Seedfinanzierung - Business Angels backen in Deutschland eher kleine Brötchen
12.05.09 08:30

Seedfinanzierung

Business Angels backen in Deutschland eher kleine Brötchen

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln haben sich im Jahr 2008 nur 12 Prozent der High-Tech-Gründungen in Deutschland via Fremdkapital finanziert. Grund: Der Finanzbedarf ist hoch; Banken und Risikokapitalgesellschaften können das Risiko nur schwer abschätzen. Der Ausweg: Business Angels bringen neben Geld das nötige Know-how ein. In Deutschland sind sie allerdings nicht so weit verbreitet wie etwa in den USA.

Die Ausgangslage ist, was Venture Capital betrifft, für High-Tech-Gründer nicht ideal, denn der Finanzierungsbedarf ist hoch: Sie müssen hochwertige Maschinen beschaffen und benötigen qualifiziertes Personal. Die ersten Kunden und damit die ersten Umsätze lassen meist lange auf sich warten. Deswegen ist es für High-Tech-Gründer auch in gute Zeiten schwer, Banken und Venture- Capital-Gesellschaften von ihren Produkten oder Dienstleistungen zu überzeugen. Der Erklärungsbedarf ist hoch, damit die Geldgeber Chancen und Risiken abwägen können.

Venture-Capital-Geber finanzieren deshalb lieber Unternehmen, die die Startphase bereits überstanden haben und nun Kapital zur Expansion brauchen. Deshalb mussten im Jahr 2008 etwa 39 Prozent der High-Tech-Gründer ihr Unternehmen mit Eigenmitteln finanzieren; in seltenen Fällen griffen sie auf öffentliche Zuschüsse oder Gelder aus dem Freundeskreis zurück. Viele Technologieunternehmen scheitern deshalb schon in der Planungsphase, so das iwd.

Optimal ist es deshalb für High-Tech-Start-ups – gerade in der Gründungsphase – mit Business Angels zusammenzuarbeiten. Diese sind meist selbst (ehemalige) Unternehmer mit langjähriger Erfahrung und können tragfähige Unternehmensideen und Geschäftspläne von Hirngespinsten unterscheiden. Sie begleiten die neu gegründeten Unternehmen oft längerfristig und stellen neben Kapital ihr Expertenwissen zur Verfügung.

Business Angels Szene in Deutschland steckt noch in den Kinderschuhen

Allerdings backen die meisten Business Angels in Deutschland eher kleine Brötchen: Im Jahr 2007 betrug die Investitionssumme im Schnitt nur 100.000 Euro pro Unternehmung. Venture-Capital-Gesellschaf­ten stellen dagegen 20-mal so viel Kapital auf einmal zur Verfügung. Es gibt gleichwohl auch finanzkräftige Engel: Immerhin ein Viertel investierte mehr als 500.000 Euro, womit sich auch die meisten High-Tech-Gründungen stemmen lassen.

Nach Schätzung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung gibt es in Deutschland etwa 2.700 bis 3.400 aktive Business Angels, die über Beteiligungskapital für Erstinvestitionen von mindestens 200 Millionen Euro verfügen. In den USA wurden 2008 rund 140.000 Angels ausgemacht, die im Schnitt umgerechnet 200.000 bis 300.000 Euro vergeben. Bezogen auf die Bevölkerungszahl sind in den USA damit zehnmal so viele Business Angels aktiv wie in Deutschland.

© 2009 förderland
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Kommentare zu Business Angels backen in Deutschland eh ...

Wie wahr

Wie wahr! Das ist aber noch freundlich ausgedrückt.

Alleine die immerwährende Frage von den sogenannten deutschen "Business Angels": "Gibt es von deiner Idee ein erfolgreiches Beispiel im Ausland?" Die Antwort nein führt in 99% der Fälle zu einem nein bezüglich des Investments. Und dann beschweren sich alle über copycats.

Plus: Bus.Angs. wissen i.d.R. nichts vom Web, noch weniger von der Technologie, und noch weniger von generellen makroökonomischen Zusammenhängen.

In guten Zeiten investieren Sie in alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Und wenn es schlecht läuft sehen sie "das Web2.0" als Mitschuldig.

Mein Tipp: zieh Deine Umsätze von Anfang an hoch. Und mache Sales anstatt 3 heiße Monate Deines Lebens mit nutzlosen Investmentgesprächen zu verplempern.

Schade eigentlich, man kann ein Unternehmen so viel langfristiger aufbauen und stabil skalieren, wenn man etwas Puffer anfangs hat.

Wir hatten eine grandiose Erstrunde, aber nichts folgte darauf. Jetzt tragen wir uns selbst ohne dass eine Kostenkürzung nötig gewesen wäre. Hätte ich die drei Monate in Sales gesteckt, wären wir jetzt noch weiter. Hinterher weiß man mehr :)

Diese Nachricht wurde von Paul am 13.05.09 (00:42:09) kommentiert.

Herr

Ja, es stimmt, momentan ist trotz der Krise und Events in Dresden (Niedergang von Qimonda) nichts davon zu spüren, dass innovative Ideen und Konzepte Unterstützung finden.

Insbesondere wenn diese mit geringem Aufwand (Lean, eben) bewerkstelligt werden.

Dann haben weder Banken (wie SAB, KfW) Interesse und für BusinessAngels klingt es -offensichtlich in diesem Land- nicht attraktiv.

Wenn DimDim (OpenSource Lösung für DesktopSharing) sogar mehrere Millionen Venture Capital erhält, dann sind da Köpfe am Werk, die Weitblick in derartige Aktivitäten haben.

Wo sind diese in Deutschland?

Beste Grüße zu Pfingsten

Ralf Lippold

Diese Nachricht wurde von Ralf Lippold am 30.05.09 (15:22:11) kommentiert.
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