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22.09.14Leser-Kommentare

Absurdes Schlangestehen für neue iPhones: Die Ungeduld der Gadget-Verrückten

Das kollektive Schlangestehen für neue iPhones wird von Geräteversion zu Geräteversion stärker für dubiose Geschäfte ausgenutzt. Wären Konsumenten weniger ungeduldig, gäbe es dieses Problem nicht.

SchlangeAm Wochenende ging ein Video durch die Presse, das mutmaßliche iPhone-6-Auftragskäufer in den Schlange vor US-amerikanischen Apple Stores zeigt. Die chinesischstämmigen Kunden, die teilweise kaum Englisch sprachen, verharrten mitunter mehrere Tage vor Geschäften - um nach dem erfolgreichen Erwerb des neuesten Apple-Smartphones dieses gegen Bezahlung in die Hände von Schwarzmarkt-Händlern zu geben. Diese dürften das kurze Zeitfenster, in dem die Nachfrage nach dem Gadget das verfügbare Angebot weit übersteigt, dafür nutzen, die Geräte mit erheblichen Aufschlagen über eBay oder andere Onlineplattformen zu veräußern.

In den Tagen vor dem Verkaufsdebüt kursierten auch Berichte, die beschrieben, wie manche Wartenden in den Schlangen von Firmen bezahlt wurden, die sich angesichts der intensiven Pressebewachung des Ereignisses besondere Publicity versprachen. 

Angesichts der ausartenden Kommerzialisierung und Ausschlachtung des Produktstarts, bei der einige Personen wie die chinesischen Schlangesteher in aus einer wahrscheinlichen finanziellen Misere motivierten Erwartung einer versprochenen Belohnung unter unwürdigen Bedingungen agieren (wer auf dem Bürgersteig einschlief, wurde von der Polizei geweckt) und bei der Wohn- und Geschäftsgegenden zum Leidwesen der Allgemeinheit in spontane Campingpätze verwandelt werden, ist es Zeit für ein Umdenken. Bei denjenigen, die mitverantwortlich für die Entstehung derartiger Zustände sind: all die, die unbedingt ein iPhone (oder ein anderes besonders populäres Produkt) am ersten Tag in Empfang nehmen müssen.

Denn die beschriebenen Zustände resultieren aus der simplen Tatsache, dass Millionen Konsumenten unglaublich ungeduldig sind und es sich zu einem temporären Lebensziel machen, zu den ersten Besitzern eines neuaufgelegten iPhones zu gehören. Der daraus resultierende Nachfrageüberschuss und die Prognose einer über Wochen anhaltenden Nichtverfügbarkeit sind die Faktoren, welche die unsäglichen Schlangen entstehen lassen.

Freilich spricht per se nichts dagegen, sich ein neues Gadget zuzulegen, sobald es auf den Markt kommt. Dennoch erscheint die Hysterie um ein neues iPhone, die sich bei Twitter, im Facebook-Stream, in TV-Berichten und Onlineartikeln begutachten lässt, mit jeder iPhone-Version absurdere Ausmaße anzunehmen.

Führen wir uns vor Augen: Es geht nicht um einen Herzschrittmacher, eine Insulinpumpe oder einen anderen überlebenswichtigen Aparat. Viele frühe iPhone 6-Käufer werden für das neueste Apple-Smartphone ein vielleicht ein oder zwei Jahre altes Smartphone ausrangieren, welches sicherlich noch gut und gerne zwei oder drei Wochen länger seine Dienste geleistet hätte.

Der hektische Ansturm auf das iPhone 6 ist letztlich nicht nur ein Zeichen für die Emotionalität und den Status, der mit einem Hightech-Smartphone verbunden wird. Er deutet auch auf die allgemeine Überschätzung des Strebens nach sofortiger Genugtuung hin. Ob man das neue iPhone heute oder in vier Wochen erhält, hat auf die tatsächliche Lebensqualität und Zufriedenheit keine signifikanten Auswirkungen (außer das alte Smartphone ist gerade kaputt gegangen, was einen sofortigen Ersatz erfordert). Dennoch glauben wir, nur dann das Maximum an Glücklichsein erreichen zu können, wenn wir am ersten Tag der Verfügbarkeit das neue iPhone in der Tasche haben und stolz vorzeigen können. Dabei wissen Konsumforscher und Psychologen, dass "Belohnungsaufschub" (auf Englisch "Delayed Gratification") die für Individuen bessere Strategie darstellt. 

