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29.12.10Leser-Kommentare

Ausblick 2011: 8 Übernahmekandidaten für das kommende Jahr

2011 wird wieder zahlreiche Akquisitionen im Onlinesektor mit sich bringen. Hier sind einige mögliche Übernahmekandidaten.

 

Im Jahr 2011 wird es wieder zu einer Reihe interessanter Übernahmen im Webbereich kommen - einige überraschend, andere vorhersehbar. Hier sind meine persönlichen Vorschläge für Akquisitionen. Über Kommentare und Ergänzungen eurerseits freue ich mich!

foursquare und Gowalla

foursquare und Gowalla, vor einem Jahr noch die Lieblingsservices eingefleischter Internetjünger, suchen im Schatten von Facebook Places nach ihrer Positionierung für die Zukunft. Groupon, das nach der Ablehnung von Googles Sechs-Milliarden-Angebot augenscheinlich ganz große Ziele verfolgt (und sich offenbar gerade eine enorme Kapitalspritze von bis zu 950 Millionen Dollar gesichert hat ), fehlt bisher ein mobiles Standbein.

Eine Verknüpfung von Check-Ins und Deals gilt bereits als Erfolgsrezept . Sowohl foursquare als auch Gowalla könnten Groupon die Tore zu einer neuen Welt öffnen: Sie bringen die mobile Expertise und einige Millionen (foursquare) bzw. Hunderttausend (Gowalla) Nutzer, Groupon die Vertriebskontakte und Salesforce. Statt Groupon könnte auch LivingSocial oder ein anderes, hinreichend solventes Schnäppchenportal zuschlagen.

Dropbox

Bald vier Jahre nach der Gründung stellt der (auch bei unseren Lesern) äußerst populäre Onlinespeicher- und Synchronisationsdienst Dropbox ein zunehmend attraktives Übernahmeobjekt dar. Der Service, der an der Grenze zur Profitabilität stehen dürfte, hat etwa fünf Millionen Anwender und wird diese Zahl 2011 stark erhöhen können - speziell dank der mobilen Apps, die der wachsenden Smartphone-Gemeinde Cloudzugriff auf wichtige Dateien gewähren. Dropbox-Konkurrent ZumoDrive (bzw. das dahinter stehende Startup) wurde gerade von Motorola übernommen - Hardwarehersteller, Mobilfunkprovider aber auch klassische Internetfirmen wie Google oder Microsoft könnten Interesse an Dropbox haben.

Spotify

Spotify hat seine Skeptiker bestätigt und im Jahr 2010 keinen Launch in den USA zustande gebracht - trotz intensiver Anstrengungen und wiederholter Versprechungen von CEO und Gründer Daniel Ek, bis zum Jahresende auf der anderen Seite des Atlantiks verfügbar zu sein. Doch die Labels stellten sich quer.

Während der Service aus Schweden Musikfreunde in Begeisterungsstürme versetzt und die Konkurrenz in puncto Popularität alt aussehen lässt, finden sich genug Zweifler am Freemium-Geschäftsmodell des Startups. Ob freiwillig oder aus der Not geboren könnte eine Übernahme 2011 der einzige Ausweg sein, um eine mit hohen Kosten verbundene Expansion in andere Märkte (Streamingrechte) realisieren zu können, ohne auf den für das Unternehmen wichtigen Gratisservice verzichten zu müssen. Google soll bereits eine Akquisition von Spotify ins Auge gefasst haben. Aber auch Apple, Microsoft oder gar Facebook kämen als Käufer in Frage, wobei Apple in Hinblick auf iTunes dabei vermutlich in Konflikte mit der Musikindustrie geraten würde. Eine Komplettübernahme durch die Plattenfirmen (die bereits 18 Prozent an Spotify besitzen) ist ebenfalls denkbar.

Jolicloud

Das Pariser Startup Jolicloud hat vor Google ein eigenes, sehr schickes und allerlei Webservices integrierendes Betriebssystem für die Cloud veröffentlicht. Googles eigene Entwicklung Chrome OS sorgt derweil für teils heftige Kritik. Googles Interesse am Jolicloud OS dürfte gering sein, das Know-how der Macher jedoch könnte dem Internet- und Werberiesen dabei helfen, Chrome OS sozialer zu gestalten und von einer neuen, externen Perspektive zu profitieren. Besonders teuer wäre eine "Talentakquisition" von Jolicloud sicherlich auch nicht.

Qype

Qype hat 2010 rund 6,5 Millionen Euro frisches Kapital aufgenommen. Eine akute Notwendigkeit für einen Exit 2011 besteht damit sicherlich nicht. Dennoch würden die Hamburger eine Übernahmenangebot vom US-Konkurrenten Yelp sicherlich nicht ausschlagen, wenn die Summe stimmt. Yelp ist seit einiger Zeit auch in Europa aktiv und hat 2010 eine deutsche Version gestartet.

Bedenken muss man zudem, dass der Markt für Dienste mit lokaler Verwurzelung (alias "hyperlokal") allgemeine als sehr zukunftsträchtig gilt und selbst Microsoft Pläne zum Launch eines Yelp-Konkurrenten nachgesagt werden. Somit käme auch Microsoft als Qype-Käufer in Frage - oder Google, das mit Google Places und HotPot eine rege Aktivität im lokalen Sektor an den Tag legt (und in der Vergangenheit bereits Verhandlungen mit Yelp führte). Auszuschließen ist auch nicht, dass Qypes neuer Lead-Investor Vodafone sich weitere Teile des Unternehmens einverleibt oder die Firma aus Hamburg ganz übernimmt.

friendticker

Facebook will 2011 rund 15 Akquisitionen durchführen. Eine davon könnte friendticker heißen, der angesagte Berliner Check-In-Service, der im Gegensatz zu Facebooks eigenem Locationdienst Places (Orte) in Deutschland zahlreiche Kooperationen und Partnerschaften mit lokalen Händlern besitzt.

