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30.12.08Leser-Kommentare

9 weitere Prognosen für 2009

Nach den zehn Prognosen für 2009 von Andreas Göldi folgen nun die Prognosen für 2009 von Marcel Weiß und Martin Weigert. Zum Abschluss spricht Markus Spath noch zwei Wünsche für 2009 aus.

 

Marcel Weiß:

1. Die Wirtschaftskrise, die das Jahr 2009 fest im Griff haben wird, wird es einigen Startups schwerer machen. Das Ökosystem Web wird aber insgesamt kaum unter der Krise leiden. Zum einen werden mehr Leute Zeit im Internet verbringen. Mit den DSL-Flatrates und dem reichhaltigen, oft kostenlosen Angebot im Netz lässt sich die Freizeit weitaus vielfältiger und, jetzt besonders wichtig, gleichzeitig kostengünstiger verbringen, als mit Kabel-TV, DVDs oder Printmagazinen.

Gleichzeitig wird die Zahl an neuen Startups und Webprojekten nicht zurückgehen. Eher dürfte, was viele überraschen wird, die Zahl eher noch höher gehen. Der Grund ist ein Zusammentreffen zweier Umstände:

Zum einen jetzt frei werdende Programmierer, die entweder gleich etwas eigenes starten oder nebenbei ein wenig experimentieren, bis sie den nächsten 'ernsthaften' Job finden.

Und zum anderen eine diesen ersten Umstand begünstigende, phänomenal günstige Infrastruktur. Mit den Amazon-Cloud-Computing-Angeboten S3, EC2 und CloudFront etwa wird noch mehr gearbeitet werden. Noch wichtiger wird voraussichtlich Googles App Engine, auf dem man kleine Projekte bis fünf Millionen Pageviews kostenlos betreiben kann.

Wir werden sehr viele kleine Mashups sehen, die bestehende Dienste kreativ verbinden und kostengünstig umgesetzt sind. Aus diesem Hit-and-Miss-Feuerwerk werden ein paar Stars aufsteigen. Wichtiger für das Web werden aber die unzähligen kleinen Dienste sein, die ihre eigenen Nischen finden werden. 

2. Facebook und Facebook Connect werden 2009 weite Teile des Webs bestimmen: Im Gegensatz zu Andreas Göldi glaube ich nicht, dass sich Social Networks auf das Wesentliche konzentrieren werden, um 2009 zu überleben oder damit gar profitabel werden. Jedes Social Network, dass wie studiVZ nur auf Bannerwerbung setzen und nicht den Freemium-Weg wie Xing gehen kann, hat ein Problem. Wir alle wissen, wie gut klassische Werbung auf Social Networks funktioniert. Verbindungen mit anderen Plattformen und eine eigene Plattform sind für die meisten notwendig.

Facebook wird das Feld trotzdem dominieren. Mit weltweit über 140 Millionen aktiven Nutzern und täglich über 600.000 neuen Nutzern, ist Facebook bereits enorm groß. Das gibt vielen anderen Sites gute Gründe Facebook Connect zu implementieren. In Verbindung mit Facebook Connect, der internen Facebook-Plattform und dem Facebook-Newsfeed hat Facebook ein Gesamtpaket an der Hand, das es 2009 über das ganze Web wird ausbreiten lassen. Niemand hat dem aktuell etwas entgegenzusetzen, und, was wichtig ist, kurzfristig gewinnt jeder Beteiligter - Facebook, Connect-Partner, User. Die offenen Standards, zusammengefasst unter dem Begriff Open Stack, sehen demgegenüber leider alt aus, wie Markus Spath weiter unten noch anführt. Die einzige Wildcard in diesem ganzen Spiel ist aktuell Googles Friend Connect.

Nebenbei: In Facebook Connect wird das Geschäftsmodell von Facebook liegen.

3. Mikroblogging wird immer wichtiger: Twitter wird seinen Weg in den Mainstream fortsetzen. In den USA ist man schon fast angekommen. Auch andere Publishing-Plattformen, die auf Einfachheit setzen, wie Tumblr, werden schneller wachsen als die klassischen Bloganbieter. Der Grund ist banal: Je einfacher und zeitsparender man veröffentlichen kann, desto mehr Leute sind gewillt, das regelmäßig zu machen. Klassisches Bloggen ist oft mit zu viel Ballast verbunden.

4. Das Realtime-Web wird wichtiger und größer: Mit Twitter kam das Realtime-Web. 2009 werden wir sehr viele Entwicklungen sehen, die das Realtime-Web voranbringen. Die FriendFeed-Macher haben mit SUP ein Protokoll entwickelt, das einen schnelleren Updateaustausch zwischen Diensten befördert. RSS ist für Echtzeitanwendungen zu langsam (bzw. zu ressourcenaufwendig, wenn in Echtzeit genutzt). Gnip hat sich als Unternehmen dem schnellen Datenaustausch zwischen Diensten ebenfalls verschrieben. In diesem Feld wird es 2009 viele Entwicklungen geben.

5. Bundestagswahl in Deutschland 2009: wird lustig. Viele Politiker werden, ganz nach Obama, das Web für sich zu nutzen versuchen. Das wird auf jeden Fall interessant. Die Wahl wird auch wichtig für den Standort Deutschland: Nach wie vor herrscht hierzulande ein innovations- und generell internetfeindliches Klima in Politik wie Medien. Sollten die Politiker zaghafte Wahlkampf-Schritte ins Netz wagen, werden sie mit dringenden Fragen konfrontiert werden, auf die sie nicht vorbereitet sind.

 

Martin Weigert:

1. Der globale Wirtschaftsabschwung wird 2009 die Entwicklung des Webs bestimmen - mit negativen und positiven Auswirkungen. Bestehende und geplante Webangebote werden genauer auf ihre Wirtschaftlichkeit achten müssen. Die lange fällige Konsolidierung im Web 2.0 wird endlich eintreten. Allerdings könnte dieser Bereinigung auch manch ein populäres, aber unrentables Onlineangebot zum Opfer fallen.

2009 werden alle - egal ob Privatpersonen, Angestellte oder Unternehmer - versuchen, mit Hilfe des Webs Kosten zu drücken, neue Vertriebswege aufzutun und die stattfindenden Umwälzungen mitzugestalten, um beim nächsten Boom als gestärkte Gewinner hervorzugehen.

