Insider reden Klartext
Beim "Coach und Kapital Forum" können Gründer ihre Unternehmen einem Fachpublikum präsentieren und hinterher mit erfahrenen Coaches analysieren und weiterentwickeln. Darüber hinaus geben Referenten nützliche Einblicke in Gründer-relevante Themen wie Rating, Venture Capital oder Kredite.
Wie wichtig die Wahl eines passenden Unternehmensnamens ist, zeigt sich gleich beim ersten Vortrag. Katharina Kupka will die erste Joghurt-Gastronomie-Kette in Deutschland aufmachen und nannte ihre Firma YOHCY (gesprochen: "Johtzi"). Es fiel den Beteiligten schwer, sich an dieses Kunstwort zu gewöhnen. Der Name kursierte während der Veranstaltung in drei Varianten. Dieser Punkt dürfte sich nur mit einigem Marketing-Aufwand ausräumen lassen. Eine detaillierte Übersicht über alle Pitch-Teilnehmer und die Referenten finden Sie in der Bildergalerie.
Einen der interessantesten Fachvorträge hielt Waldemar Jantz von Target Partners – ein Unternehmen, das Gründer und Start-ups mit Venture Capital unterstützt und sie während der Gründung begleitet. Er lieferte interessante Einblicke in die Denke von Venture-Capital-Gebern. "Versuchen Sie Investoren für Ihr Unternehmen zu gewinnen, die in unterschiedlichen Bereichen die meiste Erfahrung haben", lautete einer seiner Tipps. "Nicht immer ist das höchste Angebot auch das beste. Informieren Sie sich vorher über Ihre Investoren!“ riet er den aufmerksam lauschenden Gründern und Start-up-Unternehmern im Publikum. Grundsätzlich gilt Deutschland für Jantz immer noch als "unterentwickeltes Venture-Capital-Land. Das tut weh." Im Vergleich zu den USA sei die Schere in den letzten Jahren eher noch größer geworden. Die Situation habe jedoch auch ihren Vorteil: Deutsche Unternehmen würden normalerweise niedrig bewertet. Dadurch sei ein Verkauf mit viel höherer Rendite möglich, weil sich der Verkaufspreis nach internationalen Kriterien bemesse. "Der Exit-Kanal sieht gut aus", stellte Jantz fest. Zum Schluss gab er den Zuhörern noch einen Tipp für die Zusammenarbeit mit VC-Gebern: "Die Unternehmer müssen bereit sein, mit uns Strukturen zu bauen." Das bedeute, dass ein unerfahrener Geschäftsführer durch einen starken CEO unterstützt wird. Auch mit Zahlen sparte Jantz nicht: "Für Unternehmen mit 5 bis 10 Millionen Euro Umsatz schaut ein Venture Capitalist nicht mal in seine E-Mails."
Daniel Steinmetz von der Commerzbank lieferte interessante Informationen über den Ablauf des Rating-Prozesses von jungen Unternehmen in den Banken. Er ging kurz auf die veränderten Eigenkapitalvorschriften durch Basel 2 ein, die eine bonitätsabhängige Eigenkapitalbindung vorsehe. "Der Trend zu marktgerechten, am individuellen Ausfallrisiko orientierten Konditionen ist unumkehrbar", machte Steinmetz deutlich. Einen der wichtigsten Punkte bei der Zusammenarbeit mit der Bank fügte er am Schluss hinzu. "Eine offene Kommunikation gehört zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren." Überziehe man das Konto, ohne dies vorher mit dem zuständigen Berater abgesprochen zu haben, habe dies sicherlich Einfluss auf künftige Kreditvergaben, so Steinmetz.
Nach dem Vortrag von Christine Beck (LfA Förderbank Bayern) rief MBPW-Geschäftsführer Werner Arndt: "Jetzt hat man doch richtig Lust aufs Gründen bekommen!" Und er hatte absolut recht. Beck erläuterte, wie Gründer staatliche Finanzierungshilfen von LfA und KfW erhalten. Darüber hinaus gab sie wertvolle Tipps, wie man die Hilfen der beiden Banken sinnvoll miteinander kombiniert: "Die LfA fördert ausschließlich Sachmittel wie Maschinen. Bei der KfW werden darüber hinaus auch Betriebsmittel wie Löhne gefördert." Um überhaupt einen Kredit zu erhalten, braucht man eine positive Risikoeinschätzung. Da bei Gründungen meist noch keine Bilanzen vorlägen, werde vor allem nach drei Kriterien entschieden: "Persönlichkeit, Branche und Nische." Die Prüfung des Kreditantrags geht übrigens sehr schnell: "Eine Zusage erhalten Sie meist schon nach sechs bis sieben Arbeitstagen", so Beck.
Einblicke in einen der wohl am meisten unterschätzten Bereiche lieferte Guntram von Nordeck von der Firma Hesse von Nordeck. Ein Unternehmer ist gleichzeitig auch Führungskraft, aber dazu muss er auch führen können. "Gerade junge Unternehmer meinen: `Ich muss alles selbst machen’", wies von Nordeck auf einen der häufigsten Fehler hin. Seine Schlussfolgerung: Unternehmer müssten "Führung systematisieren". Den Vorgang des Führens teilte er in alle Kürze in vier Bereiche ein: "1. Lagebesprechung, 2. Beurteilung der Lage und Entschluss, 3. Planung und Durchführung von Maßnahmen und Projekten, 4. Kontrolle." Besonders der letzte Punkt wird nach von Nordecks Erfahrung sehr ungern ausgeführt, weil viele Menschen Angst hätten, sich damit unbeliebt zu machen. Doch Kontrolle gehöre unbedingt zum Führungsvorgang dazu.
Nach dem Ende der Fachvorträge nahmen dann sämtliche Teilnehmer den Mund besonders voll und widmeten sich dem Buffet. Dabei stand ausführliches Networken im Vordergrund. Dies wurde den anwesenden Gründern erleichtert, indem sämtliche Coaches gut sichtbar mit einem blauen Halsband gekennzeichnet waren. Außerdem hatten die Referenten und einige weitere Kontaktpersonen aus der Branche Stände aufgebaut, an denen man sich zwischen Weingummi und Mini-Schokolade zwanglos unterhalten konnte.
förderland meint: Diese Veranstaltung des MBPW ist eine tolle Möglichkeit für alle Gründer, viele renommierte Experten sehr einfach kennenzulernen. Man merkt, wie stark den Machern die Gründer mit ihren Ideen am Herzen liegen. Auf eine Fragerunde nach den Präsentationen wird verzichtet. Die Analyse erfolgt in persönlichen Gesprächen mit den Coaches. Das ist Netzwerken pur!
© 2008 förderland
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