Kolumne von Oliver Bücken
Greift die Finanzmarktkrise auf die VC-Branche über?
Die Finanzmarktkrise ist eine Krise des Kreditmarktes. Dieser Markt umfasst langweilige Produkte wie Darlehen, Hypotheken und sogenannte (!) intelligente Produkte, wie Strukturierte Finanzierungen, Zertifikate, Derivate, und andere Erfindungen. Sämtliche Märkte, auf denen Produkte angeboten und nachgefragt werden, die mit Fremdkapital gehebelt werden, sind bedroht oder kollabiert.
Banken misstrauen Banken, weil die Risiken ihrer Bilanzen nicht transparent sind. Solange die Risiken in den Bankbilanzen stecken und nicht durch staatliche Aufkäufe oder Pleiten der Institute gelöst sind, besteht die Vertrauenskrise weiter. So weit so schlecht. Hedge-Fonds wurde teils der Boden unter den Füßen durch das Verbot der Leerverkäufe weggezogen. Private-Equity-Fonds werden die nächsten Opfer sein. Für die übernommenen Targets der Heuschrecken wird es noch (!) schwerer, die ihnen aufgebürdeten Zinsen für die Transaktion aus dem Cash-flow zu zahlen.
Vermutlich wird der Wert des Dollars weiter sinken, weil die USA schon mit Beginn der Kreditmarktkrise in einer Rezession waren und diese sich nun dort verschärft. Zum anderen können sich die USA nicht mehr automatisch auf die Finanzierung ihres Defizits durch ausländische Gläubiger verlassen. Der Euro wird wohl stärker als Reservewährung nachgefragt werden, was zumindest Inflationsdruck im Euroraum nimmt. Leider, und das ist das Bittere, egal ob im Dollar oder im Euro-Raum – Innovationen als dringend benötigte Wachstumstreiber werden es schwerer haben, finanziert zu werden. Das sind die realwirtschaftlichen Auswirkungen. Die Finanzierungskosten für Unternehmen werden steigen. Daraus folgt, dass Investitionen aufgeschoben werden und das Wachstum sinkt.
Nochmals - die Finanzmarktkrise ist eine Krise des Kreditmarktes. Noch. Märkte auf denen Eigenkapital "gehandelt" wird, sind außen vor. Noch. Venture-Capital-Funds arbeiten nicht mit Fremdkapital, sodass Zinsen kaum eine Rolle bei der Finanzierung von Start-ups spielen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass die VCs, die Fondsmittel bei Anlegern eingesammelt haben, wohl vorsichtiger beim Investment in Start-ups werden. Warum, weil derzeit "cash king is", Verbraucher und Unternehmen Ausgaben streichen und eine tiefe Vertrauenskrise droht. Andererseits haben VCs Anlagedruck seitens ihrer Investoren, aber die Lehren aus dem letzten Hype sind virulent: zu teure Einkäufe in untaugliche Projekte! Gier frisst zwar auch das Hirn bei VCs, aber ich glaube, dass diese Fehler nicht mehr so schnell passieren.
Das viel größere Hindernis, dass sich der Wagnisfinanzierungsbranche entgegenstellen wird, ist die Kapitalbeschaffung für neue Fonds. Das wird in den nächsten ein bis zwei Jahren sehr schwierig werden.
Über den Autor
Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem "Zentrum für Innovation und Gründung"
Pro Jahr werden hier rund 20 Start-up-Teams beim Unternehmensaufbau begleitet.
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