22.03.11Kommentieren

Firmenwagen

Überwachen Sie die Firmenwägen

Die meisten Geschäftsführer haben wenig Interesse daran, ihren Firmenwagen auch privat zu nutzen. Beispielsweise fahren sie nach Dienstschluss ausschließlich mit einem familienfreundlichen Kombi, weil der Nachwuchs im sportlichen Dienstwagen keinen Platz hat. Das Finanzamt sieht das kritisch und unterstellt insbesondere bei GmbH-Geschäftsführern zunächst immer eine Privatnutzung. Sie müssen also sehr überzeugend argumentieren.

Firmenwagen: Verbot der Privatnutzung müssen Sie streng überwachenFirmenwagen: Verbot der Privatnutzung müssen Sie streng überwachen

Fall aus der Praxis

Gesellschafter-Geschäftsführer A hatte in einem Nachtrag zu seinem Anstellungsvertrag festgelegt, dass er den betrieblichen zweisitzigen Jaguar nicht für private Zwecke nutzen darf. Er hielt die tatsächliche Nutzung des Fahrzeugs weder in einem Fahrtenbuch fest, noch wurden irgendwelche organisatorischen Maßnahmen ergriffen, um die Privatnutzung auszuschließen. Der Betriebsprüfer rechnete A deshalb für die Jahre 1998 bis 2000 eine pauschale Privatnutzung nach der 1-%-Methode zu.

Finanzrichter bleiben trotz guter Argumente hart

Die durchaus überzeugenden Argumente des A ließen die Richter völlig kalt. A führte an, dass ...

  • er ständig 3 oder 4 private Fahrzeuge in seinem Besitz habe, darunter auch eine Jaguar-Limousine.
  • der Zweisitzer für Familienfahrten völlig ungeeignet sei, da er 2 minderjährige Kinder habe.
  • ein seit 2001 geführtes Fahrtenbuch einen Privatanteil von nur 1,5 % ergebe.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass A die Möglichkeit zur privaten Nutzung des Fahrzeugs auch wahrgenommen hat. Ausschlaggebend für die Entscheidung war, dass der Ausschluss der Privatnutzung nicht sicher angenommen werden konnte. Der Arbeitgeber des A, also die GmbH, hatte das Verbot nicht überwacht. Schließlich war A die ganze Woche über im Besitz der Autoschlüssel. Außerdem fehlte das Fahrtenbuch, das den Nachweis für die ausschließlich betriebliche Nutzung hätte erbringen können (FG Rheinland-Pfalz 2.5.2005, Az.: 5 K 1131/03).

Wichtiger Hinweis

Prüfer kontrollieren Tankquittungen Im vorangegangenen Fall machte sich der Prüfer die Mühe, sämtliche Betankungen an Wochenenden und Feiertagen festzuhalten. Für diese Tankfahrten konnte A keinen glaubwürdigen Beweis für einen betrieblichen Zusammenhang erbringen.

Experten-Tipp

Versteuern Sie Einzelfahrten pauschal Sie haben auch die Möglichkeit, Einzelfahrten, für die ein besonderer Zweck definiert ist, mit 0,001 % des Listenpreises des dabei genutzten Fahrzeugs zu versteuern.

Nutzungsverbot mit der ESt-Erklärung nachweisen

Wurde trotz des Nutzungsverbots in Ihrer Lohnabrechnung eine private Nutzung versteuert, dann können Sie im Rahmen Ihrer Einkommensteuerveranlagung immer noch nachweisen, dass Sie das Verbot beachtet haben und sich so die abgezogene Lohnsteuer wieder zurückholen.

6 Maßnahmen, mit denen Sie das Nutzungsverbot glaubhaft überwachen

Wenn Sie die folgenden Maßnahmen lückenlos durchführen, akzeptiert das Finanzamt in aller Regel den Ausschluss der Privatnutzung.

  • Maßnahme 1: Stellen Sie das Fahrzeug nach Dienstschluss auf dem Betriebsgelände ab.

  • Maßnahme 2: Geben Sie den Schlüssel einer verantwortlichen Person innerhalb der GmbH in Verwahrung (z. B. einem anderen Gesellschafter).

  • Maßnahme 3: Notieren Sie nach jeder Fahrt die Zeiten und Kilometerstände.

  • Maßnahme 4: Belegen Sie glaubhaft, dass Sie für Fahrten ins Büro und nach Hause andere Verkehrsmittel oder ein Privatfahrzeug nutzen.

  • Maßnahme 5: Stellen Sie sicher, dass auch andere Familienmitglieder keinen Zugriff auf den Firmenwagen haben.

  • Maßnahme 6: Betanken Sie den Wagen nicht an Wochenenden und Feiertagen, wenn sich dafür kein betrieblicher Zusammenhang herstellen lässt.

Joachim Welper
Steuerberater

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