Kolumne von Oliver Bücken
Gründer-Matching
Junge Menschen mit Geschäftsideen fragen sich immer wieder, wie sie gründen können und zwar möglichst nicht allein, sondern in einem Team.
Wie findet man seine Mit-Gründer?
Viele versuchen es mit Freunden, weil man sie am besten einschätzen kann. Man kennt die Stärken und auch die unausgesprochenen Schwächen. So weiß man ziemlich gut, auf was man sich einlässt. Bis auf einen wichtigen Punkt: Geld. Weil Freundschaften selten etwas mit Geld zu tun haben, fehlen den Freunden die zusammen gründen wollen hierzu die Erfahrungen. Anders ausgedrückt: Pulver und Zündschnur liegen zu dicht beieinander.
Wie erweitert man nun sein Partnernetzwerk, ohne seine Freundschaften gleich aufs Spiel zu setzen? Wie findet man qualifizierte Kontakte, also potentielle Gründer? Es ist wie beim Vertrieb – man muss sich überlegen, wo sich die Zielgruppe "potentielle Gründer" tummelt. Das fällt leicht angesichts vieler „user-generated“ Netzwerke - Interessen, Daten und Kontakte sind dort (z.B. bei XING) offengelegt.
Außer in Onlinenetzwerken lernt man relativ leicht "Gleichgesinnte"- also unternehmerische Menschen - auf Seedcamps, Businessplanseminaren an Unis, Messen, Entrepreneurship Nights etc. kennen. Dennoch fällt eines immer noch schwer: wie stelle ich fest, ob der neue qualifizierte Kontakt der Richtige ist, mit dem ich später Gründen kann?
Diese Frage aller Fragen, lässt sich meines Erachtens nur über konkrete Projekte und gemeinsame Arbeitserfahrung machen.
Meine Empfehlung lautet, frühzeitig an Orten zu arbeiten, um eben diese Arbeitserfahrungen mit potentiell Gleichgesinnten zu machen. Dazu zählen definitiv Praktika bei Start-up's. Ich würde junge Start-up's suchen in der Branche, in der ich auch gründen will. Ich würde dort versuchen, ein Praktikum zu machen. Die Wahrscheinlichkeit, auf engstem Raum mit einigen anderen Praktikanten zu arbeiten, die ebenfalls dort sind, um für eine eigene Gründung später zu lernen ist sehr groß. Auf so enger Tuchfühlung unter realen Bedingungen mit anderen potentiell Gründungswilligen zu arbeiten ist lehrreicher als manche Trockenübung. Man arbeitet auf so engem Raum, dass man als Praktikant viel mehr von unternehmerischen Entscheidungen, Führung und Teamentwicklung mitbekommt, als bei "normalen" Praktika bei etablierten Unternehmen.
Freundschaften, Netzwerkveranstaltungen, gemeinsame Arbeitserfahrungen und Praktika sind für mich probate Mittel, um potentielle Mitgründer kennenzulernen und an der Hand zu haben, wenn man eine Geschäftsidee tatsächlich umsetzen will. Die Stabilität und der Zusammenhalt eines Gründerteams speist sich mehr aus gegenseitigem Vertrauen als aus der Qualität der Geschäftsidee. Was sind Ihre Erfahrungen?
Über den Autor
Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem "Zentrum für Innovation und Gründung"
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