"Wenn man gegründet hat, zählt die ursprüngliche Idee oder die technische Lösung nur noch wenig"
förderland im Gespräch mit Oliver Bücken - Business Angel und Dozent der UnternehmerTUM GmbH - über Innovationen & Ideen, den Kampf des Gründers gegen sich selbst, gute Rahmenbedingungen, UnternehmerTUM und seine förderland-Kolumne.
förderland: Herr Bücken, würden Sie sich bitte kurz vorstellen?
Oliver Bücken: Die frühen Erfahrungen als Schüler und Student "eigenes Geld zu verdienen", haben mich geprägt! So wurde ich nicht nur früh finanziell unabhängiger, sondern lernte "nebenbei" von Unternehmern viel über Chancenerkennung und Management. Ich hatte einfach Spaß daran, Chancen zu nutzen - "serendipity" eben wie die Engländer sagen!
In Köln habe ich von 1980 bis `85 BWL studiert und dann zunächst ein paar Jahre im Bankenbereich gearbeitet. Beides hatte mich nicht vom Hocker gerissen. Nach beiden Erfahrungen, wusste ich, dass ich unternehmerisch tätig werden wollte. Im Studium traf ich andere unternehmerische Typen - Richard von Rheinbaben zum Beispiel - mit dem ich Geschäftsideen während langweiliger Vorlesungen durchgespielt habe und später dann tatsächlich ein Unternehmen gegründet habe.
Zwei interessante Dinge passierten Ende der 80er Jahre - es gab vermehrt Börsengänge und die Beteiligungsindustrie begann sich in Deutschland zu entwickeln. So kam ich Anfang der 90er zum Beteiligungsgeschäft, in dem innovative Geschäftsmodelle wie beispielsweise Fielmann oder CompuNet finanziert wurden. 1990 haben Richard und ich dann mit Autodata einen ersten unternehmerischen Versuchsballon gestartet, bevor wir dann 1997 die Buecher.de AG mit Georg Heusgen gründeten.
förderland: Seit 2004 sind Sie als Dozent bei der UnternehmerTUM GmbH tätig. Welche Themen behandeln Sie in Ihren Seminaren?
Bücken: Die UnternehmerTUM verfolgt einen integrierten Ansatz: Qualifizierung und Sensibilisierung für unternehmerische Chancen (p.a. 1.000 Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter der TU München) plus Erprobung von Geschäftsideen anhand von Modellen und Prototypen (40 Innovationsteams p.a.) plus Gründungsförderung (p.a. etwa 20).
Unsere Seminare sind praktisch orientiert. Welches Problem kann ich für Kunden lösen? Wie kommt man zu Ideen für die Problemlösung und wie macht man aus der besten eine unternehmerische Chance? Gibt es einen Markt dafür? Wie und was schreibt man in einen Businessplan? Wir ermuntern die Teilnehmer ihre Ideen prototypisch in unseren Werkstätten umzusetzen. Wir binden Präsentationstrainer, Business Angels, Unternehmer und Banker in unsere Lehrveranstaltungen mit ein. Im besten Fall haben wir unternehmerische Menschen "wachgeküßt".
förderland: Was wollen Sie Ihren Studenten mit auf den Weg geben?
Bücken: Jeder kann "es" schaffen! Was immer "es" bedeutet: zu gründen, einen Prototyp zu bauen, ein Geschäftskonzept zu erproben, an einem Wettbewerb teilzunehmen, ein Team zu formen, selbstständig und selbstbestimmt zu arbeiten. Die UnternehmerTUM ermuntert Gründer- und Unternehmertalente!
förderland: Kann man "Unternehmer sein" tatsächlich lernen?
Bücken: Eine schwierige Frage, die reichlich wissenschaftlich untersucht wurde. Meine Antwort dazu: Unternehmertum ist kein Gen. Es ist ein Prozess, somit erlernbar. Aber - man muss den nötigen Biss mitbringen und den Willen, sich beharrlich für seine "Idee" anzustrengen. Meine Erfahrung ist - die Begeisterung für die eigene "Idee" spornt enorm an. Oft genug ist es die Besessenheit, eine Idee umsetzen zu wollen, die die Menschen vorantreibt und damit fast automatisch zum Unternehmer werden lässt.
förderland: Welche Eigenschaften muss ein erfolgreicher Gründer mitbringen? Welchen Herausforderungen muss er sich stellen?
