Kolumne von Oliver Bücken
Visualisierung des Geschäftsmodells
Alle Gründer reden vom Geschäftsmodell oder werden von Business Angels, Venture Capitalists und der Presse danach gefragt. "Womit verdient ihr Geld?", lautet die Frage und erklärt damit auch gleich, was ein Geschäftsmodell ist. Nämlich: Was ist das "Modell deines Geschäfts"? Geld verdienen bei Gründungen ist immer modellhaft, weil es eben noch keinen proof-of-market gibt. Das muss kein Nachteil sein, aber man sollte Investoren nicht nur das Geschäftsmodell im Businessplan beschreiben, sondern viel wichtiger, grafisch darstellen.
Der große Vorteil der Visualisierung liegt darin, dass man den Zusammenhang sofort kapiert. Also beim Geschäftsmodell: Was mache ich selber? Welche Wertschöpfung habe ich? Welches Rädchen bin ich in der Wertschöpfungskette? Wie ist der Fluss an Waren und Leistungen zum Kunden? Wofür zahlt der Kunde wann an wen?
Jeder, der einen Businessplan schreibt, weiß, dass dieser nicht in Stein gemeißelt ist. Er muss leben, Feedback verarbeiten und ständig angepasst werden an neue Erkenntnisse. Ein Businessplan ist eben auch ein Prototyp – er dient der Erprobung eines Geschäftskonzepts. Auch das Geschäftsmodell muss erprobt werden. Man muss damit spielen, es modellieren, besser gesagt: "konfigurieren". Es gibt dazu einen sehr lesenswerten Artikel "Die Innovation des Geschäftsmodells" von Müller-Stewens/Fontin, erschienen 2003 in der FAZ. In dem Original-Artikel fehlen allerdings zwei entscheidende Dinge, die für die Verständlichkeit vorteilhaft wären: Erstens werden bei den Konfigurationsmanövern keine Beispiele genannt und zweitens fehlt die Visualisierung. Ich habe übrigens diesen Artikel erst richtig verstanden, als ich die Visualisierungen der Konfigurationsmanöver Jahre später erhalten habe (im Original-Artikel fehlten sie aus Platzmangel!).
Ebenfalls sehr empfehlenswert für denjenigen, der sich für Geschäftsmodelle in der Web 2.0-Welt interessiert, ist der Artikel "Nach dem Rausch" in der aktuellen Brand eins (05/2008). Darin geht es um die Geschäftsfähigkeit sozialer Netze. Beschrieben wird ein kleines lokales Netz, das Geld verdient. Dieser lokale Nischenanbieter hat offensichtlich sehr genau beobachtet, welcher Nutzen sich monetarisieren lässt. Die großen sozialen Netze (StudiVZ, Facebook, Myspace etc.) müssen das noch beweisen; schwierig bei Nutzern, die rebellieren, wenn ihre Daten verkauft werden, und die keine personalisierte Werbung empfangen wollen. Von Click-through-Raten von deutlich unter einem halben (!) Prozentpünktchen und kellerartigen Tausender-Kontakt-Preisen von zwei Euro gar nicht zu reden.
Geschäftsmodelle sind faszinierend, weil es "Davids" mit einem intelligentem Geschäftsmodell schaffen, gegen "die Goliaths" bestehen zu können. DocMorris ermöglichte Kundeninformationen, wie sie keine stationäre Apotheke leisten konnte (Konfiguration: Neu konstruieren). Die Teekampagne schaltete einige Zwischenhandelsstufen aus und machte damit hochwertigen Darjeelingtee für Kunden attraktiver (Konfiguration: Komprimieren). MisterSpex, der neue Online-Brillenhändler, komprimiert ebenfalls das gängige Geschäftsmodell des stationären Augenoptikers.
Über den Autor
Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem "Zentrum für Innovation und Gründung"
anzeige
-
Berater-Netzwerk
Jetzt Mitglied werden im förderland Berater-Netzwerk.
mehr...
-
Private Krankenversicherung
Sparen Sie 2.400 EUR pro Jahr bei besserer Leistung.
mehr...
-
Sie suchen einen Steuerberater?
Jetzt kostenlos und unverbindlich.
mehr...
Beratungsförderung vom Staat
RSS Feed abonnieren
- Nachrichten Gründer, Start-ups, Investoren Feed abonnieren
- Aktuelle Veranstaltungen Feed abonnieren
- Aktuelle Fachbeiträge Feed abonnieren
Termine
Themen im förderland-Forum
Kolumnen & Serien
marktplatz
-
Vorlagen
Über 5000 professionelle Vorlagen
-
Franchise-Ideen
Franchise-Systeme im Vergleich.
-
Hochschulen in Deutschland
Adressen und Informationen
-
Gründungsberater in Ihrer Nähe
Finden Sie den besten Gründungsberater
-
förderland-Buchshop
Buchempfehlungen, Rezensionen
-
Software-Katalog
Branchensoftware, Standardsoftware
RSS
Twitter









Kommentare zu Visualisierung des Geschäftsmodells
Mr
Die Kolumne wäre sicherlich überzeugender, wenn hier ein Beispiel für eine Visualisierung wäre. Danke
Mister Spex
Ich war gerade auf der Seite von Mister Spex. Die Auswahl an Designerbrillen ist ja unglaublich. Da kann mein bisheriger Optikern icht mithalten.
RE:
Ich hatte eigentlich auch erwartet, in diesem Artikel ein Beispiel zu finden. Bzw. Links zu einer Visualisierung, ein PDF-Download wäre natürlich Optimal.