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17.03.09Leser-Kommentare

Agenturen kooperieren: Google News greift an

Acht europäische Nachrichtenagenturen beliefern Google News künftig direkt – und werden an den Werbeeinnahmen beteiligt. Die dpa macht erstmal nicht mit.

Agenturmaterial auf Google-Seiten (Screenshot)

Noch verlinkt die automatische Nachrichtensammlung Google News vor allem auf Nachrichtenportale. Überschrift und Teaser stehen bei Google, den ganzen Artikel gibt's dann auf den Seiten der Verlage, die sich über Klicks freuen durften. Doch Google News wird zur ernsthaften Konkurrenz für Nachrichten-Portale: Künftig kooperieren auch acht europäische Agenturen mit Google, liefern ihr Material nicht nur an die zahlenden Redaktionen, sondern auch direkt an die Datenkrake.

Künftig sollen Fotos von Texte der Agenturen Efe (Spanien und Lateinamerika), Lusa (Portgual und Brasilien), Keystone (Schweiz), Apa (Österreich), Pap (Polen), Mti (Ungarn), Ana (Griechenland) und Belga (Belgien) direkt bei Google News auftauchen – versehen mit Werbung, deren Einnahmen dann geteilt werden. Die acht Agenturen gehören zum Verbund European Pressphoto Agency (epa). Die Deutsche Presse-Agentur, auch epa-Mitglied, nimmt an dem Deal nicht teil.

„Bisher hat Google News häufig mehrere Kopien eines von Nachrichtenagenturen veröffentlichten Artikels und Fotos bereitgestellt, mit mehreren Links zu verschiedenen Seiten, die diese Nachrichten veröffentlichen“, sagt Josh Cohen von Google News. Schon seit einiger Zeit liefern die Nachrichtenagenturen AFP, UK Press Association, AP und Canada Press direkt an Google, Reuters veröffentlicht eigenes Material auf einer auf Endverbraucher zugeschnittenen Seite.

Damit wird Google News immer mehr zur ernsthaften Konkurrenz für Nachrichtenangebote im Netz, die vor allem auf Agenturmaterial setzen und wenig oder kaum selber recherchieren. Anscheinend lohnt es sich für die Agenturen, ihr Material gleich an Google zu verkaufen – auch wenn Details über den Split der Werbeeinnahmen nicht verraten wurden.

Denn eigentlich könnte man meinen, dass die Agenturen lieber eine große Zahl Redaktionen als Abnehmer haben und an deren Wohlergehen interessiert sind. Wenn nun aber Google News direkt beliefert wird und die Klicks bei Google landen, könnten Nachrichtenseiten unter Druck geraten und weniger Werbeeinnahmen erzielen. Dass die dpa, die Verlagen mit eigenen Netz-Ambitionen gehört, bei einem solchen Deal nicht vorne mit dabei ist, überrascht nicht.

Die Agenturen, deren Meldungen im Internet ohnehin schnell weltweit verfügbar sind und dessen Wortlaut sich zwar schützen (und damit vermarkten) lässt, nicht aber der Kern der Information, gehen nun anscheinend lieber gleich mit Google ins Bett und versuchen, sich etwas vom Werbekuchen zu sichern. Interessant an dem Geschäft ist , dass es auch – wenn nicht vor allem, wie bei Keystone – um Fotos geht. Die lassen sich nicht so einfach kopieren oder zitieren wie Textmeldungen, Verstöße lassen sich notfalls relativ einfach gerichtlich unterbinden.

Offenbar haben die Agenturen abgewogen und entschieden, dass sie ihren bestehenden Kunden mit dem Google-Deal nicht schaden – oder zumindest auf die erhofften Werbeeinnahmen von Google nicht verzichten wollen.

Für Nachrichtenseiten bedeutet das: Eigene, originäre Inhalte, Selektion und Aufbereitung von Nachrichten werden (noch) wichtiger.

Links:

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Wolfgang Thomas

    17.03.09 (19:16:19)

    Nein, es reicht natürlich nicht mehr, am Morgen danach eine mehr oder minder intelligente Auswahl von Agenturmeldungen zu drucken, wie es immer noch zahlreiche regionale Tageszeitungen tun. Und es reicht auch nicht mehr für Online-Portale, sich einen Newsfeed der Agenturen im eigenen "Look & Feel" zu gestalten und so eine News-Kompetenz zu simulieren. Sowohl für den Offline- als auch Online-Journalismus wird Differenzierung durch Mehrwert (Hintergründe, eigene Recherche, Kommentare) jenseits des Agentur-Einheitsbreis zum Erfolgsrezept. Wenn Google nun einen eigenen Brei zusammenrührt - na und?

  • Alex

    18.03.09 (15:55:27)

    Ich bin zwar an sich Freund von Google, habe ihre News aber bislang noch nie gelesen. Ich bleibe bei spiegel,bild & co! :)

  • Mike

    19.03.09 (09:13:30)

    Einerseits ist es ja positiv dass die Berichterstattung auf Google News damit professioneller wird. Dafür wird es zugleich für kleinere Portale, Suchmaschinenoptimierer und Affiliates deutlich schwerer ihre Artikel dort zu platzieren um darüber Traffic zu generieren.

  • Radicke

    19.03.09 (09:35:44)

    In der realen Welt würde das bedeuten, dass die Nachrichtenagenturen ihre Nachrichten selber an Kiosks verkaufen, und mit den Verkäufern Vereinbarungen über gut sichtbare Platzierungen treffen. Das wäre natürlich undenkbar, weil die Agenturen damit ganz sichtbar auf Konfrontationskurs mit ihren Kunden wären. Online verstecken sie sich hinter Google - allerdings mit dem gleichen Ergebnis: der Ton zwischen Zeitungen (egal ob online oder offline) und den Agenturen wird schärfer werden... Wirklich bemerkenswert, dass die Agenturen sich auf diese Weise freiwillig in eine stärkere Abhängigkeit mit nur einem Abnehmer begeben und ihre Beziehung zu allen anderen Kunden gefährden. Da alle Zeitungshäuser unter Druck sind und eine Konsolidierung stattfindet, reduziert sich die Anzahl der Kunden ja sowieso schon schnell... Ich wüsste zu gerne, was die Agenturen sich wirklich dabei denken...

  • Hofnarr Florian

    22.03.09 (21:03:32)

    Also Google ist für mich auch keine News-Quelle. Nutze dann doch eher die Seiten von SPON, FAZ und Handelsblatt. News von Agenturen abdrucken kann ja jeder...

  • Cookie

    25.03.09 (16:10:29)

    Naja wenn man bedenkt, dass Google News auch mittels des Google News-Gadgets bei vielen Menschen einen festen Platz auf der iGoogle Startseite haben, glaube ich schon, dass die Nutzung dieses Dienstes weiter ansteigt!

  • Olaf

    27.04.09 (19:49:36)

    Ob sich der Deal für die Agenturen lohnt, ist fraglich: Bisher haben sie von vielen Internetseiten Geld bekommen. In Zukunft zahlt nur noch Google. Ich glaube kaum, dass so mehr Geld für die Agenturen herumkommt. Erst recht dann, wenn Google später (wenn die ganzen kleinen Seiten tot sind) den share neu verhandelt...

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