Taxis weder können noch überhaupt versuchen. Taxis sind größtenteils eine Bequemlichkeits- und Luxus-Dienstleistung für Leute, die es sich leisten können und wollen.

  • jonas

    09.09.14 (18:01:22)

    Die einzige Innovation der Taxi-Branche in den letzten 25 Jahren bestand darin, die bestehenden Gesetze so aufzuweichen, dass die Farbe der Taxen nicht mehr auf dieses Cremeweiss festgeschrieben war. Also wer ernsthaft an der Innovationsarmut dieser völlig brachliegenden Branche zweifelt, dem ist nicht mehr zu helfen. Der Uber-CEO verkauft sich nicht als Sympath in den Medien, aber ich freue mich darüber, dass der bestehenden völlig service-freien Branche endlich der Kampf angesagt wird. Als Geschäftsreisender nerven mich Städte ohne Uber mittlerweile. Car2go ist auch in Ordnung. Ich brauche Sachen, die sich in meinen Alltag integrieren und drehe komplett durch in den Taxiwarteschlangen am Flughafen. In Deutschland hat jede Stadt nen anderen Taxiruf, den man erst googeln muss, um dann schon die ersten Euro im Callcenter liegen zu lassen. Dann sind die meisten Taxifdahrer trotz Ortskundeprüfung völlig orientierungsamputiert und schauen heimlich auf ihre TomToms oder Smartphones. Wenn man an exotischer Stelle abgeholt werden will, muss man auch Geduld haben, weil GPS-Daten übermitteln ist nicht. In den Großstädten fangen Taxifahrer auch gern ein Gespräch mit dir an oder fragen nach deinem Lieblingsradiosender. Das ist alles durchsichtiges Trinkgeldgehaschere, das ich nicht brauche. Allein deshalb ist Uber ein Segen. Die Taxibranche in Deutschland ist auch noch nie auf die Idee gekommen, gut sichtbar Nichtrauchertaxis zu kennzeichnen. Teilweise muss man an 5 Taxis vorbeiriechen, bis man bei einem mal nicht umfällt, aber dann kann man ja doch nur im vordersten einsteigen. Ich hoffe, dass die Branche platzt wie ein Pickel! Ich könnte noch Stunden unschöne, service-fremde und kundenfeindliche Anekdoten zum Besten geben...

  • Jens Rode

    09.09.14 (19:30:01)

    Richtig erkannt! Ich bin Taxifahrer. Genau deshalb weiss ich einiges mehr an Fakten. Wie schon anderswo erwähnt: Besser recherchieren, dann schreiben!

  • Jens Rode

    09.09.14 (20:13:27)

    Sehr geehrter jonas, wenn sie die freie Farbgestaltung von Taxen als Innovation wahrnehmen, sollten sie sich mal fragen, warum der Grossteil der Taxen immer noch in der Standardfarbe unterwegs ist. Stichwort: Alleinstellungsmerkmal. In D hat zwar jede Stadt einen eigenen Taxiruf, aber gerade ihnen als Geschäftsreisender sollten die regional übergreifenden Möglichkeiten von (FREECALL) Rufnummern oder Apps bekannt sein. Fehlende Innovation oder fehlendes Wissen? Die Ortskundeprüfung deckt entgegen der landläufigen Meinung keine kompletten Städte/Gemeinden ab. Wäre es ihnen lieber, der Taxifahrer würde bei einer weniger bekannten und nicht im Ortskundekatalog vorgesehenen Adresse zuerst einmal im nicht ganz so innovativem Stadtplan nachsehen? An "exotischer Stelle" gibt es (fast) immer, im Gegensatz zum Handynetz, GPS-Empfang. An dem Punkt, wo sie die Frage nach dem Radiosender als "Trinkgeldgehaschere" interpretieren, ist mir aber klar geworden, dass man es IHNEN sowieso nie recht machen kann. Und wenn sie sich dann noch über die fehlende Kennzeichnung von Nichtrauchertaxen beschweren, sei ihnen gesagt, das es in D seit dem 01.09.2007 ein generelles Rauchverbot für Fahrgäste und Fahrer gibt. Sollte sich ein Fahrer nicht daran halten, Anzeige mit Konzessionsnummer (i.d.R. Heckscheibe links unten) oder Kennzeichen an die zuständige Behörde. Aber das ist ihnen sicherlich zuviel Aufwand. Im übrigen, Wahl der Taxe sowie Sitzplatzwahl im Taxi sind dem Fahrgast schon seit ewigen Zeiten freigestellt. Ihrem Kommentar ist also in weiten Teilen zu entnehmen, dass sie sich wenig bis garnicht mit der Materie beschäftigen, aber der Meinung sind, dass ein amerikanisches Multimillionendollarunternehmen, welches sich nicht einmal um deutsche Gesetzgebung schert, der Heilsbringer für das Transportgewerbe ist. Dieses Unternehmen würde nicht in Ansätzen so attackiert werden, wenn es sich an die gleichen Regeln und Vorschriften halten würde!

