Interview mit Nicole Pfeffer - "Gerade Gründer denken, mit Marketing kann man sich später beschäftigen"
03.11.07 09:30
Interview mit Nicole Pfeffer

"Gerade Gründer denken, mit Marketing kann man sich später beschäftigen"

förderland im Gespräch mit Nicole M. Pfeffer - Inhaberin der Marketing-Agentur "Marketing mit Pfeffer" - über goldene Marketing-Regeln für Gründer, Marketing mit kleinem Budget, den Nutzen von Business-Netzwerken und den Reiz der Selbstständigkeit.

Nicole M. Pfeffer - Inhaberin der Marketing-Agentur "Marketing mit Pfeffer".
Nicole M. Pfeffer - Inhaberin der Marketing-Agentur "Marketing mit Pfeffer".

förderland: Frau Pfeffer, würden Sie sich und Ihre Tätigkeit bitte kurz vorstellen?

Nicole M. Pfeffer: Aber gerne…:-). Zu meiner Person: Ich bin 36 Jahre jung, studierte Diplom-Betriebswirtin (FH) und seit mehr als 15 Jahren am Sammeln von Berufserfahrungen. Der Schwerpunkt Marketing kam aus der Vorliebe für Kundenwünsche aus der Hotellerie. Noch einmal verstärkt wurde diese durch die Aufgaben und Möglichkeiten bei einem Finanzdienstleister und der direkten Zusammenarbeit mit dem Vorstand für Ausbildung, Marketing und Vertriebsförderung. Meine letzte Station vor meiner Selbstständigkeit war die Position des Director of Sales & Marketing einer neu entstehenden Hotelgruppe.

Der Traum von der Selbstständigkeit hatte knapp fünf Jahre Zeit in mir zu reifen und so habe ich diese sehr gezielt mit viel Basisarbeit vor dem eigentlichen Start in die Wege geleitet.

Meine Vorliebe und mein Interesse für den Erfolg anderer Menschen und deren Unternehmen ist mein Hauptziel im Umgang mit meinen Kunden und im Angebot meiner Dienstleistung. Wichtig dabei, dass sowohl ich und meine Arbeit wie auch die Produkte und Dienstleistungen meiner Kunden an Werten orientiert sind, die als Fundament für eine erfolgreiche Zukunft stehen.

Mein Aufgabengebiet beginnt bei der Erarbeitung von Werten, geht über Kernkompetenzen bis zur Zieldefinition der Marktposition auf der normativ-strategischen Ebene. Klare Werte und die darauf aufbauende gewünschte Marktposition in Form eines auf die Kundengruppe abgestimmten Marketing-Aktivitätenplan mit der beratenden Unterstützung bei der Umsetzung gehören ebenso dazu.

förderland: Woran erkennt man eigentlich gutes Marketing?

Pfeffer: Gutes Marketing erkennt man daran, dass aufgrund des umgesetzten Marketings ein gewünschtes Ziel erreicht wird. Dies kann in der Absatzsteigerung von Produkten, in der Steigerung der Bekanntheit oder aber im Aufbau einer Marke und ihrer Begehrlichkeit zu erkennen sein. Gutes Marketing setzt voraus, dass man sich vor einzelnen Aktivitäten einen Plan erarbeitet, der die Werte, die Zielgruppe, wünschenswerte Ziele, einen Zeitplan und ein entsprechendes Budget beinhaltet. Dabei ist es wichtig, nicht nur kurzfristig zu planen und umzusetzen. Die Leitlinien müssen an langfristigen Zielen orientiert sein, die wiederum auf mittelfristige Etappen heruntergebrochen werden müssen, um erfolgreich kurzfristige Ziele anstreben zu können.

Gutes Marketing benötigt Ruhe und kontinuierliche Arbeit, regelmäßige Umsetzung und dass alle Mitarbeiter involviert sind. Es gilt, ein langfristiges Ziel zu erreichen.

förderland: Wie wichtig ist Marketing für ein junges Unternehmen?

Pfeffer: Aus meiner Sicht und Erfahrung ist Marketing gerade für ein junges Unternehmen sehr wichtig. Dabei möchte ich festhalten, das Marketing nicht immer mit Riesen-Budgets verknüpft sein muss.

