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03.04.14Leser-Kommentare

250 Millionen Dollar für Uber-Wettbewerber Lyft: Individual-Beförderung steht vor massivem Wandel

Nach Uber erhält auch der Rivale Lyft eine enorme Summe von Investoren, um mit seiner On-Demand-Transport-App die Welt zu erobern. Für Personen mit hohen Mobilitätsbedürfnissen sind das gute Nachrichten. Das im Vergleich zu den Startups altmodisch wirkende Taxigewerbe dagegen muss sich fürchten.

LyftDie Individualpersonen-Beförderungsbranche steht vor einem massiven Wandel, der vor allem das Taxigewerbe herausfordert. Nein, die Rede ist nicht von smarten Taxivermittlern à la myTaxi, obwohl diese natürlich auch ihren Teil zu den Umwälzungen beitragen. Ganz besonders viel Druck kommt aber von On-Demand-Transportdiensten, die in der Regel gar nicht erst die Services von Taxifahrern in Anspruch nehmen. Tonangebend ist im Augenblick Uber aus San Francisco. Eine großzügige Ausstattung mit insgesamt 300 Millionen Dollar Wagniskapital erlaubt es den Kaliforniern, im Eiltempo in alle Welt zu expandieren. Derzeit können die gewerblichen Chauffeure in Metropolen in 35 Ländern per App spontan bestellt und auch bezahlt werden.

Doch selbst wenn Ubers Service aus Sicht von bisherigen Taxi-Vielfahrern sehr innovativ und komfortabel sein mag, benötigt der gerade neu entstehende Markt Wettbewerb - und zwar nicht nur durch primär national agierende Anbieter im Hochpreis-Limousinensegment wie etwa die deutschen Services Blacklane und myDriver. Wichtiger ist das Vorhandensein eines Konkurrenten, der ebenbürtig und ähnlich expansiv ist. Wenn Uber, das mit seinem elitären, dekadenten Touch und der umstrittenen, nachfrageabhängigen variablen Preissetzung eine gewisse Angriffsfläche für Kritik bietet, den gesamten globalen Markt im Alleingang erobern würde, dann bestünde die Gefahr eines ungesunden, alles andere platt machenden Monopols - das durch eine signifikante Beteiligung von Google Ventures zudem relativ einfach unter das Dach des neuerdings überall mitmischenden Internetriesens schlüpfen könnte.

Das Erkennungsmerkmal von Lyft-Fahrzeugen

Aus diesem Grund ist es eine sehr gute Nachricht, dass Ubers ebenfalls aus San Francisco stammender Konkurrent Lyft nun seinerseits eine ordentliche Finanzierungsrunde verkünden kann. Das im Gegensatz zu Uber Privatmenschen in Fahrer umfunktionierende und stärker ein Community-Gefühl hervorhebende Startup darf nun ebenfalls frische 250 Millionen Dollar in seine Internationalisierung pumpen.

Fahrgäste werden von dem bald auch außerhalb einiger US-Städte stattfindenden Zweikampf profitieren, sowohl durch Goodies wie von den Firmen verbreitete Rabatte, als auch über eine qualitative Verbesserung des Angebots sowie Erhöhung der Zahl der Fahrer. Zudem ist davon auszugehen, dass, den ungeschriebenen Gesetzen der Internetwirtschaft folgend, diverse kleinere Startups versuchen werden, sich für eventuelle Übernahmen aufzuhübschen. Je mehr potenzielle Käufer, desto besser für sie. In Deutschland dürften etwa der gerade debütierte Anbieter WunderCar, dessen Funktionsweise und Positionierung der von Lyft sehr ähnlich ist, sowie der schon seit Jahren existierende intelligente Ridesharing-Dienst flinc genau beobachten, wie sich Uber und Lyft schlagen.

Im Silicon Valley haben Uber und Lyft das Geschäft von Taxifahrern um 30 bis 40 Prozent einbrechen lassen. Es drohen unruhige Zeiten in der Beförderungsbranche. Natürlich erst recht, sollte sich das gerade in Helsinki getestete Bus-on-Demand-Konzept durchsetzen. Dann braucht es die anderen Dienste gar nicht mehr. /mw

Kommentare

  • Thomas L.

