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28.02.09Leser-Kommentare

Abschiedsvideo: Das Ende der Rocky Mountain News

Nur noch eine Zeitung für eine Region mit 2,5 Millionen Einwohnern: Die Rocky Mountain News aus Denver wurde nach fast 150 Jahren eingestellt. Die Redaktion verabschiedet sich mit einem Video.

Bilderstrecke: Abschied von den Rocky Mountain News (Keystone, 8 Bilder)

Es fehlten nur 55 Tage, dann wäre die amerikanische Zeitung Rocky Mountain News 150 Jahre alt geworden. Aber am Freitag erschien die letzte Ausgabe, der Verlag E.W. Scripps hatte inmitten der Wirtschafts- und Zeitungskrise keinen Käufer für das Blatt finden können. Dabei wurden an Werktagen zuletzt 210.000 Exemplare von Colorados ältester Zeitung verkauft – immer noch mehr als deutsche Zeitungen wie Tagesspiegel, Frankfurter Rundschau oder Handelsblatt, wie retromedia.de schreibt. Die Redaktion verabschiedet sich – mit Texten und einem Video.

Die Rocky Mountain News gehörten seit 1926 zu Scripps. Anfang Dezember kündigte Scripps an, einen Käufer zu suchen. Für das vergangene Jahr wurde ein Verlust von 16 Millionen Dollar gemeldet. Innerhalb dreier Monate habe sich nur ein Interessent gemeldet haben, berichtet MSNBC. Es habe aber kein realisierbarer Plan vorgelegt werden können. Am Donnerstag wurde deshalb plötzlich, aber nicht unerwartet, verkündet, dass am Freitag die letzte Ausgabe erscheinen werde. Den rund 2,5 Millionen Einwohner der Metropolregion bleibt nun noch The Denver Post. Von den insgesamt 230 redaktionellen Mitarbeitern der Rocky Mountain News sollen demnach künftig zehn für die ehemalige Konkurrenz Denver Post arbeiten.

Die letzten Wochen haben Mitarbeiter mit einer Kamera festgehalten, haben Interviews geführt und entscheidenden Momente aufgezeichnet. Zu Wort kommt Rocky-Chef John Temple, der Angst davor hat, die traditionsreiche Zeitung begraben zu müssen. Dabei setzte die Redaktion auf Online, auf schnelle und direkte Berichterstattung im Internet, setzte auf Multimedia. Denvers Bürgermeister John Hickenlooper sagt, dass Korruption und Skandale eher aufgedeckt werden, wenn sich zwei Zeitungen Konkurrenz machen, wenn mehr Reporter härter arbeiten.


Final Edition from Matthew Roberts on Vimeo.

Wie in Denver steht es auch in anderen amerikanischen Großstädten schlecht um Zeitungen, wie unter anderem die New York Times berichtet. In Seattle könnte demnach der Post-Intelligencer schon bald schließen, die beiden Detroiter Blätter haben die Hauszustellung an einigen Tagen eingestellt, die Besitzer der beiden Zeitungen in Philadelphia haben Insolvenz angemeldet.

Links:

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Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Fred David

    28.02.09 (08:07:23)

    Ihr foltert einen altgedienten Holzmedialisten wie mich ganz schön mit solchen Sachen. Ist ein sehr eindrückliches Video, ¨bei dem man das Gefühl hat, das musst du abspeichern: that's history! Jetzt gibt es in der Region von 2,5 Millionen Einwohnern nur noch eine einzige Zeitung. Kleine Hochrechnung für mein eigenes winziges Ländli, die Schweiz, mit 7,7 Mio. Einwohnern. Summa: 3 Zeitungen. Schaue mer mal.... Ein interessanter Aspekt dabei ist für mich Etwas, das in kaum einer Studie zu diesem Thema eine Rolle spielt, in meinen Augen aber fundamental ist: das emotionale Element, die emotionale Bindung von Lesern an "ihr" paper. Das ist kein messbarerer Wert, aber ich glaube: Er wird völlig unterschätzt. Ich, und die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen, und auch der Verleger, machten eine ähnliche - und für die meisten von uns völlig überraschende - Erfahrung, als vor eineinhalb Jahren "unsere" Zeitung, die Wochenzeitung CASH in Zürich Knall auf Fall geschlossen wurde: wie intensiv und emotonal die Bindung von zehntausenden von zum Teil langjährigen Abonnenten an das Blatt war. Das drückte sich in hunderten von mails und Briefen aus, mit denen die Redaktion überschwemmt wurde. Für eine Wirtschafstzeitung eher überraschend. Viele waren richtiggehend wütend über das Ende. Ich glaube nicht, dass das altväterische Nostalgie ist: Dieses emotionale Element, diese Bindung, gibt es im Internet kaum. Das Fühlen des Papiers. Das Ueberallhinmitnehmen. Das Zurücklegen von noch Ungelesenem. Das neugierige Streunen in Gebieten, von denen man gar nicht wusste, dass man etwas darüber wissen will, bis hin zu den Todesanzeigen und Kleininseraten. Die emotionale Bindung ist bei Lokal- und Regionalblättern und überregioalen Qualitätsblättern sicher viel stärker als bei Gratisblättern, die man ebenso rasch wegschmeisst, wie man sie vom Stand genommen hat. Klingt wie ein Wort zum Sonntag, ich weiss. Aber ich glaube, die meisten Leute werden erst merken, was ihnen fehlt, wenn "ihr" paper wirklich mal weg ist - wie die "Rocky". Dann ist es allerdings zu spät zum Jammern: Hätten wir das gewusst....

  • bulldrinker

    28.02.09 (09:21:42)

    Scheint wohl das Anfang vom Ende der Printmedien zu sein...

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