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30.06.08

10 Gründe gegen das Netz: Internet abschaffen!

Warum gibt es keine Anti-Web-Bewegung, fragt Zeit Online und fordert dazu auf, eine solche zu gründen. Na dann tun wir das doch! 10 Gründe gegen das Netz haben wir schon ...

(Bild vanz, Creative-Commons-Lizenz)"World Wide Wahn" heisst der Gründungsaufruf von Martin Ganteföhr. Die egalitäre Digitalwelt habe sich als Illusion herausgestellt, wird da klagend verkündet. Und nicht einmal Terroristen hätten etwas gegen das Internet. Der Abgesang ist zwar nicht besonders originell – schon vor zehn Jahren schrieb Peter Hossli für Facts über den "Wahn in der Datenbahn" – aber wir folgen einfach mal dem Aufruf und heben eine Untergrundzelle für den Kampf gegen den WWW-Quatsch aus. So richtig mit Manifest:

10 Gründe, warum das Internet abgeschafft werden muss (Teil 1)

1. Das Internet macht alle furchtbar einsam

Ja, und wie! Wir sind nicht mehr wie vorher jeden Abend in der Kneipe oder vor der Glotze, sondern immer vor dem Laptop. Das ist natürlich eine traurige Angelegenheit, so vor dem Laptop sitzen - irgendwann wird uns das Augenlicht schwinden und der Rücken brechen. Doch das mit dem alleine sein, das stimmt so nicht ganz. Ich jedenfalls verbringe einen Grossteil meiner Zeit am Laptop zum kommunizieren - mit so genannten Menschen. Und wenn ich mal AUSNAHMSWEISE nicht am Laptop sitze, dann verbringe ich meine Zeit auch oft mit Menschen, zum Beispiel mit einem der über hundert, die ich in meinem Leben schon über das Internet kennengelernt habe.

2. Das Internet bläht, es dehnt sich "explosionsartig" aus

Ja, und wie, bald stösst es an der Decke an und hat eine Beule! Die Anzahl Speichermedien wird bald nicht mehr ausreichen! Kabel werden bersten, Daten tollwütig werden, Leute werden in wilder Panik ihre Mäuse schütteln! (Oder aber: Es geht weiter wie bisher, mit kurzen, meist ortsgebundenen Ausfällen dann und wann ...)

Vielleicht sollten wir mal Martin Ganteföhr fragen, wie genau explosionsartige Ausdehnungen im Internet vonstatten gehen, aber wenn er sich darunter etwas vorstellen kann, dann sollten wir das auch können. Unter dem Wort "blähen" kann ich mir allerdings nichts schönes vorstellen. Es meint ja auch nichts anderes als "wachsen", nur ungesund. Auch Herr Ganteföhr könnte "wachsen" sagen, möchte er nicht seinem Publikum das Fürchterliche dieses Vorgangs nahebringen. "Blähen", das ist Beulenpeust und Verdauungsstörungen. "Wachsen", das sind Bäume und Kinder.

3. Das Internet hat keine richtigen Gegner

Nur Elton John und Clifford Stoll konnten aufgefunden werden. Doch mit Andrew Keen, der sich immer mal wieder die schrecklichen Folgen eines angeblichen "Amateurkults" beklagt, sind sie schon zu dritt.

Doch bedroht vom "Amateurkult" ist niemand, der gute Arbeit leistet. Bedroht ist nur die vermeintliche Elite, die ungeachtet der Qualität ihrer aktuellen Arbeit wichtige Positionen besetzt hält. Jede vermeintliche Elite ist ganz natürlich gegen die zutiefst demokratischen und umwälzenden Kräfte, die das Internet freilegt. Schliesslich könnte jemand herausfinden, dass das Elitäre, was sie über Jahre produziert zu haben glauben, gar nicht besser ist als das, was ein Dahergelaufener aus dem Nachbardorf oder aus Bangalore macht. Zum Beispiel der Chef. Der Aktionär. Der Wähler. Der Aufsichtsrat.

Es hat also Gegner, einen ganz grossen Haufen an Gegnern, denken wir nur mal an die Reisebüros, vor einigen Jahren noch eine glückliche Branche. Einige Zitate zum Internet haben wir ja letzten Herbst versammelt.

4. Das Internet ist "nicht Technologie, sondern Heilslehre. Super-Religion"

Es ist wahr, ich bete jeden Morgen den grossen Gott Internet an, der mir all diese tollen Errungenschaften ermöglicht hat. Unter uns, ich habe auch einen kleinen Schrein aufgestellt, dem ich bei besonderen Anlässen die Ehre erweise. Ansonsten bin ich aber ganz zufrieden mit Funktionen, Techniken, Programmiertem. Es bietet mir Möglichkeiten, die vorher eben unmöglich waren. Es ist wie mit dem Fahrrad. Vor der Erfindung des Fahrrads ist man gelaufen. Nach der Erfindung des Fahrrads ist man damit gefahren. Manche beten ihr Fahrrad an (lieber noch das Ungekaufte, von dem man träumen kann). Doch auch der Kult, die Heilslehre, die Superreligion Fahrradfahren ist, etwas nüchterner betrachtet, eine Technologie, die ein paar Anhänger gefunden hat. Sagen wir: Fans.

5. Das Internet ist nicht mal eine vernünftige Erlösungslehre

Jeder Heilslehre muss also auch eine Erlösungslehre angehängt sein? Dass wir ins Paradies kommen, wenn wir nur ausreichend klicken? Uns ungezählte Jungfrauen erwarten, wenn wir am Lebensende bedenkenlos zugeben können, niemals den Internet Explorer heruntergeladen zu haben? Wir die Erleuchtung finden beim Meditieren unter dem Baum der wegsterbenden Holzmedien?

Eigentlich ein einleuchtender Vorwurf. Was zur Hölle machen wir bloss dauernd in diesem Internet, wenn es doch gar nicht zu einem Ziel führt? Allerdings: warum leben wir eigentlich? Weiss das jemand?

Hier geht es zum zweiten Teil.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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