    03.04.14 (08:28:58)

    Ach Gottchen. Vor ein paar Tagen wurde hier schon das "lineare" Fernsehen für tot erklärt. Jetzt ist das "lineare" Taxigewerbe dran. Ich würde diese Seite in grenzwertig.com umbenennen. Das wäre mal linear.

  • Martin Weigert

    03.04.14 (15:39:44)

    Wenn du lieber glauben willst, dass einzelne Geschäftsmodelle für immer da sein werden und quasi gottgegeben sind, nur zu. Die Klagen der Taxifahrer im Silicon Valley (siehe letzter Absatz) sollten doch genügen, um zu zeigen, wie diese Dienste das Gewerbe unter Druck setzen.

  • gast

    03.04.14 (17:55:45)

    naja dann wechseln die taxifharer zu den entsprechenden anbietern. nur für die taxigesellschaften wirds halt schlechter. aber die könnten sich evtl. auf ein franchising verständigen.

  • Martin Weigert

    03.04.14 (22:09:53)

    Das ist eine pragmatische Lösung, die sicher für den ein oder anderen Fahrer in Betracht kommt.

  • Tom

    04.04.14 (10:08:57)

    Das könnte tatsächlich den Taxiunternehmen Schwierigkeiten bereiten... finden wir gut!

  • Thomas L.

    04.04.14 (10:16:50)

    Aha. Was ist denn Uber? Eine Vermarktungsplattform für Limousinen-Services, die es zum grossen Teil alle schon zuvor gab. Mit Uber versuchen diese, ihre freien Kapazitäten an den Mann zu bringen. Taxi und Limo sind doch zwei verschiedene Angebote, die sich an unterschiedliche Kunden(ansprüche) richten. Immer wenn ich in San Francisco früh morgens vom Hotel zum Flughafen möchte, wird mir statt eines Taxis eine Limo aufgeschwatzt. Kostet manchmal 5-10 Dollar mehr. Oft ist es der gleiche Preis. Das heisst, Uber fischt in den Gewässern klassischer Taxibetriebe. Natürlich nehmen viele Leute bei identischen Preisen dann lieber die Limo. Aber das ist nichts anderes als Dumping auf Kosten herkömmlicher Gewerbe. Zu Hauptverkehrszeiten gibt es dann plötzlich gar keine freien Limos mehr. Die sind dann auf hochpreisigen Touren vom oder ins Valley. Zu diesen Zeiten ist man dann froh, überhaupt ein Taxi zu kriegen. Was daran nun so toll sein soll, dass Uber die lokalen Taxiunternehmen zu nachfrageschwachen Zeiten mit Dumping-Angeboten unter Druck setzt, weiss ich nicht. Kann man wahrscheinlich nur gut finden, wenn man in Deutschland hinterm Schreibtisch sitzt und über ach so geniale Startups schwadroniert. Realität wird ja eh überschätzt ;-)

  • Martin Weigert

    04.04.14 (13:03:38)

    Zur Info: Ich bin derzeit in SF, fahre aber weder Taxi noch Über, ist beides imo Geldverschwendung. Fakt ist aber: Uber macht den Prozess der "Taxibuchung" viel einfacher. Und wer regelmäßig Uber nutzt und in eine neue Stadt, ggf im Ausland kommt, muss sich gar nicht erst damit auseinandersetzen, wie die Taxibuchung dort läuft und ob man Fahrer vertrauen kann. Hat schon Vorteile.

  • Burkhard Bründel

    15.06.14 (20:55:36)

    ÜBER & Blacklane & Co Dobrindt: Kontrolle von Taxi-Apps Sache der Länder Kontrollen umstrittener neuer Taxi-Apps liegen nach Angaben von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in der Hand der Länder. Entgeltliche und geschäftsmäßige Personenbeförderung sei genehmigungspflichtig, sagte Dobrindt am Mittwoch in Berlin. Die Länder müssten dafür sorgen, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten würden. Ihm lägen keine Erkenntnisse dazu vor, ob Angebote der Fahrervermittlungs-App Uber nach diesen Kriterien stattfänden. In mehreren europäischen Städten protestierten am Mittwoch Taxifahrer gegen neue Konkurrenz aus dem Internet. Quelle: www.taxi-heute.de Auch die Start Ups sollten bevor Sie an den Start gehen eine Marktanalyse & die geltende Rechtslage prüfen. Das Deutsche Taxi u. Mietwagengewerbe unterliegt einer strengen Gesetzgebung. Sie dient dem Verbraucher zum Schutz.An den Limousinen - App ' s fehlt es an Innovationen. Hier wird nur für die angeschlagene Autoindustrie an neuen Absatzmärkten gearbeitet . Auch die Subunternehmer die sich für diesen Service die Limousinen anschaffen leiden schon jetzt unter dem enormen Preisverfall ( Transferpreise unter Taxitarif). Sie können kaum noch Ihre Kosten erwirtschaften. Hartz 4 lässt Grüßen