Weil aber Millionen Menschen bereit sind, ihre Pläne nach dem Termin zur Freigabe der iPhone-Vorbestellungen zu richten, und weil Zehntausende kein Problem damit haben, stunden- oder gar tagelang Schlange zu stehen, hat sich der Marktstart des begehrten Smartphones von einem Kuriosum zu einem hässlichen Ausdruck der unbeherrschten Konsumgesellschaft entwickelt.

Weil die Verlockung eines brandneuen Gadgets, das man noch vor allen anderen in den Händen halten kann, sich wohl nicht so einfach wegargumentieren lässt, ist es für Apple an der Zeit, seine Strategie zu überdenken. Auch im Sinne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hunderten übernächtigten, ungeduschten und ungeduldigen Personen iPhones zu verkaufen, klingt nach einem Alptraum.

Ein Ansatz, bei dem Apple für die ersten Wochen nur Onlinebestellungen akzeptiert und bei dem in den Apple Shops lediglich Ausstellungsexemplare bereitgehalten werden, würde sämtliche Probleme lösen. Dann könnte das Unternehmen zwar nicht mehr von den PR-Effekten des kollektiven Schlangestehens profitieren. Spätestens mit dem eingangs erwähnten Video (im Folgenden eingebettet) aber erscheint ohnehin fraglich, ob die Herangehensweise für Apple noch die bisherigen positiven Marketingeffekte mitbringt. /mw

Foto: NEW YORK - SEPTEMBER 19, 2014, Shutterstock

Kommentare

  • Arndt

    22.09.14 (09:04:17)

    Toller Artikel, dem ich nur zustimmen kann. Leider gibt es da genug Abzocker :-(. Ich persönlich warte lieber eine Zeit lang ab und lege es mir dann erst zu ;-)

  • jd

    22.09.14 (09:45:54)

    Ich stimme dem auch zu - es muss ein neuer/anderer Weg gefunden werden. Aber da ja in Berlin auch die Tageseinnahmen gestohlen wurden, wird es bestimmt was geben. Ich könnte mir ja etwas vorstellen wie Gerät nur Online kaufen, aber man kann es sich im Store abholen, oder nach Hause schicken lassen. Im Store dann nur mit Termin - und einem Mitarbeiter der sich 15-30 Minuten um einen kümmert. Das würde ja vor allem auch eher der Philosophie entsprechen (jedenfalls aus meiner sicht). Ich persönlich warte auch erstmal ab und werde dann im Store vorbei gehen um die Haptik und auch die Abmessungen der beiden Geräte zu testen. Wenn es mich dann überzeugt kann ich bestimmt auch sofort eines mitnehmen.

  • _heiko

    22.09.14 (10:31:30)

    Geringe Abgabemenge + Exklusivität + Hype = Ausgeschalteter Verstand ;)

  • Naike

    22.09.14 (10:52:27)

    Viel schlimmer als die verrückten Apple-Fans ist der Meckerwahn in Deutschland. Über alles und jeden, was/der vom stumpfsinnigen Alltag abweicht, wird sich echauffiert, um der eigenen Person mehr Stimme zu verleihen. Sinn? Keiner. Was das angeht, muss wirklich mal ein neuer Weg gefunden werden.

  • Christian

    22.09.14 (11:16:15)

    Völlig einverstanden. Da muss sich ja keiner beteiligen, man kann aus der Ferne amüsiert zusehen und sich seinen Teil dazu denken. Ein "Problem" ist es definitiv nicht, außer in Deutschland...

  • musikus

    22.09.14 (14:07:24)

    apple-user sind halt allesamt deppen

  • Peter

    22.09.14 (15:21:43)

    Ein neues Automodell kauft man klugerweise nicht im ersten Jahr, sollen erstmal die üblicherweise auftretenden Kinderkrankheiten ausgemerzt werden. Genauso sehe ich es bei Gadgets, allerdings ist der “Sicherheitszeitraum” wesentlich kürzer. Zudem kann man dann durch Reviews und Nutzerkommentare feststellen, ob das Gadget auch die versprochene Leistung bringt.

