Praxis-Tipp - Sieben Monetarisierungs-Ansätze fürs Web 2.0
05.08.09 13:30

Praxis-Tipp

Sieben Monetarisierungs-Ansätze fürs Web 2.0

Was nützen dem Gründer die besten Ideen, der Medienhype und Herzblut wenn am Ende kein Profit in Sicht ist. Oft wird der erste Teil des Wortes "Geschäftsidee" nicht ausreichend ernst genommen. Was es für Strategien gibt, um aus Traffic auch Geld zu machen, zeigt dieser Artikel.

"Werbung." - Das ist die wohl häufigste Antwort, wenn man Gründer nach ihren Monetarisierungs-Strategien fragt. Da diese Herangehensweise, wie man es vor allem zu Zeiten einer Finanzkrise sieht, nur bedingt taugt, um ein Geschäftsmodell konstant zu monetarisieren, wollen wir heute ein paar alternative Möglichkeiten des Geldverdienens beleuchten.

Modell Xing - Dieses Geschäftsmodell ist allseits bekannt und verkehrt auch unter dem Namen "Freemium"-Modell, da sich diese Strategien meist in einen "Free Account" und einen "Premium Account" aufsplitten. Mit dem Free-Account, der alle rudimentären Funktionen des Webservices beinhaltet, werden Besucher angelockt, um sie dann mit den Premium-Funktionen, zum bezahlten Premium-Account verleiten.

Typische Probleme sind hierbei, dass die Produktvorteile gut zwischen Premium und Free ausgewogen sein müssen, sonst sehen die User entweder keinen Nutzen im Free-Account oder wollen nicht für zu spärliche Premium-Funktionen bezahlen. Positivbeispiel ist hier klassischerweise XING, Negativbeispiel wäre aviary.com, deren Free-Account dem Premium-Account ein wenig zu mächtig gegenüber steht.

Vorteile der Freemium-Strategie sind stetige, kalkulierbare Einnahmen, Nachteile entstehen, wenn der Service nicht nachhaltig ist, wie beispielsweise bei der Partnerbörse friendscout24.de - hat man sich neu verliebt, kündigt man so schnell es geht den Pro-Account. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass viele User, die den Service nur unregelmäßig nutzen, die monatlichen Kosten einfach scheuen.

Modell Sanduhr - Das Sanduhr-Modell ist ein zeitorientiertes Modell: Um beispielsweise die Premium-Vorteile der 3-D-Rollenspielwelt RuneScape nutzen zu können, muss der Spieler ein Zeitkontingent kaufen. So lange er sich einloggt, wird die Zeit von seinem Konto abgezogen. Andere Spiele, wie World of Warcraft beispielsweise, verkaufen den Zugang monatsweise, ob nun gespielt wird oder nicht. Hier liegt der Vorteil und der Nachteil des Sanduhr-Modells: Einerseits ist es fairer und somit attraktiver für die Spieler, nur die Zeit anzurechnen, die auch gespielt wird; andererseits wird in der Nicht-Spielzeit kein Geld verdient - das Modell ist weniger kalkulierbar.

Modell Micro-Payment - "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen", weiß der schlaue Bauer. Doch andererseits rät er auch: "Kleinvieh macht auch Mist". Zwei schöne Analogien, die man auf das Thema Micro-Payments eins zu eins übertragen kann. Doch bevor wir zu den Vor- und Nachteilen des Modells kommen, eine kurze Erklärung: Unter Micro-Payments versteht man ein Bezahlmodell von Klein und Kleinst-Summen. Sinn dieses Ansatzes ist es, einerseits dem User nur die Dienste in Rechnung zu stellen, die er tatsächlich genutzt hat, andererseits dient es zur Verschleierung von Kosten. So ist es durchaus üblich einen Web-Service als gratis anzubieten, dann aber für Zusatzfunktionen Geld zu verlangen (wie es bei diversen Dating-Portalen stattfindet). Ein weiterer "Vorteil" besteht darin, dass der User weniger Skrupel hat, kleine Beträge auszugeben, auch wenn sie in der Summe zu stattlichen Zahlungen anwachsen können.