  • Berni

    09.09.14 (20:25:14)

    Wenn sich Über nicht an dieses allgemeine Rauchverbot halten muss, dann ist das doch schon Innovation. Ich hab keine Erfahrungen mit rauchenden taxi/über Fahrern, aber Vielfalt Konter den Regulatoren ist doch faktisch Innovation. (..in diesem Fall ein Service für Raucher, sofern das zu erwähnen nicht schon politisch tabu ist.)

  • Chris Teuber

    09.09.14 (23:20:05)

    Rauchertaxis gibt es schon seit Jahren nicht mehr! In Deutschland wie auch in den USA nicht. Wenn Sie angeblich weltgewandter Geschäftsreisender sind, sollten Sie das eigentlich wissen - oder sie behaupten lediglich, dass Sie einer seien. Was aber sein kann, ist, dass vereinzelt Taxen nach Rauch riechen - eine sehr unschöne Begleiterscheinung des allgemeinen Rauchverbotes, so dass sich einzelne Taxifahrer oder Kunden nicht daran halten. Sollte aber die Ausnahme sein - auch meiner Erfahrung nach. Andererseits ist es bei UBER - wie es der Vorposter andeutete - wohl üblich, dass dort ganz selbstverständlich, quasi als "innovativer Servicegedanke", geraucht werden darf - zumindest besteht keine gesetzliche Regelung und Kontrolle dazu, schlicht, weil Uber sich ohnehin an kaum welche Gesetze hält! Die sind ja alle so altbacken und sooo alt... Innovativ (sprich also alle Gesetze ignorieren) ist immer gut, nicht wahr? Uber ist also für Sie die richtige Alternative?? Dort wo man ohne Kontrolle rauchen darf? Dann mal Gute Fahrt in den geschäftlich bereisten Metropolen der Welt.

  • Stephan

    10.09.14 (09:40:32)

    Toller Artikel! Ich sehe es auch so, dass sich beide Seiten einander annähern müssen. Und das kann nur durch die Politik geschehen. Ich sehe es kritisch, dass ein US Konzern (unter anderem finanziert von Goldman Sachs – da sollten eigentlich bei allen schon die Alarmglocken läuten) mit einer neuen Idee sämtliche europäische Großstädte überschwemmt, ohne die dort geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen einzuhalten. Es handelt sich hier nunmal um einen ganz normalen Taxi-Dienst. Innovativ, natürlich. Für viele sicherlich ‘geil’, weil da gibts ja ne App und billig ists auch noch. Das ist aber leider zu kurz gedacht und mögliche, negative Auswirkungen überschreiten von vielen den Horizont. Billig ist nicht gleich innovativ, wenn dabei ein Teil der Einnahmen nicht versteuert wird bzw. an internationale Konzerne fließen (die ihren Hals nicht voll genug bekommen). Für mich gibts daher nur zwei Möglichkeiten. Entweder hält sich Uber an die gesetzlichen Bestimmungen, oder die Gesetze werden angepasst / gelockert – und zwar für beide Seiten.

  • Berni

    10.09.14 (10:00:35)

    Oha. Jup, es ist wohl schon ein politisches Tabu. :D

  • Chris Teuber

    10.09.14 (10:15:46)

