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01.07.08Leser-Kommentare

10 Gründe gegen das Netz: Furchterregende Alles-Maschine

Wir gründen eine Bewegung gegen die fiese Krake Internet. Im zweiten Teil machen wir die zehn Gründe komplett – das Internet kann sich warm anziehen.

InternetUnser Manifest gegen das Internet ist hiermit komplett: Fünf weitere Argumente wider den Wahn. Damit folgen wir einem Aufruf von Martin Ganteföhr auf Zeit Online zur Gründung einer Anti-Internet-Bewegung.

6. Das Internet konnte die Hierarchien auch nicht abschaffen

Zitieren wir aus dem Gründungsaufruf: "Vom Start weg protzte es mit einem paradiesisch-libertären Zukunftsentwurf. Es versprach Börsenreichtum für alle. Das Ende der Hierarchien." Börsenreichtum? Pah, wird wohl schon stimmen, da hab ich vermutlich geschlafen, als das Internet das verkündet hat. Aber das Argument mit den Hierarchien ist wirklich gut, ich kann dazu nur sagen: Mein Nachbarhund konnte die Hierarchien auch nicht abschaffen. Nicht mal der Kommunismus konnte das. Loser, nicht mal die Hierarchien abschaffen konnten die!

 

Ganz beiläufig muss man allerdings erwähnen, dass die Möglichkeit, zu publizieren, nicht nur für alle ermöglicht, sondern auch massiv vereinfacht wurde. So kann man heute bloggen, in dem man E-Mails schreibt (posterous.com). Und E-Mails schreiben, das haben doch sogar die Könige der Technikverweigerer in den Redaktionen der Zeitungen und Zeitschriften irgendwann gelernt.

7. Das Internet ist eine furchterregende "Alles-Maschine"

Stimmt, das Internet kann immer mehr. Es verwaltet meine Bücher, meine Freunde, meine Geschäftspartner, es sagt mir die anstehenden Geburtstage meiner Mitmenschen und übersetzt mir Wörter, die ich nicht verstehe. Eigentlich warte ich nur noch darauf, dass es mir eine angenehme Rücken- oder Fussmassage gibt, wenn ich das möchte. Allerdings: Das Leben ist auch eine "furchterregende Alles-Maschine". Man kann sich davon beeindrucken lassen. Oder auch nicht.

8. Das Internet wird geliebt

Es ist wahr, und das ist das Schlimmste überhaupt! Frauen können nicht verstehen, wenn Männer Autos lieben. Mütter können nicht verstehen, wenn ihre Söhne ihren Gameboy lieben. Väter können nicht verstehen, warum ihre Töchter ihre perfekte Hose lieben. Männer können nicht verstehen, warum Frauen Romanfiguren lieben. DAS IST ALLES NICHT MENSCHLICH! MAN LIEBT MENSCHEN UND SONST GAR NICHTS! DAS INTERNET IST ÜBERHAUPT NICHT MENSCHLICH! ES IST EIN VERDAMMTES, ABSTRAKTES GEBILDE! UND WER SOWAS LIEBT, der sollte sich wirklich mal fragen, ob er überhaupt noch normal ist. Denkt mal an Paris Hilton und ihr Hündchen - ist das überhaupt noch normal? Naja, vermutlich schon.

9. Das Internet macht den Offliner inexistent

Wie wahr, wie wahr. Wer jetzt und in Zukunft offline ist, der wird seine Öffentlichkeit irgendwann verlieren (Promikinder und Päpste ausgenommen). Oder aber er ist ihr hilflos ausgesetzt. Doch das gilt nur für die, die aktiv oder passiv etwas zu tun haben mit der öffentlichen Debatte. Der Kebabverkäufer an der Ecke wird seine Kunden auch weiterhin ohne Homepage kriegen und wer sich beim Flanieren im Park plötzlich von einer magischen Kraft von einem anderen Offliner angezogen fühlt, kann sich immer noch für nächste Woche, gleiche Zeit, gleicher Ort verabreden. Dafür braucht man weder Facebook-Account noch Handy.

10. Das Internet bietet nicht für alle Zugang

Und nochmals wahr. Es wäre möglich, dass jeder Zugang zum Internet hätte, denn Internet ist genügend da auf der Welt. So wie Essen und Trinken auch. Doch irgendwie kriegen die Menschen es immer noch nicht hin, dass alle Zugang haben. Nicht vergessen: Manche wollen auch einfach nicht (und damit meine ich nur den Internetzugang).