Der Nachteil des Systems besteht darin, dass die Abrechnung der Leistungen komplizierter wird. Auch lohnen sich Buchungen aufgrund der Überweisungsgebühren erst ab einer bestimmten Höhe des Betrags. Die Lösung dieser Probleme kann zum einen darin bestehen, dass man wartet, bis sich die Zahlungen akkumuliert haben und dann erst abrechnet oder man macht es wie Facebook und verkauft plattformabhängige Credits, hier investiert man eine "größere" Summe von einem Dollar und erhält dafür zehn Facebook-Credits. Diese kann man nun einzeln nach Belieben verteilt für die verschiedensten Partner-Anwendugen aufwenden. Dieses Modell macht es möglich, ausreichend große Summen abzurechnen, obwohl viel kleinere ausgegeben werden.

Zur Meisterschaft in der Disziplin Micro-Payments haben es jedoch die Online-Spiele gebracht - das Facebook-Game MobWars beispielsweise, setzt - laut TechCrunch - bis zu einer Million Dollar im Monat für virtuelle Güter, wie Schrotflinten, schussichere Westen etc., um. So ist es bei solchen Spielen üblich, Beträge von 50 Cent bis ca. zwei Euro pro Waffe/Vorteil auszugeben.

Micropayments galten auch als ein Heilmittel für das Erkranken der klassischen Medien: So kann man einzelne Artikel online kaufen, ohne, wie bei einer ganzen Zeitschrift, die Artikel mitkaufen zu müssen, die einen nicht interessieren (Beispiel: Spiegel-Online-Dossiers). Den durchschlagenden Erfolg brachte das System nicht. Doch vielleicht können die Zeitungen und Zeitschriften hier von den Social-Networks lernen und medienübergreifende Credits anbieten, die der Leser dann nach seinem Gusto auf die verschiedensten Artikel der angebotenen Zeitungen oder Zeitschriften verteilt. Doch eine Sache ist klar: So ein System wäre erst für die Leser von Vorteil, wenn mehrere Konkurrenzverlage sich auf ein System einigen - nur so kann man Diversität des Angebots und Konformität der Monetarisierung unter einen Hut bringen.

Modell Mehrwertdienste - Mehrwertdienste - oder auf neudeutsch: Value Added Services - bilden eine Strategie, die darauf aufbaut, dem Hauptnutzen eines Webservices einen sekundären Service hinzuzufügen, der meist thematisch verwandt ist. So könnte der Betreiber einer Foto-Community, z. B. Flickr, einen Mehrwertdienst anbieten, bei dem der User seine Fotos als Poster oder auf T-Shirts ausdrucken lassen kann. Dieser Service ist dann selbstverständlich kostenpflichtig und stellt für den Betreiber eine willkommene Zusatzeinnahme dar. Nachteil dieser Strategie ist, dass der Unternehmer sich mit einer Materie auseinandersetzen muss, die nicht zu seiner Kernkompetenz gehört und ein zusätzliches Maß an Organisation und Logistik bedarf.

Modell Tante-Emma-Laden - Wo du auch schon einmal hier bist - was hältst Du von diesem T-Shirt? So oder so ähnlich funktioniert dieses Modell, wie es als best practice-Lösung von Bild-Online praktiziert wird. Hier wird den "Bild-Reportern" eine Bild-Kamera angedreht, die sie zur Berichterstattung benutzen sollen, obwohl jede andere Kamera wohl genauso gut geeignet wäre. Auch werden "Volks"-Versicherungen, -Staubsauger, -Pizza und weiß der Teufel noch was auf der Nachrichtenseite angeboten - und das mit durchschlagendem Erfolg. Ob da die Unabhängigkeit des Mediums gefährdet ist, steht auf der anderen Seite der Medaille - kommerziell, jedenfalls, funktioniert es.

