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25.01.11Leser-Kommentare

1. Juli 2011: Ein Meilenstein für Facebook Credits

Ab 1. Juli 2011 müssen Spieleanbieter bei Facebook für Zahlungen die hauseigene Währung Credits implementieren. Ein Meilenstein für das Social Network und dessen Vorhaben einer webweiten Währung.

 

Der 1. Juli 2011 ist ein wichtiger Tag für Facebook und markiert einen Meilenstein bei dem Vorhaben, eine eigene plattform- und später webweite Währung zu etablieren: Denn ab 1. Juli dieses Jahres ist die Integration der Facebook Credits für alle Anbieter von Spiele-Applikationen innerhalb der Facebook-Plattform obligatorisch.

Seit über zwei Jahren treibt Facebook die Ausweitung seines Credits-Programms langsam aber zielstrebig voran. Statt von Nutzern zu erwarten, dass sie bei jedem Spiel aufs Neue ihr Guthaben per Kreditkarte, PayPal oder auf anderen Wegen aufladen, führt die Etablierung von Credits dazu, dass User diese zentral im Prepaid-Verfahren erwerben und für sämtliche Zahlungsvorgänge innerhalb der Plattform verwenden können.

Bisher stellte Facebook es Spieleentwicklern frei, ob sie auf Credits oder andere Zahlungswege setzen wollten. Ab 1. Juli müssen Game-Apps den Spielefreunden die Möglichkeit bieten, virtuelle Güter mit Credits zu erwerben. Das Anbieten alternativer Bezahloptionen wird vorerst weiter geduldet, wobei Facebook Entwicklern Anreize dafür schaffen will, ausschließlich auf Credits zu setzen.

Warum hat der Zwang zum Einsatz von Credits bei Spielen nun eine enorme Bedeutung für die Zukunft von Facebook? Ganz einfach: Indem Facebook Spieleentwickler dazu zwingt, Facebook Credits als Zahlungsmöglichkeit anzubieten (mittelfristig dürfte der Einsatz alternativer Zahlungsoptionen von Facebook ganz unterbunden werden), kanalisiert das soziale Netzwerk sämtliche mit Games generierten Umsätze - und zweigt sich eine 30-prozentige Provision ab.

Genau wie in Apples App Store oder im Android Market gehen 70 Prozent der mit Credits erzielten Umsätze an die App-Anbieter, 30 Prozent verbleiben bei Facebook. Die Provision entgeht dem Social Network, solange Anwender virtuelle Güter beim jeweiligen App-Betreiber direkt bezahlen.

Wenn ab dem 1. Juli jedes Spiel, das virtuelle Güter verkauft oder anderweitig Geld von den Gamern sehen will, Credits anbieten muss, wird dies in kurzer Zeit dazu führen, dass ein Großteil der Umsätze über Credits laufen. Schon heute haben über 350 Facebook-Apps von mehr als 150 Anbietern Credits implementiert.

Für Facebook bringt dies zwei signifikante Vorteile: Einerseits stärkt das Netzwerk sein zweites wirtschaftliches Standbein neben der Werbevermarktung (mit der es 2010 1,86 Milliarden Dollar erlöst hat), andererseits kann es viele Millionen Dollar als Umsatz verbuchen, die zuvor direkt an die App-Anbieter flossen und damit nicht in Facebooks Büchern auftauchten. Die Höhe des Umsatzes sagt zwar wenig über den tatsächlichen Erfolg eines Unternehmens aus, aber ein explosionsartiges Ansteigen der Erlöse wird Facebook bei seinen Börsenplänen trotzdem nicht schaden.

Über welche Dimensionen sprechen wir? Rund die Hälfte der von Nutzern bei Facebook verbrachten Zeit wird für Social Games aufgewendet. Diese Spiele werden vorrangig durch den Verkauf virtueller Güter monetarisiert. Der Gesamtmarkt virtueller Güter (der nicht nur Social Networks sondern auch klassische Onlinespiele wie World of Warcraft umfasst) hatte schon im Jahr 2010 ein Volumen von 7,3 Milliarden Dollar (im Vergleich zu 2,1 Milliarden Dollar im Jahr 2007) und wird weiter rapide wachsen.

In den USA allein betrug der Umsatz von Social Games im vergangen Jahr rund 856 Millionen Dollar, etwa 60 Prozent davon betrafen den Verkauf virtueller Güter. Im kommenden Jahr werden in den USA laut Schätzungen von eMarketer rund 1,3 Milliarden Dollar mit Spielen innerhalb von sozialen Netzwerken erlöst, knapp 800 Millionen durch virtuelle Güter - und ein Löwenanteil davon naturgemäß bei Facebook, dem mit Abstand größten Social Network und Plattformanbieter für Social Games.

