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17.02.10

8 Schritte auf dem Weg zu einem besseren Internet

Das Internet bereichert das Leben vieler Menschen, ist aber noch lange nicht perfekt. Netzneutralität, globale Lizenzvergaben sowie bessere Filtermechanismen sind einige der Themen, die bearbeitet werden müssen.

Besseres InternetTagtäglich erleichtert das Internet 1,73 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt das Leben und versorgt sie mit Informationen sowie Unterhaltung. Doch die größtenteils positiven Veränderungen auf unser Privat- und Arbeitsleben dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch erheblicher Verbesserungsbedarf besteht, bevor Personen sowie Organisationen rund um den Globus das volle Potenzial der Vernetzung ausreizen können.

Es folgen acht Schritte in zufälliger Reihenfolge, die (neben sicherlich vielen anderen) auf dem Weg zu einem noch besseren Internet erledigt werden müssen.

1. Globalisierung der Lizenzvergaben

Wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz auf Hulu zugreifen möchte, die beliebte US-Plattform für Filme und Serien, wird aus lizenzrechtlichen Gründen abgewiesen. Gleichermaßen enttäuscht muss wieder abziehen, wer von hier oder aus den USA versucht, sich beim schwedischen Musikstreaming-Dienst Spotify zu registrieren.

Auch das Angebot an YouTube-Videos variiert von Land zu Land. So lange Lizenzen für Streaming und Download von Medieninhalten national vergeben werden, erschwert dies nicht nur das Geschäft in dieser Branche tätiger Startups und verhindert Innovation, sondern verdirbt vor allem den Usern ordentlich die Laune.

2. Gewährleistung der Netzneutralität

Die Infrastruktur des Internets behandelt die durch sie übermittelten Daten immer gleich, egal welche Art von Inhalt sie transportieren, egal von wem sie kommen und egal wohin sie gehen. Einige Zugangsanbieter sägen an dieser Neutralität des Netzes, um priorisierten Zugriff auf Dienste oder Content extra in Rechnung zu stellen, oder aber um bestimmte Services in der Übermittlung zu benachteiligen. Das Thema wird in den nächsten Jahren zu heißen Debatten führen. Netzneutralität ist eine Grundvoraussetzung für ein freies, offenes Internet.

3. Leistungsfähigere Filter für bessere/genauere Empfehlungen

Ein Thema, das wir bei netzwertig.com ausführlich behandelt haben: Je mehr Inhalte im Web veröffentlicht werden und über je mehr Kanäle dies geschieht, desto mehr Informationen prasseln auf uns ein. Und mit jedem neuen Social-Web-Dienst verstärkt sich das Problem - selbst wenn Dienste wie Google Buzz eigentlich genau das Gegenteil bewirken sollen, nämlich für mehr Relevanz zu sorgen. Die Entwicklung verbesserter, personalisierter Filter für sämtliche Arten von Inhalten (Texte, Videos, Musik, Veranstaltungstipps etc.) ist eine immer wichtigere Voraussetzung, um aus der Informationsflut das für die individuelle Person Wichtige und Interessante herauszufischen.

4. Portabilität persönlicher Daten

Während Social Networks boomen und täglich Millionen neue Mitglieder gewinnen, landen die persönlichen Daten der Nutzer bei Unternehmen, die es einem nicht gerade leicht machen, diese Informationen wieder zu löschen. Und wer ein Konto bei studiVZ oder Facebook hat (um zwei Beispiele zu nennen), kann mit seinen Angaben nicht einfach von dort zu einem anderen Anbieter umziehen.

Während die kommerziellen Interessen der führenden Anbieter hier eine natürliche Erklärung für dieses Verhalten geben, muss sich dennoch etwas ändern. Zwar ist das Anvertrauen von Userdaten die Gegenleistung für die Möglichkeit einer kostenlosen Nutzung, gleichzeitig jedoch sollten Anwender die volle Kontrolle über ihre Daten haben, diese zu anderen Service exportieren und auf Wunsch auch komplett und vollständig löschen können. Vielleicht nicht von heute auf morgen, aber mittelfristig ohne Kompromisse.

5. Integrierte, unkomplizierte und flexible Zahlungsverfahren

Wer Inhalte ins Netz stellt oder Onlinedienstleistungen betreibt, sollte frei darüber entscheiden können, ob er für diese Geld einfordern will oder nicht. Ungeachtet davon, ob beispielsweise Micropayments für journalistische Inhalte sinnvoll sind oder nicht, ist zumindest die Existenz eines unkomplizierten, universellen und sicheren Zahlungssystems wünschenswert.

Die Frage, ob Paid Content funktioniert, sollte nicht ausgehend von den verfügbaren Zahlungswegen entschieden werden, sondern ausschließlich durch Angebot und Nachfrage. Was eine clevere Bezahloption ausmachen kann, beweisst Apple eindrucksvoll mit iTunes.

6. Schnelle und preisgünstige Breitbandanschlüsse für alle

Um die Vielfalt des Netzes kennenlernen und für eigene Zwecke nutzen zu können, ist ein Breitbandanschluss mit schnellem Down- und Up-Stream (!) unerlässlich. Ähnlich wie mit fließend Wasser, Elektrizität und Straßen beeinflusst das Fehlen oder Vorhandensein eines Onlinezugangs die Lebensqualität deutlich. Entsprechend hoch muss die Internetversorgung bereits auf politischer Ebene priorisiert werden.

7. Gesamtgesellschaftliches Ermuntern von Gründern

Nicht jeder ist ein geborener Unternehmensgründer. Doch wer sich berufen fühlt, ein Web-Startup aufzubauen, benötigt entsprechende Unterstützung. Nicht nur finanzieller Natur - Förderprogramme für jünge Gründer gibt es genug - sondern auch mentaler Art. In einem Umfeld, in dem (digitales) Unternehmertum gesellschaftlich hoch angesehen ist, gehen mehr Menschen diesen Schritt, was die Wahrscheinlichkeit revolutionärer Konzepte und Gründungen erhöht.

8. Erhöhung der Medienkompetenz

Ein Kompetenzmangel bei Fragen zur digitalen Welt führt zu falschen Annahmen und fehlerhaften Entscheidungen. Damit Privatpersonen, Organisationen, Unternehmen und Politik das Internet auf bestmögliche Art und Weise einsetzen und mitgestalten können, müssen sie sich über Funktionsweisen, Dynamiken und Risiken bewusst sein. Auch hier gibt es noch einiges zu tun.

Habt ihr weitere Beispiele für Schritte, die auf dem Weg zu einem besseren Internet erledigt werden müssen?

(Illustration: stock.xhcng)

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