  • Michael

    22.09.14 (18:57:27)

    Man nennt es auch Hype, Happening, PR, Marketing oder ganz einfach Marktwirtschaft. Und ich kann auch als Nicht-Apple-Nutzer nichts Verwerfliches drin erkennen.

  • reraiseace

    22.09.14 (21:24:14)

    Das kann ich voll und ganz unterschreiben. Finde den ganzen Hype um ein neues iPhone ohnehin dumm. Es ist auch nur ein Smartphone, nicht mal das Smartphone. Was mir genauso auf den Keks geht, sind die Bandansagen bei Providern. Statt: "Sie rufen wegen dem neuen iPhone an?" würde ich viel lieber hören: "Sie rufen wegen dem neuen Sony Xperia Z3 Compact oder dem Lumia 930 an?"

  • Jan Tißler

    22.09.14 (21:34:46)

    Ich habe zwar selbst noch nie in so einer Schlange gestanden, aber viele Leute berichten, dass es einfach ein witziges Gemeinschaftserlebnis ist – und die Leute sind übrigens auch nicht stärker „ungeduscht“, nur weil sie draußen standen anstatt geschlafen zu haben ;) Wichtig ist dabei festzuhalten: Das Schlangestehen ist schon heute optional. Ich kenne Leute, die sich ihr iPhone am 17. September auf der Website bestellt und am 19. im Apple Store abgeholt haben – teils noch vor den Leuten, die in der Schlange gestanden haben. Wer also keine Lust darauf hat, aber trotzdem gern sofort dabei sein möchte, kann das heute schon. Alles in allem sollte man solche Dinge nicht überdramatisieren, finde ich. Manche Leute haben halt Spaß dran, sich in die Schlange zu stellen. Manche Leute bezahlen überhöhte Preise, weil sie das neue Gerät dringend sofort brauchen und nicht smart genug waren, es sich selbst zu bestellen. Herrje, so ist sie die Welt. Wir umgeben uns mit so viel Krams und bezahlen so viel Geld für Dinge, die wir nun beim besten Willen nicht brauchen. Ich sehe da irgendwie nicht, warum dieses eine Beispiel nun so wichtig sein soll. Und dass da in den Medien so viel drüber berichtet wird, liegt am Ende eh wieder nur an der Stärke der Marke Apple. Zieht eben ;) Lass sie halt anstehen. Ist doch nicht deine Lebenszeit. Und mit welchem Recht beurteilst du eigentlich Leute danach, dass sie ein Gadget früher haben wollen? Viele Leute wollen Dinge dringend, die mir total schnuppe sind. Auch das ist der normale Lauf der Dinge... Ich werde mir wohl zum Beispiel nie wieder einen Neuwagen kaufen. Es spricht einfach vieles dagegen, wenn man mal nüchtern darüber nachdenkt – der enorme Wertverlust in den erste ein bis zwei Jahren, die Wartezeit bis zur Lieferung, Kinderkrankheiten neuer Modelle... Trotzdem kaufen sich Leute massenhaft Neuwagen. Sollen sie meinethalben gern tun, aber ohne mich, vielen Dank. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Warum haben seltene Dinge überhaupt einen höheren Wert? Also ich bin schlau genug, das Grundprinzip zu verstehen, darum geht es nicht. Aber es ist doch unsere Entscheidung, was wir als wertvoll erachten und was nicht. Das ist kein Naturgesetz, das ist menschengemacht. Ebenso wie die Verabredung, das bedruckte Papierscheine etwas wert sind... Und aus meiner Sicht haben wir in unserer Gesellschaft oftmals falsche Prioritäten, was uns wichtig und wertvoll ist. Am Ende des Lebens sehen das dann viele ein und wünschen sich, sie hätten ihr Leben anders gelebt. Aber wie gesagt: Dieses Schlangestehen ist mehr ein Happening als alles andere. Und nur weil's da weltweit in ein paar Fällen Probleme gab, wird nicht gleich ein „Alptraum“ draus. Finde das ein bisschen überzogen.