2. Die aktuelle Krise wirkt wie ein Katalysator und beschleunigt die seit vielen Jahren stattfindende Revolution der Medien. Während sich das Fernsehen einigermaßen behaupten können sollte, wird es 2009 Printmedien, primär Tageszeitungen, richtig an den Kragen gehen. Das geschieht nicht, weil die Nachfrage nach gedruckten Nachrichten komplett verschwindet, sondern weil die Verlage auf die gefährliche Kombination aus sinkenden Werbeeinnahmen und langsam abwandernden, mehrheitlich jungen Lesern mit Sparmaßnahmen reagieren (müssen). Das wiederum führt zu einer abnehmenden Qualität der Publikationen und beschleunigt den Leserschwund. Profiteure sind Online-Nachrichtenangebote.

3. Im Zuge der Lancierungen von marketinggetriebenen, multifunktionellen Smartphones wie dem iPhone oder den Android-Geräten wird das mobile Web 2009 weiter an Bedeutung gewinnen und endlich den Mainstream erreichen, zahlreiche mobile Dienste und Services sind die Folge. Außerdem ist damit zu rechnen, dass auch die verbliebenen Social-Web-Verweigerer unter den Internetnutzern dem sozialen Netz beitreten werden. Unterstützend wirken die Vorstöße von Google, Facebook und MySpace, ihre Plattformen zu öffnen und ihre Funktionen auf beliebigen externen Sites verfügbar zu machen. Social Networking entwickelt sich von einer site-spezifischen Aktivität zu einer webweiten Angelegenheit, bei der User ihre Kontakte immer dabei haben, egal wo im Netz sie sich gerade befinden.

4. Ein weiterer Trend für 2009 sind Empfehlungen. Egal ob Musik, Videos, Artikel, Fotos, Locations oder Produkte/Dienstleistungen - zeitgleich mit der enormen Menge an Informationen sowie der zunehmenden Vernetzung der User steigt der Bedarf an maßgeschneiderten Tipps und Empfehlungen, nicht nur durch kluge Algorithmen, sondern auch von Personen, denen man vertraut. Gerade die Verknüpfung von E-Commerce mit dem Social Web zu Social Commerce ist für soziale Netzwerke interessant, für die hier ein mögliches, wenn nicht DAS zukünftige Geschäftsmodell liegt.

Bleibt die Frage nach dem Jahr für Jahr angekündigten Durchbruch des Semantic Web. Ist es 2009 endlich soweit? Vielleicht kommt es ja genau dann, wenn man es nicht prophezeit. Daher spare ich mir das jetzt.

 

Markus Spath:

Von meiner Stelle keine Prognosen, sondern zwei Wünsche für 2009:

1. Dem 'Open Stack' gelingt es, den theoretischen Ansatz in marktfähige Produkte umzusetzen.

2008 war das Jahr in dem alles sozial wurde, wo auch der versteckteste Winkel unserer digitalen Existenz einen Aktivitätsstrom produziert, der an anderen Stellen bewertet, kommentiert oder reaggregiert wird. Ein Nebeneffekt davon war ein Gefühl der fragmentierten Erfahrungen und zerstückelten Identitäten.

2009 wird es zu einer Konsolidierung kommen und damit zu einem Kampf, auf welcher Plattform sich die User als 'digitale Heimat' niederlassen. Heissester Kanditat dafür ist Facebook, aber für das Ökosystem Web wäre es besser, wenn es eine offene Lösung gäbe. Facebook offeriert hohen kurzfristigen Nutzen. Es ist aber auch ein Staubsauger, der vieles aufsaugt aber wenig rauslässt. Die mittelfristigen Opportunitätskosten werden üblicherweise übersehen.

Das Problem dabei: Auch wenn es die Bausteine dafür schon gibt (OpenID, OAuth und viele andere Technologien mit dem Prefix Open- oder Portable-) - von einer echten Massenmarktreife sind alle Ansätze noch weit entfernt, und Facebook ist ein geniales Produkt und wird immer besser.

2. Wir erleben im deutschen Raum ein paar Gründungen mit technischer DNA.

Fast alle international erfolgreichen Web 2.0 Anwendungen haben in ihrem Kern ein Team von einem, zwei oder drei Geeks, die ein konkretes Produkt für ein konkretes Problem entwickelten. Venture Kapital, Business Plan, spezialisierte Chief-X-Officers kamen erst danach, das technologische Sensorium blieb aber immer quasi eingebaut.

Im deutschen Sprachraum ist diese Personalunion Entwickler/Entrepreneur eher Mangelware. Überspitzt gesagt: Gegründet wird frisch aus der Business School, die Entwicklung wird outgesourct oder eingekauft. Die Technik ist ein notwendiges Übel.

Auch wenn man in Deutschland damit durchaus erfolgreich sein kann, international kann man damit natürlich nichts erreichen. Und auch wenn man erfolgreich ist, irgendwann stösst man an seine Grenzen und kommt mit den Entwicklungen nicht mehr mit. Das Paradebeispiel ist natürlich das studiVZ, da wird der eigene Erfolg nur noch ausgesessen und jeder Trend ignoriert. Aber auch Xing tut sich zumindest schwer - der Kauf von socialmedian ist eher ein Zeichen für ein vorhandenes Problembewußtsein als für eigene Kompetenz.

Natürlich gibt es auch hierzulande Startups mit technischer DNA. MindMeister, Plazes, Rivva, mite, Noserub oder Mento könnte man als Beispiele nennen, mit Einschränkungen auch Sevenload, Qype, DaWanda oder Xing. Und nicht jeder Webdienst braucht sie. Für den Standort Deutschland, die Szene und die User wär es aber wünschenswert, wenn wir 2009 noch viele andere Gründungen mit technischem Kern und eigener Vision sehen würden. Die Sterne dafür stehen gar nicht schlecht, weil es derzeit deutlich weniger Anreize gibt, am Reißbrett konstruierte und uninspirierte Dienste für den schnellen Exit zu starten.

Kommentare

  • Torsten

    30.12.08 (21:22:10)

    Was bitteschön sind das für wachsweiche Vorhersagen? Wenn nicht grade jemand Atombomben auf Kalifornien wirft, könnt ihr beruhigt sagen, dass die Vorhersagen im Prinzip richtig waren. "Wird an Bedeutung gewinnen" - wow. "Trends" - Halleluja.

  • Martin Weigert

    30.12.08 (21:38:55)

    Bei beiden Prognosenartikeln kommentierst du mit ähnlicher Verbitterung. Vielleicht entspannst du dich erst einmal ein wenig, ziehst die Mundwinkel nach oben und kommst dann mit einem konstruktiven Beitrag.