Wenn im Jahr 2012 Credits die einzige von Facebook tolerierte Währung für Apps darstellen (wovon auszugehen ist), würde dies bei einem hypothetischen (aber realistischen) 75-prozentigen Marktanteil bei Social Games 600 Millionen Dollar in die Facebook-Kassen spülen, wovon Facebook 30 Prozent, also fast 200 Millionen Dollar, behalten würde. Und das allein in den USA. Nur ein Viertel der Facebook-Nutzer kommt aus der USA.

Zusammengefasst bedeutet dies Folgendes:

Der Verkauf virtueller Güter ist, so befremdlich dies für manche erscheinen mag, ein schnell wachsender Milliardenmarkt. Social Games bei Facebook erlösen bereits heute hunderte Millionen Dollar mit virtuellen Gütern. Kanalisiert Facebook diese Verkäufe durch seine Credits-Währung, erhält es 30 Prozent dieser Umsätze.

Welche nächsten Schritte nach dem 1. Juli folgen werden, ist offensichtlich: Eine sukzessive Verdrängung aller alternativen Bezahlmethoden sowie eine Ausweitung des Credit-Systems von Spielen auf andere Transaktionen, z.B. im Kontext von digitaler Musik oder Filmen - und das nicht nur innerhalb der Facebook-Plattform, sondern via Facebook Connect auch bei Drittanbietern.

Kommentare

  • Henning

    25.01.11 (08:06:17)

    Wäre es nicht eine schöne Ironie der Geschichte, wenn es Facebook mit Hilfe von Spielen wie FarmVille gelingen würde endlich eine einheitliche weltweite Währung einzuführen?

  • Martin Weigert

    25.01.11 (10:42:11)

    Ironisch oder smart ;)

  • Dennis

    25.01.11 (10:51:50)

    Bei den 30% brauchen sie sonst eigentlich nicht mehr viel arbeiten. Aber ein weiterer Schritt der zeigt, dass Zynga zur rechten Zeit am rechten Ort war. So eine Erfolgsstory legt nach den bisherigen Anpassungen der Plattform heute keiner mehr hin. @Henning: Das wäre was. Bin gespannt wann man in den ersten Online Shops mit Facebook Coins zahlen kann. Kommt garantiert.

  • Monte

    25.01.11 (11:44:20)

    >Wenn ab dem 1. Juli jedes Spiel, das virtuelle Güter verkauft oder anderweitig Geld von >den Gamern sehen will, Credits anbieten muss, wird dies in kurzer Zeit dazu führen, dass >ein Großteil der Umsätze über Credits laufen. Das wird über kurz oder lang sicherlich so kommen, aber der Argumentation kann ich nicht folgen, solange "nur" die Implementierung der Credits ein Muss aus. Solange parallel noch (Betonung auf noch) Einsatz von Alternativen gestattet ist, können grundsätzlich die Preise entsprechend auch unterschiedlich gestaltet werden. Oder denke ich da gerade falsch?

  • Martin Weigert

    25.01.11 (11:51:38)

    Einerseits wird Facebook Entwicklern besondere Anreize dafür geben, ganz auf alternative Zahlungsmethoden zu verzichten (was für Anreize das sein können, wird womöglich von Fall zu Fall unterschiedlich sein), andererseits wird es ganz einfach so sein, dass viele User durch die starke Präsenz der Credits früher oder später ihr Credits-Konto aufladen werden und dann ganz einfach diese Credits auch einsetzen wollen, statt bei irgendeiner App wieder per Kreditkarte oder PayPal zu zahlen. Es gibt ja heute schon zahlreiche Anbieter, die ausschließlich Credits einsetzen, trotz der 30 Prozent Provison. Es ist für die Apps simpel, sie müssen sich nicht selbst um Zahlungsmethoden kümmern, sparen sich den Support diesbezüglich, und sie profitieren von Facebooks Marketing-Push in puncto Credits.