  • Naike

    22.09.14 (22:25:29)

    Treffendes Statement! Mich haben auch mal so einige Leute als verrückt abgestempelt, bloß weil ich mich in eine lange Schlange gestellt und auch noch ordentlich Geld ausgegeben habe, um EIN Foto mit einem Schauspieler machen zu lassen. Es hängt jetzt hier neben mir an der Wand, und jedes Mal, wenn ich darauf schaue, denke ich an das spaßige Event zurück, welches ich mit meinen Lieben und vielen anderen Mädels und Frauen geteilt habe. Bekloppt? Vielleicht. Aber eine klasse Erinnerung an einen außergewöhnlichen Tag!^^

  • Martin Weigert

    23.09.14 (03:08:24)

    @jati Mir geht es darum, Bewusstsein dafür zu schaffen, dass das, was du als "Happening" bezeichnest, handfeste negative Nebeneffekte hat. Genau die Nebeneffekte, die in anderen Alltagsbereichen gern und meist wohl auch zurecht kritisiert werden. Ausbeutung, Einschränkung der Freiheit anderer (für Anwohner oder Leute, die ein Geschäft betreiben, welches durch die Schlange versperrt wird), Nachhaltigkeitsaspekte komplett vernachlässigender ungezügelter Konsum, der eine Reihe von Problemen nach sich zieht. Und ich möchte auch Bewusstsein darüber schaffen, dass hierbei eben jeder Tag-1-Käufer eine kleine Verantwortung trägt. Egal auf welchem Weg er/sie das Gerät entgegen nimmt. Ich behaupte auch, dass viele Menschen überhaupt nicht darüber nachdenken, warum sie sich unbedingt den Stress machen, sich am Tag 1 ein neues iPhone zuzulegen. Von daher halte ich es für wichtig und auch hilfreich, diesen Aspekt zu beleuchten. Meines Erachtens nach denken Menschen viel zu selten über eigene Handlungen nach und hinterfragen zu wenig, warum sie tun, was sie tun. Das wiederum ist die Wurzel vieler Probleme. Dass wir reflexiven Impulsen nachgeben, statt kurz inne zu halten und uns zu fragen: Was mache ich hier? (schönes Beispiel dafür ist die Popularität von Clickbait-Überschriften. Sie stellen niemanden zufrieden, aber noch bevor das Nachdenken einsetzt, hat man schon geklickt) Den Begriff Alptraum verwende ich übrigens nur im Bezug auf die Apple Store Mitarbeiter. Hast du dir das obige Video angeschaut? Wer 2 Tage ansteht, ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr so erträglich wie der Durchschnittskunde. @Naike Der Unterschied ist, dass du eben nur diese eine Chance hattest, den Schauspieler für ein Foto zu treffen. Ein Gadget aber läuft nicht weg.

  • Zippo

    23.09.14 (10:32:44)

    Das ist doch weder etwas Ungewöhnliches noch etwas Neues. Das ist das selbe wie wenn beispielsweise Star-Wars-Fans zur nächtlichen Premiere mit Gleichgesinnten einen neuen Film feiern. Völlig undenkbar für einen echten Fan sich den Film ein paar Tage später mit öden Normal-Kinobesuchern anzuschauen. Entsprechendes gibt es in allen Bereichen wo es Fantum gibt. Mit Argumenten von Vernunft und Logik (wie es im Artikel versucht wird) braucht man Fans nicht zu kommen (egal ob Musik, Film, Sport oder eben Gadgets). Und an alle Vernünftigen: Es macht Spaß Fan zu sein! Ich bin auch einer (wenn auch nicht von Gadgets – meine Freundin fragt schon, warum wir immer noch ein iPhone 4 haben ... ;-).

