"Es sollte für Start-ups immer das Ziel sein, 'smart money' zu erhalten"
smava ist sicherlich eines der bekanntesten deutschen Start-ups der letzten Jahre. Die private Online-Kreditbörse hat in der Vergangenheit bereits viele Vorschusslorbeeren geerntet. Erfahren Sie nun von Mitgründer Alexander Artopé, was sich bei dem Unternehmen in den letzten zwei Jahren getan hat und in wie weit es den Erwartungen gerecht wurde.
Guten Tag Herr Artopé. Vor einer ganzen Weile haben wir bereits ein Interview über Ihr Unternehmen smava geführt. Der Start verlief vielversprechend: 4 Millionen Euro Venture Kapital, das Konzept und das Produkt nahezu vollständig entwickelt, und obendrein noch ein gesundes Medienecho. Knapp 200.000 Euro an Krediten waren schon umgesetzt, die Kurve ging nach oben. Wie sehen die Zahlen und Fakten heute aus?
Alexander Artopé: Mittlerweile haben wir über 10 Millionen Euro an Kreditvolumen vermittelt. Konkret bedeutet das, dass rund 1.500 Kreditnehmer über smava einen günstigen und fairen Kredit erhalten haben, insbesondere rund 50 % Selbständige. smava ist mit weitem Abstand die führende Online-Kreditbörse in Deutschland, pro Monat vermitteln wir mittlerweile knapp eine Million Euro. Seit Januar 2009 gibt es auch eine Plattform in Polen für den polnischen Markt, die sehr gut angelaufen ist. Stiftung Warentest hat smava mehrfach positiv bewertet und zuletzt im November 2008 als "erste Wahl" bezeichnet.
Wird sich die Plattform noch weiter entwickeln, wenn ja wohin?
Artopé: Ja, natürlich. In erster Linie verbessern wir ständig unser Produkt, teilweise vor und teilweise hinter den Kulissen. Beispielsweise ist hier unser "Anlage-Assistent" zu nennen, der seit einiger Zeit für Anleger eine starke Vereinfachung Ihrer Geldanlage auf smava ermöglicht. Hierbei kann man zu vorgegebenen Kriterien wie Bonität etc. einen Betrag auf smava automatisiert anlegen.
Verraten sie uns doch wie wirtschaftlich smava ist. Schreibt das Unternehemen schon schwarze Zahlen?
Artopé: Nein, smava arbeitet noch nicht kostendeckend. Denn der Aufbau einer Online-Kreditbörse ist nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen, aber genau darauf haben wir uns von vorneherein eingestellt. Entsprechend haben alle Gesellschafter ausreichend Investitionskapital in Höhe von 8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Zudem hat smava nach der "Pionierphase" seit Februar 2009 ein Umsatzmodell, das eine nachhaltige Bereitstellung der Online-Kreditbörse ermöglicht. Im Ergebnis sehen wir der Zukunft positiv entgegen.
Sie haben damals ja eine ganze Reihe bekannter Investoren mit ins Boot geholt. Gab es Situationen, in denen die VCs auch tatsächlich mitreden bzw. reinreden wollten?
Artopé: Es ist üblich, dass man sich mit seinen Hauptinvestoren regelmäßig abstimmt. Bei smava sind dies Earlybird und Neuhaus Partners. Es sollte für Start-Ups immer das Ziel sein, "smart money" zu erhalten, d. h. nicht nur Geld, sondern auch Personen bei den VCs mit an den Tisch zu kriegen, die einen strategisch weiterbringen. Bei uns sind das Dr. Christian Nagel (Earlybird), der bereits Interhyp erfolgreich finanziert hat und Paul Jozefak (Neuhaus Partners), die bereits erfolgreiche Deals wie blau.de oder DocMorris gemacht haben.
Vor smava haben Sie ja bereits gegründet, werden Sie auch nach smava noch gründen oder ist der Hunger nach Neuem erst einmal gestillt?
Artopé: Zur Zeit bin ich mehr als ausgelastet mit smava und verfolge auch keine anderen Aktivitäten.
Reden wir doch mal über das Thema Marketing: In welche Werbemittel investieren Sie? Welche Strategien verfolgen Sie?
Artopé: Hauptsächlich Online-Marketing und PR. Daneben spielt "virales Marketing" bzw. "Mund-zu-Mund" eine große Rolle, d. h. wir haben viele begeisterte Kunden, die anderen davon erzählen und uns so weiterempfehlen.
Was hat Ihnen Ihr BWL-Studium in der Praxis gebracht? Was konnten Sie konkret anwenden? Ist ein Studium überhaupt notwendig?
Artopé: Ein Studium sollte einem Methodik beibringen und einen ersten Blick in bestimmte Fachbereiche (Marketing, Wirtschaftsprüfung) ermöglichen. Zudem hilft es, sich über das Berufsziel klar zu werden. Beides war bei mir der Fall, insofern hat es mir was gebracht. Ein Studium ist aber nicht immer notwendig für Gründer, wenn man sich das Beispiel Bill Gates ansieht, der ja sein Studium abgebrochen hat.
Zum Schluss gewähren Sie uns doch bitte einen Einblick in Ihren Erfahrungsschatz! Auf welche Erfahrungen hätten Sie gern verzichtet und wie hätte man solche Situationen umschiffen können?
Artopé: Als Unternehmer hat man immer Situationen, auf die man gerne verzichtet hätte. Ein Lösungsansatz besteht darin, immer zwei "Asse" im Ärmel zu haben, damit eine Option gezogen werden kann, wenn die andere nicht klappt.
Herzlichen Dank für das Interview!
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