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30.06.08Leser-Kommentare

10 Gründe gegen das Netz: Internet abschaffen!

Warum gibt es keine Anti-Web-Bewegung, fragt Zeit Online und fordert dazu auf, eine solche zu gründen. Na dann tun wir das doch! 10 Gründe gegen das Netz haben wir schon ...

(Bild vanz, Creative-Commons-Lizenz)"World Wide Wahn" heisst der Gründungsaufruf von Martin Ganteföhr. Die egalitäre Digitalwelt habe sich als Illusion herausgestellt, wird da klagend verkündet. Und nicht einmal Terroristen hätten etwas gegen das Internet. Der Abgesang ist zwar nicht besonders originell – schon vor zehn Jahren schrieb Peter Hossli für Facts über den "Wahn in der Datenbahn" – aber wir folgen einfach mal dem Aufruf und heben eine Untergrundzelle für den Kampf gegen den WWW-Quatsch aus. So richtig mit Manifest:

10 Gründe, warum das Internet abgeschafft werden muss (Teil 1)

1. Das Internet macht alle furchtbar einsam

Ja, und wie! Wir sind nicht mehr wie vorher jeden Abend in der Kneipe oder vor der Glotze, sondern immer vor dem Laptop. Das ist natürlich eine traurige Angelegenheit, so vor dem Laptop sitzen - irgendwann wird uns das Augenlicht schwinden und der Rücken brechen. Doch das mit dem alleine sein, das stimmt so nicht ganz. Ich jedenfalls verbringe einen Grossteil meiner Zeit am Laptop zum kommunizieren - mit so genannten Menschen. Und wenn ich mal AUSNAHMSWEISE nicht am Laptop sitze, dann verbringe ich meine Zeit auch oft mit Menschen, zum Beispiel mit einem der über hundert, die ich in meinem Leben schon über das Internet kennengelernt habe.

2. Das Internet bläht, es dehnt sich "explosionsartig" aus

Ja, und wie, bald stösst es an der Decke an und hat eine Beule! Die Anzahl Speichermedien wird bald nicht mehr ausreichen! Kabel werden bersten, Daten tollwütig werden, Leute werden in wilder Panik ihre Mäuse schütteln! (Oder aber: Es geht weiter wie bisher, mit kurzen, meist ortsgebundenen Ausfällen dann und wann ...)

Vielleicht sollten wir mal Martin Ganteföhr fragen, wie genau explosionsartige Ausdehnungen im Internet vonstatten gehen, aber wenn er sich darunter etwas vorstellen kann, dann sollten wir das auch können. Unter dem Wort "blähen" kann ich mir allerdings nichts schönes vorstellen. Es meint ja auch nichts anderes als "wachsen", nur ungesund. Auch Herr Ganteföhr könnte "wachsen" sagen, möchte er nicht seinem Publikum das Fürchterliche dieses Vorgangs nahebringen. "Blähen", das ist Beulenpeust und Verdauungsstörungen. "Wachsen", das sind Bäume und Kinder.

3. Das Internet hat keine richtigen Gegner

Nur Elton John und Clifford Stoll konnten aufgefunden werden. Doch mit Andrew Keen, der sich immer mal wieder die schrecklichen Folgen eines angeblichen "Amateurkults" beklagt, sind sie schon zu dritt.

Doch bedroht vom "Amateurkult" ist niemand, der gute Arbeit leistet. Bedroht ist nur die vermeintliche Elite, die ungeachtet der Qualität ihrer aktuellen Arbeit wichtige Positionen besetzt hält. Jede vermeintliche Elite ist ganz natürlich gegen die zutiefst demokratischen und umwälzenden Kräfte, die das Internet freilegt. Schliesslich könnte jemand herausfinden, dass das Elitäre, was sie über Jahre produziert zu haben glauben, gar nicht besser ist als das, was ein Dahergelaufener aus dem Nachbardorf oder aus Bangalore macht. Zum Beispiel der Chef. Der Aktionär. Der Wähler. Der Aufsichtsrat.

Es hat also Gegner, einen ganz grossen Haufen an Gegnern, denken wir nur mal an die Reisebüros, vor einigen Jahren noch eine glückliche Branche. Einige Zitate zum Internet haben wir ja letzten Herbst versammelt.