  • Naike

    23.09.14 (10:44:55)

    @Martin: Es geht um den Event-Charakter des Ereignisses und die Freude daran, nicht (nur) wofür man mitmacht. Als der letzte Potter-Band erschien, bin ich auch mit meinen Kindern bis Mitternacht in der Buchhandlung gewesen, bis es dann soweit war. War anstrengend mit den ganzen Kiddies, ja, aber auch ein absolutes Spaß-Highlight. Ich hätte da auch gezeltet, wenn das angesagt gewesen wäre. Und zur Einschränkung der Freiheit anderer: Wir haben Karneval, Schwulenparaden, Demos, privates Wohnungspartys, Straßenfeste, Fahrradrennen durch die Innenstäde und was nicht sonst noch alles. Es gibt also immer Tage, wo Anwohner eingeschränkt sind, weil andere auf irgendeinen Weise aktiv sind. Aber das ist eben LEBEN! Wer das nicht tolerieren kann, sollte sich selbst und seine Ansichten hinterfragen: Tut es mir gut, mir solche Probleme zu machen? Ja, und die "armen" Apple-Mitarbeiter ... Polizisten oder Ärzte/Krankenschwestern haben weitaus mehr Stress zu ertragen und das das ganze Jahr über. Ebenfalls kann man nicht beurteilen, ob es für jemanden Stress bedeutet, sich ein Gerät gleich am Releasetag zu besorgen, abgesehen davon, dass es auch positiven Stress gibt. Sollen wir Weihnachten abschaffen, weil Kinder die Nacht davor nicht schlafen können? ;o) Wie du das mit der Ausbeutung in diesem Zusammenhang meinst, verstehe ich nicht. Wer beutet wen aus?

  • Naike

    23.09.14 (10:48:45)

    Richtig, Zippo. Es wäre ja auch furchtbar, wenn der Mensch das Leben ausnahmslos mit Vernunft und Logik anginge. Leider gibt es schon seit längerem die Tendenz, in allen Lebensbereichen alles perfekt machen zu wollen, was Raum für Spontantität und Genuß nimmt.

  • Martin Weigert

    23.09.14 (10:52:20)

    Damit beziehe ich mich auf die im Video gezeigten Chinesen, die für drei Tage anstehen, um iPhones zu kaufen, die sie dann direkt an einen Auftraggeber veräußern (der, wie der Clip zeigt, die Geräte seinerseits weiterverkaufen dürfte). Man muss sich schon in einer sehr prekären Lage befinden, um bei einem solchen Deal mitzumachen (leider ist unklar, welche Bezahlung sie erhalten. Viel kann es aber nicht sein, sonst lohnt es sich für den Auftraggeber nicht. Was den Stress angeht: Sicher, das dürfte individuell sein. Und auch wenn es sich hier um einen klassischen Fall von selektiver Wahrnehmung und nicht um ein repräsentatives Urteil handelt - der Artikel hier passt ganz gut zum Thema ;) http://www.theverge.com/2014/9/22/6827863/apple-iphone-6-plus "That's when it hit me. I was miserable, too. I spent all this money on something that I thought would make me happy, and instead I felt like trash. I mindlessly pre-ordered the wrong phone from Apple, and my punishment was being treated like a desperate grunt with a loose wallet. Apple has received high marks for customer support in the past, but on iPhone week, their focus is singular: push those units 2

  • Martin Weigert

    23.09.14 (10:54:32)

    Ich bin ein Fan des iPhone (und werde mir auch das iPhone 6 zulegen). Was ich hier beschreibe, hat mit Fansein oder Nicht-Fan-Sein wenig zu tun. Und ich finde die Vergleiche von Produkten und Erlebnissen (Interview- und Autogrammstunden, Filmvorführen) nicht ideal.

  • Zippo

    23.09.14 (11:19:08)

    @Martin Weigert: 1. viele Erlebnisse, für die sich Fans erwärmen, sind auch gleichzeitig Produkte und für einen iPhone-Fan ist ein neues iPhone auf jeden Fall auch ein Erlebnis. 2. Es hat nicht nur mit "Fansein oder Nicht-Fan-Sein" viel zu tun, es ist der Schlüssel zum Verständnis des Phänomens. Für einen echten Fan ist es ein Ding der Unmöglichkeit bis morgen auf ein Objekt der Fanbegierde zu warten, was man schon heute haben kann (egal ob Film, Schallplatte, Buch oder Telefonapparat). Die Fans in der Apple-Store-Schlange unterscheiden sich in NICHTS von den Fans vor dem Buchladen mit dem neuen Harry-Potter.

