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24.07.07Leser-Kommentare

20 Minuten bringt zwei Jahre alte Sommerloch-Story nochmals

Wie das Weblog der Redaktion von Heute, "Trashcan", heute aufdeckt, verwertet die Gratiszeitung 20 Minuten einen Artikel von August 2005 diesen Sommer neu. Wir haben dazu zwei Interviews geführt: Eines mit jemandem aus der Heute-Redaktion und eines mit einer in beiden Artikeln zitierten Person.

Das Sommerloch in den Redaktionen, wie sieht es aus? Sitzen nur noch vereinzelt Mitarbeiter da, die lieber ihren Tag in der Badeanstalt verbringen möchten? Sind alle etwas träge und schwitzen vor sich hin? Möchten sie lieber Eis essen als Artikel schreiben? Ja, so ist das wohl. Wenn Sommer ist, möchte man oft lieber alles andere tun, als das, was man tun sollte.

Wenn es nun so heiss ist und einem keine Story in den Sinn kommt: Was liegt dann näher, als einen Ordner aufzuklappen und zu gucken, was man das letzte Jahr geschrieben hat oder das vorletzte? Und dann die gleiche Story etwas ähnlich noch einmal zu bringen?

Wie im Redaktions-Weblog der Schweizer Abend-Gratiszeitung Heute dokumentiert ist, wurde mit einer Geschichte in der heutigen Ausgabe der Schweizer Morgen-Gratiszeitung 20 Minuten genau das gemacht. Die Story nennt sich: "Was in Hotels nicht niet- und nagelfest ist, wird gestohlen" und war in der heutigen Printausgabe zu lesen.

Oben auf dem folgenden Bild sehen wir die Story vom 24.07.2007. Unten die vom 08.08.2005 (die vermutlich in der Printausgabe vom 09.08.2005 zu lesen war):

20 Minuten Hotel

Bild mit freundlicher Genehmigung des Trashcan-Blogs

Anstreichungen: Trashcan-Blog
(für eine grössere Ausgabe: Klick aufs Bild)

Wir haben dazu zwei Interviews geführt:

 

Kurzinterview mit dem anonym bleiben wollenden Redaktionsmitglied "S." der Gratis-Abendzeitung Heute:

Wie bist du auf diese Geschichte gestossen?

Ich hatte ein Déjà-vu, als ich das gelesen habe. Die im Text vorkommende Badeente ist mir als regelmässige 20Minuten-Leserin bekannt vorgekommen.

Ist es das erste Mal, dass dir sowas auffällt?

20 Minuten neigt dazu, ihre Geschichten wieder zu verwerten. Das machen zwar alle Redaktionen, aber ich finde es etwas dreist, wenn im Text die gleichen Leute, die gleichen Hotels und die gleichen Zitate wieder erscheinen. Man sagt sich dort: Das fällt dem Leser so oder so nicht auf. Das hier ist aber ein extremes Beispiel und kann nicht als Regelfall bei 20 Minuten gewertet werden.

Macht ihr das nicht auch bei Heute?

Saisonale Themen gibt es immer wieder, zum Beispiel die Wasserqualität der Badeanstalten. Aber dann gibt es neue Messresultate, neue Infos. In diesem Artikel ist aber gar nichts neu. Für den Leser muss doch ein Mehrwert da sein. Wenn der Leser genau das Gleiche wie im vorletzten Sommer vorgesetzt bekommt - das ist doch einfach keine Geschichte.

Ist sowas nicht unfair gegenüber der Konkurrenz - könnte das nicht euch auch passieren?

Das Blog heisst ja Trashcan, da nehmen wir uns ja auch selbst ab und zu hoch. Und wenn die das nicht auch selbst etwas peinlich finden - ich weiss ja nicht... Auch anderen in der Redaktion ist das aufgefallen. Man darf den Leser einfach nicht für dumm verkaufen.

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Frage an Eria Kramer, Direktorin Hotel Europe Zürich, die von 20 Minuten zweimal zitiert wurde.

Hallo Frau Kramer, Sie werden ja heute in der Gratiszeitung 20 Minuten zitiert. Haben Sie gewusst, dass das heute erscheinen wird?

Nein, ich war sehr überrascht und sauer, als ich das heute gelesen habe. Vor zwei Jahren rief mich jemand an und fragte mich, wie das sei mit den Diebstählen im Hotel und ob ich ein paar Beispiele nennen könnte, was so gestohlen wird. Ich habe das Beispiel mit den Blumen und den antiken Lampen gebracht. Am nächsten Tag stand das ohne mein Wissen in den 20 Minuten. Gestern erhielt ich erneut einen Anruf und wurde zum gleichen Thema befragt. Die Dame wusste auch noch von den Blumen und den Lampen. Ich habe nur gesagt, dass bei mir nichts mehr in den Korridoren herumsteht und aus den Zimmern das Uebliche wie Lavetten und Handtücher wegkommen. Prompt stand heute ein Artikel zum selben Thema ohne mein Wissen in den 20 Minuten.

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Seltsam, wie 20 Minuten hier vorgeht. Wie ich aus vertraulicher Quelle erfahren habe, hat es gestern und heute in Zürich sogar geregnet. Nicht mal das Wetter kann daran Schuld sein.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • mad

    24.07.07 (19:58:13)

    Wieso hat denn die Frau Lenzlinger die Frau Kramer überhaupt nochmals angerufen?

  • boe

    24.07.07 (21:46:03)

    immerhin schreibt man sich selber ab, das ist schon mal ein fortschritt...

  • N.N.

    25.07.07 (07:33:32)

    Von wegen Déjà-vu: hat man das nicht auch ständig beim Durchblättern von "Heute"?

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