4. Das Internet ist "nicht Technologie, sondern Heilslehre. Super-Religion"

Es ist wahr, ich bete jeden Morgen den grossen Gott Internet an, der mir all diese tollen Errungenschaften ermöglicht hat. Unter uns, ich habe auch einen kleinen Schrein aufgestellt, dem ich bei besonderen Anlässen die Ehre erweise. Ansonsten bin ich aber ganz zufrieden mit Funktionen, Techniken, Programmiertem. Es bietet mir Möglichkeiten, die vorher eben unmöglich waren. Es ist wie mit dem Fahrrad. Vor der Erfindung des Fahrrads ist man gelaufen. Nach der Erfindung des Fahrrads ist man damit gefahren. Manche beten ihr Fahrrad an (lieber noch das Ungekaufte, von dem man träumen kann). Doch auch der Kult, die Heilslehre, die Superreligion Fahrradfahren ist, etwas nüchterner betrachtet, eine Technologie, die ein paar Anhänger gefunden hat. Sagen wir: Fans.

5. Das Internet ist nicht mal eine vernünftige Erlösungslehre

Jeder Heilslehre muss also auch eine Erlösungslehre angehängt sein? Dass wir ins Paradies kommen, wenn wir nur ausreichend klicken? Uns ungezählte Jungfrauen erwarten, wenn wir am Lebensende bedenkenlos zugeben können, niemals den Internet Explorer heruntergeladen zu haben? Wir die Erleuchtung finden beim Meditieren unter dem Baum der wegsterbenden Holzmedien?

Eigentlich ein einleuchtender Vorwurf. Was zur Hölle machen wir bloss dauernd in diesem Internet, wenn es doch gar nicht zu einem Ziel führt? Allerdings: warum leben wir eigentlich? Weiss das jemand?

Hier geht es zum zweiten Teil.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Gerrit Eicker

    30.06.08 (13:23:05)

    Zu schön. ;) Smile! Gerrit - Wir sprechen Online.

  • Anonym

    30.06.08 (14:06:02)

    [Spam gelöscht. F.S.]

  • arbiter

    30.06.08 (14:16:50)

    Wer soll denn bitte einem halben Aufruf folgen? 5 Thesen wären schon Luther zu wenig gewesen. Immerhin geht es hier ja auch um Glauben. Nun glaube ich, IT samt Internet, wie sie derzeit installiert sind und genutzt werden, sind, wenn nicht Fehlentwicklung, so doch zumindest ebenso Sackgasse, wie Verbrennungsmotoren. Der schnuckelige PC an meiner Seite ist u.a. Energiefresser, die Verlinkung von Inhalten über eine unendliche Zahl von PCs energietechnische Verschwendung, der irgendwelche Großrechner demnächst sicher wieder abhelfen sollen, back to the roots. Trotzdem fahre ich Auto und poste hier, so lange man mich läßt. Dagegen hilft kein Protest, sondern nur Abschalten. Geht aber wie in der Finanzpolitik: Steuersenkung nur bei Gegenfinanzierung. Das Aus für Verbrennungsmotoren nur bei adäquater Substitution. Gilt auch fürs Web, glaube ich.

  • Mark S

    30.06.08 (15:30:24)

    Ja, is denn heut schon Sommerloch? Eine Initiative gegen das Netz im Netz zu starten, das ist etwa so sinnvoll wie zum Autokorso für die Verkehrsberuhigung aufzurufen. Konsequenterweise dürften Eure zehn Gründe (sofern Ihr noch fünf findet) nur gedruckt und/oder live im UKW-Radio gesprochen verbreitet werden.

  • jean-claude

    30.06.08 (17:49:36)

    Also der link zur Karte mit den "weltweiten" Datenströmen ist schon interessant. Wusste ich bisher auch nicht, dass das hauptsächlich eine transatlantische Angelegenheit ist. Das relativiert das world wide web dann schon sehr.

  • arbiter

    30.06.08 (18:48:20)

    Der Clou ist eigentlich, das Web ist `Abfallprodukt´ der geostrategischen Sattelitentechnik. Die wird nun mal überwiegend aus ihrem Herkunftsland betrieben, gesteuert, kontrolliert, also jenseits des Atlantik. Aber der Trick ist gut: world wide Inkasso für nationale militärische Kommandoinfrastruktur. Und es bleibt für allerhand Datenspäher jederzeit anzapfbare Quelle. So lange das so ist, wirds auch nichts mit Konrad Zuses Idee, Arbeitsebene und Speicherebene zu trennen, bleibt Datensicherheit Wunschtraum. Es lassen sich also locker mehr als nur 10 beste Gründe gegen das Web finden, zumindest gegen eines in seiner derzeitigen Form.

