Interview mit Andre Grünhoff, a-better-tomorrow.com
"Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass es keine Hürden gab"
förderland im Gespräch mit Andre Grünhoff, Mitgründer von a-better-tomorrow.com, über ein grundsolides Businessmodell, eine 60-Stunden-Woche, Eigenkapital, Design Contests und Nachwuchsdesigner.

förderland: Herr Grünhoff, wer sind Sie, was können Sie, was machen Sie?
Andre Grünhoff: Zunächst einmal möchte ich mich bei förderland für die Anfrage zu diesem Interview bedanken.
Ich bin Gründer und C (A-Z) O der A better tomorrow GmbH, die ich zusammen mit meinem langjährigen Freund Tim Lindemann im Jahr 2006 ins Leben gerufen habe. Launch der Plattform war Mitte September 2006. Wir betreiben eine Social Commerce und Crowdsourcing Plattform für die Bereiche Streetwear und Design. Die Plattform gliedert sich in zwei Bereiche. Design Contests und Brandstores.
Innerhalb der Design Contests kann uns jeder ein Design für ein T-Shirt oder einen Entwurf für einen Wallsticker schicken. Die Community bewertet die Einsendungen und wir produzieren die besten Designs. Im Bereich der Brandstores bieten wir jungen Nachwuchsdesignern und Brands die Möglichkeit ihre Produkte in einem eigenen Shop zu verkaufen. Diesen können sie eigenständig administrieren. Wir übernehmen das Online Marketing und die Zahlungsabwicklung. Es handelt sich hierbei um ein dezentrales Versandsystem. Wir partizipieren an den Verkäufen der Brandstores mit einer geringen Umsatzprovision. Beide Bereiche werden in Zukunft noch stark erweitert. Zudem werden wir unsere Communityfeatures ausbauen und noch das ein oder andere spannende Shopping-Konzept integrieren. :-)
förderland: Wie ist Ihre Geschäftsidee entstanden?
Grünhoff: Die Idee zu A better tomorrow existierte schon seit Jahren in unseren Köpfen. Wir sind Designer und nehmen selbst an Design Contests teil. Wir wollen zeigen, was wir drauf haben, uns mit anderen austauschen und natürlich sehr individuelle Kleidung tragen. Schließlich hat dann ein Konzept wie Threadless (Wir sind absolute Threadless Fans) gezeigt, das dieses Format auch wirtschaftlich sehr erfolgreich sein kann.
Aus unseren Contests entstehen einzigartige Designs, die es so nur bei uns zu kaufen gibt. Ein Traum für jeden, der individuelle Klamotten tragen möchte und nicht den Einheitsbrei der Mainstream Labels. Wir wollen ein vollständiges Klamotten-Label von Usern für User aufbauen.
Der zweite Ideenansatz, der unbedingt in unser Konzept einfliessen sollte: DIE zentrale Anlaufstelle für gute Streetwear abseits der bekannten Mainstream Shops im Internet zu schaffen. Das bieten wir unseren Kunden, indem wir jungen Labels bei uns einen Brandstore zur Verfügung stellen und diese promoten. Bei uns gibt es Streetwear, die sonst nur schwer zu bekommen ist. Alles limitierte Serien und dazu kommen noch Artist Specials mit internationalen Designern. Wer mag es schon, auf einer Party x Leute mit den gleichen Klamotten zu treffen? :-) Hier kommt A-B-T ins Spiel und wir haben noch große Pläne...
förderland: Eine gute Idee allein macht noch kein erfolgreiches Unternehmen. Woher nahmen Sie das Startkapital? In welchen Dimensionen bewegen wir uns denn?
Grünhoff: Das Kapital für die Umsetzung der Plattform und erste Produktionen stammt aus den privaten Ersparnissen der an A better tomorrow beteiligten Menschen. Bereits einige Monate nach dem Launch konnten wir uns selbstständig aus den Umsätzen von A-B-T tragen und weiterentwickeln.
förderland: Von der ersten Idee bis zur Launch von a-better-tomorrow.com - welche Hürden galt es für Sie und Ihre Mitstreiter zu überwinden?
Grünhoff: Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass es keine Hürden gab. Da dies unser erster Shop war, hatten wir viel zu lernen. Doch diese Zeit haben wir uns gegeben und die Hürden erfolgreich genommen. Nichtsdestotrotz lernen wir jeden Tag aufs Neue und das ist auch gut so.
förderland: Haben Sie auch schon einmal darüber nachgedacht, sich einen 40-Stunden-Job in der Firma XY zu suchen? Was reizt Sie an der Selbstständigkeit?
Grünhoff: Das habe ich bereits hinter mir, aber der Begriff 40-Stunden-Job ist für mich niemals relevant gewesen. Ich habe das was ich tue nie als Job, sondern als Berufung empfunden. Das klingt vielleicht kitschig ist aber so. Seitdem ich im Berufsleben stehe, sind 60-Stunden-Wochen und mehr normal, weil ich liebe was ich tue und es nicht als Arbeit oder Last empfinde. Die Selbstständigkeit und das Unternehmertum möchte ich nie mehr missen. Eine Idee und Vision mit Leidenschaft und Herzblut zu verwirklichen mit allem was dazu gehört, ist für mich das Größte!
förderland: Wie viele Menschen sind für den reibungslosen Ablauf bei a-better-tomorrow.com verantwortlich?
Grünhoff: Wir haben viele Subunternehmer, Freunde, Helfer und vor allem unsere User, die A better tomorrow supporten und zu dem machen, was es ist. Im Kern und Tagesgeschäft sind wir aber nur zwei Personen. Einen ersten freien Mitarbeiter habe wir seit kurzem in das A-B-T Team geholt.
förderland: Wie würden Sie Ihre Zielgruppe definieren?
Grünhoff: Ich persönlich schränke die Zielgruppe für A better tomorrow nicht gerne ein. In Frage kommt potentiell jeder, der Spaß an gutem Design, Streetwear von jungen Nachwuchs Labels, Kommunikation und natürlich unseren Wallstickern hat. Also eine Menge Leute, von denen wir erst einen Bruchteil erreicht haben.
förderland: Wie finanziert sich Ihr Portal? Werbung, Provisionen, etc…?
Grünhoff: Wir haben ein grundsolides Businessmodell und sind im Gegensatz zu vielen anderen Start-Ups nicht abhängig von Werbeeinnahmen. Einerseits verkaufen wir die aus unseren Design Contests resultierenden Produkte wie beispielsweise Shirts oder Wallsticker und andererseits partizipieren wir mit einer Umsatzprovision an den Verkäufen unserer Brandstorepartner bei A better tomorrow. On top sind wir aber natürlich jederzeit auch in der Lage weitere Mehreinnahmen durch Werbung zu generieren. Dies ist aber zunächst nicht vorgesehen, da wir unseren Usern keine "Bling-Bling-Banner" zumuten möchten. Kooperationen mit Partnern, die zu den Inhalten und dem Konzept von A better tomorrow passen, stellen eine weitere Einnahmequelle dar. Geplant sind jedoch noch weitere Erlösmodelle.
förderland: Vielen Dank für das Gespräch.
© 2007 förderland
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