    Guter Beitrag. Auch wenn man als leidgeprüfter Deutscher über jede Regelungszurücknahme sich freuen würde: Die Regelungen sind primär zum Schutz der Fahrgäste ergangen - EBEN WEIL es in der Nachkriegszeit oder auch davor viel Wildwuchs, Betrug und Minderqualität gab. Da wurden Fahrpreisanzeiger nicht geeicht, oder gleich ausgelassen und dem Fahrgast ein Phantasiepreis genannt - darum Eichung und Pflicht diesen auch laufen zu lassen. Oder es wurde gegenseitig unterboten um ja einen Kunden zu bekommen. Das führte bis hin in die Unwirtschaftlichkeit ja, sogar Armut, und so sahen Taxen auch aus - technische Wartung und Erneuerung blieb oft aus. Gefahr! Das führte zur Tarifpflicht - alle im Kreis (bzw. Stadt) zahlen das Gleiche. Zudem gibt es eine TÜV-Pflicht alle 12 Monate. Da sind seltsamste und untauglichste Gestalten in Unfälle verwickelt gewesen, weil sie Grün von Rot nicht unterscheiden konnten - darum Sehtest alle 5 Jahre. Da gab es Herzanfälle oder Zuckerschock, oder ausgemachte Alkoholiker saßen am Steuer - darum Gesundheitscheck ebenfalls alle 5 Jahre, ab dem 60.ten Lebensjahr verschärft. Taxen gehören zum ÖPNV und MÜSSEN fahren. Kurze Strecken, unmöglichste Uhrzeiten und dürfen KEINEN Fahrgast ablehnen (ausgenommen er ist stark verschmutzt, aggressiv oder führt geladene Schusswaffen bei sich.) Das führte zu der Regelung der Beförderungsflicht. Eben damit nicht nur Clevere oder zu Hauptverkehrszeiten aktive Fahrgäste bedient werden, sondern auch die Oma, die nur ans Ende der Gasse will (Arzt) oder die Schwangere die um 3:30 Uhr (morgens) dringend in die Klinik muss. Es gibt aber schon "innovative" Konkurrenz der Funkmietwagen. Diese haben keine Beförderungspflicht und können Tarife frei vereinbaren. Das kann mitunter daher auch preiswerter sein als mit Taxen - MEISTENS ist der Funkmietwagen aber teurer, weil er eine höhere Mehrwertsteuer abführen muss. Auch hat er eine kostenverursachende Rückkehrpflicht zum Betriebssitz und darf niemanden auf der Straße aufnehmen. UBER bietet deswegen so billig an (20% unter dem regulären Taxipreis - der Preisvorteil ist also nun nicht gerade immens zu nennen) weil er auf diese oben beschriebenen und durchaus sinnvollen Regelungen pfeift und sich nur das Bequemste und Beste rausgreift. Und das dann als Innovation erklärt - hanebüchen! Da geht e nur um die eigenen Millionen, die man per App zu erwirtschaften gedenkt. (Stolze 20% vom Fahrpreis, man bedenke!) Aber gerne können wir alle Regelungen aufheben! Jeder macht künftig was er will. Profis wie Einsteiger. Und DANN aber ist das Taxi durch Routine und Vernetzung plötzlich noch günstiger als UBER, Hoppla! Wat nu? Die schönen Millionen.... Und wenn dann auch noch das Finanzamt mal endlich diese UBER-Fahrer prüft (Kontoüberpüfung) oder die ARGE (Einnahmen neben ALG2!) dann kommen noch ganz andere Regelungen in Betracht. ;-) Aber UBER wird dann sicher auch das deutsche Steuerwesen oder Hartz4-Gesetze als "wenig innovativ" darstellen. ;-)

  • Chris Teuber

    10.09.14 (10:23:53)

    Bernie, dass allgemeine Rauchverbot hat aber REIN GAR NICHTS mit den “bösen” Taxen zu tun. Oder der "Innovationsfähigkeit" von Uber. Viele Unternehmer würden sicher gerne auch Rauchertaxis anbieten – dürfen es aber nicht. Bedanken Sie sich bei den Gesundheitsfanatikern der EU oder den Grünen. (Ich selber war immer und bin NI-Raucher, aber diese Regelungswut über die Köpfe der Raucher hinweg (Warum kann es keine erklärten Raucherkneipen oder Rauchertaxis, Raucherflugzeuge, Raucherabteile (DB) u.a. geben?) finde ich auch unerträglich.)