  • Torsten

    30.12.08 (21:47:52)

    Martin Weigert: Du hast meine Stimmung ganz falsch gelesen. Wie wäre es mit einem kleinen Match, einem klein bisschen Mut? Ein paar Vorhersagen, die überprüfbar sind? Wem gehört StudiVZ am 31. Dezember 2009? Werden am Stichtag mehr Bezahl-Applikationen im App Store, im Android Store oder auf Facebook angeboten? Welches konkrete Produkt wird Microsoft 2009 für den Mobilmarkt veröffentlichen? Wird Twitter im Jahr 2009 Werbung einführen? Nenne ein Mashup, das mit heutigen APIs und AGBs unmöglich ist und im Jahr 2009 zum Erfolg wird? Wer traut sich?

  • Torsten

    30.12.08 (21:50:23)

    PS: Meine Antworten habe ich notiert. Ich freue mich auch auf fünf Gegen-Fragen.

  • Mathias Schindler

    30.12.08 (21:53:29)

    1. StudiVZ wird an Facebook fallen. Gerne auch vor 2010 2. Bezahlapplikationen? Das wäre ja fast ein Beleg für das Scheitern. So gefragt: App Store. 3. Ein Mobiltelefon, als Zune gebranded. Ziel: Dass die Konkurrenten vor Lachen totumfallen und Microsoft auch hier zum Monopolisten werden. 4. Ja, aber sie werden behaupten, es sei keine Werbung. Medienblogs werden versuchen, das Gegenteil zu beweisen. 5. (Adult)Friendfinder gemasht mit einer geleakten Jobseeker-Plattform wie monster.de, stepstone oder arbeitsagentur.de Mathias

  • Martin Weigert

    30.12.08 (21:54:33)

    Cool! 1) Facebook 2) Android 3) Irgendeine iPhone-App ;) 4) Ja 5) muss ich etwas länger drüber nachdenken Gegenfragen habe ich gerade keine. Vielleicht später, oder vielleicht jemand anderes.

  • Torsten

    30.12.08 (22:00:17)

    Meine Antworten: 1) Holtzbrinck, 2) App Store 3) Neues Windows Mobile mit neuem Browser, 4) ja, 5) iTunes-LastFM bzw. Amazon

  • Martin Weigert

    30.12.08 (22:10:10)

    "3) Neues Windows Mobile mit neuem Browser," Ist das nicht auch etwas wachsweich? ;) Ansonsten lustiges "Spiel".

  • Felix A.

    30.12.08 (22:10:47)

    Super Prognosen wie ich finde. Allerdings glaube ich nicht an einen durchschlagenden Erfolg von Facebook Connect. Wenn ein Angebot für mich interessant ist, dann melde ich mich eben kurz an und ich denke bei den meisten Leuten würde es auch ohne Facebook Connect nicht daran scheitern 3-4 Zeilen für eine Registrierung einzutippen. Aber das Facebook im nächsten Jahr das lineare Wachstum fortsetzt, glaube ich dennoch. Ich frage mich allerdings, warum die Samwers nicht etwas aggresiver gegen StudiVZ schießen und z.B. einen Profile-Import-Wechsel-Service inkl. Freundesbenachrichtung anbieten. Technisch sollte das machbar sein. Gleichzeitig könnte man mit Internationalität und Datenschutz (müsste man dann halt mal einführen!) werben. Zudem halte ich nicht viel von Twitter. Wenn ich mir meinen Freundeskreis und Bekannte so anschaue, kann ich mir nicht vorstellen, dass auch nur einer Twitter aktiv nutzen würde. Twitter ist was für Internet-Junkies ODER Menschen die sich sehr gerne anderen mitteilen. Nicht Mainstream denke ich. Zumal ja auch Facebook inzwischen schon auf fast jeder Seite ein Eingabefeld "What are you doing right now?" hat.

  • Igor

    30.12.08 (22:18:14)

    1) Holzbrink (die würden die 85 Mio nie wieder rein bekommen, warum also verkaufen?) 2) App Store 3) Windows Mobile 7, neuen Browser und einer partiellen Integration von Live Mash 4) Ja. Sie werden vermutlich den sechsten Todesmonat von Pownce abwarten und dann das einfuehren, was auch bei Pownce nicht genug Geld eingebracht hat. 5) Da muss ich auch etwas schwammig antworten. Irgendwas Geodingsiges wie ein automatisiertes Kartendings aus Twitter-Dopplr-Fireeagle angereicht durch 'personal informatics' Informationen aus daytum. Oder so.

  • wolfgang

    30.12.08 (23:29:50)

    Marcel: Punkt 5 mit dem Wort "lustig" zu beschreiben finde ich ganz schön optimistisch. Wer erinnert sich nicht voller Schrecken an den guten Hubertus: http://www.youtube.com/watch?v=0GFaJp9bDFo

  • Andreas Göldi

    31.12.08 (00:14:15)

    @Marcel: Was Facebook angeht, sind wir ja wirklich klar unterschiedlicher Meinung. Ich finde, dass Facebook Connect ein Problem löst, das ausserhalb der engsten Web-2.0-Fangemeinde gar keiner hat. Normaluser wollen sich sehr selten bei Dutzenden von Blogs etc. einloggen und sind Datensammlern wie Facebook gegenüber sowieso sehr skeptisch. Was für einen Grund sollte ich haben, ausgerechnet Facebook mit seiner zweifelhaften Datenschutz-Historie als meinen Passwortmanager einzusetzen? Ich glaube, 2009 wird kein gutes Jahr für Facebook und erst recht nicht für Facebook Connect. An dem Single-Sign-On-Problem sind schon wesentlich umfassendere Initivativen und mächtigere Firmen gescheitert, und ich sehe echt keinen Grund, warum ausgerechnet Facebook damit Erfolg haben sollte.

  • Igor

    31.12.08 (00:57:25)

    @Andreas: So ungern ich dir in diesem Fall widerspreche, weil ich auch der Meinung bin, dass Facebook Connect ein Datenschutzproblem darstellt, so sehr muss ich einfach sagen: Bequemlichkeit siegt. Immer. Mach auch das groeßten Datenschutzproblem zu einer Bequemlichkeit und am Ende bleiben nur wenige Gegner uebrig. Und Facebook ist, als Identitaet, vor allem fuer die Jungen, eine hohe Bequemlichkeit. Sie laden _alles_ hoch, da machen die paar Kommentare auch nichts mehr aus (denken sie) und das man sich auch mit einem Account ueberall einloggen kann ist kein Problem der Blogger. Ich kenne sehr viele, die keine Lust haben sich "schon wieder irgendwo anzumelden". Facebook hat im Moment eine Anmeldungsrate von 600.000 - 700.000 neuen Accounts pro Tag. Bei dieser Wachstumsrate waeren sie im Maerz bei 200 Millionen Nutzern und in dieser Zahl verbirgt sich auch der Grund (einer von vielen), warum Facebook definitiv StudiVZ nicht von Holzbrink kaufen wird. Ich denke auch nicht, dass sie es noetig haben werden, weil das Jahr 2009 derzeit sehr gute Ausblicke fuer Facebook offenbart. Sofern sie ihre Liquiditaetsprobleme natuerlich in den Griff bekommen.

