Andere Länder - Andere Start-ups
Willkommen bei der Osterausgabe von Start-ups international. Und es lohnt sich heute hereinzuschauen, denn was liegt da im Nest des gelehrigen Gründers? - Drei Start-ups, die allesamt aus den USA zu uns gehoppelt sind: Eines hat das Potential eine neue Ära des Gründens im Web einzuläuten, ein zweites, zeigt uns wie man auch scheinbar unvereinbare Gegensätze zusammenbringen kann und ein drittes eröffnet gelehrten Clickworkern neue Verdienstmöglichkeiten im Netz. Viel Vergnügen!
Widgeter killed the E-Commerce-Star
SyncFu.com - Es ist schon makaber, dass große E-Commerce-Brecher wie Groupon mit einem Mal die Hosen voll haben - wegen eines kleinen Widgets, das noch dazu einen albernen Namen hat: SyncFu! Jawohl, es hat sich ausgroupont - denn die Entwickler dieses Webdienstes haben auf äußerst gerissene Art den Handel mit Gruppenrabatt-Anreizen für sich entschieden. Im Grunde funktioniert das Widget ganz einfach: Installieren Sie es auf Ihrem Web-Shop und starten Sie eine Verkaufs-Aktion. Setzen Sie dazu eine Deadline fest und einen Startpreis. Mit jeder hinzukommenden Bestellung sinkt der Preis des Produkts nach Ihren Vorgaben. Damit Sie wissen, dass es der potentielle Käufer auch ernst meint, wird eine kleine Reservierungsgebühr (theoretisch zwischen 0,00 € und 4,99 €) fällig. Diese Gebühr ist SyncFus Einkommen. Da die zu sparenden Margen der meisten Artikel meist weitaus größer sind, fallen die Reservierungs-Gebühren für den Käufer nicht sehr ins Gewicht. Sie als Verkäufer kostet die ganze Geschichte: nullkommanichts.
Potential: SyncFu wird zwar als kleine unbedeutende Zusatzanwendung angeboten, ist aber genau deswegen viel flexibler, preislich attraktiver und einfacher zu initiieren als vergleichbare Anwendungen, die auf Websites aufgebaut sind. Gegen die kleine, flinke App sehen komplett ausgebaute Websites wie Dinosaurier aus, die zu groß für diese Welt sind. Wird das die neue Welle im Web? Widgets gegen Websites? Dienste aufs Minimum reduziert, die im Hintergrund ablaufen, die nach außen eigentlich nur einen Login-Button brauchen und mehr nicht? Überlegen Sie doch selbst einmal: Welches Web-Start-up würden Sie einstampfen, weil man einfach ein Widget daraus machen könnte?
Nein, aber ich habe den Film gesehen!
alikewise.com - Ja, auch Akademiker sehnen sich nach Liebe! Aber nicht irgendeine Liebe soll es dann sein, sondern schon so eine wie sie sich in den Romanen findet. Bei Anna Karenina und Graf Wronskij. bei Esmeralda und Quasimodo oder Cyrano und Roxane. Dass einem sein epischer Gefährte nicht bei Aldi vorm Schnapsregal begegnet, wird von den meisten Bildungs-Singles einhellig anerkannt - doch die Alternativen sind rar gesät. Wo soll man nur seines Gleichen finden? Während diese Sorgen bis vor kurzem noch zusammen mit dem letzten Schluck Rotwein hinuntergespült wurden, finden sich heute die Madame Bovarys und Pygmalions auf alikewise ein. Denn hier passt man nach literarischem Gusto zu einander: Ganz einfach die Lieblingsromane, -gedichte, epen, oder -dramen eingeben und dem Computer dabei zusehen, wie er Fortuna Nachhilfe erteilt.
Potential: Die Lösung, die uns alikewise hier serviert, ist äußerst raffiniert gewürzt: Hier werden im Grunde ganz neue Nutzerschichten erschlossen: Denn wer bleibt schon vorm Computer hängen, wenn er doch ein gutes Buch lesen kann? Für die Zielgruppe von alikewise lag die Antwort bisher auf der Hand. Bisher! Doch nun erkennen die einsamen Bücherwürmer, das die viereckige Wunderkiste zu weit handfesteren Aufgaben geeignet ist, als Klausurergebnisse zu übertragen oder bei der Fernleihe den neuesten Chomski zu ordern. Gut gemacht likewise! So holt man das Thema Online-Partnervermittlung aus der Schmuddelecke heraus und tut auch noch etwas für das Bevölkerungswachstum.
Man wird alt wie 'ne Kuh und lernt immer noch dazu
supercoolschool.com - Die monatelange Suche nach einem Projektnamen, der das Gründungsthema möglichst feinsinnig wiedergibt, war von Erfolg gekrönt und Supercool School konnte endlich doch noch on air gehen. Doch was bietet uns der Service? Manch einer unter unseren naseweisen Lesern, würde jetzt am liebsten einwerfen: "Eine supercoole Schule?" und hätte damit auch noch absolut Recht. Denn diese Anwendung erlaubt es jedem User eine eigene kleine Online-Schule aufzumachen. Und zwar eine, die sich gewaschen hat: Denn hier gibt es Live-Videokonferenzen, Videoaufzeichnung, Folienpräsentationen, ein Anmelde- und Abrechnungssystem, personalisierbarer Oberfläche, Klassen-Forum, Chat, Wissensabfrage, Analyse-Tool ...
Potential: In den USA kommt dieses Rezept richtig gut an, denn hier ist man es gewohnt auf alle erdenklichen Arten Geld zu schmieden. So entstanden beispielsweise schon zahlreiche Flirt- und Bloggerschulen, Musik- oder Schminkschulen über das Sytem. Das alles gibt es für den Preis von 15 Dollar pro Monat - durchaus kein Pappenstiel, aber es scheint sich zu lohnen, denn schon im ersten Monat haben über einhundert Online-Schulen das Licht der Welt erblickt.
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