  • Berni

    10.09.14 (11:00:28)

    Der starke regulative Eingriff ist Teil des Produkts. Ich will gar nicht sagen, dass das Rauchverbot (exemplarisch) der Taxibranche geschuldet ist oder das die Taxibranche notwendigerweise was für die anderen Regularien kann (obwohl das durchaus in deren Interesse liegt) - Fakt ist: Das Modell Über schafft es, diese Regulierung zu umgehen und so den Kunden einen weitestgehend unregulierten Service zur Verfügung zu stellen. Das ist erst mal an sich bereits ein Service an der Gemeinschaft. (Der Dienst ist freiwillig, Verbraucherschutz zählt also nicht. Der Dienst ist günstiger, bzw. gibt die Steuerersparnis an den Steuerzahler weiter, Steuerneid zählt also nicht.) Die Konsumenten haben Oberhaupt nichts davon, dass der Bevörderungspreis durch Stehen in die Höhe getrieben wird. Das ist alles bloß versteckte Parlamentsfinanzierung um den Preis zu verschleiern. Bei jedem anderen Service wären die selbsternannten Verbraucherschützer auf den Barrikaden, wenn man ihn versteckt in den Preisen anderer Dienstleistungen finanzieren müsste.

  • Chris Teuber

    10.09.14 (11:20:54)

    Bernie, das ist doch pure Demagogie! Nach dem Motto: "Ich war letztens auf einem Weinfest. Alle Weine schmeckten ziemlich dünn und wässrig. War ja klar...man kennt so was ja..." Die Fahrweise bei routinierten und nicht gerade recht betagten Taxifahrern ist in der Tat flotter, zügiger aber auch sicherer als der Durchschnitt. Und so mancher Fahrgast - je jünger desto eher - goutiert dies auch und bedankt sich mit einem guten Trinkgeld. Wer sitzt schon gerne länger in einem Beförderungsmittel als nötig? Und die Klage vom schleichenden Opa-Taxifahrer ("der ja auch noch Zeit schinden will, damit die Uhr höher läuft") hört man auf der anderen Seite dann aber auch. Andererseits kann der Fahrgast UNBEDINGT Einfluss nehmen und den Fahrer- sofern er dies nicht schon am Fahrgast erkannt hat - doch bitte um eine langsamere Fahrt zu bitten. Abgesehen davon, dass Sie dies bei (zudem unerfahrenen!) Uber-Fahrern durchaus auch machen müssten. Oder sind die alle "Fahrer des Monats"? Ebenfalls bestimmt der Fahrgast, was aus dem Radio kommt! (Natürlich nur dann, wenn der Wunsch nicht gegen die Hörgewohnheiten des Fahrers verstößt -"Mach mal ordentlich laut!"). Oder einfach bitten, dass das Radio ausgeschaltet werden soll. Und wenn ein Fahrgast so ängstlich, verklemmt und lebensuntüchtig ist, keinen Einfluss auf seinen Dienstleister zu nehmen, dann sollte nicht im Nachhinein die große diffamierende und verallgemeinendere Klage geführt werden. Im Restaurant sagen Sie dem Kellner doch auch, wenn der Kaffee zu kalt oder die Suppe zu salzig ist, oder trauen Sie sich da auch nicht? Und für die ganz großen Beschwerden gibt es die Taxizentrale (oft MIT eigenem Online-Beschwerdeformular) oder die Kreisverwaltung. Schwarze Schafe werden nämlich schnell blass, wenn Kunden (sachlich!) ihre Beschwerden vortragen.

  • Chris Teuber

    10.09.14 (11:47:12)

