Baron von Münchhausen als Vorbild für heutige Gründer
Baron von Münchhausen konnte sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Oder um die Analogie zum "bootstrapping" zu verwenden; er konnte sich an den eigenen Stiefelriemen ziehend aus einer misslichen Lage befreien.
Jegliche Gründer sind in der Lage Münchhausens. Auch sie müssen sich vor allem selbst helfen und können nicht auf andere warten. Der Gründer hat eine Geschäftsidee, sieht darin seine unternehmerische Chance, holt ein Team an Bord und hat vielleicht irgendeinen proof-of-concept. Also beste Vorraussetzungen für eine Finanzierung, die von irgendwo herkommt, zum Beispiel Business Angels oder Seed-VC? Sicher nicht!
Bootstrapping ist die wichtigste Finanzierungsquelle für die Gründer. Das bedeutet, mit kreativen Mitteln Finanzierungsquellen anzuzapfen, ohne sich zu verschulden oder Anteile abgeben zu müssen. Wenn Sie hier findig und durchsetzungsstark sind, signalisieren Sie Investoren, dass Sie mit minimalen Mitteln weitergekommen sind und die Kraft und die Verwegenheit besitzen, sich zu behaupten.
Was kann man zum Beispiel zur Produktentwicklung unternehmen? Hohe Anzahlungen von Kunden verhandeln; F&E-Aufträge holen; Hochschulprogramme von Firmen nutzen; Geräte und Anlagen zur Verfügung stellen lassen; kundenspezifisches Beratungsprojekt annehmen. Letztlich geht es immer um Vorleistungen der Kunden auf fertig zu entwickelnde Produkte.
Beim bootstrapping geht es natürlich auch darum, "other people resources" einzusetzen. Also zum Beispiel "Arbeitsaufwand ohne zeitgleiche Bezahlung" zu nutzen. Man kann Optionen oder Provisionen statt Gehälter zahlen. Bei sich selber sollte man mit gutem Beispiel vorangehen und private Ausgaben streichen, eigene Rücklagen angreifen, F&F&F nutzen, vorzeitiges Erben versuchen oder Büroräume, Geräte oder Mitarbeiter mit anderen Gründern teilen.
Diese Ressourcen reichen natürlich meist nur für den Anfang. Die bei weitem nächstwichtigste Quelle ist die Direktansprache von Investoren. Verlassen sich nicht nur auf die profilierten Business-Angel-Netzwerke wie dem BAND, Munich-Business-Angel-Network, Catcap oder Brains-To-Venture. Schauen Sie sich in Ihrer Branche nach Meinungsbildnern, Unternehmern oder Persönlichkeiten um und sprechen Sie diese direkt an. Die Direktansprache ist der erfolgreichste Kontaktweg – rund 50 Prozent der Finanzierungen durch Business Angel (manche wissen noch gar nicht, dass sie das sein können!) kommen durch direkte, private Kontakte zustande (Quelle: ZEW High-Tech-Gründerpanel 2007) – und das im Internetzeitalter!
Mit dieser Ausgabe der Kolumne verabschiedet sich Oliver Bücken in die Sommerpause. Anfang Oktober geht die Kolumne dann in die zweite Runde und Oliver Bücken wird wieder regelmäßig über spannende Themen rund ums Unternehmertum berichten.
Über den Autor
Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem "Zentrum für Innovation und Gründung"
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