  • jean-claude

    01.07.08 (13:45:30)

    Noch mal zu der wirklich interessante Karte über die Intensität der Datenströme im web(link im "Zeit"-Artikel): Wenn ich die Karte richtig interpretiere, findet der absolut grösste Datenfluss in Europa (s. Karte City-to-City-Intnsety) und womöglich weltweit in Brüssel statt. Dort sitzt die EU. Aber auch die Nato, und vieles aehnliches Militärisches, von dem man in der Oeffentlichkeit wenig weiss. @)arbiter: Insofern ist dein Hinweis auf die militärische Entstehungsgeschichte des webs schon interessant ...

  • jean-claude

    01.07.08 (14:26:51)

    Noch ein Nachtrag zu oben erwähnten Intensity-Karte der Datenströme: In der Nähe von Brüssel befindet sich auch Swift, eine internationale Organisation, die den Datenverkehr von 8000 Banken aus 200 Ländern abwickelt. Täglich laufen Summen von 6 Billionen Euro (eine Billion hat eine Million Millionen) über das Swift-System, das wiederum via Internet funktioniert. Ein weiteres Operationszentrum von Swift befindet sich im nicht weit von Brüssel entfernten, niederländischen Zoeterwoude. Interessant ist nun, dass die Amerikaner nach einem Bericht der New York Times eingeräumten, das Swift-System angezapft zu haben und jährlich 20 Millionen Bankdaten ohne Wissen von Kunden und Banken an die US-Regierung weiter gegeben zu haben, mit der Begründung, es habe sich um Massnahmen im Rahmen von Terrorermittlungen gehandelt. Die New York Times geht davon aus, dass das illegal war. Wie auch immer : Diese überaus starke Konzentration von Datenströmen im web im Raum Brüssel und die Nähe zu wichtigen und geheimen amerikanischen Einrichtungen fällt nun wirklich ins Auge. Wenn es so leicht ist, das Swift-System der Banken anzuzapfen, wie leicht ist denn der übrige Internet-Verkehr kontrollierbar? Mir scheint das eine ziemlich heisse Sache zu sein, über die ich bisher nicht viel gelesen habe. Und ich wundere mich: Warm erfahre ich über diese Zusammenhänge so wenig.

  • arbiter

    01.07.08 (15:14:33)

