Interview mit Tom Kedor, Motor-Talk - "Generell ist es nicht unbedingt einfach, Social Communitys zu monetarisieren"
15.12.08 16:30
Interview mit Tom Kedor, Motor-Talk

"Generell ist es nicht unbedingt einfach, Social Communitys zu monetarisieren"

Motor-Talk.de bietet als größte deutschsprachige Auto- und Motor-Community im Internet die Möglichkeit, sich in Foren mit Gleichgesinnten über alle erdenklichen Themen rund ums Automobil und Bike auszutauschen. Seit kurzem zählt die Community über eine Million Nutzer. Aus diesem Anlass sprach förderland mit Geschäftsführer Tom Kedor über die Gründe des Erfolgs, die Konzepte für die Zukunft und darüber, wie sich mit Social Communitys Geld verdienen lässt.

Motor-Talk-Geschäftsführer Tom Kedor.

förderland: Herr Kedor, Sie durften gerade auf Motor-Talk.de das millionste Mitglied begrüßen. Was, denken Sie, macht Ihre Community für die Nutzer interessant?

Tom Kedor: Was Motor-Talk für Nutzer in erster Linie interessant macht, ist die enorme Vielfalt an Themen, Beiträgen und Mitgliedern, die auf unserer Seite zu finden sind. Die Mehrzahl der Nutzer kommen anfangs mit einer konkreten Fragestellung zu uns und stellen fest, dass sie innerhalb kurzer Zeit hilfreiche Antworten anderer Mitglieder erhalten. Viele kehren daher beim nächsten Problem mit ihrem Auto wieder oder haben zunehmend Freude daran, an den Diskussionen und Umfragen von Motor-Talk teilzunehmen. Für unsere Enthusiasten, die sich besonders häufig in der Community aufhalten, versuchen wir außerdem, unser Angebot durch viele Extras – wie aktuelle News, Verkaufskampagnen oder Offline-Treffen – interessant zu halten. Jetzt, zum millionsten Mitglied, möchten wir die Motor-Talker mit einem Gewinnspiel belohnen. Bis Ende des Jahres gibt es täglich Sachpreise zu gewinnen – als Dankeschön für unsere treuen Nutzer.

förderland: Was tun Sie, um für weiteres Wachstum zu sorgen? Welche Ziele verfolgen Sie hinsichtlich der Mitgliederzahlen?

Kedor:
Unser Ziel ist es, weiterhin die wachstumsstärkste Auto-Community im deutschsprachigen Raum zu bleiben. Motor-Talk wächst derzeit mit 1.000 bis 1.500 neuen Mitgliedern pro Tag. Bei einer Mitgliederstärke von einer Million ist das ein beachtlicher Wert. Dieses gesunde Wachstum möchten wir beibehalten.

förderland: Welche neuen Features sind angedacht? Wie wird sich motor-talk.de weiterentwickeln?

Kedor:
Einerseits soll das bestehende Angebot weiter ausgebaut und optimiert werden. Wir werden in Zukunft beispielsweise unseren Magazinbereich erweitern und weitere Sonderaktionen anbieten. Außerdem wird die Seite gerade einem kompletten Relaunch unterzogen, um die Benutzerführung noch übersichtlicher und das Design moderner zu gestalten. Andererseits sind viele neue Funktionen gerade in der Entwicklungsphase. Allzu viel will ich darüber noch nicht verraten. Nur soviel vorab: Wir werden die Möglichkeiten der neuen Medien weiter ausschöpfen, um unseren Nutzern ein umfassendes Angebot zur Verfügung zu stellen. Beispielsweise arbeiten wir gerade daran, Motor-Talk fürs mobile Internet anzupassen. Generell werden Neuerungen in enger Abstimmung mit den Nutzern entwickelt. Mitglieder können sich für den Zugang zu unserem Beta-Bereich bewerben und anschließend ausprobieren und bewerten, was später auf Motor-Talk umgesetzt werden soll. Die Meinung unserer Nutzer ist uns extrem wichtig, schließlich sind sie es, für die wir die Seite gestalten.

förderland: Wie finanziert sich Ihr Portal? Ausschließlich durch Werbung?

Kedor:
Seit gut einem Jahr wird Motor-Talk auch von Investoren gefördert. Durch diese Finanzspritze war es uns möglich, Motor-Talk zu professionalisieren und den Ausbau weiter voranzutreiben. Der Erfolg lässt sich auch in Zahlen messen: In den vergangenen zwölf Monaten ist es uns gelungen, die Nutzerzahlen nahezu zu verdoppeln und unseren Umsatz zu verdreifachen.

förderland: Was denken Sie generell zum Thema "Monetarisierung von Social Networks"? Werden User zukünftig vermehrt bereit sein, für bestimmte Inhalte oder Features zu zahlen? 

Kedor:
Es gibt viele verschiedene Strategien der Monetarisierung. Was unter bestimmten Umständen funktioniert, ist der sogenannte Freemium-Ansatz, bei dem das Basisangebot einer Community kostenlos zugänglich ist, Extrafunktionen allerdings nur zahlenden Premiummitgliedern zur Verfügung stehen. Dieses Modell stößt dann auf Akzeptanz, wenn Nutzer konkrete Ziele mit der Mitgliedschaft verfolgen. Beispielsweise sind viele Xing-Mitglieder dazu bereit, für einen Premium-Account zu zahlen, da es ihre Intention ist, über die Plattform einen Job, neue Businesspartner oder Ähnliches zu finden. Dort geht es also nicht um Kommunikation der Kommunikation willen.

Für eine Community wie Motor-Talk hingegen ist es nicht sinnvoll, kostenpflichtige Inhalte zu integrieren. Motor-Talk lebt davon, dass dort möglichst viele Menschen zusammen kommen, um sich auszutauschen. Diese Kommunikation kommt nur zustande, weil die Community für alle frei zugänglich ist.

Generell ist es nicht unbedingt einfach, Social Communitys zu monetarisieren. Es ist beispielsweise schwierig, Werbung effektiv zu platzieren, wenn es sich um ein soziales Netzwerk ohne inhaltlichen Fokus handelt. Die Zielgruppe des Mediums ist hier nicht klar genug zu definieren. Bei Communitys mit spezifischer Themenausrichtung ist das leichter. So wissen in unserem Fall potenzielle Werbepartner aus dem Automotive-Bereich, dass sie auf Motor-Talk direkt ihre Zielgruppe erreichen. Umgekehrt empfinden die Nutzer Werbung nicht als störend, wenn es sich dabei um Produkte dreht, die für sie interessant sind. Klassische Werbeschaltungen sind allerdings nur eine Variante für Hersteller, über Communitys und Foren mit Verbrauchern in Kontakt zu treten. Die Möglichkeiten des direkten Dialogs, die hier bestehen, werden bislang kaum genutzt. Unser Ziel ist es, die Kommunikation zwischen Herstellern und Verbrauchern anzustoßen, um diese Potenziale zu erschließen – zum Vorteil beider Seiten.

förderland: Vielen Dank für das Interview.

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