Start-ups international - Andere Länder - Andere Start-ups
05.03.10 08:30

Start-ups international

Andere Länder - Andere Start-ups

Drei sehr unterschiedliche Konzept-Ansätze erwarten die Leser im heutigen Beitrag. Ansätze, die entweder neu, unbeachtet oder unterschätzt sind. Bilden Sie sich Ihre Meinung und lassen Sie sich mit Gründerfieber anstecken von: Einem Portal für angehende holländische Autoren, einem tschechischen Niedlich-Start-up und einem amerikanischen Kommunikationsservice.

Blätter, die die Welt bedeuten

TenPages.com - Das Internet hat schon die merkwürdigsten Stars hervorgebracht: adipöse Jediritter, explodierende Colaflaschen oder Männer die bei Monsun ihren Wagen waschen. Alle diese Berühmtheiten kamen nahezu ungelenkt aus der Masse der Millionen von Internetbeiträgen hervor. Doch das Netz lässt sich auch gezielt zur Förderung und Entdeckung von Talenten nutzen. Speziell auf das Thema Literatur hat es hierbei dieses niederländische Start-up abgesehen; auch der Name kommt nicht von ungefähr, denn die ersten zehn Seiten eines Manuskripts bekommt man auf dieser Website zu lesen. Eingereicht von Autoren, die etwas auf sich halten und entdeckt werden wollen. Damit das Ganze auf professionelle Weise aufbereitet wird, hat TenPages renommierte Verlage als Kooperationspartner gewinnen können. Ein guter Deal, denn auch die profitieren vom belesenen Publikum und von frischen Autoren. Wer jetzt vermutet, dass das übliche Community-Spielchen, mit kommentieren und bewerten stattfindet, der täuscht sich. Denn auf TenPages können die Leser Anteile an einem Manuskript eines Autoren kaufen. Sollte nun ein Buch zu Stande kommen (was nach dem Verkauf von 2000 Anteilen à 5 Euro der Fall ist), bekommt der Anteilseigner einen Teil der Erlöse gutgeschrieben. Die darf er dann im TenPages-Shop ausgeben. Auch Verlage dürfen natürlich Anteile kaufen. Das ist doch mal ein Konzept!
Potential: Auch so geht Mitmach-Web. Der User wird zum Eigner. Doch wie sieht es ganz realistisch betrachtet mit den Überlebens- oder gar Erfolgschancen für eine solche Unternehmung aus? Und wie wird hier überhaupt Geld verdient? - Das geschieht auf zweierlei Wege: Einerseits profitiert TenPages vom Buchverkauf auf der Website. Zum zweiten wird beim Ausgeben der Renditen verdient. Denn hier wird nicht in Geld, sondern in Gutschriften für den TenPages-Shop abgerechnet.
Spinnt man jedenfalls den Ansatz dieses Konzepts weiter, so mag man in naher Zukunft Online-Talentshows sehen, bei denen angehende Sternchen um die Gunst und Geld des Publikums werben. Einen ganz ähnlichen Fall findet der aufmerksame Leser im "Start-ups international"-Artikel letzter Woche, wo junge Unternehmen nach Anteilseignern Ausschau halten. Ob sich diese Art des Geschäftskonzepts etabliert, steht noch in den Sternen, doch sollte ein unternehmerischer Geist einen solchen Trend nicht unverrichteter Dinge vorbei ziehen lassen.

Urlaub der Kuscheltiere

sendyourdarling.com - Die wunderbare Welt der Amelie. Manch einen mag dieser rührende Mädchenfilm zu einem erfüllteren Leben angestiftet haben. Zu einer Idee, wie man damit die Kasse zum klingeln bringen kann, hat es jedenfalls eine Handvoll geschäftstüchtiger Böhmen inspiriert. Das Prager Start-up zeigt, wie man mit niedlichem Unsinn, harmoniesüchtige Westeuropäer zum Geldwegwerfen bewegt, und zwar so: Die Schlüsselepisode, die diesem Konzept die Idee lieferte, ist die, in der Amelie einen Gartenzwerg rund um die Welt reisen lässt, um ihrem Vater Fernweh einzuhauchen. Bei sendyourdarling nun kann ein jeder sein Kuscheltier (Oder etwas in der Größe) auf Reisen schicken, inklusive Erinnerungsfotos, Getwitter und mitgebrachtem Souvenir. Noch funktioniert der Dienst nur mit Reiseziel Prag, doch schon stehen München, Rio, Budapest, Paris, Bratislava und Berlin auf dem Expansionsplan.
Potential: Dass niedlich immer zieht, sieht man allerorten: Miss Kitty-Airlines, Teletubby-Vereine, Pokemon-Unterhosen. Menschen geben unglaublich viel Geld dafür aus, sich ein kleines Stück naiver Kindheit zu erkaufen. Da kommt doch so eine Geschenkidee, wie dieses Kuscheltier-Reisebüro wie gelegen. Noch hinzu kommt, dass Menschen Ideen aus Filmen hinterherhängen, sie kaufen Pulp-Fiction Portemonnaies, Top-Gun-Sonnenbrillen oder Bullit-Automobile. Diese Idee, mit der dieses Start-up, je nach Option zwischen 90 und 150 Euro für eine Reise verlangt, ist nur ein Anfang. Ein findiger Gründer kann hier einiges mehr herausholen: Reisen zu berühmten Drehorten, McGiver-Survival-Seminare, eine Casablanca-Bar eröffnen, reale Transformer-Autos montieren - fällt Ihnen spontan noch etwas ein? Dann gründen Sie!

Für Institutionen, die etwas zu sagen haben

nixle.com - Auf der Suche nach Gründerthemen, wird allzu oft der öffentliche Sektor außer Acht gelassen. Doch warum? Weil das nicht sexy ist? Öffentliches Geld jedenfalls ist sexy. Das findet zumindest dieses US-Start-up, welches einen recht einzigartigen Service entwickelt hat, der sich mit Behörde-zu-Bürger-Kommunikation auseinandersetzt. Man stelle sich vor, das Finanzamt, die Krankenkasse, die Besoldungsstelle oder das Arbeitsamt schicken einem keine Briefe mehr, sondern wickeln die Kommunikation über einen Messaging-Dienst ab. Die E-Mail hat sich als hierfür nicht geeignet erwiesen - mal kommt sie nicht an, verschwindet im Spam-Filter, erreicht den falschen oder kann zu leicht abgefangen werden. Da drängt sich doch förmlich der Gedanke eines eigenen Kommunikations-Systems auf. Ein Gedanke, den nixle.com in die Tat umgesetzt hat.
Potential: 3800 Kunden, also Ämter, Sheriff-Büros oder Schulen hat nixle bereits als Kunden akquirieren können - eine durchaus stolze Zahl. Zwar ist sind die USA um einiges föderativer organisiert und auch größer als Deutschland, doch stellt auch hierzulande ein gescheiter Dienst, der der öffentlichen Hand deutliche Kosteneinsparungen bringt, ein lukratives Geschäft dar. Zwar ist unser Behördennetz und seine individuellen Ansprüche um einiges komplexer als in den eher freiheitlichen USA, jedoch ist die Aufgabe durchaus zu bewältigen, wenn auch nur Schritt für Schritt.

© 2009 förderland
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