  • Naike

    23.09.14 (11:37:38)

    Und wieder kann ich deiner Sichtweise nur zustimmen, Zippo. Martin, ich verstehe nicht, warum du dir so'n Kopf darum machst, was andere treiben. Ich denke, das ist das eigentliche (eben selbstgemachte) Problem bei der ganzen Sache.

  • Naike

    23.09.14 (11:46:22)

    Merkwürdig, ich hatte gerade geantwortet, aber mein Beitrag tauchte nach dem Abschicken nicht auf. Vielleicht kommt er ja noch. Falls nicht, ich schrieb, dass es Gauner überall gibt. Faule Geschäfte werden mit allem gemacht, was der Markt hergibt. Und was das Gefühlsmanagement von Käufern angeht, das ist Selbstverantwortung. Jeder muss seine Entscheidungen selbst treffen und daraus im besten Fall lernen. P. S. Sollte der erste Beitrag doch noch sichtbar werden, kannst du diesen hier löschen, wenn du magst, Martin.

  • Martin Weigert

    23.09.14 (12:51:51)

    "Martin, ich verstehe nicht, warum du dir so’n Kopf darum machst, was andere treiben." Aus den gleichen Gründen, warum über die Nebenwirkungen des Rauchens, Fastfoods oder fehlender körperlicher Aktivität aufgeklärt wird. @ Zippo Ich verstehe sehr wohl, was du meinst. "Die Fans in der Apple-Store-Schlange unterscheiden sich in NICHTS von den Fans vor dem Buchladen mit dem neuen Harry-Potter." Was die psychologischen Effekte angeht, magst du recht haben. Bedenkt man aber, wie iPhones entstehen und wieviel sie kosten, und wie ein Harry-Potter-Buch entsteht, halte ich das von dir beschriebene Ausmaß an Fantum bei Hightech-Produkten für bedenklich. Fantum heißt nämlich immer, den Verstand auszuschalten und sich von Emotionen steuern zu lassen. Was bei 600-Euro-Produkten, die auf Kosten von Umwelt und mutmaßlich unter suboptimalen Arbeitsbedingungen entstehen, und die Verbraucher mit multiplen Produktleidenschaften in Schuldenfallen treiben können, größere Implikationen hat. Fantum für diese Art von Produkt, von der wir hier sprechen, ist daher nach meinem Empfinden eine problematische Angelegenheit. Und dazu gehört auch, das eigene Verhalten zu hinterfragen (so wenig manche darauf Lust haben) Alle wollen wir immer mal geile neue Produkte, das ist so. Bewusster Konsum ist meines Erachtens nach dennoch der einzige Weg, um bestimmte Fehler des Industrie- und Konsumzeitalters der letzten 100 Jahre wieder auszubügeln.

  • Naike

    23.09.14 (14:30:51)

    >>Aus den gleichen Gründen, warum über die Nebenwirkungen des Rauchens, Fastfoods oder fehlender körperlicher Aktivität aufgeklärt wird.<>Fantum heißt nämlich immer, den Verstand auszuschalten und sich von Emotionen steuern zu lassen.<< Sorry, aber das zu verallgemeinern ist Unsinn. Meiner Meinung nach brauchen wir keine Missionare oder Weltretter, sondern viel mehr Akzeptanz, andere ihre eigenen Lebenserfahrungen machen zu lassen. Rat und Tipps gern, aber keine Bevormundung durch verbale Abwertung von Verhalten, das nicht dem eigenen entspricht. Man lernt dies übrigens am Allerbesten durch die eigenen Kinder, weil man sich gerade für sie nur Gutes wünscht, ihnen viel auf den Weg geben will, aber letztlich irgendwann einsehen muss, dass sie ihre eigenen Erfahrungen machen müssen bzw. ein Recht auf eigene Entscheidungen haben. Wenn man das wenigstens halbwegs gemeistert hat, klappt das auch mit den Nachbarn.

