Gründen während der Finanzkrise - "Die aktuellen Gründer-Probleme sind kaum anders als generell in der Gründungsphase"
24.02.09 08:30
Gründen während der Finanzkrise

"Die aktuellen Gründer-Probleme sind kaum anders als generell in der Gründungsphase"

Durch die Finanzkrise wird die Lage auch für Gründer und junge Unternehmer nicht leichter. In Gesprächen mit förderland erläuterten Vertreter verschiedener Industrie- und Handelskammern (IHK) ihre Einschätzungen der Situation.

Sämtliche befragten IHK-Vertreter stellen eine Zunahme von Existenzgründungen fest. "Wie regelmäßig in konjunkturell schwächeren Zeiten gehen die Gründungen, besonders aus der Arbeitslosigkeit dann zurück, wenn die Chance auf Einstellung am Arbeitsmarkt sich erhöht. Genau das Gegenteil lässt sich nun aber seit etwa 6 Monaten am regionalen Markt feststellen", erläutert Reinhart König, zuständig für Starthilfe und Unternehmensförderung bei der IHK Hochrhein-Bodensee. "Nicht nur die Zahl der Anfragen, sondern auch konkrete Beratungswünsche werden seit etwa Oktober, November letzten Jahres wieder verstärkt nachgefragt." Ein gestiegenes Interesse an Informationsveranstaltungen stellt auch Petra Kremer von der IHK München-Oberbayern fest: So "haben seit Anfang des Jahres die Besucherzahlen bei unseren regionalen Gründermessen 'Existenz' in Oberbayern zugenommen."

Wie hoch die Steigerung genau ist, lässt sich zurzeit noch nicht beziffern. "Wegen des frühen Zeitpunkts liegen aktuelle Zahlen noch nicht vor", sagt Susanne Schmidt-Wollschläger von der IHK Berlin. In Düsseldorf verzeichnet die IHK seit einigen Wochen eine erhöhte Nachfrage nach bestimmten Beratungsthemen. Dazu gehören "Unternehmenssicherung, Insolvenz- und Schuldnerberatung", wie Geschäftsführer Dr. Nikolaus Paffenholz feststellt. "Bei derzeit etwa ein bis zwei Fällen pro Tag handelt es sich allerdings überwiegend um Kleinunternehmen, deren schon seit längerem bestehende Schwierigkeiten sich durch die rückläufige Auftragslage noch verschärft haben und die nunmehr in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind."

Als größtes Problem für Gründer in der momentanen Situation sehen die IHK-Vertreter wenig überraschend die Finanzierung. "Voraussetzung für eine Finanzierung ist mehr denn je ein detaillierter Businessplan. Wir beobachten, dass bei kapitalintensiven Gründungen sich die Finanzierungssituation schwierig gestaltet", erklärt Petra Kremer von der IHK München-Oberbayern. Doch auch das Generieren neuer Aufträge fällt Jungunternehmern zurzeit besonders schwer, wie Anke Seifert, Leiterin der Pressestelle bei der IHK Stuttgart, feststellt: "Die Krise führt dazu, dass innerhalb von Zulieferketten bisher outgesourcte Leistungen wieder in die großen Unternehmen hineinverlagert werden. Aufträge für selbstständige Dienstleister und Lieferanten nehmen so noch weiter ab. Fixkosten, eigene Sozialversicherungsbeiträge und der Lebensunterhalt müssen die Gründer aber abdecken können. Das ist in konjunkturell schwierigen Zeiten häufig eine große Herausforderung."

Reinhart König sieht noch weitere Probleme, die für ihn außerdem keine krisentypischen Phänomene sind: "Die Probleme, mit denen Jungunternehmer zu kämpfen haben, unterscheiden sich in der aktuellen Situation nicht wesentlich von den Schwierigkeiten, mit denen Jungunternehmer generell in der Gründungsphase zu kämpfen haben. Das sind: Informations- und Qualifizierungsdefizite, Finanzierungsprobleme besonders im Betriebsmittelbedarf, Überschätzung der Betriebsleistung oder Unterschätzung der Akquiseaktivitäten." Eine gründliche Vorbereitung der Unternehmensgründung ist also weiterhin unerlässlich – in Krisenzeiten noch mehr als zu anderen Zeitpunkten.

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