Fünf Gründe sind nicht genug? Zum ersten Teil auf medienlese.com.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Medienknete

    01.07.08 (12:29:50)

    Schön, schön, aber ich vermisse die Standardargumente gegen das böse Internet. Hier darum noch fünf weitere Argumente: 11. Das Internet ist Instrument des Terrorismus So waren beispielsweise alle neunzehn September-11-Terroristen entweder selbst langjährige Internetnutzer, oder waren Besitzer einer E-Mail-Adresse, oder hatten zumindest schon mal vom Internet gehört. Sucht man bei Google nach Terrorismus so erhält man über 3 Millionen Treffer. Das dürfte als Beweis wohl reichen, dass der Terrorismus quasi allgegenwärtig ist im Weltweiten Netz. 12. Das Internet ist ein rechtsfreier Raum. Ganz klar, die Anonymität im Internet ist riesen Problem. Wenn nämlich jeder einfach alles schreiben kann, ohne dass er dafür zur Rechenschaft gezogen werden könnte, so ist die Ordnung der Welt in Gefahr. Zwar wurde in vielen Ländern inzwischen die Vorratsdatenspeicherung eingeführt, doch private Rechtevertreter werden immer noch systematisch darin behindert, diese Daten auch wirksam zur Abschreckung und Abmahnung einzusetzen - angeblich aus Gründen des Datenschutzes. 13. Im Internet gibt es Kinderpornographie Na gut, hab ich selbst zwar noch nie irgendwo gesehen. Bin aber sicher, das gibt es irgendwo. Ich trau mich nur nicht, eine entsprechende Suche in Google einzugeben, weil allein das schon zur Beschlagnahme meines Rechners führen könnte. 14. Das Internet zerstört das Urheberrecht Millionen Kreative sind in den letzten Jahren ins Prekariat abgerutscht, und warum? Weil die Content-Industrie keine ausreichenden Gewinne mehr einfährt. Geschäftsmodelle, die sich schon Jahrzehnte bewährt haben, geraten plötzlich ins Wanken. Und das Gesetz tut nichts dagegen: Schon 70 Jahre nach dem Tod eines Künstlers kann man die Raubkopierer noch nicht einmal mehr abmahnen. Schlimm, schlimm! 15. Das Internet verbraucht Strom Und zwar jede Menge. Denkt daran: Eines Tages werden wir unseren Enkeln erklären müssen, warum wir damals das Klima zerstört haben, nur weil wir uns unbedingt übers Netz irgendwelche Videos runterladen mussten. Erst wenn der letzte Baum abgeholzt, das letzte Blatt zu Biokraftstoff vergährt und letzte Fisch im Meer gekocht worden ist, werdet ihr merken, dass man MP3-s nicht essen kann!

  • Ronnie Grob

    01.07.08 (12:49:36)

    @Medienknete: Vielen Dank für die Erweiterung, es fehlen nun nur noch 35 Gründe, und dann haben wir nach den 50 besten Zitaten übers Internet die zweite grosse Liste auf medienlese.com. Also, noch jemand 5 Gründe? ;-)

  • arbiter

    01.07.08 (13:12:52)

    Allein der gestrige Blick durch medienlese.com zum Thema `Umgang mit Daten´ liefert die nächsten zehn Gründe gegen das Netz. Und MEDIENKNETE führt auch nicht gerade die schlechtesten Argumente an. Dazu die Studie aus NRW, die das Journalistenverdummungsprogramm des Online-Rechercheurs fordert, und wir wissen endlich, wo Arbeitsplätze bleiben: Erst Verflachung, dann Bagatellisierung, dann Outsourcing, Verlagerung in Profitcenter außerhalb des Landes und zuletzt auch dort endgültige Vernichtung von Arbeit. Das Web ist also jenes große Fischernetz der Globalisierungsfalle, dessen Maschen immer enger geknüpft werden, bis auch keine Sardelle mehr durchflutscht. Über allem oben drüber Big Brother. Kann man so sehen. Darf man so sehen. Muß man? Und was bringts, am Schluß recht gehabt zu haben? Treffen all die Befürchtungen, Vorbehalte, Ängste zu, was ist die Alternative? Wie läßt sich dieser Unaufhaltsamkeitstrend stoppen? Läßt er sich umkehren? Zumindest wird deutlich, Freie Marktwirtschaft und Web sind unverträgliche Gegensätze. Die Vielzahl der Netzmaschen verdeckt künstlich, das Web hat keinen Mitbewerber, ist Monopol. Wettbewerb findet nur zwischen den austauschbaren Inhalten, nicht aber für Systeme untereinander statt. Entsprechend sind die EU-Bußgelder gegen Microsoft höchst notwendig, allerdings trotzdem ohne Wirkung. Ebenso ist als zumindest Gegenpol ein europäisches GPS-System eminent wichtig. Eine Gegenbewegung gegen das Web könnte also durchaus Sinn machen. Berechtigt ist sie m.E. allemal.