Bücken: Gründer wollen gestalten. Sie wollen ihre Vorstellungen verwirklichen. Ihre Ziele setzen sie sich selber. Kurz - sie sind autonom. Unternehmer zeichnen sich meist dadurch aus, dass sie in vielen Bereichen Talente besitzen und gleichzeitig nicht notwendigerweise in all diesen Bereichen die Besten sein müssen. Als Unternehmer muss man komplexe Situationen beherrschen und das geht eben am besten, wenn man multi-skilled ist. Eine riesige Herausforderung ist das Zusammenstellen des richtigen Teams für die Gründung.
förderland: Von der Geschäftsidee zum Businessplan - mit welchen Schwierigkeiten haben junge Gründer Ihrer Erfahrung nach am häufigsten zu kämpfen?
Bücken: Kurz gesagt - mit sich selbst! Wenn man gegründet hat, zählt die ursprüngliche Idee oder die technische Lösung nur noch wenig. Das Produkt scheint fertig. Man ist als Erfinder oder Gründer stolz auf seine Leistung. Man ist sich sicher, dass der Markt auf dieses Produkt gewartet hat.
Gerade technologisch orientierte Unternehmer unterschätzen den Marketingaufwand, der häufig über dem Entwicklungsaufwand liegt. Dabei kommt es gar nicht auf große Budgets an, sondern, dass man geschickt die Strömungen in seiner Branche erkennt und für sich nutzt. Man muss frühzeitig bereit sein, "raus" zu gehen, muss sich verständlich machen, die allerersten Nutzer oder Kunden finden, den Markt einschätzen, mit wenig Geld auskommen können, vom Feedback der Kunden lernen, Referenzen gewinnen, Netzwerke aufbauen, etc.
förderland: Warum schaffen es so wenige Ideen zur Innovation?
Bücken: Die Welt ist nicht arm an Ideen - erst die erfolgreiche Umsetzung einer Idee oder einer Erfindung "krönt" sie zur Innovation. Von Edison stammt die Erkenntnis, dass es 1 Prozent Inspiration, aber 99 Prozent Transpiration braucht, um zu einer Innovation zu kommen.
Vielen Menschen fällt es komischerweise schwer zu akzeptieren, dass es nicht reicht, mal kurz eine "nobelpresiverdächtige Idee" zu haben. Erstens benötigt man viele Ideen, um sich für die eine entscheiden zu können. Zweitens muss man bereit sein, seinen Prototypen an die Bedingungen anzupassen. Viele Menschen und Organisationen sind nicht bereit, sich auf diese unverhergesehenen Reaktionen von Kunden, Nutzern, Wettbewerbern, Teammitgliedern, Kapitalgebern einzulassen und ihre ursprünglich (geniale) Idee zu reflektieren und anzupassen. Gerade bei der Umsetzung ist Kreativität und Offenheit gefragt.
förderland: Was unterscheidet eine Geschäftsidee von einer unternehmerischen Chance?
Bücken: "Gute Geschäftsideen sind wie Londoner Busse. Der nächste kommt bestimmt", so R. Branson, der Gründer von VIRGIN. Geschäftsideen zu finden, ist nicht schwer, sondern zu wissen, ob sie gut sind. Beobachten sie die Menschen; hören Sie aufmerksam zu, wenn Kunden oder Mitarbeiter sagen "Das müsste man mal ändern, aber auf mich hört ja keiner..." oder "Der Fehler passiert hier immer wieder...".
Bei einer guten Geschäftsidee habe ich eine Lösung für ein Kundenproblem gefunden, für das es keine guten Alternativen gibt (must-have). Als Gründer muss ich zwei Fragen beantworten: bin ich bereit, Zeit und Geld zu investieren in diese Chance? Weiß ich, ob die Idee von Kunden erwünscht ist, sich rechnet, technisch machbar ist zum Gründerteam passt?
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Kommentare zu "Wenn man gegründet hat, zählt die urspr ...
Förderung der Gründungskultur
Schön, dass an den Universitäten die Förderung der Gründungskutlur endlich eine größere Rolle zu spielen scheint und das den Studenten das Wissen auch von Menschen vermittelt wird, die selbst schon Erfahrungen mit der Gründung eines Unternehmens gesammelt haben!