    @ JEAN-CLAUDE: Das ist eben das Teuflische an unserer Medienwelt. Der SWIFT-Skandal, im EU-Parlament folgenlos diskutiert, die dazu "ergangenen" Agenturmeldungen in der Tagespresse als Sechszeiler wortgetreu abgedruckt, in den TV- und Rundfunknachrichten verlesen und basta! Kein Journalist, kein Feuilleton, niemand hat sich wirklich aufgeregt. Der Rechtsstaat sowieso nicht. Transatlantisches Bündnis! Freundschaft! Der Freundschaftsdienst "Rechtsbruch" ist mit enthalten. Interessiert keinen Staats-Anwalt! Vor allem aber: Das Web ist elitärers Macht- und Herrschaftsinstrument. - Gegen diese Aussage wird es Protest hageln, den ich mit einem knapp 500 Normseiten-Traktat aus meiner Schublade widerlegen müßte, was wenig bloggophil wäre. - Der `Knoten´ Brüssel ist ja nur die terrestische Einspeisung in Daten- und Kabelnetze für Europa, eine bessere Relaisstation. Der eigentliche Datentransfer im wwWeb läuft via Sattelit, sozusagen WLAN. Wem gehören die Satteliten? Zu welchem Zweck waren sie ursprünglich in Position gebracht? Wieso laufen 90% Prozent des Datenverkehrs über militärische Satteliten? Die gehören wem? Nette Fragen. Bange Fragen. Und die Antworten dazu sind nicht besser. Und wieso konnte Schily auf unser aller PC mal eben zugreifen, was ausgerechnet Schäuble unterbunden haben will?! Zu SWIFT noch kurz die Anmerkung, daß es sich dabei um eine von US-Banken gegründete Organisation zur Abwicklung des internationalen Bargeld-Zahlungsverkehrs unter Geschäftsbanken unter Benutzung der Telekommunikation handelt. Im Prinzip eine bessere Buchhaltungszentrale, die alle Kontenbewegungen der Geschäftsbanken untereinander buchungstechnisch gegenrechnet und zum vereinbarten Termin die Salden den Banken zum Ausgleich von Soll und Haben mitteilt. Aktiver Geldverkehr findet nicht statt. - Übrigens ist SWIFT eine Folge der JFK-Steuerpolitik, wie u.a. CEDEL/Clearstream und Euroclear im Wertpapiergeschäft auch.- In der Regel benutzte SWIFT seit seiner Gründung überwiegend Telekommunikation, vor allem Telex. Wie die Übermittlung der Bargeldbewegungen derzeit bei SWIFT nachrichtentechnisch abgewickelt wird, entzieht sich meiner Kenntnis, doch arbeite ich gerade heftig daran, diese Wissenslücke zu schließen. Die SWIFT-Leute haben eine eigene Website, auf der sie ihre Entwicklung gut darstellen. Kann sein, daß ich da sogar was zum aktuellen Procedere gelesen habe. Ist dann vermutlich bei Freund Alzheimer gelandet und muß erneut erarbeitet werden. Selbstverständlich gäbe es Möglichkeiten, das Web anders und sicherer zu gestalten. Dann hätten unsere transatlantischen Freunde für zwei oder drei der 13 Geheimdienste zwei Probleme: 1. Arbeitslosigkeit, 2. Datensicherheit. Wer mit letzterer beginnen möchte, muß zuerst die MS-Garage schließen, Google und Yahoo auch, muß Speicherebene und Arbeitsebene trennen, im internen Verkehr den Datenaustausch ausschließlich über Intra abwickeln und eine Hierarchiepyramide für sicherheitsrelevante und allgemein zugängliche Daten aufstellen und befolgen. Alles machbar. Alles unerwünscht. Von wem? Nebenbei: MS hat von der US-Regierung/George W. Bush den offiziellen Auftrag zur Entwicklung einer Software, mit der alle Geldströme weltweit verfolgt, alle Verschlüsselungen geknackt werden können. Vorläufiger Auftragswert: 100 Millionen Dollar. Natürlich wird keiner der nächsten Präsidenten diesen Auftrag stornieren. Hat Angela eigentlich protestiert, als das Programm bekantt gegeben wurde?

  • jean-claude

    01.07.08 (16:03:45)

    @)arbiter: Der Raum Brüssel ist also offensichtlich die mögliche oder tatsächliche Zugriffstelle auf den weltweiten Datenfluss, das Nadelör. Wusste ich bisher nicht. Man muss hier gar keine Gespenster an die Wand malen, abe einen unheimlichen Zug kriegt die Sache schon.

  • arbiter

    01.07.08 (16:41:50)

    @ JEAN-CLAUDE: Fehlanzeige! Brüssel ist nur Knotenpunkt, Relaisstation. Das Web sollte man sich wirklich als Netz vorstellen, von dem man in jeder der Maschenverknüpfungen einerseits Daten abgreifen kann, in das man über jeden der Miniknoten (PC/Server) eindringen kann. Über Brüssel läuft ein großer Teil des interkontinentalen Datenaustausches. Wer nun an Informationen dran will, wird sich am schwersten tun, sie dort herauszufiltern, wo sie in dieser Masse gerade auflaufen. Er wird, und das erledigen Suchmaschinen gratis, sich den an seinem Objekt der Begierde nächsten Punkt aussuchen und von dort einhacken. Das heißt nicht, es ließe sich nicht via Brüssel gleich einem Wollknäuel der Faden aufnehmen. Je länger aber die Strecke, je mehr Verknotungen passiert werden müssen, um so größer das Risiko, raus- oder gar aufzufliegen. Was aber Brüssel so bedenklich macht, ist der generelle und wahl- als auch bedenkenlose transatlantische Zugriff auf die dort anfallende Datenmassen. Und keinem User ist bewußt, mit den Klicks der Suchmaschinen nutzt er simple Spionagetechnik. Das nennt man dann `dual use´.