    Ich denke Sie verkennen den Nutzen von Gesetzen. Sie glauben, wenn man Gesetze nicht beachtet, dass man dann der Gesellschaft einen Service erweist. Ich finde diese Art zu denken sehr bedenklich. Gesetze haben nun mal den Charakter, dass Wenige zugunsten der Mehrheit zurückstecken müssen. Das gefällt den Wenigen nicht, das ist klar. Raucher wollen rauchen, Raser wollen rasen, Gutverdiener wollen kaum Steuern zahlen. Und Gurtmuffel (wie ich) wollen ohne Seilzüge über dem Körper fahren. Und Free-Biker ohne Helm über die Autobahn cruisen. Sie müssen schon erkennen, dass Gesetze dazu da sind, dass man sie entweder befolgt, oder durch Justiz (Grundsatzurteile) oder politische Einflüsse diese aufhebt. Und wenn Sie das geschafft haben, dann soll jeder da rauchen, rasen oder kostenlos parken wo er mag. Oder privat Taxi spielen. Aber erst dann. Django war gestern. Der Beförderungspreis wird durch Stehen in die Höhe getrieben?? Meinen Sie das Weiterzählen des Fahrpreises wenn das Taxi mit Fahrgast steht (z.B. Ampel)? Das hat Uber aber auch. Oder die kalkulatorischen Grundlagen die ein Betrieb – JEDER Betrieb – nun mal mit sich bringt? (Wartezeiten, Versicherungen, Mindestlohn, Ausbildungen der Fahrer…) Diese “versteckten” Kosten finden Sie in absolut ALLEN Verbraucher- und Dienstleistungspreisen! Auch bei UBER sind die 20% Uber-Provision des Fahrpreises ja als Nebenkosten auch drin. Dann aber frage ich mich, warum der Uber-Preis bei geringsten Bereitstellungskosten (“freiwillig” und “ohne dummen Verbraucherschutz”) immer noch stolze 80% des Taxifahrpreises beträgt. Rein kalkulatorisch müsste der Preis – da das Privatauto und Internetflat ja ohnehin vorhanden ist, man ja nur “nebenbei” fährt, und außer Sprit und ein bisschen Verschleiß keine zusätzl. Kosten anfallen nur 30-40% eines Taxipreises betragen. Also wie erklären Sie sich den doppelten Fahrpreis den Uber über diese Kalkulationsgrundlage hinaus erhebt? Der Uber-Fahrer muss doch auch was verdienen? Ach so, und der Taxifahrer (und der Unternehmer) nicht? Zudem muss ein Taxifahrer Lohnsteuer(!) und ein Unternehmer Einkommenssteuer(!) auf das eingenommene Geld (abzügl. Kosten und hoher Versicherungsprämien) zahlen. Aber vermutlich gehört das ja auch zum Innovationsgedanken von UBER und seinen Fahrern diese ganz hip und innovativ zu umgehen.

  • jonas

    10.09.14 (12:19:20)

    So viel Wut und Pathos seitens der Taxilobby...ich kann es nachvollziehen, dass Uber nicht ganz fair spielt, dass ihr euch im Stich gelassen fühlt, dass es um die Existenz geht, dass ihr glaubt, nicht verstanden zu werden...aber... so läuft das nunmal. Jammern bringt nichts. Ich äußere mich hier als Kunde und zähle tatsächliche Erfahrungen auf und werde nicht nur nicht ernstgenommen, sondern lächerlich gemacht. klar, der Ton macht die Musik und ich habe steil vorgelegt. Trotzdem liegt da der Kern des Problems. Die Taxilobby ist satt und faul in den Köpfen. Davon geht die eigentliche Bedrohung aus. Das Hervorsprießen von Uber stößt den ersten Dominostein nur an. Das ist es, das nicht verstanden wird. Zeiten ändern sich und Branchen müssen sich anpassen. Wer nicht anpassungsfähig ist, wird irgendwann bestraft. Im übrigen, der Vorwurf "Uber halte sich nicht an Gesetze - Frechheit" gilt doch in grün für die gesamte deutsche Taxibranche. Tugendhafte Theorie und Praxis gehen meilenweit auseinander. Ich habe es oft genug erlebt, dass ich in einer Taxischlange mittendrin in eins der Taxis einsteigen will und freundlich darauf hingewiesen werde, in das vorderste einzusteigen. Natürlich könnte ich mich beschweren, aber wer ruft denn eine Nummer an und sieht dann zu, wie sich der Taxifahrer rausredet, indem er angibt, er hat nur Pause gemacht? Und Rauchverbot hin oder her, die meisten Taxen stinken nach Rauch, weil die Fahrer rauchen. Ob im Taxi oder während der Fahrt, sei dahingestellt....viele Großstadttaxen stinken. Es ist für mich auch absolut faszinierend, wie kurzsichtig das Gejammer vonstatten geht. MyTaxi und Uber-Fahrer werden als Bedrohung ausgemacht. Die eigentliche Bedrohung sind die Wünsche des Kunden, denn wenn es nach mir geht, können Uber, Tesla und Googles autonomous car software ein hübsches Baby machen und mittelfristig nicht nur die Taxis ablösen, sondern die Uber-Fahrer gleich mit. Das ganze wäre umweltfreundlicher, ressourcenschonender, effizienter und und und. Taxis sind VHS-Kassetten. Das müsst ihr verstehen. Es gibt nichts zu retten....die wenigsten Menschen wissen überhaupt, dass zur Erfindung des Fahrstuhls ein Fahrstuhlführer üblich war. Da war tatsächlich einer den ganzen Tag drin, hat einen begrüßt und die Knöpfe gedrückt. Den Typen vermisst niemand. Warum? Technologie. Taxifahrern wirds genauso ergehen. Und das ist okay, weil die Leute dann umdenken müssen und dadurch dazulernen und der Gesellschaft einen höheren Mehrwert bieten werden...