  • Felix A.

    31.12.08 (01:07:04)

    "Ich kenne sehr viele, die keine Lust haben sich “schon wieder irgendwo anzumelden”." Ich kenne sehr wenige, welche sich immer wieder irgendwo anmelden. Geht von Mainstream Leuten aus. Nicht von Tekkies. Das ist auch das Problem von Twitter > Internet-Junkies finden es toll. Der Otto-Normal-Surfer braucht sowas nicht. Daher wie Andreas schon schrieb: "Ich finde, dass Facebook Connect ein Problem löst, das ausserhalb der engsten Web-2.0-Fangemeinde gar keiner hat."

  • Martin Weigert

    31.12.08 (09:25:07)

    Üblicherweise erkennen Menschen erst im Nachhinein, wie ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung ihnen das Leben leichter/interessanter gemacht hat. Viele User haben ein Bedürfnis, ihren engen Social Graph daran teilhaben zu lassen, was sie selbst im Web machen bzw. veröffentlichen. Facebook Connect trägt dem Rechnung, und auch wenn es damit nicht ein Problem löst, so hilft es dennoch bei der Befriedigung dieses Mitteilungsbedürfnisses (welches ein Großteil der Internetnutzer wahrscheinlich noch nicht einmal konkret benennen kann - aber ich behaupte, es existiert.). Deshalb glaube ich, 2009 wird für Facebook sowie Facebook Connect ein sehr erfolgreiches Jahr. Vorausgesetzt, es passiert nicht irgendetwas Unvorhersehbares, wie dass Facebook das Geld ausgeht o.ä.

  • Andreas Göldi

    31.12.08 (10:04:17)

    Felix hat absolut recht: Man muss an den Mainstream-User denken, wenn man die Durchsetzungskraft einer Innovation beurteilt. Dass eine kleine Avantgarde das jeweilige Produkt jetzt schon versteht und für wichtig empfindet, ist beinahe irrelevant. Vorhersagen über die Durchsetzungskraft beim Mainstream sind extrem schwierig -- der grössere Teil der Fachliteratur zu Innovationsmanagement dreht sich genau um diese Frage. Es gibt viele Beispiele für Produkte, die eigentlich offensichtlich nützlich wären, aber im Markt flach gefallen sind: Videotelefonie, Tablet-PCs, die Laserdisc (wie DVD, aber 10 Jahre zu früh), der Segway, etc. Und vermutlich erleben wir das gleiche jetzt gerade mit Blu-Ray. All diese Dinge haben sich in einer kleinen Fangemeinde durchaus verkauft, aber eben nie breit durchgesetzt. Facebook ist so positioniert, dass sie unbedingt einen grossen Hit brauchen, der sich im breiten Mainstream durchsetzt. Dass ein paar Web-2.0-Insider das Zeug gut finden, ist bei weitem nicht ausreichend. Und Facebook Connect löst einfach ein viel zu wenig breit vorhandenes Problem, als dass es diesen Mainstream-Appeal entwickeln könnte. Der durchschnittliche Web-User benutzt auch heute nur eine Handvoll von Sites regelmässig, und daher ergibt sich das Bedürfnis einfach nicht.

  • Martin Weigert

    31.12.08 (10:19:24)

    Wenn aber genau diese Handvoll Sites Facebook Connect integrieren... ich halte das nicht für unwahrscheinlich. Und man darf die "Kraft" von 140+ Millionen Facebook-Nutzern nicht unterschätzen. Was ihr meiner Meinung nach tut, wenn ihr prophezeit, dass es Facebook im kommenden Jahr schwerer haben wird. Warum sollte dies so sein? Weil plötzlich alle zum nächsten SN weiterziehen? Sicherlich nicht. Der Netzwerkeffekt ist zu stark. Facebook hat sein virales Potenzial noch nicht ausgeschöpft, und wird daher weiter wachsen. Was natürlich noch keine Lösung für die Monetarisierungsfrage ist, aber meine Annahme basiert auf der Voraussetzung, dass genügend Kapital für 2009 vorhanden ist. Es ist richtig, unsere eigene Begeisterung über die Entwicklung des Webs nicht auf den Durchschnittsuser zu projizieren. Es ist jedoch meiner Ansicht nach falsch, diesen Otto-Normal-Surfer zu unterschätzen. Er probiert weniger neue Dienste proaktiv aus. Wenn er sich dann aber einem neuen Produkt angenommen hat, ist er genauso begeisterungsfähig wie wir auch, wenn nicht noch mehr. Er braucht nur etwas länger.

  • Felix A.

    31.12.08 (10:24:38)

    Oft muss zum Beispiel auch eine alte Technologie erst sterben, damit eine neue erfolgreich werden kann. Zum Beispiel Digitalkameras: Als meine Mutter hörte, dass man auch bei Schlecker die digitalen Fotos entwickeln kann und darauf hin eine digital Kamera wollte, dann.... ja dann habe ich gedacht: Ok, die Innovation ist im Mainstream angekommen. Vorher nicht :) Blu-Ray wird kein Erfolg werden meiner Meinung nach. Was interessieren den Otto-Normal-Verbraucher 1000 Pixel mehr oder weniger? Aber das ist ein anderes Thema....

  • Felix A.

    31.12.08 (10:39:50)

    @Martin Du musst Unterscheiden: Facebook und Facebook Connect Facebook Connect löst ein Problem, welches nicht existiert. "Wenn aber genau diese Handvoll Sites Facebook Connect integrieren…" Dann ist das völlig egal, denn in dem Fall ist der User bei den Seiten schon angemeldet. Facebook wird mMn seinen Siegeszug fortsetzen, denn Mark Zuckerberg ist einfach ein genialer Stratege. Aber das hat wie gesagt nichts mit Facebook Connect zu tun. "virales Potenzial noch nicht ausgeschöpft" Bitte verschont mich mit diesem inhaltslosen Marketing Geblubber... Noch eine Sache. Viele implizieren wahrscheinlich: "Facebook hat Millionen von Nutzern, da MÜSSEN andere Seiten die bei Facebook Connect mitmachen doch profitieren." 1) Löst Facebook Connect nur dieses klitzekleine Problem: Nämlich das eintippen von ein paar Zeilen. 2) Ist wahrscheinlich ein Irrglaube bei euch (das vermute ich), dass nur weil der Tante-Emma-Laden Facebook Connect einbindet noch irgend ein Vorteil entsteht. Aber wenn, welcher?

