Kolumne von Werner Arndt - Von Anteils-Poker bis Ausverkauf
28.10.09 08:30
Kolumne von Werner Arndt

Von Anteils-Poker bis Ausverkauf

Wer sich selbständig macht, ist sein eigener Herr? Nicht ganz, meistens bleibt ein Unternehmen nicht allzu lange ausschließlich in der Hand des Gründers oder Gründerteams. Meiner Erfahrung nach trennen Gründer dabei teils zu leichtfertig, teils zu widerstrebend von ihren Anteilen.

Werner Arndt ist Geschäftsführer der MBPW GMbH.
Werner Arndt ist Geschäftsführer der MBPW GMbH.

Anteils-Poker mit Kapitalgebern

Allerdings gibt es auch unter erfahrenen Unternehmern und Investoren geteilte Meinungen, was das richtige Anteils-Verhältnis für Gründer ist. "Richtig" hat dabei mehrere Komponenten – es geht um die Entwicklungschancen des Unternehmens, Geld, aber auch was sich "richtig" anfühlt für die Gründer. Klar ist, dass Gründer mit einem Bedarf an externem Eigenkapital nicht um die Vergabe von Anteilen herumkommen. Da sitzen die Investoren eben am längeren Hebel, und nachdem Venture Capital & Co nicht ganz einfach zu bekommen sind, sollte die Schmerzgrenze für Gründer gegenüber den Anteilsforderungen der Kapitalgeber nicht so niedrig sein – das ist eine Meinung. In dieselbe Richtung, aber positiver für Gründer geht dieses bekannte Rechenbeispiel: Lieber fünf Prozent an McDonald’s als 51 Prozent an der Würstchenbude vorm Bahnhof!

Aber warum sollte man dann überhaupt sein eigenes Unternehmen gründen? Wenn ein Gründerteam wirklich Leistung bringen soll, dann müssen sich die Mitglieder auch als Unternehmer fühlen können und dafür ist die Mehrheit an den Anteilen notwendig, - diese Meinung gibt es auch unter Investoren. Welcher Weg ist also der Richtige? Letztendlich gäbe es ohne die Geschäftsidee der Gründer kein Unternehmen – und ohne das externe Eigenkapital oft keine Realisierungs- oder Wachstumschancen. Da heißt es wie so oft mal wieder Abwägen und Diskutieren im Gründerteam, was wichtiger ist, persönlich und für das Unternehmen: Selbstbestimmung oder große Wachstumschancen. Wenn das geklärt ist, können sich Gründer meiner Meinung nach in die Verhandlungen mit den Damen und Herren "am längeren Hebel" und "McInvestoren" stürzen.

Ausverkauf im Team

So vorsichtig die meisten Gründer bei der Anteils-Frage im Gespräch mit Kapitalgebern sind, so sehr wundert mich manchmal das Vorgehen bei der Mitarbeitersuche. Wenn Fachkräfte – meistens im Bereich IT und BWL – gesucht werden, aber noch kein Geld für die Gehälter da ist, werden die neuen Mitarbeiter oft kurzerhand mit Unternehmensanteilen "bezahlt" und somit ins Team geholt. Oft wird dabei über die Anteilsverteilung im Team gar nicht diskutiert und die neuen Teamkollegen steigen stillschweigend auf Augenhöhe mit den ursprünglichen Gründern ein, die ihre eigene Vorleistung, die Entwicklung der Idee etc. in diesem Fall ganz offensichtlich unter Wert verkaufen.

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Kommentare zu Von Anteils-Poker bis Ausverkauf

Ausverkauf im Team

Das passt sehr gut zu dem Satz, den ich vor einiger Zeit gehört habe:
"Überlegt Euch: welcher Gründer ist wirklich notwendig. Wer hat die Fähigkeiten und die Erfahrung, die Ihr benötigt. Wenn Ihr ihn nur wollt, weil er spezielles fachliches Know-How hat, kauft es lieber ein."

http://bizzit.de/?p=66

Diese Nachricht wurde von Fabian Crabus am 28.10.09 (10:20:41) kommentiert.
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