Juror, wir wissen wo Dein Auto steht!
Heiß diskutiert bei der diesmaligen WM werden nicht nur die sportlichen Leistungen, sondern auch viele (vermeintliche) Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern. Aber egal wie sehr sich Spieler, Trainer und Fans aufregen, das letzte Wort – bzw. die letzte Karte – hat der Unparteiische. Gründer kennen die Frustration und Verunsicherung, wenn die entscheidende Instanz schließlich "rot" zeigt und zum Beispiel die Finanzierung nicht klappt. Wann Protest angesagt ist, ist nicht immer einfach zu beurteilen. Es gibt allerdings auch Fälle, wo ganz klar ist, welche Meinung zählt. Werner Arndt, Geschäftsführer der MBPW GmbH, kommentiert in seiner neuen Kolumne Foulspiel und Fehlentscheidungen auf dem Gründerspielfeld.
Zuerst am Ball: die Gründer
Bei den Juroren sind es die vergebenen Punkte und immerhin persönliche Feedback-Kommentare, bei den Investoren meistens ein höflich-bedauerndes Schreiben: die Begründungen für schlechte Beurteilungen bzw. Absagen sind den Gründern gerade bei negativem Ergebnis selten ausführlich genug und lassen vor allem erst mal keine Möglichkeit zu einer Antwort, Rechtfertigung oder weiteren Erklärung. Gerade letztere könnte aber noch wichtig sein, denn tatsächlich beruhen negative Beurteilungen durchaus öfters darauf, dass das Potenzial nicht wirklich begriffen wurde… bzw. erklärt wurde! In der Bringschuld befinden sich nämlich die Gründer. Sicher ist es ärgerlich für Investoren, wenn ihnen ein tolles Investment entgeht. Allerdings ist es zeitlich für sie nicht machbar, jeden Businessplan auf ein Potenzial hin zu durchleuchten, dass vielleicht besonders gut versteckt wurde, vielleicht auch nicht vorhanden ist. Dabei ist es durchaus normal, dass ein Businessplan nicht alle Fragen der Leser beantworten kann. Entscheidend ist es, möglichst schnell so viel Interesse zu erwecken, dass Unklarheiten nicht zur Ablehnung, sondern zu Nachfragen führen!
Kunden sind keine Schiedsrichter
…sondern bekanntlich Könige! Und als solche haben sie natürlich immer recht. Egal ob B2B oder Consumer, egal ob sie über Fachwissen verfügen oder nicht, bei den Wünschen und Bedürfnissen der (zukünftigen) Kunden lohnt sich keine Diskussion. Schließlich sind sie es letztendlich, die mit ihrem Verhalten darüber entscheiden, ob ein Produkt oder Angebot, auf das sie in den allerwenigsten Fällen angewiesen sind, und damit das ganze Unternehmen erfolgreich werden.
Wann man nachspielen kann
Anders als beim Fußball fordern die Nachfragen von "abgestraften" Gründern allerdings keine Strafverschärfung heraus. Bei Wettbewerben bieten die Juroren oft die Kontaktaufnahme für eine Diskussion an, zwar nicht, um das Ergebnis zu verändern, aber im Hinblick auf Validierung und Verwendung der Kritik für die Weiterentwicklung des Projekts. Dies ist eine Chance, die immer noch zu viele Teilnehmer verstreichen lassen. Für Nachfragen bei kritischen Investoren – und vielleicht sogar eine zweite Chance – bieten sich Veranstaltungen mit persönlichen Gesprächsmöglichkeiten, z. B. Konferenzen und Foren, an. Auch wer sich bei den Investoren nicht nur per Post oder E-Mail, sondern durch persönliche Kontaktvermittlung vorstellt, hat mehr Möglichkeiten.
Letztendlich brauchen Juroren (& Co) also keine Angst davor zu haben, ihre Autos demoliert zu finden – höchstens klemmt ein neuer Businessplan unter dem Scheibenwischer!
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