  • Felix A.

    31.12.08 (10:46:52)

    Mh. Da ist in meinem vorherigen Beitrag etwas verloren gegangen (seltsam...). Dann halt nochmal: Noch eine Sache. Viele implizieren wahrscheinlich: “Facebook hat Millionen von Nutzern, da MÜSSEN andere Seiten die bei Facebook Connect mitmachen doch profitieren.” Angenommen ein Tante-Emma-Laden in Castrop-Rauxel intergriert in seinem Online Shop Facebook Connect. Erstmal bringt das einem User gar nichts, es sei denn der User ist auch bei Facebook angemeldet. Dann kommt die Meldung: "Möchtest du deine Lieferadresse von Hand eingeben, oder die Adresse übernehmen, welche du bei Facebook hinterlegt hast?" Mehr nicht! Denn > 1) Löst Facebook Connect nur dieses klitzekleine Problem: Nämlich das eintippen von ein paar Zeilen. 2) Ist wahrscheinlich ein Irrglaube bei euch (das vermute ich), dass nur weil der Tante-Emma-Laden Facebook Connect einbindet noch irgend ein Vorteil entsteht. Aber wenn, welcher?

  • Martin Weigert

    31.12.08 (10:47:08)

    Das bringt uns zur nächsten Prognose: Wird Mark Zuckerberg am 31.12.2009 noch Facebook-Boss sein? Ich sage: zweifelhaft.

  • Martin Weigert

    31.12.08 (10:50:45)

    Felix, dein Beispiel: Der User kauft dort eine Tüte seiner Lieblingschips oder eine CD von Radiohead und wird dann als Folge der Connect-Integration gefragt, ob er dies auf seinem Profil veröffentlichen will (also wie Beacon, nur total opt-in). HIER liegt die eigentliche Stärke von Facebook Connect. Das scheint dir und vielen anderen entgangen zu sein. Das meinte ich weiter oben, als ich von Mitteilungsbedürfnis sprach. Einen echten Nutzen hat er davon zwar nicht, aber es liegt in der Natur des Menschen, Vorlieben und Präferenzen seinen engen Kontakten mitteilen zu wollen. Das über Facebook zu tun, erscheint dir und vielen anderen vermutlich derzeit noch suspekt. Meine Prognose ist jedoch, dass alle sich daran gewöhnen und Connect genau deshalb zum Erfolg wird. Weil irgendwann eben selbst die ganz großen Retailer und Sites diese virale Kraft (gib mir ein anderes Wort, wenn du mit "viral" nicht klarkommst) nutzen wollen.

  • Felix A.

    31.12.08 (11:04:13)

    Schon klar, in der Theorie ist das so. Aber glaubst du wirklich, das der User ein wirkliches Interesse daran hat noch gläsener zu werden als er ohnehin schon ist? Manchen Menschen ist das vielleicht egal, da sie ohnehin schon viel von sich mitteilen (Blogs, Twitter), aber ich persönlich und mMn auch der Großteil der User hat daran einfach kein Interesse. Will ich wirklich, dass jeder weiß, welche Bücher ich bei Amazon gekauft habe? Zumal dieses "Empfehlungsmarketing" ja noch ein großer Hype zu sein scheint, wird aber auch hier immer wieder vergessen, dass auch Empfehlungen nicht erzwungen werden können (auch wenn manche Agenturen lustigerweise damit werben).

  • Felix A.

    31.12.08 (11:14:01)

    (11:06:50 AM) Felix: frage: angenommen du wirst gefragt, ob du deinen studivz und amazon account miteinander verbinden möchtest, damit du auf studivz anderen mitteilen kannst, was du bei amazon gekauft hast (11:06:52 AM) Felix: machst du das oder nicht? (11:07:44 AM) Andi: wieso sollte ich das anderen mitteilen wollen? (11:07:53 AM) Felix: eben (11:07:55 AM) Felix: danke für die antwort (11:07:59 AM) Andi: ? ...... (11:08:43 AM) Andi: nen paar bekloppte gibts immer die das wollen (11:08:50 AM) Andi: aber ich denke, das sind die wenigsten

  • Andreas Göldi

    31.12.08 (11:36:56)

    Nur noch eines: Man neigt, wenn man in der Technologiebranche arbeitet, chronisch dazu, die Bedeutung solcher Technologieprodukte fuer Normaluser extrem zu ueberschaetzen. Da hilft nur ein gelegentlicher Reality-Check anhand greifbarer Daten. Beispiel: Ich habe derzeit 233 Facebook-Freunde (ja, ich weiss, FAIL, aber ich bin ja auch schon deutlich ueber 30). Davon haben 64 ihren Status in den letzten sieben Tagen aktualisiert, also eine gewisse Form von Aktivitaet an den Tag gelegt (die Korrelation mit sonstiger Facebook-Aktivitaet ist sehr hoch, darum nehmen wir das mal als stellvertretenden Indikator). Ich habe gerade mal gezaehlt: Von meinen 64 derart aktiven Facebook-Freunden arbeiten 47 (=73%) in der Internet- oder Softwarebranche, koennen also als hochgradig technologieaffin bezeichnet werden. Die Nicht-Technologen scheinen erheblich weniger aktiv zu sein. Auch wenn das natuerlich nicht repraesentativ ist, scheint es mir doch recht typisch zu sein.

  • Anton

    31.12.08 (12:22:37)

    Ich würde mir für 2009 mal einen Artikel wünschen, der fragt: welche Themen sich Leser Eures Blog wünschen und welche haben 2008 nicht so Anklang gefunden. Themen Vorschlag von mir bspw: Was braucht man für Mittel um ein Social network für eine bestimmt Zielgruppe aufzubauen? Vielleicht würde solch eine Kalkulation vielen Startups mal die Augen öffnen, ob es sich lohnt oder nicht und ob es finanziell durchhält. Was mir in den letzten Monaten hier aufgefallen ist: die Facebook-Lastigkeit. Neue Erweiterungen werden als Hype hier hochgejubelt und welches SN diese Erweiterung nicht hat wird auf er Strecke bleiben. Nach 3 Minaten ca. stellt sich heraus, die Erweiterung war doch nicht der Hit. Erinnert mich ein wenig an Börsengeschehen. ;-) Nur ihr vedient ja nun nichts an FB. Warum dann die ständige Euphorie. Eine weitere Frage wäre nämlich: Warum sollte ich bei Facebook, Xing & Co. sein und was bringt es mir? Wie viele Karteileichen gibt es bei FB? 50%? Für wen sind diese SNs eigentlich gemacht? Denn lt. Umfragen haben die Wenigen bspw. bei Xing wirklich geschäftliche Kontakte gemacht. Die Illusion welche zu machen, ist da wohl eher der Reiz dabei zu sein. Guten Rutsch, Euer treuer Leser Anton

