Interview mit Oliver Samwer, EFF - "Für eine gute Idee und engagierte Gründer ist immer genug Kapital vorhanden"
05.11.07 09:03

Interview mit Oliver Samwer, EFF

"Für eine gute Idee und engagierte Gründer ist immer genug Kapital vorhanden"

förderland im Gespräch mit Oliver Samwer - European Founders Fund (EEF) - über den Ablauf einer typischen Beteiligung, den Vorteil, keine bürokratischen Prozesse durchlaufen zu müssen, ein nicht vorhandenes Investitionslimit, Potential in der Internetbranche und regenerative Energien.

Oliver Samwer
"Einfach nur die Füße hoch zu legen ist für meine Brüder und mich unvorstellbar", erklärt Oliver Samwer.

förderland: Herr Samwer, würden Sie sich und den European Founders Fund bitte kurz vorstellen?

Oliver Samwer: Nachdem ich mein Studium an der WHU abgeschlossen habe, gründete ich zusammen mit meinen Brüdern Marc und Alexander das Internetauktionshaus Alando - heute eBay Deutschland. Nachdem wir eBay Deutschland zum profitabelsten internationalen Standort gemacht hatten, entschlossen wir uns, Jamba zu gründen, heute der Weltmarktführer für mobile, digitale Unterhaltung. Mit dem European Founders Fund beteiligen wir uns nun an ausgewählten Start-ups aus den Bereichen Internet und Telekommunikation. Unser Ziel ist es außergewöhnliche Gründer zu unterstützen.

förderland: Vom ersten Kontakt mit den Gründern bis zum Exit - wie läuft eine typische Beteiligung des EFF ab?

Samwer:
Wir bekommen jeden Tag viele Businesspläne und E-Mails von Start-ups zugeschickt. Haben wir dann an einer erfolgversprechenden Idee Interesse gefunden, kommt es relativ zeitnah und pragmatisch zur Kontaktaufnahme. Nach kurzer Zeit können wir dann auch bereits eine Investitionsentscheidung treffen, da wir keine bürokratischen Prozesse durchlaufen müssen. Ein Gespräch unter uns drei Brüdern genügt. Vom ersten Meeting bis zur Entscheidung braucht es oft weniger als 48 Stunden.

förderland: Was kommt auf die Gründer zu, wenn sie die Samwer Brüder mit ins Boot holen?

Samwer:
Uns ist es extrem wichtig, bei einer Beteiligung an einem meist noch jungen Start-up dieses auch durch unser Netzwerk und die gesammelten Erfahrungen zu unterstützen. Aus dem operativen Geschäft halten wir uns aber raus, denn das können die Gründer am besten.

förderland: Wie viel Kapital steht dem EFF insgesamt zur Verfügung? Gibt es ein Investitionslimit?

Samwer:
Eine Summe werde ich nicht nennen, aber wir reinvestieren das Geld, das wir durch Verkäufe realisieren, wieder in neue Start-ups. Für eine gute Idee und engagierte Gründer ist immer genug Kapital vorhanden. Ein Investitionslimit haben wir uns nicht gesetzt, das hängt immer von der aktuellen Marktsituation sowie vom Erfolg des jeweiligen Projekts ab und muss individuell entschieden werden.

förderland: Wie viele Unternehmen befinden sich derzeit in Ihrem Portfolio und aus welchen Branchen stammen sie?

Samwer:
Wir haben derzeit rund 15 Beteiligungen, dazu gehören zum Beispiel Hitflip, das ist eBay für Tauschen, Erento, das ist eBay für Mieten, Xchar, ein Netzwerk für Online-Spieler, und BuyVIP.de, eine sehr erfolgreiche Fashion-Community die Markenartikel einer geschlossenen Käufergruppe zu sehr guten Preisen anbietet. Alle Portfoliounternehmen stammen aus den Branchen Internet und Telekommunikation. Hier haben wir die meiste Erfahrung und die besten Kontakte.

förderland: Welche Branchen haben Ihrer Meinung nach das größte Potential?