Modell-WoW - Diese Strategie ist der Idealfall. Durch ein Monopol, das auf der Einzigartigkeit des Angebots basiert oder aber auf dem Status, den der User durch eine Mitgliedschaft erlangt, kann ein höherer Preis für die Nutzung verlangt werden, der nur zu gerne bezahlt wird. So geschehen, bei dem Massive-Multiplayer-Online-Rollenspiel World of Warcraft. Aber Vorsicht - Die Schwäche dieses Modells ist, dass die Konkurrenz wache Augen hat und das Konzept alsbald kopieren wird - nur mit besserem Angebot, besserer Grafik oder für weniger Geld.

Modell Werbung - Dies ist das offensichtlichste Monetarisierungsmodell. Werbebanner, Google Ads, Affiliate-Marketing und redaktionelle Werbung bieten ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Doch dieses Modell ist für Start-ups mit vielen Risiken verbunden: Was, wenn Werbekunden wegfallen; wie finanziert man die Anfangszeit; was, wenn der Investor abspringt; was tun, wenn ein Preisverfall auf dem Bannermarkt eintritt? Viele Fragen, die um so akuter werden, wenn Sie zur selben Zeit gestellt werden müssen. Deshalb lohnt es sich, das Modell zu vertiefen und zu differenzieren: Werbung kann durch Abhängigkeit vom Inhalt immens an Effektivität gewinnen, eine höhere Qualifizierung und Conversion-Rate wird erreicht. Partner-Angebote können etabliert werden: "Nur hier auf mustermann.com bekommen Sie den iPod-Nano in Kooperation mit Apple zu diesem Preis!"

Wenn einem Social-Webservice wie twitter, der bisher ohne rechte Monetarisierungs-Strategie unterwegs ist, nichts in Richtung Werbung einfällt - warum nicht selber machen? Twittad.com, beispielsweise, verwandelt den twitter-background zu einer Anzeigenwand.

Das Hauptproblem beim werbefinanzierten Geschäftsmodell ist allerdings das, dass das Gründerteam erst einmal werberelevante Zugriffszahlen erreichen muss. Das kann nur durch eine Killer-Idee, viel Geld oder durch das Anhängen an eine bestehende Social-Community (siehe twittad.com) geleistet werden.

Synthese - Welches Modell man auch immer als richtig für sein Projekt empfindet, es empfiehlt sich oft eine Mischung aus mehreren. Nehmen wir XING beispielsweise. Wenn die Unternehmensplattform als Alternative zu den Premium-Accounts ein Micro-Paymentsystem einrichten würde, mit dessen Hilfe man einzelne Dienstleistungen, wie "kontaktieren" oder "recherchieren" mit XING-Credits bezahlen könnte, wäre eine neue Einnahmequelle geschaffen. Auch könnte man so einen Anreiz für Anwerbungen neuer Mitglieder schaffen - bezahlt wird in XING-Credits. Diese könnte man auch für Leistungen von Zweitanbietern, die an die XING-Api angebunden sind, ausgeben. Und so weiter und so fort. Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich allemal; die Spielewirtschaft beispielsweise, setzt oft ganz neue Impulse beim Geldverdienen. Beherzigt man diesen Ratschlag, kommen dann auch innovative Monetarisierungs-Lösungen wie die von luupo (R.I.P.) oder Rabattschlacht zustande, die im Grunde nach einem Micro-Payment/Spielprinzip funktionieren. User kaufen hier Credits, die sie dann darauf verwenden können, verdeckte Tief-Preise aufzudecken. Die Preise sinken um so schneller, je mehr Credits die User opfern. Also - Augen auf liebe Gründer!

PS.: Kennen Sie noch andere interessante Monetarisierungs-Strategien? Oder möchten sie erzählen, zu welcher Strategie Sie sich entschlossen haben und warum? Lassen Sie die anderen Leser daran teilhaben und schreiben Sie einen Kommentar!