  • Rick

    31.12.08 (12:37:07)

    Manueller Trackback: Prognose 2009 : dieser Wahnsinn wird gerecht zu verteilen sein Einen Guten Rutsch ins Jahr 2009 :) MfG Rick

  • Marcel Weiss

    31.12.08 (13:26:18)

    Andreas, ich denke, Du hast hier einen Denkfehler: Facebook Connect ist nicht in einer vergleichbaren Situation wie OpenID. Das Meiste, was Du oben in den ersten beiden Kommentaren beschreibst, bezeichnet die Problematik rund um die geringe Akzeptanz von OpenID. Ich habe das hier schon versucht, zu erklären, warum ich Facebook in einer guten Position sehe, werde es aber nochmal versuchen. OpenID etwa wird sich kaum durchsetzen können. Warum? Man muss sich aktiv mit dem Problem "zu viele Logins" und dem Lösungsansatz Single-SignOn auseinandersetzen, dann die bewusste Entscheidung treffen, dafür OpenID einzusetzen und sich mit der Komplexität rumärgern (Consumer und Provider etc.). Niemand meldet sich bei Facebook wegen FB Connect an. Muss man auch nicht. In Ländern wie den USA, wo FB das dominierende Netzwerk ist, funktioniert FB Connect als Nebenprodukt, als Abfallprodukt, das kurzfristig allen hilft - FB, Usern, Partnern. (Zudem muss man es auch nicht als Single-SignOn einsetzen. Sondern kann das auch sclicht als Erweiterung zu FB verstehen.) Facebook: FB Connect macht Facebook stickier. Selbst wenn Facebook Connect _nicht_ massgeblich für den weiteren Erfolg verantwortlich ist: Wie die App-Plattform sorgt es dafür, dass dort einmal sich eingenistete User keinen Grund mehr haben, zu einem anderen Netzwerk zu wechseln. Hat man seinen Social Graph einmal dort, bleibt man dort. Eine stückweise Abwanderung aufgrund raffinierter, neuer Funktionen oder besserer Handhabbarkeit anderswo wird man dort fast nicht mehr erleben, weil sich Facebook langsam überall einklinkt (im Gegensatz dazu: studiVZ). User: Wenn sie auf eine Site kommen, die sie benutzen wollen, und wenn es nur ein Blog ist, auf dem sie kommentieren wollen, und sie finden neben dem Login das FB-Symbol, dann werden sie das nutzen, weil es einfach ist. Und weil man eh schon diesen Account hat. Dazu finde ich immer wieder erstaunlich, wie sehr der Newsfeed von Facebook einfach ignoriert wird. Auch und gerade von Leuten, die in diesem Bereich arbeiten. studiVZ hat zB bis heute keinen Newsfeed. Was absolut lächerlich ist. Der Feed minimiert zwar kurzfristig die PIs, hat aber so einen enormen Wert, um das Netzwerk sticky zu machen, dass man das gar nicht überschätzen kann. Und dieser Newsfeed, der Dreh- und Angelpunkt von Facebook ist, ist im Zusammenhang mit FB Connect enorm wichtig. Wenn man Aktionen wie Kommentare auf Blogs an die eigenen Freunde weiterleiten kann, verändert das in weiten Teilen das Nutzungsverhalten des Webs, macht viele Aktionen noch sinnvoller. Und stärkt die über FB vorhandene Bindung zum Freundeskreis. Ich habe dieses Jahr durch FriendFeed gelernt, wie wichtig so eine weitere Metaebene werden kann. Vieles hätte ich ohne das Republizieren auf FriendFeed nicht gemacht (einige Kommentare auf Blogs, die meisten GReader Shared Items). Connect-Partner: Man sieht es ja bereits bei großen Sites wie Gawker, was ich hier verlinkt hatte, wie der Einsatz von FB Connect in facebookdominierten Ländern die Partizipation verstärkt. Wirf jetzt noch mögliche Einträge im viralen Newsfeed in die Waagschale und Du wirst eine enorme Adaption von FB Connect-Implementationen sehen. Im Gegensatz zu OpenID oder LiveID gibt es bei Facebook Connect mit dem Facebook-Newsfeed einen nicht zu unterschätzenden Anreiz für Partner, da mitzumachen. Wenn Du das alles zusammennimmst, kann Facebook eigentlich zumindest in den facebookdominierten Ländern nichts mehr gefährlich werden. Das Argument "die Mainstream-User wollen das nicht" halte ich auch für problematisch. Es geht selten allein um die Durchsetzungskraft der zugrundeliegenden Idee an sich (Single SignOn), sondern vielmehr um die konzeptionelle Umsetzung, um das GUI, die einfache Handhabung etc. (siehe hier: OpenID, MS Passport/Live ID gegen FB Connect), die zwischen Erfolg und Misserfolg entscheidet. Bei Deinem Beispiel könnte man MS Passport mit der Laserdisc gleichsetzen und FB Connect mit der DVD. Richtige Zeit, richtiger Ort, erfolgversprechende Umsetzung. Facebook gibt allen Beteiligten einen kurzfristigen offensichtlichen Nutzen. Das wird zum Erfolg führen. Es gibt bezogen auf das Web kaum etwas, bei dem ich mir sicherer bin. Davon abgesehen hat Facebook längst eine Größe erreicht, die es in manchen Ländern schon zum Mainstream macht (fehlt eben nur noch die erfolgreiche Monetarisierung). Mainstream erreicht es über die simple Nutzung des Netzwerks selbst. Die Monetarisierung kommt dann über Connect, das naturgemäß nur von einer Teilmenge der FB-User genutzt werden wird (ich glaube, dass diese Teilmenge höher sein wird, als viele denken, und dass diese über die Zeit noch größer wird). Facebook macht genau das, was ein Social Network machen muss: Den Social Graph in alle Himmelsrichtungen nutzen. Die Wir-verweigern-uns-jeder-Weiterentwicklung-Strategien von studiVZ und wer-kennt-wen.de sind langfristig(!) zum Scheitern verurteilt. Wenn Facebook nicht nächstes Jahr in D-A-CH ankommt, dann eben 2010, oder 2011. Es ist letztlich nur eine Frage der Zeit, der die hiesigen General-Interest-Netzwerke nichts entgegen zu setzen haben (und sogar nicht einmal planen, etwas entgegen zu setzen). FB verhält sich mittlerweile zu den hiesigen großen Social Networks wie seinerzeit friendster zu Geocities. Gab damals bestimmt auch einige, die meinten, Geocities reicht völlig für den Mainstream. ^^ (friendster hat btw. den gleichen Fehler gemacht, den heuer studiVZ und wkw wiederholen: Einfach aufhören, sich weiterzuentwickeln) Ob es uns gefällt oder nicht, Facebook wird seinen Siegeszug fortsetzen und 2009 oder '10 weltweit endgültig ganz oben neben Google und Yahoo ankommen. Das Problem dabei natürlich: Facebooks Verhältnis zum Rest des Webs ist prinzipbedingt weitaus weniger harmonisch als das Verhältnis von Google zum Web. [Längster Blogkommentar, den ich je verfasst habe.]