Für Facebook ist eine solche Übernahme zwar nicht essentiell - studiVZ wurde auch aus eigener Kraft besiegt und war dazu erheblich bedeutender als friendticker - aber es würde den Vorstoß in den Location-Markt hierzulande beschleunigen. Ein alternativer Käufer von friendticker könnte Qype sein, mit dem friendticker bereits zusammenarbeitet und gleichzeitig einen gewissen, wenn auch nicht offiziell ausgetragenen Konkurrenzkampf führt. Auch ein auf dem deutschen Markt befindlicher Mobilfunker könnte friendticker übernehmen wollen, gerade im Hinblick auf die anstehende Kooperation zwischen der Deutschen Telekom und foursquare .

Flickr

Die Flickr-Community bangt um ihren Liebling. Seit Yahoo mit dem Drama um Delicious deutlich gemacht hat, dass es im Rahmen seiner Konsolidierung zu jedem Opfer bereit ist, halten Beobachter auch Veränderungen im Bezug auf Flickr für möglich. Eine Schließung erscheint angesichts von Millionen passionierten Flickr-Anwendern unwahrscheinlich. Ein Verkauf dagegen nicht. Käufer könnte im Prinzip fast jeder sein.

Was sind eure Übernahmekandidaten für 2011?

(Foto: stock.xchng)

Kommentare

  • giessfoermchen

    29.12.10 (22:48:50)

    Bei aller Wertschätzung...aber mich erschreckt mittlerweile, welches Ausmaß Akquisitionen auch im Onlinesektor angenommmen haben. Zugegeben...es ist ein absoluter Wachstumsmarkt, aber so manche erfolgsversprechende Ideen von Gründern können dabei auf der Strecke bleiben. Aber wie die Amerikaner so treffend sagen: "a golden key can open any door."

  • Oliver Springer

    31.12.10 (00:14:21)

    Meine Begeisterung für Übernahmen hält sich auch in Grenzen. Im Einzelfall kann es für das übernommene Unternehmen durchaus sinnvoll oder auch die letzte Rettung sein, aufgekauft zu werden. Die Chance, selbst einer der großen Player im Markt zu werden, ist damit aber dahin. Und ich glaube nicht, dass es der Innovationskraft insgesamt gut tut, wenn wenige große Unternehmen schon recht früh alle möglichen interessanten Unternehmen aufkaufen. Hat ein Unternehmen ein funktionierendes Geschäftsmodell oder sind die Aussichten diesbezüglich gut, spricht viel dafür, unabhängig zu bleiben - Minderheitsbeteiligungen großer Unternehmen sind gesondert zu bewerten. Flickr: Sich von dem einen oder anderen einst übernommenen Unternehmen zu trennen, ist sinnvoll für Yahoo. Aber Flickr ist viel zu interessant, als dass sich Yahoo davon trennen sollte. Sinnvoller wäre, mehr daraus zu machen. Zum Beispiel könnte Yahoo Flickr um ein redaktionelles Angebot zum Thema Fotografie erweitern und Know-how bzw. einen passenden Onlineshop kaufen, um groß in den Verkauf von digitalen Kameras und Zubehör einzusteigen. Qype: Gerade weil das, was Qype macht, eine so große Zukunft zu haben scheint, sollte Qype eigenständig bleiben. Wachsen könnte Qype Richtung Check-in-Services und Couponing. Es müssen ja nicht immer Übernahmen sein. Ein strategische Partnerschaft mit Firmen wie Groupon und Foursquare könnte (zumindest im eigenen Markt) ein schlagkräftiges Gegengewicht zu Facebook-Places und Google Places bieten. Lange warten darf man damit natürlich nicht.

  • leodruck

    01.01.11 (22:19:52)

    Übernahmekanditaten für 2011...es gibt ja einige Nachschlagewerke hinsichtlich bereits vollzogener Unternehmenszusammenschlüsse wie z. B. "Wer gehört zu wem". Interessant waren dabei immer die Internet-Publikationen der Commerzbank, die aber leider zum 31.12.2010 eingestellt wurden. Kennt jemand ein ähnlich gutes Internet-Nachschlagewerk? Insbesondere würden mich dabei natürlich die Übernahmen im Webbereich interessieren. er gehört zu wem wurde eingestellt Die Commerzbank-Publikation wer gehört zu wem wurde zum Jahreende 2010 eingestellt. Mit dem Nachschlagewerk wer gehört zu wem hat die Commerzbank seit 1954 über die Beteiligungsverhältnisse großer Unternehmen in Deutschland informiert. Seit 2004 gab es das Werk als Internet-Publikation. In der letzten Zeit stand jedoch die Nutzung in keinem angemessenen Verhältnis mehr zu dem Aufwand, den es bedeutet, Daten regelmäßig zu erheben, zu validieren und gut strukturiert als Datenbank zu publizieren. Daher hat sich die Commerbank entschieden, wer gehört zu wem zum Ende des Jahres 2010 einzustellen.

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