  • arbiter

    02.07.08 (00:28:29)

    <<JEAM-CLAUFE: Nachtrag - Der "Weltkarte" nach aus dem Zeitartikel werden wohl die Verbindungsknoten der Telekommunikationsprovider dargestellt. Und das meiste des Trafic geht über brave Leitung Kupfer/Glasfaser/Server, wobei Telefonleitungen abhören an jedem Verteilerkasten der Netzbetreiber nebenan auf der grünen Wiese oder über die Straße im nächsten Wohnblock keine Kunst ist. -Zur Freischaltung meiner DSL-Leitung in einem Reihenmittelhaus mußte der Telekomtechniker in den Keller des Nachbarn!- Ab Brüssel dann ab dafür ins Überseekabel, was zu der Zwei-Kontinente These führt, die meines Wissens so nicht unbedingt zutrifft, weil WLAN eine größere Rolle spielt und, wenn ich die Entwicklung richtig deute, UMTS schon vor seiner Einführung zum alten Hut verurteilt hat. Brüssel ist der Nabel für die transatlantische Kommunikation zwischen zwei Kontinenten. Das Überseekabel aus Telefons Anfängen liegt nicht nur gut, es ist auf neuestem Stand. Für die interessierten Kreise würde es reichen, das andere Ende der Nabelschnur anzuzapfen. Zu Hause ist auch weniger riskant und entzieht sich jeder europäischen Kontrolle. Sattelit/WLAN ist sowieso fest in Übersee-Händen. Interessanter ist, Bad Aibling und Wayern wurden als sogenannte `Sendeorte´ aufgegeben, nachdem in Darmstadt, dem Ort der ehemaligen Telekom-Technikzentrale, ein neues Zentrum -auf BRD-Territorium!- in Betrieb gegangen war. Solche Zufälle gibts! Oder doch nur der alte Finanzamtstrick: keine Aufgabe eines Items ohne Kompensation durch ein anderes? Verschwörungstheorien liegen mir nicht. Das bißchen IT-Wissen aber, das ein Laie zwangsläufig im Umgang mit solcher Technik erwirbt, stimmt nicht fröhlich. Und wenn das beste Betriebssystem aller Zeiten inzwischen bei Service-Pack 3 gelandet ist, weiß auch der Nichtfachmann, das Pack hat jede Menge Lücken hineingepackt, die immer erst geschlossen werden, wenn sie auffallen. Prompt hat auch der Nachfolger sein Pack 1. Warum dann noch auf jedem Rechner jede Menge Scurity-Software installiert und bezahlt werden muß, ist auch so ein Perpetuum, über das sich Nachdenken lohnt, zumal auch diese Software im Durchschnitt von 2 Updates/die lebt. Wer Garagensoftware verwendet, bekommt E.T. gleich mit: Telefonieren, nach Hause telefonieren! Jede Wette, es lassen sich locker mehr als 50 gute Gründe gegen das Web finden. Es ließe sich freilich anders organisieren. Wer will, wer macht das? Und wer gibt dieses Instrument freiwillig aus der Hand? Solange sie uns bloggen und posten lassen, ...

  • arbiter

    02.07.08 (00:30:19)

    Nachtrag II: Tippfehler, besonders den beim Namen, bitte entschuldigen! Danke!

  • jean-claude

    02.07.08 (10:01:33)

    @) arbiter: Jedenfalls ist das ein Thema, das man im Auge behalten muss. Auch Fachleute sollten sich mehr drum kümmern. Wir sind ja nur interessierte Amateure. Aber vielleicht fallen uns gerade deswegen Dinge als alarmierend auf, die Fachleute bereits als "normal" empfinden. Der Gewöhnungseffekt an Entwicklungen, an die man sich nicht einfach so gewöhnen darf, ist enorm. Genau das zeigt das Beispiel Swift: Hätte man vor zwei Jahren die Behauptung aufgestellt, die US-Regierung habe sich über das Swift-System der 8000 Banken in 200 Staaten Zugang zu jährlich 20 Millionen hochsensiblen Bankdaten verschafft, wäre man bestenfalls belächelt worden. Heute ist das Fact. Es scheint kaum jemanden wirklich zu beunruhigen. Und das hat alles direkt mit dem web zu tun.