  • Martin Weigert

    15.06.14 (23:17:27)

    "Sie dient dem Verbraucher zum Schutz" Das ist ganz augenscheinlich ein vorgeschobenes Argument. Beobachtet man das Verhalten der Taxibranche, geht es dieser überhaupt nicht um den Schutz der Verbraucher, sondern einzig und allein um den Selbsterhalt. Der Konsument und dessen Zufriedenheit und Wünsche stehen bei beim Gros der Taxibranche überhaupt nicht im Fokus. Genau das ist ja der Grund, wieso Uber sich bei vielen ehemaligen Taxi-Kunden so großer Beliebtheit zu erfreuen scheint. "An den Limousinen – App ‘ s fehlt es an Innovationen" Das ist eine absurde Aussage. Gäbe es myTaxi, Uber und einige andere derartige Dienste nicht, dann würde sich auch die nächsten 100 Jahre nichts im Taxigewerbe ändern. Es gibt kaum eine Branche, die sich innovationsfeindlicher präsentiert als das Taxigewerbe. Ich bin wahrlich kein Fan des elitären Uber-Gehabes. Aber wenn ich mir anschaue, wie erbärmlich und unkontrolliert emotional die Reaktionen der Taxibranche ausfallen, dann komme ich zu dem Schluss, dass es höchste Zeit ist, dass endlich jemand dieses eingerostete, kartellähnliche Gewerbe aufmischt.

  • Burkhard Bründel

    16.06.14 (11:29:55)

    Sehr geehrter Herr Weigert Es sind doch nicht die Taxifahrer die gegen neue und innovative Dienstleistungen sind. Vieleicht sollten Google & Mercedes ( Blacklane,Marschmeyer ) eine Bundesratsinitiative starten ( Volksentscheid ) das diese Gesetze ersatzlos gestrichen werden. Wegen Taxifahrer gegen diese Verordnungen verstoßen werden Ihnen hohe Geldstrafen auferlegt ( bis zu 20 000€ ) . Beispiel: Darf ich andere mit meinem Auto mitnehmen – und damit Geld verdienen? Das Problem ist der Versicherungsschutz. Für die Fahrgäste gilt laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): Sie sind bei Unfällen über die Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs abgesichert. Die Chauffeure selbst haben dagegen unter Umständen keinen ausreichenden Versicherungsschutz, warnt der Koblenzer Rechtsanwalt Arno Schubach. Entscheidend ist laut Schubach, ob Anbieter von Mitfahrgelegenheiten gewerblich handeln oder nicht. Ob sie also Geld verdienen, wenn sie sich per App als Chauffeur buchen lassen, oder nur den Beitrag zur Deckung der Betriebskosten kassieren. Entsteht der Eindruck der gewerblichen Absicht, kann der Versicherer Schadenersatzzahlungen verweigern, wenn er nicht darüber informiert wurde. Denn in diesem Fall müsste der Fahrer ein Gewerbe anmelden und mit einer höheren Kfz-Versicherungsprämie rechnen. Und er benötigt dann für gewöhnlich einen Personenbeförderungsschein und gegebenenfalls einen Taxischein. Quelle: http://www.bild.de/geld/wirtschaft/taxi/wer-steckt-hinter-uber-36356250.bild.html

  • Börge-H. Spröde

    28.08.16 (20:39:26)

    Jahrelang werden Taxler und Mietwagen-Unternehmen mit Auflagen für die gewerbliche Personenbeförderung belegt und jetzt kommt ein Online-Konzept für Billig-Fahrer da und schon soll alles liberalisiert werden.

    Gleiche und faire Bedingungen für alle, dass sollte wohl das Mindeste sein.
    Man kann nicht einerseits Leute an Richtlinien knebeln und andere außen vor lassen.

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