  • Chris Teuber

    10.09.14 (12:45:42)

    Tja, lieber UBER-Kunde Jonas, wenn Sie einen Boxkampf ausfechten und der Gegner hat schwere Kieselsteine in seinem Boxhandschuh und Dopingmittel im Blut, und Sie nicht, dann würden sie sicher auch schmallippig, was den fairen Wettkampf angeht. Oder? Entweder die GLEICHEN Regeln (oder Regelwegfall) für alle - sonst ist ein kein Kampf, sondern ein Gemetzel ohne Regeln. Und dass Taxifahrer wie auch Taxiunternehmer Gesetze brechen ist wohl gemessen an täglicher Lebenserfahrung so normal, wie Sie auch Gesetze brechen, umgehen oder vernachlässigen. Ich habe auch schon kiffende Polizeibeamte kennengelernt. Aber das Nichtbeachten einiger Richtlinien durch einige schwarze Schafe bei den Taxen (was auch bei Anzeige verfolgt wird!!) bedeutet nicht den Freibrief von Privatpersonen sich jetzt über (fast) ALLE Gesetze der gewerblichen Personenbeförderung hinwegzusetzen. Wenn mein Parkplatznachbar seinen Aschenbecher auf dem Asphalt ausleert, dann darf ich ja auch nicht meine Altölvorräte ins Gebüsch entleeren. Oder doch? Auch werden Sie über kurz oder lang feststellen dass Ihr Wunder-Uber auch nur mit Wasser kocht. Rauchgestank, fehlerhafte, gar unsichere Fahrweise, Körpergeruch usw...alles was Sie bei Taxifahrern ausgemacht haben wollen, gibt es in viel stärkerem Umfang (z.B. Farbenblindheit) auch bei Privatfahrern. Eben, weil die behördliche Kontrolle fehlt. Und werden Steuern gezahlt? Oder gehört das auch zum Innovationsgedanken? Und wenn Sie dringend eine Beförderungsmöglichkeit um 3:00 Uhr nacht (in der Woche) haben wollen - wer wird dann mit hoher Sicherheit zu Ihnen kommen? Zu Ihren selbstfahrenden Fahrzeugen: Wenn es eines Tages (nicht vor 20 Jahren mindestens!) wirklich mal das selbstfahrende Auto gibt, dann wird es auch kaum noch Taxis geben. Das ist völlig richtig! Dann gibt es eben selbstfahrende Autos zum Anmieten einer Beförderung, betrieben von denen, die zuvor Taxis hatten oder neu einsteigen - abgerechnet nach Kilomtern - wo ist der Unterschied? Und ein solches Auto muss auch dann technischen und behördlichen Anforderungen genügen, und kann sich nicht "innovativ" über Gesetze hinwegheben und im fiskalischen Graubereich arbeiten. Und hält so ein Auto auch auf Winkzeichen an, wenn man im Smartphone mal keinen Empfang oder Akku hat?

  • Martin Weigert

    10.09.14 (14:45:13)

    Was Sie und diverse andere Vertreter der Taxi-Branche, die regelmäßig hier und an anderer Stelle kommentieren, einfach übersehen: Es führt zu nichts, wenn sie potenzielle oder tatsächliche Kunden, die ihnen ihre persönlichen Erfahrungen mitteilen, belehren. Es spielt auch keine Rolle, wie sehr sie rechtlich, moralisch oder sonst wie im Recht sind. Es ist in dieser Situation völlig egal. Die Klärung der rechtlichen Aspekte tragen Sie ja gerade an anderer Front aus. Entscheidend ist: Sie als Taxifahrer hören, was Kunden an Taxis stört. Das mag weh tun. Das mag in ihren Augen ungerechtfertigt sein. Es mag in ihren Augen eine Ausnahme sein. Wie auch immer: Der Kunden kommt zu Ihnen und lässt das Geld bei Ihnen, oder er sucht sich Alternativen. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, sicherzustellen, dass der Kunden gezwungen ist, aus Mangel an Alternativen mit Ihnen zu fahren. Bzw. es sollte wirklich nicht die Aufgabe des Staates sein. Die ganze Uber-Debatte hat der Taxibranche viele Einblicke in die Missstände den eigenen Wirtschaftszweig gegeben. Missstände, die augenscheinlich lange ignoriert wurden. Nutzen Sie das zu konstruktiven Verbesserungen der Probleme, die es im Taxiwesen gibt, und die dieser Tage überall im Internet in ausführlicher Form beschrieben werden.