Samwer:
Wir sehen in der Internetbranche durchaus noch Potential, vor allem in Bezug auf die Themen Video und Online Gaming. Vor allem der virtuelle Kampf gegen reale Gegner, die sich weltweit an jedem beliebigen Ort aufhalten können, treibt immer mehr User auf die Spiele-Plattformen.

förderland: An welchem Start-up haben Sie sich zuletzt beteiligt und warum?

Samwer:
Zuletzt haben wir uns an AdScale, dem ersten Echtzeit-Marktplatz für Onlinewerbung in Deutschland, beteiligt. Wir glauben, dass sich der Werbemarkt fundamental verändern wird, gerade in Hinblick auf die Transparenz in Bezug auf Medialeistungen.

förderland: Wann werden wir einmal lesen können "EFF steigt bei Biotech/High-Tech/Cleantech-Unternehmen ein"?

Samwer:
Wir investieren gerne dort, wo Technik das Verhalten der Menschen verändern kann. Daher haben wir bereits ein Investment in eine Technologie für Windkrafträder und eine in eine Technologie für Biogas getätigt. Aus persönlichem Interesse haben wir uns über Jahre mit dem Thema regenerative Energien beschäftigt. Wir werden das ausbauen, aber dort sind wir vielleicht noch einen Tick selektiver als bei Internet-Firmen. Medizin ist beispielsweise für uns ein Bereich, der zu weit von unserem Wissen abweicht.

förderland: Wer hat Ihrer Meinung nach bessere Chancen: der Pionier, der etwas völlig Neues präsentiert oder der Abwartende, der Bestehendes weiterentwickelt/verbessert und dafür später aber als bester Anbieter in den Markt einsteigt?

Samwer:
Das lässt sich so pauschal nicht sagen: Adaptionen, die erfolgreiche Ideen aus den USA kopieren, können ebenso zum Erfolg führen wie völlig neue Geschäftsmodelle. Wichtig ist vor allem die Fähigkeit der Unternehmer, aus der Idee ein rentabel wirtschaftendes und langfristig lebensfähiges Unternehmen zu formen.  

förderland: SixDegrees.com – das 1997 gegründete erste Social Network war seiner Zeit offensichtlich sechs Jahre voraus – und scheiterte. Wie wichtig ist das richtige Timing für eine erfolgreiche Gründung?

Samwer:
Das richtige Timing ist von entscheidender Bedeutung. Eine gute Idee allein reicht eben leider nicht aus, sie muss sich auch umsetzen lassen. Da spielen externe Faktoren wie die Entwicklung des Marktes ebenso eine Rolle wie die Motivation und der Kämpfergeist des Gründerteams.

förderland: Welche Faktoren spielen noch eine Rolle? Die Idee, das Geschäftsmodell, die Technologie, das Gründerteam, die Investoren?

Samwer:
Eine schlagkräftige Mannschaft, bei der die Chemie stimmt und die sich nicht so schnell unterkriegen lässt, ist entscheidend für den Erfolg. Die Komplexität der notwendigen Technologie hat auch schon den einen oder anderen hoch motivierten Gründer zur Verzweiflung gebracht. Die Leistung, die der technischen Infrastruktur abverlangt wird, ist bei vielen Plattformen enorm hoch.

förderland: Sie sind ja ein gemachter Mann. Warum legen Sie nicht die Füße hoch und lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen? Was treibt Sie an?

Samwer:
Wir hatten das Glück, frühzeitig erfolgreiche Unternehmen aufzubauen und können so bereits heute aus einem enormen Erfahrungsschatz schöpfen und auf ein breit angelegtes Netzwerk an sozialen und beruflichen Kontakten zurückgreifen. Dieses Wissen wollen wir nicht für uns behalten, sondern an junge und erfolgversprechende Start-ups weitergeben. Einfach nur die Füße hoch zu legen ist für meine Brüder und mich unvorstellbar. Wir wollen die besten Gründer fordern und fördern damit noch viele erfolgversprechende Unternehmen entstehen können. Das ist unser Antrieb.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

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