  • Marco

    25.01.11 (12:16:42)

    Woah solche Systeme finde ich grausam. Ich rege mich jedes mal wieder auf, wenn ich die Microsoft Points brauche. Das ist Verwirrung hoch 10 >.<. Keine Ahnung was der Umrechnungskurs bei Facebook ist, aber bei Microsoft ist das die Hölle! Gott sei dank stellen sie langsam wieder teilweise auf Euro um. Ich denke aber nicht, dass sich diese Währung außerhalb von Facebook als DIE Zahlungsweise etablieren wird. Warum den Umweg über Facebook gehen, wenn ich auch direkt zahlen kann :S. Wobei ich gehöre auch zu denen Menschen die es nicht verstehen, dass andere Menschen irgendwelche Kleidung für Avatare usw. online kaufen -.-.

  • Martin Weigert

    25.01.11 (12:22:39)

    Marco hast du zufällig nen iPhone bzw. iPad? In diesem Fall weißt du ja dann, wie angenehm aus Anwendersicht ein "One-Click-Zahlungssystem" ist. Genau das könnte Facebook mit Credits ins Web bringen.

  • Monte

    25.01.11 (12:55:50)

    @Martin: Früher oder später ja, das sehe ich genauso. Aber es wird nicht über Nacht passieren. Auch heute werden unterschiedliche Zahlungsmethoden unterschiedlich bepriced. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die besagten Anreize auf breiter Front erfolgen. Die würde ich schon erst für Zynga & Co. erwarten. Alle anderen werden vorerst die eine oder andere sonstige Zahlungsmethode eher so anbieten, dass sie für die Spieler attraktiver bleiben, oder zumindest gleichwertig sind.

  • Marco

    25.01.11 (13:56:36)

    Neee Blackberry und hoffentlich bald zusätzlich Playbook Besitzer :). Ich nutze ziemlich oft Paypal und das System gefällt mir eigentlich. An der XBox läuft das auch per one click also entweder du kaufst vorher Points und zahlst dann immer wenn du einen Film leihst oder belastest einfach direkt deine Kreditkarte. Ich finde einfache Zahlungssysteme klasse, aber ich mag es nicht, wenn man erst in irgendwelche Coins usw. umtauschen soll :S

  • robert josef stadler

    25.01.11 (13:57:14)

    Das wird richtig spannend mit einer eigenen Facebook-Währung. Dies erklärt mir nun auch den hohen Preis, für welchen Facebook-Anteile gehandelt werden. Die Macht dieser Währung wird im Moment offensichtlich kaum erkannt, weil viele Menschen einfach keine Ahnung davon haben, was Geld oder eine Währung ist. Zu den besten Experten gehört für mich Prof. Dr. Bernard Lietaer, welcher bereits 1999 in Alpbach die Finanzkrise prognostizierte. Mehr über den Architekten des ECU, woraus später der EURO entgegen seinen Empfehlungen entstand, auf seiner Website: www.lietaer.com

  • Tommy

    25.01.11 (15:06:50)

    > Die Macht dieser Währung wird im Moment > offensichtlich kaum erkannt, Genau das ist der Punkt, der mir Angst macht: 2011 kann man in Spielen damit bezahlen, 2012 in Onlineshops wie Amazon oder Bestbuy, 2013 gibts dann die Facebook Kreditkarte, 2014 kann man sich das Gehalt direkt auf Facebook überweisen lassen und kündigt bei Sparkasse & Co. Und innerhalb weniger Jahre ist Mark Zuckerberg die mächtigste Bank, die es jemals gab, der mächtigste Mensch, der je existiert hat... Bravo, tolle Neuigkeiten.

  • robert josef stadler

    25.01.11 (15:31:53)

    Na ja, die Angst ist berechtigt! Vielleicht geht es schneller - je nachdem wie schnell die lernen. Leider hat die amerikanische Bank einige Erfahrung und viele "kluge" Köpfe, welche ihr ganzes Leben damit verbringen, sich zu überlegen wie man Geld verdient. Man wird bereits 2012 Kredit von ihnen bekommen, vermute ich. Damit beginnt es erst so richtig. In der eigenen Währung Kredit zu vergeben kostet den Kreditgeber was? Richtige Antwort: nichts, null, nada.

