Kolumne von Oliver Bücken, UnternehmerTUM
Wie heterogen sollen Gründerteams sein?
"Was, ihr Team besteht nur aus Ingenieure? Das wird nicht gutgehen!" oder "Fünf BwL´er? – diese boy group wird keine Chance haben". Es ist fast schon ein Glaubenssatz, der gepredigt wird: Gründerteams müssen heterogen aufgestellt sein, um erfolgreich sein zu können. Warum? Die gängige Argumentation ist, dass man Schwächen im Team kompensieren kann und spezifische Stärken zusammenbringt. Alles gut und richtig. Aber gibt es auch ein Rezept für die richtige Mischung in den Teams? Kann man die Frage, wie wichtig die Heterogenität für den Erfolg von Gründungen sind auch empirisch belegen?
Bettina Mueller vom ZEW hat die Frage „Does interdisciplinarity lead to higher employment growth of academic spinoffs?“ versucht an Hand von realen Datensätzen zu prüfen. Das Messkriterium war Beschäftigungswachstum und bezog sich immer auf "akademische Spin-offs". Im Ergebnis der Untersuchung haben Teams tatsächlich ein höheres Beschäftigungswachstum als Einzelgründungen! Und – Teamgründungen von Ingenieuren sind erfolgreicher, wenn sie einen Wirtschaftswissenschaftler im Team haben. So weit deckt sich das mit unseren Erwartungen.
Ein weiteres Ergebnis war, dass "Heterogenität hinsichtlich der studierten Fächer an sich und hinsichtlich der akademischen Herkunft der Gründer … keinen Einfluss auf das Beschäftigungswachstum von akademischen Spin-offs" hat. Wow! "Interdisziplinarität scheint also kein bedeutender Erfolgsfaktor für neue Unternehmen zu sein."
Ich sehe es ähnlich. Die wichtigsten Eigenschaften großartiger Teams sind für mich die Kompetenz, die Leidenschaft und das Commitment. Abschlüsse oder die Berufserfahrung spielen keine Rolle. Man muss nur viele, viele Gelegenheiten nutzen, um Mitgründer kenenzulerenen. Also, liebe Ingenieure, sucht nicht nur mit Scheuklappen nach Wirtschaftswissenschaftlern. Viel wichtiger ist es, kompetente, engagierte und leidenschaftliche Leute zu finden und mit ihnen an der Geschäftsidee zu arbeiten.
Neben dem Finden von den richtigen Personen geht es aber auch darum, die ungeeigneten Personen abzuschrecken. Nichts ist schlimmer, als die falschen Leute an Bord zu haben. Die treiben die Guten in die Beiboote und sind schneller außer Sicht als sie denken können.
Über den Autor
Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem "Zentrum für Innovation und Gründung".
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Kommentare zu Wie heterogen sollen Gründerteams sein?
Gleiches Studienfach =/= Gleiche Kompetenzen
Ein wirklich interessantes Ergebnis. Aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass auch bei drei BWL'ern die Kompetenzen und das Wissen definitiv nicht Deckungsgleich sein müssen und man sich auch in diesen Bereichen wunderbar ergänzen kann um eine gute Mischung für das Gründerteam zu haben.
jij
Hallo Herr Bücken,
wie und wo findet man denn Mitgründer? Haben Sie gute Tipps?
Viele Grüße
Wie und wo Gründer zu finden sind
Hallo Philip,
schau doch mal bei meiner Kolumne vom 19 oder 20. Mai 2009 "Gründer-Matching" vorbei. Dort findest du Anhaltspunkte.
beste Grüße
Oliver Bücken