Viel wichtiger ist, dass kontinuierlich etwas für die Marktpositionierung des Unternehmens, die Bekanntheit und die angebotenen Dienstleistungen/ Produkte getan werden muss. Ein junges Unternehmen entwickelt sich mit der Zeit wie ein Mensch. Sie können nicht Nichts tun und erst dann, wenn von Ihnen eine Fertigkeit erwartet wird, damit beginnen sie zu erlernen.

förderland: Was sind Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Fehler, die Gründer und junge Unternehmer gerade in der Anfangsphase beim Marketing machen?

Pfeffer:
Zunächst ist der häufigste Fehler, dass gerade Gründer denken, mit Marketing kann man sich später beschäftigen. Gründe hierfür sind Kosten und freie Kapazitäten.

Der zweite Fehler ist, dass zu wenig Zeit in die Basisarbeit - Analyse aller Bereiche, Definition von Maßstäben wie Werte - gelegt wird. Das Produkt und die Dienstleistung müssen klar, eindeutig und einfach definiert sein - Keep it simple! - und müssen als solches auch kommuniziert werden.

Hinzu kommt, dass viele Gründer sich der Werte und Transparenz gegenüber ihren Kunden nicht bewusst sind. Beides erscheint überall, egal ob bewusst insziniert oder unbewusst gelebt. Dies ist jedoch die Grundvoraussetzung, um ein erfolgreiches Marketing aufzubauen und umsetzen.

förderland: Welche goldenen Marketing-Regeln sollte ein Gründer auf jeden Fall beherzigen?

Pfeffer:
1. Marketing in den Anfängen eines Unternehmens ist Chefsache.
Bei einer Neugründung hat man den unschlagbaren Vorteil, dass man kein "altes" Unternehmensbild neu kreieren muss, man gegen alte Regeln und Richtlinien verstößt und Kunden verprellen kann. Der Gründer beginnt bei Null und hat somit die freie Wahl, wie er sein Unternehmen darstellen und platzieren möchte. Diese Situation gibt es nie wieder im Leben eines Unternehmens.

2. Kenntnisse sowohl über die eigenen Kernkompetenzen wie über die Wünsche des Zielmarktes.
Es gibt das Beispiel des Aufzug-Spiels oder Bar-Gesprächs. Als Gründer muss ich in der Lage sein, mein Tätigkeitsfeld oder Produkt in 60 Sekunden erläutern zu können. Denn auch hier gilt das Motto - der erste Eindruck erhält keine zweite Chance.

3. Spreche begeistert von deiner Dienstleistung/ deinem Produkt.
An dieser Stelle reicht eine einfache Frage: mit wem machen Sie gerne Geschäfte? Mit einem Miesepeter und Pessimisten oder mit einem Optimisten und Gründer, der an seine Idee, sein Produkt oder seine Dienstleistung glaubt und überzeugt von ihr ist?

Und zuletzt:Suchen sie nach dem langfristigen Ziel - den Stern an Ihrem Himmel - und lassen sie mittel- und kurzfristige Ziele daraus entstehen, die ihnen bei der Zielverfolgung Unterstützung sind!
Die Planung schafft die Möglichkeit stets auch zu kontrollieren, ob das, was man gerade an Marketing-Aktivitäten umsetzt oder das, was man angeboten bekommt - Kauf von Anzeigen, Sponsoring etc. - auch auf den eigenen Nutzen ausgerichtet ist. Wenn der Kosten-Nutzen-Faktor negativ ausfällt, emotionale Gründe auch nicht vorhanden sind, kann man mit ruhigem Gewissen ablehnen, ohne später daran zurück zu denken und zu bereuen. Zudem schafft es auch einen gesunden Verstand im Umgang mit Geld für Marketing.

© 2012 förderland
  drucken       versenden
Diesen Beitrag kommentieren:

Titel*

Name*

E-Mail*

(Wird nicht veröffentlicht!)

URL

Kommentar*

Um Spam zu vermeiden, lösen Sie bitte folgende Rechenaufgabe:

anzeige

förderland-Newsletter

Close