  • Martin Weigert

    31.12.08 (13:30:24)

    Andreas - Glück für mich: Ich arbeite nicht in der Technologiebranche, und nur sehr wenige meiner Freunde tun dies ;) Ich habe 161 Facebook-Kontakte (noch mehr FAIL ;), 47 haben kürzlich ihren Status geändert. Weniger als 20 Prozent arbeiten im Tech-Bereich. Durchschnittsalter so 25 bis 30. @ Anton Danke für das Feedback und die Vorschläge. Genau, wir verdienen nichts an der Fb-Berichterstattung. Wir finden Facebook einfach nur gut.

  • Marcel Weiss

    31.12.08 (13:31:52)

    @Anton: "Ich würde mir für 2009 mal einen Artikel wünschen, der fragt: welche Themen sich Leser Eures Blog wünschen und welche haben 2008 nicht so Anklang gefunden." So etwas ähnliches habe ich geplant. "Nur ihr vedient ja nun nichts an FB. Warum dann die ständige Euphorie." Siehe meinen vorherigen Kommentar. FB ist einfach das weltweit größte Social Network, das dazu imho konzeptionell und technisch allen anderen um Dimensionen voraus ist. Generell sollte man immer wissen, was der Marktführer macht. Zumindest als Fallstudie ist das auch für andere Gründer wichtig. Ich finde übrigens nicht, dass wir zu facebooklastig sind. :)

  • wolfgang

    31.12.08 (13:37:13)

    Danke für die interessante Diskussion. Meine Prognose: 31.12.2009: Netzwertig gibt es noch, gehört aber immer noch nicht zu Facebook und im Rückblick zum Thema Connect haben alle dann irgenwie recht;) Zu Punkt 5 nochmal: Ich glaube nicht, dass da viel passieren wird. Was fehlt in Deutschland sind Politiker, denen man es abnimmt, dass sie dieses Inter-Dings wirklich begeistert nutzen. Klar - einem Obama folge ich auf Twitter gerne, aber einer Claudia Roth, einem Frank Walter Steinmeier, oder Markus Söder? Die SMS-süchtige Angie könnte ganz lustig werden - bis jetzt gibts von ihr aber anscheinend nur Fake-Profile auf Twitter. Was ist eigentlich aus ihrem Video-Podcast geworden? Schaut sich das jemand an? Der einzige Politiker in Deutschland, der bis jetzt einen unfreiwilligen "viralen" Effekt erzeugen konnte, war Edmund Stoiber. Mit einem Fünkchen Selbstironie (damit ist er nicht gesegnet) hätte er das vielleicht sogar zu seinem Vorteil nutzen können. Tatsächlich gibt es aber mit abgeordnetenwatch.de schon ein ziemlich starkes Portal, das Bürger und Politiker näher zusammebringen könnte. Die Diskussionskultur dort ist aber alles andere als ausgeprägt. Was ich dort entdecke, schwankt zwischen leserbriefschreibenden, nervigen Querulanten und arroganten Abgeordneten, die auch jede noch so vernünftige, höflich gestellte Frage wegbügeln. Was sind denn ganz konkret deine (Web)-Prognosen zur Bundestagswahl, Marcel?

  • Felix A.

    31.12.08 (14:30:08)

    "große site" Gawker? Naja. Ich denke wir sind uns einig, dass FB-Connect ein "nice-to-have" Feature ist, welches dem einen oder anderen User gefällt bzw. einigen Seiten helfen kann bekannter zu werden. Aber warum sollte es Facebook auch nicht einführen? Dennoch glaube ich nicht, dass dieses "Lifestreaming" á la friendfeed der neue Trend des Mainstreams werden wird / werden kann (was ihr ja als Hauptnutzen von FB-Connect beschreibt) Hierzu passend könnte ich auch die ganze gehypte Web 2.0 Ideologie des "Mitmach-Webs" in Frage stellen, da ich behaupte, es wird generell von falschen Annahmen ausgegangen. Das Internet wird vom Großteil der Nutzer als passives Medium genutzt (wie auch das TV nur ein passives Medium ist), was man sicherlich auch durch ein paar Studien beweisen könnte. Der Erfolg von Social Networks hat sicher seine Gründe, aber diese lassen sich nicht ganz einfach auf andere x-beliebige Projekte projezieren. Wenn ich es richtig herleite, geht auch Andreas Göldi u.a. von dieser Erkenntnis aus und prophezeit aus diesem Grund ein "konzentrieren aufs Wesentliche".

  • Marcel Weiss

    31.12.08 (14:34:00)

    @Felix A.: Das war missverständlich ausgedrückt von mir: Facebook Connect wird auf dem gesamten Gawker-Blognetzwerk eingesetzt. Das Gawker-Netzwerk hat mehr Seitenaufrufe als die Site der LA Times.

  • Felix A.

    31.12.08 (14:50:14)

    Habs gerade mal auf valleywag.gawker.com testet. Ich muss ja zugeben, ihr habt mich mit euren Kommentaren dazu bewegt, dass ich jetzt etwas anders über die Sache denke :) FB-Connect ist ein sehr nettes "nice-to-have". Aber wird dennoch nicht bahnbrechend.