  • Marlene v. Schoene

    02.07.08 (10:43:23)

    Hallo, warum gleich´s Kind mit dem Bade ausschütten - geht´s nicht ´ne Ebene drunter, z.B. las ich die empirische Studie von Dr. Richard Albrecht (2007) und weiß seitdem, daß und wie google.de über Linkunterdrückung nachzensiert, was bedeutet: Mir täts schon reichen, wenn diese Praktiken nebst ihren Praktikern bald aussm Netz verschwänden, es muß also von mir aus nicht gleich´s gesamte Netz sein;-), Bonngruß Dr. M. v. Schoene

  • arbiter

    02.07.08 (11:50:24)

    <>MARLENE VON SCHOENE: Einverstanden! Das Web muß nicht in der Mottenkiste verschwinden. Aber IT muß weg von der John von Neumeier-Architektur und bei Zuse 1936 für die Zugriffsebenen neu beginnen. Leider ist es so, daß die bekannten Suchmaschinen ihre Spionageherkunft nicht verleugnen können. -Daher ja auch der Zugriffsversuch der Softwareschmiede auf Yahoo, um endlich mit dem mit der Regierung vereinbarten Programm entscheidend voran zu kommen.- Ihr Vorschlag, die Praktiker und Praktiken verschwinden zu lassen, gefällt mir sehr, doch mein Radiergummi reicht nicht für Software- und NSA-Garagen, und ich fürchte, solch Ratzefummel wäre Kriegsvorwand in Zeiten präemptiver Friedenskriege. Getrost aber können wir davon ausgehen, daß hier alle Medien und insbesondere Presse als Kontrollorgan, was sie stets für sich beanspruchen, vollständig versagen. Auch das ist natürlich ein Systemfehler. Nicht der Zeitungskunde leistet mit dem Kaufpreis `Deckungsbeitrag´ zu den Gestehungskosten, sondern Wirtschaft finanziert letztlich alle Presse. Contentkontrolle ist also Programm.

  • arbiter

    02.07.08 (11:54:02)

    <<JEAN-PAUL: Wenn wir Laien das merken und die Fachleute es über(s)gehen, hat das zum einen mit der Interessenlage der Fachleute zu tun, andererseits mit dem Prinzip, das ich "Verrat am Auftrag" nenne. Die gebräuchliche Web- Technik ist ihren Wurzeln nach militärstrategisches Herrschaftsinstrument. Ihre Eigner denken nicht daran, das aus der Hand zu geben. Wer George Kennans Entwurf der Außenpolitik seit 1945 kennt -(wehe, wer nicht!)- und heute die wirtschaftspolitische Landschaft und strategischen `Fronten´ anschaut, weiß, diese Politik wird unerbittlich und kontinuierlich durchgesetzt. Der ERP von 1948 läßt uns Befreite vergessen, seit 1945 galt Morgenthau und gilt bis heute. -(Dieser Text stand ursprünglich vor der Re. an M. v. Schoene, doch hat Technik das offensichtlich nicht haben wollen.)-

  • cyb

    06.07.08 (17:38:23)

    eure polemik gegen den zeit-artikel ist eben nur polemik: schnell mal ein paar eigen-erfahrungen eingeschleust und schon scheint alles entkräftet. das ist eben das tragische am web: alles wiegt irgendwie so, wie man es subjektiv wiegen lassen will und allealle dürfen bzw. müssen dran teilhaben und eigentlich ist nix anders geworden: ein hoch der beliebigkeit!

  • arbiter

    06.07.08 (18:46:24)

    >>CYB: Gelegentliches Lesen der hier versammelten Texte hilft gelegentlich dem Polemiker über Pauschalierung hinweg. Hier wird mit z.T. tierischem Ernst dem Web einiges angekreidet, obwohl gerade Blog doch ausschließlich vom Netz lebt. Und daß der Zeit-Artikel überhaupt und hier diskutiert wird, ist nicht nur scheinbar eine Folge des Web. Da verläuft sich dann das Hoch auf die Beliebigkeit in der beliebigen Flachheit des Kritikasters. Tragisch daran ist, niemand weiß, ist das nur Polemik, oder doch gewollt bösartig. Für Meinung fehlt Substanz.

  • jean-claude

    07.07.08 (08:57:32)

    Wir hatten uns hier über die sehr, sehr aufschlussreiche Karte im "Zeit"-Artikel über die Intensität der weltweiten Datenbströme unterhalten. Jetzt stelle ich fest, dass dieser Link zur Karte plötzlich verschwunden ist. Warum?