  • Chris Teuber

    10.09.14 (16:16:26)

    Was bitteschön, macht denn so ein privater Uber-Fahrer besser? Auch wenn das bei Weitem nicht(!) die Regel ist - Verallgemeinerungen sind ja bei Pro-Uber-Kommentaren schon Legion - nennen wir hier mal knallhart störende Punkte und Vorwürfe - wie sie auch vereinzelt tatsächlich auftreten: 1. Taxis sind schmutzig oder verschmutzt Wie ist das bei Uber? Sind die alle wirklich sauberer als Taxis? Immer? Hier gibt es ja die Bewertung per App - sofern diese ordentlich genug unternommen wird. Meist geht das, selbst bei Einschränkungen und weil man dem armen Teufel am Lenkrad nicht schaden will und sein Einkommen gefährden möchte - wie bei Ebay aus - "alles super. Top Uber." Da ich auch bei myTaxi fahre kann ich sagen, dass ich so fahre wie mit meinen anderen Fahrgästen auch, und (trotzdem??) immer Top-bewertungen habe. Gegenmaßnahmen bei Schmutz in oder an Taxis: Beschwerden der Kunden bei Stadt oder Zentrale, oder auch eigene Kontrollen der Zentrale oder Ordnungsämter bei Durchfahrt durch die Stadt zwecks Qualitätsanhebung. 2. Taxifahrer riechen nicht gut. Uber-Fahrer riechen alle besser? Ach ja, Bewertung per App - aber eben auch nur wenn diese konsequent unternommen wird s.o. Gegenmaßnahmen bei Taxen - ebenfalls Eingaben bei der Stadt oder Zentrale. Wer diese nicht unternimmt, festigt einen nicht wünschenswerten Zustand. Auch gibt es unter Taxis einen Wettbewerb - man steigt halt in das Taxi ein, das einem gefällt. Auch die Trinkgelder können regulierend helfen. 3. Taxifahrer sprechen schlechtes Deutsch Uberfahrer haben alle einen Arier-Nachweis, oder wie will Uber ausländische Fahrer mit Sprachproblemen ausschließen? Gegenmaßnahmen bei Taxen: Wer schlechte Erfahrung mit ausländischen Taxifahrern gemacht hat, steigt halt in eines mit einem offensichtlichen deutschen Fahrer. Oder beschwert sich ebenfalls. 4. Taxifahrer kennen den Weg nicht und nutzen Navis. Na, wie gut, dass Uber-Fahrer alle nachweislich ortskundig sind ;-) Das Fahren eines deutlichen Umweges stellt sogar eine Straftat dar, die, wenn der Taxifahrer diesen auch berechnet, seitens der Behörden empfindlich geahndet wird. Auch im Nachhinein. Quittung dient als weitreichende Schutzmaßnahme. Stellt ein Uber-Fahrer eine ordentliche Quittung aus? Wie wird eigentlich sichergestellt, dass nicht auch Uberfahrten über Umwege erfolgen? Und was passiert, wenn zuviel berechnet wird? Müssen Beschwerden immer NUR per App erfolgen? Das gute alte Telephon oder auch der Klick auf die Webseite der zuständigen Taxizentrale (oder Behörde) ist dermaßen beschwerlich, dass es als nicht "innovativ" und somit "old school" gilt? Was höre ich weiter aus Ihrer Taxikritik heraus: "Was hier fehlt sind moderne Apps und Co"? Mit myTaxi existiert schon eine, aber legale, Fahrtenvermittlung per App, inkl. Bewertung und bargeldloser Zahlung. Gegen diese App ist auch nichts einzuwenden. Auch andere Apps machen von sich reden. (taxi.eu, Zentraleneigene Apps usw.) Aber man kann sagen: Alle bewegen sich INNERHALB bestehender deutscher Gesetze. Es sei denn man findet bestehende Gesetze doof, besonders die, die einen beim Geldverdienen stören. (Uber macht Millionenumsätze!) Und das ist der Unterschied zu nicht genehmigten Privat-und Hobbyfahrern und das macht den Furor der Gegenmeinungen aus. Innovation geht auch ohne Gesetzesübertretungen und Steuerhinterziehung.