  • Matthias

    01.01.09 (12:28:08)

    Zur Diskussion um Facebook: Hier könnte es 2009 eng werden, denn das schnelle Wachstum ist zwar prinzipiell gut, kostet aber sehr viel Geld (etwa für Server). Andererseits sind die finanziellen Rahmenbedingungen (im Markt) nicht besonders gut und es fehlt halt noch immer ein tragfähiges Geschäftsmodell. Mutig fände ich es, Mark Zuckerberg würde kostenpflichtige Pro-Accounts einführen (analog zu Xing). Dann würde sich schnell zeigen, ob das Ganze eher eine Luftblase ist (Andreas Göldi) oder wirklich eine Lizenz zum Geld drucken (Marcel Weiss). Allerdings schätze ich, dass Peter Thiel seinen gesamten Einfluss geltend machen wird, damit genau das nicht passiert... ;-)

  • Hansjoerg Posch

    02.01.09 (10:16:45)

    Interessante Diskussion bzgl. Facebook, im Übrigen kann ich auch aus persönlicher Erfahrung bestätigen, dass FB in Österreich gerade Mainstream wird, die Wechselwelle von studiVZ rollt ordentlich im Moment. Für eine populäre österr. IT Zeitschrift habe ich auch kurz zehn Online - Trends für 2009 aus meiner Sicht zusammengefasst ... 10 Online Trends 2009 - Der Browser wird zur Schaltzentrale und zum Arbeitsplatz Neue Browser-Versionen (Firefox 3.1 / Internet Explorer 8) werden 2009 dafür sorgen, dass sich immer mehr Aufgaben in den Browser verlagern und das Betriebssystem an Bedeutung verliert. Auch Microsoft hat die Zeichen erkannt und wird versuchen mit Online-Versionen von Word, Excel und Powerpoint zu punkten. - Internet am Handy startet durch Mit dem iPhone wurde eine Revolution losgetreten - das Internet am Handy wird 2009 einen neuen Höhenflug erleben. Immer mehr Websiten werden für die kleinen Alleskönner optimiert und bieten flottes Surf-Vergnügen auch unterwegs. Interessant wird sicherlich das Rennen um den gelungensten iPhone - Klon bzw mit welchen Neuerungen Apple aufwarten wird. - GPS / Location based services Inzwischen gehört der GPS-Empfänger bei hochwertigen Geräten zum Standard - damit lassen sich in Zukunft interessante Anwendungen realisieren. Die Bandbreite reicht von Restaurant-Findern über Fun-Anwendungen bis hin zu klassischen Navigations-Lösungen. - TV und Internet rücken enger zusammen Wer heute online Videos und TV-Sendungen sucht wird meist bei YouTube fündig. Dieser Trend wird sich auch im nächsten Jahr fortsetzen und TV-Anbieter werden gut daran tun möglichst viele Angebote auch online zu publizieren wenn sie die junge Zielgruppe erreichen möchten. - Man spricht Deutsch, Chinesisch und Französisch Immer mehr Dienste werden nicht nur auf Englisch sondern in vielen Sprachen angeboten - dadurch werden populäre internationale Dienste auch bei uns schneller eine Verbreitung finden und Möglichkeiten für lokale Nachahmer ("Copycats") eingeschränkter. - Streaming statt Download bei Musik Nicht mehr Dateien auf der lokalen Festplatte sondern das Internet macht die Musik - Streaming-Dienste wie last.fm oder tunesBag.com werden zunehmend zur Quelle für Musik zu Hause, im Büro und am Handy. - Widgets setzen sich durch Widgets sind kleine Helferlein, die schnell auf der eigenen Website eingebunden sind und populäre Anwendungen direkt einbinden. Die Angebote werden im nächsten Jahr deutlich professioneller werden und sich harmonischer in andere Sites einfügen. - Verbesserte Personalisierung Die verfügbaren Informationen im Internet werden nicht weniger - um das Wesentliche aus der Flut herauszufiltern werden intelligente Personalisierungs- und Empfehlungssysteme immer wichtiger. Im nächsten Jahr werden wir hier einige Neuerungen sehen, die uns helfen den Überblick zu bewahren. - Konsolidierung bei Social Networks Niemand braucht das zehnte Social Network für werdende Mütter - das nächste Jahr wird daher von einer Bereinigung der Anbieter gekennzeichnet sein. Erhalten bleiben uns Massenanbieter wie Facebook oder populäre Nischendienste, die eine spezielle Zielgruppe ansprechen. - Revival der kostenpflichtigen Web-Dienste Die Zurückhaltung bei Investitionen und Werbung erfasst auch das Internet - daher werden Anbieter im nächsten Jahr wieder verstärkt auf kostenpflichtige Premium-Konten setzen. Diese bieten mehr Features, Speicherplatz oder längere Aufbewahrungszeiten an. Entscheidend für die Akzeptanz wird auch weiterhin sein wie einfach der Zahlungsprozess gestaltet ist.

  • Oliver Springer

    02.01.09 (17:37:53)

    @Matthias: Kostenpflichtige Pro-Accounts müssten dann aber mit neuen Premium-Funktionen einhergehen. Dann wäre das durchaus vielversprechend. Für die bisher kostenlosen Dienste kann sich selbst das große Facebook nicht erlauben, plötzlich Geld zu nehmen, dafür haben die User dann doch noch zu viele Alternativen beim Thema Social Network. @Hansjoerg Posch: Sehe ich ähnlich bei den kostenpflichtigen Diensten. Die Einfachheit ist die entscheidende Größe, dann geben User im Internet auch Geld aus, sofern sie was geboten bekommen. Die bekannten Bezahlsysteme sind da jedoch alle noch nicht so überzeugend. @Marcel: Da haben wir wohl unterschiedliche Definitionen von Humor. Lustig wird der Bundestagswahlkampf meiner Befürchtung nach deshalb gerade nicht, sondern peinlich. Versuchen werden die Politiker das, da stimme ich der Prognose zu.

  • Hansjoerg Posch

    03.01.09 (14:02:26)

    @Oliver Ich habe gehört in Frankreich ist es üblich gleich via Provider zu bezahlen, das wäre eine einfache Lösung denke ich. Was den Wahlkampf angeht haben wir in Österreich letztes jahr etwas "lustiges" erlebt ... der Spitzenkandidat der ÖVP (=CDU/CSU) hat "getwitter" (bzw twittern lassen), aber immer nur in Einbahn-Richtung, sprich bis auf den letzten Tag keine einzige Antwort (auch auf konkrete Replies) gegeben sondern einfach immer nur Parolen und Pics rausposaunt ... ;-) Siehe hier: http://twitter.com/wilhelmmolterer?page=2

  • chris

    03.01.09 (15:30:04)

    Nachdem die letzten Prognosen so passend waren, seid ihr für mich die absoluten Spezialisten. Ich verfolge weiter euren Blog und bin gespannt ob diese Prognosen wieder stimmen. ;)

  • Ingo Neitzke (ineitzke)

    30.07.12 (14:46:15)

    Gemäß dem Wunsch von Chris wäre ein Update nett zum Vergleich der Prognosen mit der Realität.

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