  • Marco

    25.01.11 (16:16:58)

    Naja jetzt kommt mal wieder runter. Nur weil Facebook auf der eigenten Plattform 30% von jeder Geldtransaktion haben möchte heißt das nicht, dass wir gleich eine neue "Währung"zu befürchten haben. Solche Zahlungssysteme und pseudo "Währungen" gibt es schon sehr lange. Kaum probiert Facebook solch ein Modell, wird gleich von einer neuen "Währung" für die Welt gesprochen. Wie bereits erwähntich finde es nett, dass man so einfacher bezahlen kann, nur das Umrechnen finde ich unnötig und denke das soll in gewisser Weise Verwirrung beim Verbraucher stiften. Achja um diese Coins als Währung definiteren zu können, müssten Facebook und/oder zumindest Internet als Land oder Staat subsumiert werden können... Und für den Fall, dass Facebook in das Finanzgeschäft einsteigen sollte, was durchaus sein kann... Welche große Firma gibt heutezutage keine Kredite? Es gibt auch eine BMW Bank zum Beispiel ^^

  • Markus Merz | Hamburg St. Georg

    25.01.11 (16:45:36)

    Das Weiterdenken von Stadler in Sachen Kredit (-zinsen!)finde ich hochinteressant. Man könnte also Facebook-Leistungen erhalten ohne die Credits im Konto vorrätig zu haben. Und auf die (virtuelle) Vorleistung dann 15% Dispozinsen kassieren. Evtl. ohne irgendeiner Bankenaufsicht Rechenschaft schuldig zu sein. Auch die IT gestützte Bündelung, Rabattierung und Preisanpassung von 'Produkten' könnte bei virtuellen Gütern einen ganz passablen realen Cash Flow abwerfen.

  • robert josef stadler

    26.01.11 (00:06:24)

    Nun, die Zinsen dürften bedeutend tiefer ausfallen (5%?), allerdings sind diese in einer konventionellen Währung beispielsweise USD, EUR oder CHF zu bezahlen. Auch die Transaktionskosten dürften eher in den Bereich von 3% anstelle der 30% für die Spiele kommen, wenn genügend hohe Summen umgesetzt werden. Vergleichbar mit VISA-Gebühren für die Unternehmen. Der grosse Unterschied zur "BMW-Bank" die Marco anspricht ist, dass diese Kredite in einer konventionellen Währung gewährt werden, für welche die "BMW-Bank" ebenfalls Zinsen bezahlen muss. Zudem besteht doch ein erheblicher Unterschied zwischen lokalen Komplementärwährungen (WIR hat als grösste Komplementärwährungs-Genossenschaft auf der Welt 80'000 Mitglieder ausschliesslich in CH)und dem was sich hier abzeichnet. Zinsen fallen wie bereits erwähnt für Facebook weg, wenn Facebook selbst ihr eigens Geld schöpft. Intressanterweise heissen die Dinger bereits Credits.

  • Tommy

    27.01.11 (01:48:27)

    > Der grosse Unterschied zur “BMW-Bank” die > Marco anspricht ist meiner Meinung nach die Reichweite. Facebook hat bis dahin eventuell eine Milliarde Mitglieder. Wenn man durch Integration eines Paypal-Clons automatisch alle Mitglieder auch zu Konteninhabern macht - und das auch angenommen und genutzt wird, muss man Zuckerberg nicht mehr zu einem "Land" machen. Denn dann ist er innerhalb weniger Jahre mächtiger als die meisten "Länder".

  • robert josef stadler

    27.01.11 (09:37:10)

    Dem stimme ich zu und habe es vorausgesetzt: der allergrösste Unterschied ist natürlich die Anzahl Menschen, welche die Währung nutzen. Um eine Währung intensiv zu nutzen, brauchen die Nutzer Vertrauen in diese Währung. Wenn Credits für minderwertig gehalten werden oder als Pseudowährung gelten, wird es kaum funktionieren. Es gibt aber nun sehr viele junge Menschen, welche mit dieser Komplementärwährung aufwachsen und so lernen, dass man dieser Währung Vertrauen kann. So wird es selbstverständlich und praktisch, diese einzusetzen. Sich in dieser Währung auch noch "günstig" zu verschulden, was ca. 1/4 aller Jugendlicher tun, wird das Ganze extrem beschleunigen. Und wer soll das Regulieren? Mal schauen, wie es sich entwickelt. Und noch etwas zum Preis der Facebook-Anteile: 50 Mrd USD : 0,5 Mrd Nutzer = 100 USD pro Nutzer. Im Gegensatz zu den meisten "Experten" halte ich das für günstig.

  • Andreas

    10.06.11 (15:41:37)

    Hier findet man noch weitere interessante Aspekte und Ideen zu Facebook Credits: http://www.gaubitz.com/ausblick-facebook-credits-was-kommt-vielleicht-noch-51

  • Heiko

    02.09.11 (16:06:49)

    Find persönlich die möglichen Zahlen zu hoch gegriffen. Es wird immer davon ausgegangen das die Zahlungen 1 zu 1 sich in Facebook Credits dann umwandeln, aber was ist wenn 50% der Benutzer keine Facebook Credits wollen?

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