Reisewarnung für Wettbewerbstouristen
In den letzten Wochen zwangen diverse Aschewolken viele Geschäftsreisende, am Boden zu bleiben. Ähnliches wünschen sich die Veranstalter von BP-Wettbewerben und ihre Juroren von so manchen Teams, die bei verschiedenen Wettbewerben immer wieder auftauchen. Statt solchem "Wettbewerbstourismus" wünscht und erwartet man von Überfliegern eher vereinzelte Punktlandungen. Werner Arndt nimmt in seiner aktuellen Kolumne "Wettbewerbstouristen" kritisch unter die Lupe.
Wenn die Masse kritisch wird
Dabei ist es nicht nur so, dass der Wettbewerbstourismus den veranstaltenden Organisationen schadet, wenn z. B. die schon bekannten Gesichter auf dem Siegerpodium eher Langeweile statt Spannung erzeugen und Sponsoren und Fördermittelgeber das Gefühl bekommen, dass ihr Einsatz nicht gerecht verteilt wird. Auch den Teams selbst bringt die ständige Mehrfach-Teilnahme im günstigsten Fall nicht viel, eher richtet sie noch Schaden an. Zum einen steigt die Lernkurve nicht beliebig weiter, irgendwann ist das Potenzial von Workshops, Seminaren etc. ausgereizt. Auch bei den Feedbacks der Juroren gilt: grundsätzlich ist es höchst sinnvoll, verschiedene Meinungen einzuholen, aber ab einer bestimmten Masse wird es eher verwirrend. Einer der größten Anreize, gerade für Wettbewerbstouristen, sind die Preisgelder. Kreativität bei der Kapitalsuche ist zwar gut, Effizienz aber noch wichtiger. Nur selten reichen ein, zwei, vielleicht drei gewonnene Prämien tatsächlich aus, um den Kapitalbedarf zu decken.
Bekannt wie ein…Wettbewerbstourist
Eine ständige Präsenz bei Wettbewerben kann Gründer bekannter machen als ihnen lieb sein dürfte. Schließlich engagieren sich viele Venture Capital Gesellschaften, Fördermittelgeber, Banken und auch Unternehmen, die als Kooperationspartner in Frage kommen, bei mehreren Wettbewerben. Zum einen gehören ihre Vertreter damit als Juroren und Sponsoren zu genau jenem Kreis, der auf Wettbewerbstouristen gar nicht gut zu sprechen ist. Zum anderen drängt sich bei den Beobachtern die Frage nach dem Fortschritt auf. Was macht das Team die ganze Zeit, wenn es anscheinend immer noch das Bedürfnis hat, sein Konzept in noch einem Wettbewerb zu optimieren? Sollte es nicht lieber Kunden suchen, Märkte angehen etc., als schon wieder Zeit in die Vorbereitung und die Teilnahme zu investieren?
Allerdings meine ich mit alldem nicht, dass es immer schlecht ist, an mehreren Wettbewerben teilzunehmen. Vielmehr kommt es auf die Auswahl an. Sinnvoll, und von vielen erfolgreichen Gründerteams so gemacht, ist es z. B. nach einem Wettbewerb mit allgemeiner Ausrichtung noch an einem branchenspezifischen teilzunehmen. Oder in verschiedenen Phasen, vor allem vor der Gründung mit dem Konzept und dann als junges, wachsendes Unternehmen mit den ersten Erfolgszahlen, die entsprechend ausgerichteten Wettbewerbe und ihre Programme zu nutzen. Niemals vergessen sollten die Teilnehmer jedenfalls, dass die Wettbewerbe keine abgeschlossene Welt sind sondern ein Sprungbrett in die realen (Kapital)märkte.
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