  • Marlen

    01.07.08 (13:23:53)

    Mhhhh, aber ohne geht es auch nicht. Jedoch bin ich der Meinung das das Internet noch zu wenig für Kommunikation genutzt wird. da war es einfacher eine Montagsdemo ohne auf die Beine zu stellen als jetzt eine Demo gegen die Politik im Lande. SCHADE

  • arbiter

    01.07.08 (15:31:32)

    @ MARLEN: Von Demo-Organisieren verstehe ich nicht sonderlich viel. Der verbrachten Lebenszeit nach wäre ich zu den Alt-68er zu rechnen, doch hatte ich damals zum Demonstrieren keine Zeit, auch wenn ich gerne gemocht hätte. Dennoch, ich erinnere mich lebhaft an Zeiten OHNE (Web natürlich!)! Es ging ohne Großrechner, ohne PC, ohne Handy, ohne Autotelefon, ohne Fernsehen. Für letzteres weiß ich seit über zehn Jahren, es geht OHNE besser, zumindest mir! Das Web ist nur scheinbar das schellere, praktischere Medium. Jeder Anrufbeantworter, ohne den es auch geht, ist für die zu übermittelnde Nachricht flinker. Komme ich nach `verpaßten´ Nachrichten heim, habe ich den AB längst abgehört, bevor das eMail-Programm anzeigt, ob was da ist. Das Web ist ein nicht schlechtes Medium für Gedankenaustausch, aber es ersetzt nicht die bisher gebräuchliche Telekommunikation. Es ist ein zusätzliches Angebot. @ RONNIE GROB: Das Splitten mag ja im ersten Moment sehr rationell gewesen sein, aber für die echte Diskussion beschert es jetzt Sackhüpfen zwischen den Postes von gestern und heute. Irgendwie wäre Zusammenfassung vielleicht nicht unangenehm(?).

  • bugsierer

    01.07.08 (15:59:01)

    sehr schöner text, sehr schöne aktion. danke danke.

  • Medienknete

    01.07.08 (16:05:19)

    ARBITER schrieb: Die Vielzahl der Netzmaschen verdeckt künstlich, das Web hat keinen Mitbewerber, ist Monopol. Wettbewerb findet nur zwischen den austauschbaren Inhalten, nicht aber für Systeme untereinander statt. Vorsicht! Solche Argument könnten dazu führen, dass jemand ein zweites oder gar drittes Internet aufbaut, nur um dieses Monopol zu brechen. Dadurch würden sich die Probleme ja gleich vervielfachen. Stellt euch vor: Drei Internetse = dreimal so viele Twitter-Nachrichten. Himmel, wer soll denn das alles lesen? ARBITER schrieb: Jeder Anrufbeantworter, ohne den es auch geht, ist für die zu übermittelnde Nachricht flinker. Komme ich nach `verpaßten´ Nachrichten heim, habe ich den AB längst abgehört, bevor das eMail-Programm anzeigt, ob was da ist. Genau, das bringt mich zu Grund Nummer... 16. Das Internet ist langsam WWW heißt ja bekanntlich "weltweites Warten". Wenn man mal zusammenrechnet, wie lange der durchschnittliche Internetbenutzer so auf seine Webseiten wartet... das ist alles verlorene Lebenszeit - und natürlich auch Arbeitszeit. Der wirtschaftliche Schaden ist immens.

  • arbiter

    01.07.08 (16:25:30)

    @ MEDIENKNETE: Huch, war ich an der Porzellankiste? Markt konsequent zu Ende gedacht, könnte natürlich dem Web noch ein Zweites oder auch mehr bescheren, ungefähr wie Rundfunk oder TV. Damit kommt natürlich das nächste Argument: Der Worte, Nachrichten, Bilder, Töne sind zu viel gewechselt! Genau das ist das Problem, daß niemand mit der Ausweitung all der wunderbaren Contents auch die Zeit geliefert bekommt, sie zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn zu nutzen. Ganz abgesehen vom Zeitfresser PC allgemein und dem Web im besonderen. Aber wie schon gepostet, das Web ist eben ohnehin nur ein `Abfallprodukt´ einer zu ganz anderen Zwecken kreierten Technik. Aber was ist jetzt? Kriegen wir 50 Punkte contra zusammen? Wehe, ich muß meinen Fundus aufmachen!

  • Matin Ganteföhr

    01.07.08 (17:26:27)

    Prima Manifest, Ronnie! Paar Klitzekleinigkeiten hie und da, und ich trete bei. Elton bestimmt auch. So, jetzt aber Internet abschalten, Leute! Heraus, zur Sonne, zum Freibad!

  • buchstaeblich

    20.07.08 (16:11:08)

    Ich finde, Planet Erde ist aber auch eine Furchterregende Alles-Maschine. Zum Glück wird da auch bereits an Alternativen gebastelt. Weiß eigentlich einer, ob auch schon an einer Alternative für die Furchterregende Alles-Maschine Universum gearbeitet wird? Das wäre etwas für mich, ich fühle mich manchmal so "nicht von dieser Welt".

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