Interview - "Wir investieren pro Unternehmen bis zu sieben Millionen Euro"
14.04.09 08:30
Interview

"Wir investieren pro Unternehmen bis zu sieben Millionen Euro"

Crédit Agricole Private Equity (CAPE) gehört zu den wichtigsten Venture-Capital-Gebern auf dem französischen Markt. Jetzt will sich CAPE auch auf den deutschsprachigen Märkten aktiver betätigen. Dafür soll der deutsche VC Christian Claussen sorgen. Im Interview mit förderland sprach Claussen über die Rahmendaten der CAPE-Aktivitäten.

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Christian Claussen (45), Venture Capitalist bei Crédit Agricole Private Equity (CAPE)

förderland: Welche Unternehmen in Deutschland sind für Sie besonders interessant?

Claussen: Crédit Agricole Private Equity konzentriert sich in Deutschland auf Firmen aus den Bereichen IT, Telekom und Internet. Gute Chancen auf Kapital haben auch Unternehmen aus dem Bereich Life Science, diese werden zusammen mit dem Pariser Life Science Team evaluiert. Auch der Cleantech-Sektor ist interessant – hier insbesondere Unternehmen, die sich auf Technologien zur Energieeinsparung bzw. Effizienzoptimierung erneuerbarer Energieerzeugung spezialisieren.

Mit wie viel Kapital würden Sie sich maximal an einem deutschen Jungunternehmen beteiligen?

Wir investieren pro Unternehmen bis zu sieben Millionen Euro. Durch angestrebte Syndizierungen kann die Summe aber auch noch deutlich aufgestockt werden. In der ersten Runde sollte der Kapitalbedarf mindestens 750 000 Euro betragen.

Warum weitet Crédit Agricole gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise sein deutsches und europäisches Engagement aus?

Deutsche VCs haben seit längerem Schwierigkeiten beim Fundraising, weil deutsche institutionelle Investoren (Versicherungen, Banken, Pensionsfonds, Fund-of Funds) traditionell und insbesondere nach dem Platzen der Internet-Blase 2000 wenig bis überhaupt kein Interesse an der Asset-Klasse Venture Capital haben. Selbst erfolgreiche deutsche VCs, die in letzter Zeit trotz aller Widrigkeiten noch Fonds auflegen konnten (wie etwa Wellington oder Target Partners) haben fast ausschließlich internationale Investoren und finden in der Regel keinen deutschen Cornerstone-Investor (Person oder Firma, die zusätzlich zum Kapital noch andere Dinge wie Marktkenntnisse, Kontakte oder Image einbringt, d. Red.).

Die Lage in Frankreich ist diesbezüglich weitaus besser, denn zum einen finden sich zahlreiche institutionelle Investoren, die in Venture Capital investieren, zum anderen gibt es die durch die Steueranreize der sogenannten FCPIs (Fonds Commun de Placement en Innovation, d. Red.) gut erschlossene Quelle der Retailinvestoren.

So lag für CAPE als einen der aktivsten Wagnisfinanzierer im französischen Markt der Schritt nahe, seinen Investitionsfokus über den Rhein hinweg auszudehnen. Ein Schritt, der vor dem Hintergrund der aktuellen Krise umso sinnvoller ist, als dass die Einstiegsbewertungen fallen und sich – was die Qualität der Geschäftsmodelle und Unternehmer angeht – die Spreu vom Weizen trennt.

Wie können Jungunternehmer Kontakt mit Ihnen aufnehmen?

Wer Interesse hat, kann sich per E-Mail unter christian.claussen@ca-privateequity.fr melden.

Zur Person: Seit 1. Januar 2009 ist Christian Claussen (45) Senior Partner im Venture Capital Team der Crédit Agricole Private Equity (CAPE), Paris. Claussen kommt vom Münchener VC-Unternehmen TVM Capital. Von 1990 bis 1999 war der gebürtige Berliner für Siemens Communication Networks Division, München, tätig, wo er seit 1997 als Vice President Business Development unter anderem den Start des Corporate Venture Fonds der Siemens Kommunikationssparte vorbereitete. Christian Claussen studierte an der Ecole Supérieure d'Ingénieurs en Electronique et Electrotechnique (Frankreich), der University of Essex (UK) sowie der Universität Karlsruhe und erwarb den Titel eines europäischen Diplom-Ingenieurs in Elektrotechnik und Telekommunikation.

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