  • Chris Teuber

    10.09.14 (16:47:43)

    Sie sprechen von Missständen? Welche Missstände denn? Die, die Sie in netter, wie diffamierender Weise nahezu verallgemeinernd oben darstellen? (s.o. meine Antwort dazu) Also alle Taxifahrer stinken, sind unfreundlich, fahren Umwege und haben verrottete Autos. Oder was meinen Sie mit Missständen? Ich spreche mal von Köln (eine Zentrale; 1300 Fahrzeuge): Schmutzige Taxen habe ich selten gesehen. Und wenn ich eins sehe, dann melde ich das der Zentrale. Die Zentrale fährt selber auch rum und schaut nach dem Rechten, und schickt so manchen Kollegen in die Waschstraße (bei Blockierung seines Funks bis zur neuerlichen Vorführung). So macht es auch das Ordnungsamt der Stadt Köln. Taxifahrer werden durch Ordnungsamt oder Zentrale auf der Straße einzeln überprüft. Anzeigen von Kunden oder Kollegen, wovon etliche auch Unternehmer sind, die auf "unsaubere" Kollegen sehr wohl achten wird streng mit einem eigenen Disziplinarauschuss nachgegangen. Die Webseite hat ein Beschwerdeformular - es MUSS kein App sein um sich zu beschweren oder zu bewerten. Aber, da gebe ich Ihnen Recht - manch einer flutscht noch durch und trübt das Bild. Was allerdings Faktum und beklagter Missstand ist, ist die Steuertrickserei vieler Taxiunternehmer. Ein Thema, dass aber bei Uber erst nicht mal Erwähnung findet. ;-) Steuern dürften hier wohl eher erst gar nicht gezahlt werden. Gegen diesen unbestrittenen Missstand (Taxen) gibt es ab dem Jahr 2017 einen sogenannten Fiskaltaxameter. Damit dürfte dieser "Missstand" auch weitgehend nun sein Ende finden. Ansonsten denke ich, dass Sie Uber nur deswegen über den Klee loben, weil es praktisch und bequem ist (Taxizentralen und myTaxi haben aber auch Apps! Nur legal) und - als Hauptgrund! - weil Sie, wie andere Uber-Begeisterte nur 80% des bisherigen Taxipreises zahlen und nicht in hellelfenbein einsteigen "müssen". Und ein Trinkgeld darf an Uber-Fahrer auch nicht gezahlt werden. Wieder was gespart. Das hält das Geld zusammen, das macht Spaß und das lässt die 20% teureren Taxis ziemlich dumm aussehen. Ein wahrlicher Missstand, diese 20% höheren Fahrpreise....tsts... Da haben Sie natürlich Recht. Welch ein Missstand. Übrigens - wenn es nur an Missständen liegt, echten wie eingebildeten, dann gibt es für Taxiverächter wie Sie seit mehreren Jahrzehnten ebenfalls Privatfahrer! Ganz legal! Aber mit konzeptionierten sauberen Fahrzeugen, ordentlichen Versicherungen, Steuerpflicht und auch in edlem Schwarz oder Dunkelblau. Ja, sogar die Türen werden ganz chauffeurmäßig geöffnet. Dazu Krawatte und Co.. Das ist doch schon die Lösung, oder? Unsere edle und (mit Grummeln ;-) ) akzeptierte Konkurrenz. Nennt sich Funkmietwagen (oder Minicar) und kostet nur ein bisschen mehr als ein Taxi. Und leicht erreichbar. Aber nein - Uber muss her! Und da denke ich wirklich - es geht in Wirklichkeit nur um das Schnäppchen. Die bunte "Billig-Airline" auf der Taxispur.

  • Berni

    11.09.14 (12:44:49)

    Hier noch ein schöner Beitrag, der grade im Spiegel erschienen ist: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/uber-verbot-fuer-fahrer-der-taxi-app-a-991000.html Da stellen Taxiunternehmer Uberfahrern Fallen, um den übrigen Kunden die Möglichkeit günstiger Beförderung via Staatsgewalt zu nehmen. Und genieren sich nicht ein mal. :D

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