  • Naike

    23.09.14 (14:36:39)

    Also, langsam werde ich stinkig hier mit der Kommentarfunktion. Es ist eh schon alles recht unübersichtlich, aber dazu verschwinden auch noch ganze Beiträge oder Teile davon. Gerade ist das passiert, es fehlen 2 Absätze!!! Bitte mal überprüfen, was da los ist, so macht das keinen Spaß und man wird nachher noch falsch verstanden. :-/ Ich reiche den fehlenden Teil jetzt hier nach, er gehört zwischen das erste Zitat und meinem Satz “Sorry, aber das zu verallgemeinern ist Unsinn.” >>Was unterscheidet den Aufklärer vom Missionar(r)? Die Sachlichkeit. Fakten aufzulisten (mögen sie nun stimmen oder nicht, das ist noch ein ganz anderes Thema) ist die eine Seite. Menschen, die ihre eigenen Entscheidungen treffen, als verrückt oder nicht bei vollem Verstand hinzustellen, weil sie nicht nach den eigenen Werten und Normen verhalten, die andere. >>Fantum heißt nämlich immer, den Verstand auszuschalten und sich von Emotionen steuern zu lassen.<< …<<

  • Martin Weigert

    23.09.14 (18:36:07)

    Sorry für die technischen Probleme beim Kommentieren. Einen Kommentar von dir hab ich im Spam-Filter gefunden. Allerdings nur den. Ich kann mir das gerade auch nicht richtig erklären. Nochmal zum Thema: Ich stelle keine Menschen als verrückt oder als nicht bei vollem Verstand dar. Das irrationale Verhalten von Konsumenten aber ist eine seit Jahrzehnten erforschte Tatsache, die schon Gegenstand vieler Abhandlungen und Bücher war. Eine kompakte Übersicht gibt es hier http://www.businessinsider.com/predictably-irrational-2012-6?op=1, ein ganzer Coursera-Kurs befasst sich mit dem Thema (https://www.coursera.org/course/behavioralecon), und speziell wie man sich das nicht immer ganz logische Verhalten der Nutzer im digitalen Bereich zunutze macht, erläutert dieses Buch http://netzwertig.com/2014/01/13/anwender-und-die-gewohnheit-wie-startups-sich-ihre-nutzer-angeln/. Verbraucher handeln ziemlich oft ziemlich kurzsichtig und irrational. Das sind Fakten, nicht meine Erfindung. Wie heißt es so schön: Don't kill the Messenger.

  • Naike

    23.09.14 (19:59:41)

    Spam? Ich hatte nichts Phöses geschrieben. ;o) >>Nochmal zum Thema: Ich stelle keine Menschen als verrückt oder als nicht bei vollem Verstand dar.<< Natürlich, lies dir noch einmal alles durch, allein in der Überschrift findet sich das Wort "verrückt" und diese Ansicht zieht sich eindeutig durch deine ganzen Texte, wenn du auch oft durch die Blume sprichst. Was ich aber schon die ganze Zeit sagen wollte, ist bisher wohl nicht angekommen. Es geht NICHT darum, jegliche Entscheidungen im Leben rational zu treffen - DAS ist der springende Punkt hier und sowieso nicht möglich, denn der Mensch ist keine Maschine. Du willst, dass Menschen stets durchdacht nach Plan handeln. Manchmal ist das gut. Oft aber auch nicht, man sollte viel öfter seinem Bauchgefühl, der Freude folgen. Sich ruhig auch mal etwas gönnen oder an irgendetwas teilnehmen, völlig ungeachtet der Meinung anderer. Es geht im Leben um eine gute Balance aus Verstand und Gefühl und diese zu schaffen, haben wir in unserer heutigen westlichen Welt leider oft verlernt. Menschen bereuen am Ende ihres Lebens meist das, was sie NICHT getan haben, weniger das, was sie getan haben. Und viele wären lieber "verrückter" gewesen, spontaner. Und dazu kann eben auch gehören, sich den Spaß eines Campens vor einem Laden zu gönnen, in Vanillepudding zu baden oder sich mehr PC-Spiele zu kaufen, als man je spielen kann. Niemand sollte sich anmaßen, darüber zu urteilen, außer der Betreffende selbst!

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