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22.09.13

230 Millionen Nutzer weltweit: WhatsApp-Konkurrent Line will Deutschland erobern

Mit 230 Millionen Nutzern gehört der WhatsApp-Konkurrent Line international zu den Schwergewichten im Messenger-Segment. Nun will der Dienst aus Japan Deutschland und Europa erobern.

LineDer deutsche Markt für mobile Chatkommunikation befindet sich nahe an der Sättigungsgrenze. Mehr als 18 Millionen Menschen greifen jeden Monat mobil auf Facebook zu, mehr als 13 Millionen davon täglich. Messenger-Krösus WhatsApp wird laut Firmenangaben von mehr als 20 Millionen Smartphone-Besitzern in Deutschland genutzt. Doch trotz dieses für Neulinge unwirtlichen Klimas glaubt der aus Japan stammende WhatsApp-Konkurrent Line hierzulande an großes Marktpotenzial und plant noch für 2013 den Launch in Deutschland. Das erklärte Sunny Kim, als Senior Vice President/Head of Business Development bei Line für die Internationalisierung zuständig, im Gespräch mit netzwertig.com. Schwergewicht mit 230 Millionen registrierten Nutzern

Während es hierzulande bisher keine Rolle spielt, gehört Line weltweit zu den Schwergewichten im Markt der Messenger-Apps. 230 Millionen Smartphone-Anwender sind bei dem Dienst registriert, der in einer Reihe von Ländern einen ähnlich dominierenden Status einnimmt, wie ihn WhatsApp im deutschsprachigen Raum erreicht hat. Dazu gehören Japan, Thailand, Taiwan, Mexiko, Indonesien oder auch Spanien, wo Line laut Kim mittlerweile 15 Millionen Nutzer vorweisen kann. Besonders beachtlich: Vor einem Jahr war der Service dort noch weitgehend unbekannt.

LineVom Grundkonzept ähnelt Line Kontrahenten wie Whatsapp oder Kik, bietet jedoch eine Reihe von Funktionen, die diesen Wettbewerbern fehlen. Dazu gehören eine Desktop-Version, kostenfreie VoIP-Gespräche, die Integration von typischen Elementen sozialer Netzwerke wie etwa einem "Timeline" genannten Newsfeed, eine enge Verknüpfung mit Spielen und anderen, unter dem Dach der Line-Marke angebotenen Apps sowie - natürlich - Stickers. Die kleinen bunten Bildchen, die User teils kostenpflichtig erwerben und in ihre Chatnachrichten einbauen, haben sich für Line zu einer ansehnlichen Erlösquelle entwickelt. Allein im Juli nahm Line mit dem Verkauf von Stickers acht Millionen Euro ein. Der Gesamtumsatz im zweiten Quartal 2013 lag bei 75 Millionen Euro. Große Bedeutung für das Geschäftsmodell des aus dem koreanischen Konzern Naver hervorgegangenen, aber offiziell in Japan beheimateten Unternehmens spielen neben den Sticker-Verkäufen auch Werbepartnerschaften mit Markenanbietern, die etwa eigene Stickerkreationen bereitstellen oder gebrandete Konten betreiben.

Lokalisierung und TV-Werbekampagnen

Laut Aussage von Sunny Kim stehen nach den Erfolgen in Spanien nun Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien im Fokus der Japaner. In Italien sei gerade die erste TV-Werbekampagne angelaufen. Ein klares Zeichen dafür, dass Line sich nicht allein auf virales Wachstum verlassen möchte und bereit ist, beträchtliche Summen in die Markteroberung zu investieren. Wie genau das Deutschland-Debüt ablaufen wird, wollte Kim noch nicht verraten, bezeichnet aber das Modell Spanien als typische Launchstrategie für Europa: Nachdem im vergangenen Jahr erste spanische User auf Line aufmerksam wurden, lancierte das Unternehmen eine PR-Kampagne - da parallel Lateinamerika immer größere Bedeutung erlangte, kam den Line-Machern das Wachstum in Spanien ganz gelegen. Im März wurde dann ein lokales Büro eröffnet, wo bisher fünf Angestellte mit der Lokalisierung beschäftigt sind. Diese umfasst vor allem sprachliche Anpassungen, Kooperationen mit lokalen Firmen sowie die Bereitstellung "lokaler" Sticker, etwa von den spanischen Fußballvereinen. Parallel startete Line eine großangelegte Werbekampagne. Die Folge: Innerhalb von anderthalb Jahren wuchs die Zahl der spanischen Line-Nutzer von fast null auf 15 Millionen. Ein Blick auf Googles spanische Suchtrends zeigt, wie Line innerhalb kurzer Zeit WhatsApp in die Quere kam.

Deutschland als Herausforderung

Inwieweit sich dieser kometenhafte Aufstieg in Deutschland wiederholen lässt, bleibt erst einmal unklar. "Deutschland ist eine Herausforderung", so Kims ehrlicher Kommentar in Anbetracht der starken Konkurrenz. Doch wenn erst einmal eine deutsche Sprachversion und lokalisierter Content vorhanden sind, dann kann Line zumindest mit Fug und Recht von sich behaupten, Anwendern in Deutschland Dinge zu bieten, die es bei WhatsApp (und im Facebook Messenger) nicht gibt.

Zentral gesteuert wird die internationale Expansion von der US-amerikanischen Line-Niederlassung, wo 25 bis 30 Personen sitzen, sowie von den lokalen Dependancen in Schlüsselmärkten. Insgesamt arbeiten rund 500 Personen für Line, ein Teil davon ist allerdings mit den in Japan angebotenen Portal- und Suchdiensten befasst.

Noch dieses Jahr soll Line nach internen Vorgaben die Marke von 300 Millionen Nutzern durchbrechen. In den lokalisierten Schlüsselmärkten verschwinden sukzessive die in der internationalen Fassung gelegentlich auftauchenden Manga-Elemente. Denn eine Ansprache japanophiler Anwender als erster Schritt in neue Länder gehört laut Kim nicht zur Firmenstrategie. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es sich bei Line neben dem E-Commerce-Riesen Rakuten um Japans einziges global erfolgreiches Internetunternehmen handelt - selbst wenn es seine formellen Wurzeln im Nachbarland Südkorea hat. /mw

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