© 2009 förderland
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Kommentare zu Sieben Monetarisierungs-Ansätze fürs Web ...

Affiliate-Programme

Zu Beginn können Gründer auf Affiliate-Programme (Partnerprogramme) wie bspw. zanox oder affili.net zurückgreifen.
Hier meldet man sich an, sucht passende Werbepartner aus und kann sogleich von diesen Banner einbinden und Einnahmen generieren. Sobald die Nutzerzahlen größer sind, kann man die Werbeplantzvermarktung selbst in die Hand nehmen und nach Usern / PLZ / Interessen differenzieren - denn je genauer die Zielgruppe umworben wird, umso mehr Geld sind Firmen bereit, in diese Werbung zu investieren!

Diese Nachricht wurde von Ich am 06.08.09 (13:03:56) kommentiert.

Werbung ist nicht gleich Werbung

Auch unser Unternehmen finanziert sich durch Werbung - zumindest so, wie es hier definiert wird.
In den letzten 9 Jahren haben wir aber folgende Erkenntnis gewonnen: Display-Advertising ist unkalkulierbar, Performance-Advertising ist kalkulierbar, da unsere Kunden dabei eine nahezu 100 prozentige Investitionssicherheit haben.

Performance-Advertising bedeutet konkret, dass wir nur bei Vertragsabschluss Geld erhalten, da wir genaue Vertragsabschlussraten errechnen können und kein Preisverfall eintritt. Unser Monetarisierungsmodell versuchen wir nun mit unserem Parnterprogramm auf externe Webseiten zu übertragen.

Diese Nachricht wurde von Philipp Jorek am 13.08.09 (15:47:31) kommentiert.

Erfolg von Affiliate Programmen hängt sehr von der Art des Traffics ab

Wir haben im Bereich Affiliate Programme eigentlich alles getestet, was mit unserem Thema (Unsere Seite beschäftigt sich mit Mobile Content) annähernd zu tun hat. Die Erfahrungen dabei waren sehr interessant.

Da wir relativ vielfältige Trafficquellen haben, ist es uns besonders aufgefallen, wie unterschiedlich die Conversion je nach Traffic-Herkunft ist. Bei uns konvertiert der Traffic aus den natürlichen Suchergebnissen von Google mit Abstand am besten. Das ist jetzt noch nicht so besonders.

Was uns aber überrascht hat, ist der Zusammenhang zwischen Position in den Suchergebnissen und Conversion (nicht Traffic). Wenn also ein Besucher in den Google Suchergebnissen auf eines der ersten drei Suchergebnisse geklickt hat und über dieses auf unsere Seite gekommen ist, ist sowohl die Klickrate als auch die Conversion bei den eingesetzten Affiliatebannern um ein mehrfaches besser, als wenn er über ein Suchergebnis kam, das z.B. an Position 9 steht.

Von daher bringt Suchmaschinenoptimierung nicht nur mehr Traffic sondern auch hochwertigeren.

Diese Nachricht wurde von Emanuel Engelhardt am 19.08.09 (16:33:59) kommentiert.

Affiliate Programme sind nur sehr themenbezogen gut

Also Affiliate - Programme sind in meinen Augen nur bedingt einsetzbar´. Zunächst braucht man eine Internetseite´, die sich nur auf ein ganz bestimmtes Thema konzentriert. Sollte das Thema zu breit gefächert sein, dann wird kaum ein Besucher auf die entsprechende Werbung klicken und dann hat man auch keine Einnahmen. I.d.R. ist google Adsense immer eine ausgezeichnete Alternative und Affiliate Programme diesen nur dazu den Gewinn noch zu maximieren. Es kommt aber auch dazu noch aufs Thema an, das monetarisiert werden soll. Mit einem Klick auf die Anzeigen von so manchen Keys macht man viel mehr Gewinn als mit Klicks und selbst Sales bei den Affiliate Programmen.

Diese Nachricht wurde von Stefan Piekar am 23.08.09 (11:21:49) kommentiert.
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