  • jean-claude

    07.07.08 (10:47:35)

    Weil mich diese Sache mit der world-wide traffic-Karte des web besonders interessiert (siehe oben), fragte ich den Chefredakteur von blogwerk und damit auch von medienlese via e-mail, wie die Abschaltung dieses Links zu erklären sei. Er antwortete prompt (morgens um 3 Minuten nach eins Ortszeit San Francisco!): "Ich bin grad auf dem Sprung (Flug) nach Hawaii - die ersten Ferien seit 14 Monaten, die ersten Tage offline seit ebenso langer Zeit. Die betreffende website wurde im Herbst 2007 von slashdot und dann von Digg aufgenommen - was im Klartext bedeutet: Von einem Tag auf den andern greifen Millionen von Internetbenutzern darauf zu. Die Webseiten von Privatpersonen überleben das selten, weil der Provider ob dem Ansturm erschrickt, von einer Attacke ausgeht und den Stecker zieht oder dem Kunden eine Rechnung für den verursachten Traffic schickt. Ganz so gratis ist das Netz nämlich doch nicht, nur ist das den wenigsten Leuten bewusst. Was mit Chris Harrisons Website passiert ist (also jene mit der interessanten Karte) kannst du ihn selber auf der mail-adress chris.harrison@cs.cmu.edu fragen. Der Server ist noch aktiv, aber die Inhalte scheinen restlos gelöscht worden zu sein. Pit Sennhauser." Danke, Pit, für die profunde Nachtarbeit. Für mich bleibt die Sache mysteriös. Vor wenigen Tagen war der Link zu Harrisons website noch aktiv. Jetzt ist er abgeschaltet. Sollte das bedeuten, dass in der Zwischenzeit wirklich so viele user darauf Zugriff genommen haben? Vielleicht haben wir hier ja doch einen wunden Punkt des webs getroffen...

  • arbiter

    07.07.08 (12:46:58)

    Wo Schily unerlaubt zugegriffen hat, was Schäuble erlaubte, es angeblich wieder abzustellen und die EU ihm heute neue Zugriffsmöglichkeiten bescheren wird, ist vieles möglich, für das die Phantasie keines der Verschwörungstheoretiker auch nur annähernd ausreicht. Klar ist das einer der wunden Punkte des Web, ein Punkt, der das Märchen von der neuen, grenzenlosen Freiheit und den grundsätzlich demokratischen Eigenschaften des Web deutlich widerlegt, selbst wenn es eine einfache Erklärung für das `Verschwinden´ der Karte aus dem Netz gäbe, nachdem sie zuvor nur noch eingeschränkt zu betrachten war. Das Web wird, wie alle Medien, letztlich als Machtinstrument enden. Dem hilft kein Traffic ab.

  • EU-Knecht

    08.07.08 (12:04:23)

    Peter Sennhauser behauptet im Blog, Döpfner werde nach und nach auch auf Appel-Software umstellen. Ob das `schleichend´ funktioniert? Auch wenn ich denke, ex und hop wäre effektiver, wenn jetzt Springer mit Appel handelt, hat MS mit Zitronen gehandelt. Womöglich gehört Bill Gates zum Getier, welches Schiffe instinktiv verläßt? Großstädte sagen seiner Software Adjeu, EU-Kommissare greifen nach seiner Kohle und dem Quellcode, und Döpfner haut dem Faß die Krone ins Gesicht. Klimawandel?

  • Thorsten

    01.10.09 (05:26:20)

    Eine Anti-Netz Bewegung ist wie ein Anti-Auto Bewegung. Das Übel ist da, wir nutzen es und müssen damit leben. Wir gehen auch daran zu Grunde aber das ist unser Schicksal.

  • pal

    18.06.10 (20:07:30)

    Naja - vielleicht sind wir außerhalb der großen EU in der kleinen CH in dieser Frage nicht ganz erfolglos;-)

  • Heinz Hugo Hastenichgesehn

    16.12.10 (23:37:36)

    gratuliere. in 12 jahren onlinezeit hab ich noch nie so einen bockmist gelesen. du findest das internet perfekt und genial? allein dein erster punkt hinkt schon: ohne internet müsstest du die ganzen leute im facebook die 2 straßen weiter wohnen REAL treffen. unglaublich oder? allein die vorstellung...

  • GIBRA

    16.12.10 (23:46:58)

    Hi wer´s denn Ronnie [!] Grob ?

  • Peter Sennhauser

    18.12.10 (00:54:40)

    Ronnie ist einer der Pioniere der Blogwerk-Blogs, der seinerzeit vor allem auf medienlese.com, das in netzwertig.com aufgegangen ist, tätig war und heute vor allem für das bildblog schreibt.

  • GIBRA

    18.12.10 (09:30:53)

    Ihr Posting, BA P.S., spricht doch dafür: FÜRS NETZ ABSCHAFFEN

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